Neuer Trainer, altes Muster – ist Uwe Rösler wirklich die Lösung für den VfL Bochum?

Das Ruhrstadion in Bochum. Foto: Roland W. Waniek

Der VfL Bochum hat sich entschieden: Uwe Rösler übernimmt ab Montag das Traineramt beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick nach Erfahrung und Seriosität klingt – schließlich hat Rösler sowohl in Deutschland als auch international gearbeitet, kennt die 2. Bundesliga und gilt als akribischer Arbeiter. Doch bei genauerem Hinsehen drängt sich die Frage auf: Ist Rösler tatsächlich die richtige Wahl? Oder hätte man dann auch gleich beim erfahrenen Dieter Hecking, dem ähnliche Attribute zugeschrieben werden, bleiben können?

Die Bochumer Verantwortlichen hatten bereits früh in der Saison die Reißleine gezogen und sich von Hecking getrennt. Mit nur drei Punkten aus fünf Spielen schien der Verein in Schockstarre verfallen zu sein. Gleichzeitig trennte man sich auch vom Sportgeschäftsführer – ein doppelter Schnitt, der Struktur schaffen sollte. Doch was hat es gebracht? Interimstrainer David Siebers, ein Hoffnungsträger aus der U19, bekam eine Chance, konnte die Trendwende aber nicht einleiten. Ihm nun für seine Arbeit zu danken, ist das Mindeste – doch die Verantwortung, ihn ins kalte Wasser zu werfen, liegt nicht bei ihm, sondern beim Klub.

Und nun also Rösler. Einer, der in Düsseldorf den Bundesliga-Abstieg nicht verhindern konnte und danach mit einem ordentlichen, aber nicht überragenden Zweitliga-Ergebnis (Platz 5) verabschiedet wurde. Einer, der zuletzt drei Jahre in Dänemark solide, aber ohne echte Highlights arbeitete. Ist das wirklich der Mann, der den VfL aus dem Tabellenkeller führt? Oder ist es vielmehr der Versuch, mit einem großen Namen Ruhe zu verkaufen?

Gerade im Vergleich zu Hecking wirkt die Entscheidung inkonsequent. Beide Trainer bringen reichlich Erfahrung mit, beide stehen für solide Arbeit, aber nicht für spektakuläre Trendwenden. Der Unterschied: Hecking war bereits da – und man hat ihn nach wenigen Spielen mit einem nach dem Abstieg über den Sommer völlig neu formierten Kader entlassen. Nun holt man mit Rösler eine Art „zweiten Hecking“. Der große Kurswechsel, den die Vereinsführung proklamiert, bleibt aus.

Natürlich hat Rösler Qualitäten. Er gilt als akribisch, als klar in seinen Entscheidungen, als jemand, der eine Mannschaft stabilisieren kann. Aber genau das hätte man auch von Hecking erwarten dürfen, wenn man ihm mehr Zeit eingeräumt hätte. Stattdessen verschenkte der VfL erst Kontinuität, dann drei Spiele mit einem überforderten Nachwuchstrainer – und setzt jetzt auf einen Mann, der auf dem Papier kaum mehr verspricht als sein Vorgänger.

Die Frage, die bleibt: Hat Bochum wirklich einen Trainerwechsel gebraucht, oder hätte der Klub besser daran getan, Hecking die Chance zu geben, sein Konzept langfristig umzusetzen? Mit Rösler kommt nun  abermals ein Coach mit Erfahrung und einem Image als ehrlicher Arbeiter – aber eben auch die Gefahr, dass man in ein paar Monaten vor derselben Diskussion steht.

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