
Noch vor zwei Jahren sorgten die Identitären im Ruhrgebiet für Aufsehen. Heute ist von den Hipster-Rechten nicht mehr viel zu sehen. Auch ein Erfolg der Arbeit antifaschistischer Gruppen.
2013 war das Jahr, in dem die Identitären sich zum ersten Mal im Ruhrgebiet bemerkbar machten. An Autobahnbrücken war ihr Logo zu sehen, bei den Protesten gegen die Schließung des Opel-Werks in Bochum mischten sie sich unter die Demonstranten, es gab Kontakte zur Burschenschaft VDSt-Breslau zu Bochum, die in einem heruntergekommenen Haus am Rand der Innenstadt residiert und zur damals frisch gegründeten AfD.
Für rechte Gruppen wuchsen in dieser Zeit im Ruhrgebiet: Die Nazi-Partei „Die Rechte“ schaffte es 2014 in den Dortmunder Rat, die AfD zog im selben Jahr überall wo sie antrat in die Rathäuser ein und auch die Identitären erhielten Zulauf: Innerhalb weniger Jahre bildeten sich in ganz NRW zahlreiche Stammtische der Identitären. Zur Jahreswende 2017/2018 traf man sich regelmäßig in Paderborn, Bielefeld, Aachen, Düsseldorf, Münster, Dortmund, Bochum, Duisburg und Essen, Köln, Bonn sowie im Bergischen Land.
„2017“, sagt Tom*, der an der Dokumentation „Identitäre in Bochum“ mitgearbeitet hat, „war das Jahr, in dem die Identitären im Ruhrgebiet am aktivsten waren.“ Neue Gruppen entstanden in ganz NRW und sie suchten die Öffentlichkeit: An der Ruhr-Uni warben die Identitären um Studenten, eine Party linker Hochschulgruppen wurde gestört, ein Plakat vor das DGB-Gewerkschaftshaus gehängt und zahlreiche Aufkleber rund um das Ver.di-Haus zwischen Uni und Innenstadt geklebt.
In einem Club im Kneipenviertel Bermudadreick suchten Identitäre die Auseinandersetzung mit den Gästen und flogen raus. Später wurde einer von ihnen von Unbekannten nahe dem Hauptbahnhof zusammengeschlagen, was dann sowohl die Junge Alternative (JA) als auch Identitären zur Opferwerbung nutzen, denn der Betroffene war wohl in beiden Organisationen aktiv, obwohl die JA offiziell Distanz zu den Identitären wahrt.






