Ruhrtriennale: „Der Fehler war, die Young Fathers überhaupt einzuladen“

Young Fathers Foto: Ash link Lizenz: CC BY 3.0

In den vergangenen Tagen hatte Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp auf Anfragen der
Medien nicht reagiert. Heute Nachmittag brach Carp ihr Schweigen und gab dem Deutschlandfunk ein Interview. Carp sagte, die Einladung der Young Fathers hätte sie ursprünglich keine große Bedeutung beigemessen, sie sei im Rahmen des gesamten Programms der Ruhrtriennale auch kein allzu bedeutender Teil gewesen. Dann hätte eine Aktivistin eine Kampagne losgetreten. Sie habe versucht mit der Band zu sprechen, was allerdings untersagt wurde – Kontakt habe es nur mit dem Management der Young Fathers gegeben. Von denen sei dann der Vorschlag gekommen, dass sie nicht auftreten, man das aber wegen der Fans als „gecancelt“ bezeichnen solle – einen Tag später hätten die Young Fathers sich dann als Opfer inszeniert. Sie selbst würde „Wahrscheinlich an keiner BDS-Veranstaltung teilnehmen“.  Man würde ja damit auch die vielen Israelis bestrafen, die gegen die Besatzungspolitik seien. Carp sagte, dass es ein Fehler gewesen sei, die Young Fathers überhaupt einzuladen und dass es solche Fehler in Zukunft nicht mehr geben solle.  Wenn sich Carp politisch äusserte, war es so wirr, wie man es von einer ehemaligen Trotzkistin erwartet. Fun Fact für die Kenner längst verstorbener K-Gruppen: Carp beschwerte sich über „Spaltereien“.

Interview von Stefanie Carp

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Kein Wunder, dass viele Deutsche der DFB-Elf ein frühes Scheitern bei der WM wünschen!

Foto: Robin Patzwaldt

Toni Kroos gab sich Minuten nach seinem 2:1-Freistoßtreffer in der fünften Minute der Nachspielzeit für die DFB-Elf gegen Schweden überraschend angefressen. Statt sich ausgelassen über den glücklichen Sieg zu freuen, der der Deutschen Elf die Chance auf eine Achtelfinalteilnahme bei der Fußball-WM 2018 in Russland auf den letzten Drücker erhalten hat, widmete er sich lieber in ungewohnter Schärfe den Kritiker der eigenen Mannschaft.

Diesen warf er vor, dass sich zuletzt wohl sehr viele in der Heimat darüber gefreut hätten, wenn die Löw-Truppe erstmals sein Menschengedenken in der Vorrunde frühzeitig aus dem Turnier ausgeschieden wäre. Doch ganz so leicht wollte man es diesen aus Sicht der Mannschaft eben nicht machen, wie der Profi von Real Madrid mit geschwollenen Halsadern trotzig in die Mikrofone der versammelten Journalisten diktierte.

Logisch, da sprach in der ersten Erregung nach dem Schlusspfiff noch sehr viel Adrenalin mit. So ein Last-Minute-Siegtreffer der setzt halt zwangsläufig viele Emotionen frei. Dass da nicht jedes Wort vorher auf die diplomatische Goldwaage gelegt wird, das sollte klar sein. Und doch geben die Aussagen von Kroos selbst mit einigem Zeitabstand einigen Grund zu berechtigten Diskussionen.

Denn tatsächlich kann man in den letzten Wochen ja viele kritische Stimmen in Richtung der DFB-Elf wahrnehmen. Sogenannte Experten, Mainstream-Medien aber auch ungewohnt viele ganz ’normale‘ Fußballfans haben aus sehr unterschiedlichen Gründen aktuell offenbar besonders viele Gründe überaus kritisch in Richtung der eigenen Nationalmannschaft zu blicken.

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Ruhrtriennale: Carp und wie wir die Welt sehen

 

Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp Foto: Edi Szekely/Ruhrtriennale 2018

Dass eine Band, die sich als BDS-Band erweist, ins Programm rutschen kann, hätte auch uns passieren können: Die Frage ist, wie private und staatliche Veranstalter –  mit der Christuskirche Bochum zählen wir zu den privaten, wir finanzieren uns am Markt  –  damit umgehen, wenn es passiert. Die Ruhrtriennale hat dafür jetzt eine beispielhafte Funktion, sie wird ein Maßstab sein für alle Veranstalter in NRW. Von Anfang an stand zu hoffen, es werde sich als Glücksfall erweisen, dass es die RT erwischt hat. Ein Plädoyer, von der res publica her zu denken, der öffentlichen Sache von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Im Dezember letzten Jahres hat die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen  –  wie andere im Lande auch  –  ihren Mitglieder geraten, keine Kippa mehr in der Öffentlichkeit zu tragen.

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AKP und AfD: Der Rechtsradikalismus hat sich im Ruhrgebiet verfestigt

Recep Tayyip Erdogan Foto: Glenn Fawcett Lizenz: Gemeinfrei

Ob AKP oder AfD – das Ruhrgebiet ist eine Hochburg der rechtsradikalen Parteien, vor allem in den ehemaligen Arbeiterquartieren haben die Rechten längst ihre Hochburgen und die Wahlergebnisse, das hat die Zustimmung zu Erdogan von über 75 Prozent gestern gezeigt,  sind keine Ausrutscher mehr.

Im großen Teilen des Ruhrgebiet hat das autoritäre und chauvinistische Denken mit der AKP und der AfD neue politische Angebote gefunden, die es annimmt. Das es neu ist, wäre ein Lüge: Die SPD hat aufgehört, diese Klientel zu bedienen, die Gewerkschaften haben ihre politische Bindungskraft längst verloren. Jahrzehnte von Misswirtschaft, wirtschaftlichem Abstieg und in

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Der Ruhrpilot

Türken feuern Erdogans Sieg am Borsigplatz in Dortmund Foto: Screenshot Video von S. Weiermann


Ruhrgebiet: 
Tausende Türken feiern Erdogans Wahlsieg auf den Straßen…WAZ
Türkeiwahl: Der türkische Staat wird von nun an ein anderer sein…Welt
Türkeiwahl: In der Türkei zeichnet sich massiver Konflikt ab…FAZ
Türkeiwahl: „Das war nur die Imitation einer Wahl“…FAZ
NRW: Mehr Asylzuwanderer als in ganz Italien…Welt
Debatte: An der Migrationsfrage droht der europäische Traum zu scheitern…Welt
Debatte: Das düstere Fazit des NSU-Prozesses…NZZ
Debatte: Nach der Kernschmelze die Sintflut…FAZ
Debatte: „Warum wir eine neue Sammlungsbewegung brauchen“…Welt
Debatte: Haft macht altersarm…FAZ
Ruhrgebiet: Punktsieg für Populisten – Skandal um Ruhrtriennale…NOZ
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Bochum: Tag der Architektur zeigt Modernes und Modernisiertes…WAZ
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Duisburg: Rock und Folk im Industriepark…RP Online
Duisburg: Land prüft Hafen-Privatisierung…WAZ
Essen: Shisha-Bars sind ein schwelendes Dauerproblem…WAZ

Türkei-Wahl: Ruhrgebiet erneut Erdogan Hochburg


Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele rechtsradikale türkische Wähler wie im Ruhrgebiet. Unter den ausgezählten Stimmen der Türken in Deutschland erzielte Erdogan in Essen 76,9 und in Düsseldorf, wo auch Türken aus dem westlichen Ruhrgebiet wie Duisburg ihre Stimme abgaben, 71,3 Prozent. Auch bundesweit Schnitt Erdogan mit 65,1 Prozent deutlich besser ab als in der Türkei, wo er bislang 53,3 Prozent der Stimmen erhielt. Unklar ist noch, wie stark Wahlfälschungen und Manipulationen das Ergebnis beeinflussten. Schon bei der Abstimmung über die Verfassungsänderung in der Türkei im vergangenen Jahr erhielt Erdogan im Ruhrgebiet die meisten Stimmen. Neben einer AfD-Hochburg ist das Revier auch eine AKP-Hochburg.

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Das Ballett im Revier lädt zur Jam Session IX

Francesca Berruto und Sara Zinna in „La Berezina“ von Valentin Juteau am Musiktheater im Revier (Foto: Harry Simmons)

Am 23.6. versuchte sich das Ballett im Revier mit seinem Programm „Jam Session IX“ gegen das zweite Deutschlandspiel bei der WM zu behaupten. Kein leichtes Unterfangen und das kleine Haus des Musiktheater im Revier war dann auch nur knapp zur Hälfte besetzt, als Mitglieder des Ensembles ihre eigenen Choreographien präsentierte. Die Zuschauer wurden mit einem unterhaltsamen wie überraschenden Programm belohnt und das bei freiem Eintritt – nach der Vorstellung konnte jeder so viel spenden, wie ihm der Abend wert war und er fähig zu zahlen ist. Die Niederschwelligkeit des Angebotes ist daher ideal, das Ensemble, das Haus und vielleicht das Ballet an sich kennenzulernen.

Die Ballettmeisterin und Folkwangdozentin Lynne Charles machte mit ihrer Choreographie „The Barre“ den Auftakt und zeigte eine Arbeit, die sich mit dem Beginn allen Balletttrainings

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