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Ruhrtriennale: Konzert der Young Fathers findet nicht statt

Young Fathers Foto: Ash link Lizenz: CC BY 3.0

Das im Rahmen der Ruhrtriennale für den 18. August angekündigte Konzert der Young Fathers in der Turbinenhalle Bochum findet nicht statt. Dieser Entscheidung vorausgegangen war eine Aufforderung der Ruhrtriennale an die Band, sich von der Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) zu distanzieren. Die Band war nicht bereit einer Aufforderung der Ruhrtriennale-Leitung nachzukommen, und sich von der antisemitischen BDS-Kampagne zu distanzieren. Die Band unterstützte in der Vergangenheit mehrfach die  BDS Kampagne. Deren Ziel ist es, Israel wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich zu isolieren. Im vergangenen Jahr sagten die Young Fathers einen Auftritt auf dem Berliner Pop-Festival ab, weil die israelische Botschaft zu dessen Sponsoren gehörte. Mit einem Reisekostenzuschuss von 500 Euro unterstütze sie den Auftritt israelischer Musiker. Die Young Fathers gehörten auch zu den Gruppen, die Radiohead  bedrängten, nicht in Israel aufzutreten. Doch die Band um  Sänger Thom Yorke ließ sich nicht beirren und spielte 2017 in Tel Aviv.

Obwohl den  Young Fathers die Unterstützung einer antisemitischen Kampagne wichtiger ist als der Auftritt bei einem der großen Kulturfestivals Nordrhein-Westfalens, fällt die Reaktion von Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp zurückhaltend aus: „Bedauerlicherweise haben sich die Young Fathers nicht von BDS distanziert. Wir schlussfolgern daraus ausdrücklich nicht, dass die Band antisemitisch sei und es ist mir in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass Kritik an der Politik der derzeitigen israelischen Regierung nicht per se mit Antisemitismus gleichzusetzen ist. Die Ruhrtriennale distanziert sich hingegen in aller Form von der BDS-Bewegung und möchte mit der Kampagne in keinerlei Verbindung stehen. Deshalb haben wir entschieden, das Konzert ausfallen zu lassen. Wir bedauern das außerordentlich, weil die Young Fathers einen wichtigen Akzent im Programm der Ruhrtriennale gesetzt hätten.“

Nachdem die Ruhrbarone berichteten, dass eine Band die bei der Ruhrtriennale auftreten soll sich an einer antisemitischen Kampagne beteiligt, setzten die Veranstalter Anfangs darauf, das Problem abzuwiegeln. In einer ersten Reaktion stellte sich das Festival hinter die Young Fathers:

Die jüdische Aktivisten Malca Goldstein-Wolf, gegen die auf  seinem Konzert in Köln auch der BDS-Aktivist und Musiker Roger Waters hetzte, wandte sich daraufhin mit einem offenen Brief an die Politik. Erst nachdem aus Kreisen der Landesregierung und des Landtags NRW nach Informationen dieses Blogs der  Ruhtriennale-Leitung deutlich gemacht wurde, dass man den Auftritt einer BDS-Band bei einem mit Landesgeldern finanzierten Festival als höchstproblematisch ansieht, änderte die Ruhrtriennale ihre Haltung. Nun wurden die Young Fathers aufgefordert, sich von der BDS-Kampagne zu distanzieren:

Dem ist die Band nicht nachgekommen.

Die Ruhrtriennale teilt mit, das bereits erworbene Karten  von der Ruhrtriennale rückerstattet werden.  Die Karten können an den Vorverkaufsstellen, an denen sie erworben wurden, zurückgegeben werden.

RuhrBarone-Logo

9 Kommentare zu “Ruhrtriennale: Konzert der Young Fathers findet nicht statt

  • #1
  • #2
    yohak

    Ich halte die Position der Ruhrtrienalle für äußerst fragwürdig. Normalerweise sollten die politischen Meinungen von Künstlern kein Kriterium sein, nach dem ein- oder ausgeladen wird, solche Entscheidungen sollten sich an der künstlerischen Qualität orientieren. Nur bei sehr extremen Ansichten sollte man da eine Ausnahme machen. Daß man im Land, in dem der Holocaust stattgefunden hat, nicht Antisemiten eine Bühne geben sollte, ist eine solche Ausnahme. Daher: Young Fathers auszuladen ist richtig, aber nur deshalb, weil es sich – anders als von Frau Carp behauptet – eben doch um Antisemiten handelt. Wären sie keine Antisemiten, gäbe es auch keine Grund für die Ausladung.

  • #3
    Thorsten Stumm

    Die Young Fathers sind nicht bereit sich von "BDS und Antisemitismus und Rassismus" zu distanzieren….sind aber laut Frau Carp keine Antisemiten……oh man…..linksliberale Gedankenakrobatik…..

  • #4
    nussknacker56

    Eine Stellungnahme, wie sie unpolitischer, opportunistischer und peinlicher nicht sein kann. Wenn diese Band nicht antisemitisch ist, stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch solche gibt (schließlich ist Hitler doch schon seit längerem verblichen). Selbst im Abgang wird der Ausfall des Auftrittes von YF bedauert – und das, obwohl man in aller Eile beflissen noch ein paar Goldene Brücken errichtet hat. Nicht der Hauch eines selbstkritischen Schimmers ist zu sehen. Anderes war aber auch nicht zu erwarten.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @nussknacker56: Die Erklärung zeugt von vollkommener Unkenntnis und absolutem Desinteresse. Viel peinlicher geht es nicht mehr. Zum Glück wurde von Seiten des Landes interveniert.

  • #6
    Thomas Wessel

    Katja Lucker vom Berliner Pop-Kultur-Festival – wo es nach den Young Fathers in 2017 auch jetzt wieder Absagen gibt von Seiten der BDS-Aktiven, die verbissen gegen Logos kämpfen – Katja Lucker im DLF:

    >> "Natürlich machen wir weiter was mit Israel", betont sie. Kritik äußert sie an der israelfeindlichen BDS-Bewegung: "Wir haben die ganze Zeit zum Dialog aufgerufen. Wir haben viele Künstler aus der arabischen Welt letztes Jahr gehabt. Dieses Jahr wollte niemand auch überhaupt nur mit uns darüber reden. Das heißt, wir haben die ganze Zeit gesagt: Wir wollen den Dialog auf dem Festival – letztes Jahr unmöglich und dieses Jahr noch unmöglicher." (…) Sie wisse, dass sie gegen Windmühlen spreche, weil das "unsere englischsprachigen Kollegen" wirklich nicht interessiere. "Wir bekommen da sehr merkwürdige E-Mails, was wir doch bitte alles tun sollen. Künstler bieten uns an, uns das Geld zu geben, damit wir das Logo der Botschaft runter nehmen. Ganz ehrlich: Das ist antisemitisch."

    www.deutschlandfunkkultur.de/erneut-absagen-beim-berliner-pop-kultur-festival-leiterin.2156.de.html?dram:article_id=419713

  • #7
    ecaep

    Die Tatsache, dass die ‚Ruhrtrienale‘ ÜBERHAUPT auf den Gedanken kommt, eine BDS-Band einzuladen, ist höchst problematisch. Ist ja nicht so als sei Frau Carp nicht bestens informiert und hätte das nicht VORHER gewußt. Wenn ‚Hochkultur‘ hinter dem Vorwand ‚israelkritisch‘ zu sein ANTISEMITISMUS nicht nur toleriert, sondern auch prominent nach vorne bringt, ist das WIDERLICH. Nachgeschobene ‚Erklärungen‘ (s.o.), die die eigenen ANTIISRAELISCHEN Ressentiments relativieren sollen, sind so OFFENKUNDIG unter Druck geschrieben worden, dass sie alles andere sind, nur NICHT glaubwürdig!

    Oder wie dürfen wir diesen Satz sonst interpretieren? "Erst nachdem aus Kreisen der Landesregierung und des Landtags NRW nach Informationen dieses Blogs der Ruhtriennale-Leitung deutlich gemacht wurde, dass man den Auftritt einer BDS-Band bei einem mit Landesgeldern finanzierten Festival als höchstproblematisch ansieht, änderte die Ruhrtriennale ihre Haltung."

    Wenn’s wahr ist was hier steht: Der Ungeist sitzt längst in der Ruhrtrienale-Leitung! Das Problem ist nicht eine SCHLECHTE BAND, deren Auftritt abgesagt wurde; problematisch sind die KULTURFUNKTIONÄRE, die dem Ungeist eine hochangesehene Plattform bieten.

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