Von Herzen Punk – ar/gee Gleim zum Ratinger Hof Buch

Unser Gastautor, der Fotograf Richard Gleim setzte seinerzeit die deutsche Punkszene rund um den legendären Düsseldorfer Ratinger Hof ins Bild. Er war dabei.

Das Ratinger Hof-Buch. Ablichtung ar/gee Gleim
Das Ratinger Hof-Buch. Ablichtung ar/gee Gleim

Jetzt ist ein opulentes Buch zum Hof von damals erschienen.

Bei uns bespricht ar/gee das Buch selbst und richtet einen Aufruf an die Jugend:

Was macht eine Blechkiste so attraktiv? Das ist wie bei einer Pralinenschachtel, der Inhalt.

Weist der Prägedruck von Verpackungen erlesener Pralinen schon auf den Inhalt hin, ist es hier feines Blech mit einem Bild des Ratinger Hofs.

Du wiegst die propere Blechkiste in der Hand und spürst, dass sich darin etwas Wertvolles befindet, etwas das es zu heben gilt.

Du öffnest den Deckel und …. dir fällt ein Bierdeckel entgegen, der sich alsbald als ein Remake der Eintrittskarte zu einem Konzert von WIRE am 09.11.1978 im Ratinger Hof erweist.

Dann entnimmst du ein DIN A4 Foto des Ratinger Hofs auf festem Karton.

Das ist wie in der Geschichte vom Schlaraffenland, das du erst erreichst, wenn du dich durch einen Berg Reis gefressen hast. Dann aber im Schlaraffenland angekommen hebst du ein Buch aus der Kiste, das dir, solltest du damals nicht dabei gewesen sein, eine Welt eröffnet, über deren Existenz du vielleicht schon einmal gehört hast, die du aber nicht gesehen hast. Wer damals dabei war, wird in Erinnerungen schwelgen und vielleicht Dinge erfahren, die er selbst damals übersehen oder sonst nicht mitbekommen hat.

Authentisch und unmittelbar dargereicht von den Protagonisten dessen, was den ‚Hof’ ausmachte, Peter Hein, Franz Bielmeier, Thomas Schwebel, Peter Braatz (Harry Rag), Jürgen Engler, Wolf Lauenroth, Susanne Reimann, Moritz Reichelt, Klaus Audersch, Joost Renders, Michael Schirner, Collin Newman und Graham Lewis von Wire, Ralf Zeigermann und etwas verspätet und am Rande auch von ar/gee gleim als Beobachter.

Ich habe sie nicht gezählt die Bilder, die das Buch enthält. Es sind sehr viele. Die Texte sind sparsam, kurz und prägnant, beeindruckend wie eben Punktexte so sind, obwohl es sich um erzählende Texte und nicht um Punklyrik handelt.

Die Bilder sind die Musik.

Für dich, der du jetzt in dem Alter bist, welches die damaligen Akteure in ‚Hof’ hatten, ist es die Welt aufgeweckter Mütter und Väter.

Das ist keine abgedroschene, zu verachtende Welt sondern ein Ereignis, das bis heute wirkt.

Diese Eltern sahen nicht aus wie Sascha Lobo.

Das kam später und war eine modische Attitüde.

Diese Eltern waren keine braven, angepassten Arschlöcher. Wichtig war, dass die Akteure gleichermaßen auf der Bühne wie vor der Bühne atmeten, tanzten, tranken und etwas lebten, was einzigartig war und ist. Jeder kann es, auch du. Jetzt!

Das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen.

Doch eins bleibt, du selbst kannst die Welt aus den Angeln heben. Jeder ist ein kompletter Mensch. Jeder kann sich auf eine tatsächliche oder imaginäre Bühne stellen. Jeder hat das Potential, das Schöne und das Beschissene seiner Gegenwart auszudrücken und mitzuteilen.

Man nennt so was Kunst.

Jeder ist in diesem Sinne Künstler und es ist lächerlich, Angst zu haben, sich in diesem Sinne nicht als solcher zu sehen und zu   e r l e b e n.

Das Buch ruft: „Mach es!“

Das kann heute nicht Punk sein.

Welche Form es annimmt, liegt ganz an dir.

Du bestimmst die Form, Du bestimmst den Inhalt.

Und wenn du es nicht glaubst, dann nimmst du das – dank der geilen Verpackung für eine Ewigkeit gemachte – Buch zur Hand und …. fängst an zu leben.

Viel Spaß dabei.

Es geht ums Leben – das Buch ist somit ein ‚must have’!

Erfahrungsgemäß ist so was bald vergriffen und dann ärgert man sich Jahre lang, dass man jetzt nicht zugegriffen hat.

Hier noch nützliche Daten, falls dein Buchhändler das Buch nicht vorrätig hat und es bestellt werden muss:

Ratinger Hof Buch

Ralf Zeigermann (Hrsg.)

Robert Wiegner Verlag, Königswinter

978-3-931775-13-1

Mietpreise im Revier: Hier bleibt es billig – hier will keiner hin

Gladbecker Innenstadt

In Deutschland steigen die Mieten. In ganz Deutschland? Nein, in den Regionen ohne Zukunft nicht. Im Ruhrgebiet wird es immer billiger und leerer.

Nennen wir ihn mal Michael. Michael hat einen Job in Bochum und ein paar Jahre in Bochum gewohnt. Nun ist er weg. Den Job hat er noch, aber er wohnt lieber in Köln. Zur Arbeit nach Bochum pendelt er ein. In Köln, sagt er, sei es netter. Man müsste weniger fahren um Freunde zu treffen, alles wäre kompakter und unkomplizierter. Und  natürlich ist Köln auch sonst eine geile Stadt.

Und natürlich verlassen ganz viele das Ruhrgebiet, weil sie hier keine Jobs finden.

Das so viele das Ruhrgebiet verlassen, hat natürlich auch seine angenehmen Seiten. In vielen Teilen Deutschlands steigen die Mieten. Nicht im Ruhrgebiet. Überall wird  über Gentrifizierung und ihre Auswirkungen gestritten. Im Ruhrgebiet wird diese Diskussion eher simuliert. Klar, in Essen-Rüttenscheid, in Bochumer Ehrenfeld oder in Dortmunder Kreuzviertel braucht man ein paar Monate um eine Wohnung zu finden. Vier Zimmer ist sowieso schwierig. Aber das war es dann schon. Denn, nur einen Steinwurf entfernt gibt es Leerstände und nichts deutet darauf hin, dass sich daran was in absehbarer Zeit ändert. Im Gegenteil. Noch nicht einmal die billigen Mieten sorgen dafür, dass Leute hier hinziehen.

Neu gebaut wird sowieso relativ selten. Renoviert auch nicht. Es lohnt sich ja auch kaum.

Mit intelligenten Zwischennutzungskonzepten könnten wir die Wegzüge von ein paar Künstlern  vielleicht verzögern. Vielleicht bleiben auch ein paar dauerhaft hier. Aber nicht einmal diese intelligenten Zwischennutzungskonzepte für leerstehende Immobilien gibt es. Das Ruhrgebiet ergibt sich einmal mehr seinem Schicksal, zeigt natürlich keine Initiative und wartet darauf, dass die Hilfe von Aussen kommt. Genügsam schauen wir uns an, wie eine Region mit fünf Millionen Menschen zum Vorort von Düsseldorf und Köln wird. Ein Mega-Ratingen. Nur ärmer.

Es gibt schon gute Gründe, warum es hier so ist wie es ist.  Und der Grund sind wir.

Dazu der passende Soundtrack:

[youtube Pc6hbiNVfbw]

Lob des Zwischenraums – Florian Neuners Buch „Ruhrtext“

Und noch mal Emscherkunst 2010. Sie hat einen jungen Mann ins Ruhrgebiet gelockt, der den fremden Blick sehr ernst genommen hat. Den in Berlin wohnhaften gebürtigen Österreicher Florian Neuner.

Seine Leidenschaften: Zu Fuß gehen und in Kneipen halt machen um mit Leuten zu reden. Ersteres kein großes Hobby der Ruhrstädter, zweiteres schon. Beides hat Neuner im Ruhrgebiet ausgiebig getan und darüber hat er ein Buch geschrieben:Ruhrtext. Text deswegen, weil er die Stadt wie viele seiner literarischen Vorgänger als solchen liest. Als gebaute Sätze mit einem semantischen Sinn der sich nur durch das gehen/flanieren, d.h. durch genau diese dreidimensionale und sinnliche Art des laufenden Begreifens erschließt.
Flaneur und Ruhrgebiet scheint erst einmal ein Widerspruch in sich zu sein.

Aber der Autor stellt sich diesem in einer Konsequenz, die – wenn man bedenkt dass das Buch aus eigener Initiative entstanden ist – geradezu bewundernswert erscheint. Der Kerl ist wirklich durch dieses nicht enden wollende als geradzu antiurban geltende Stadtgestrüpp gelatscht, Tag um Tag, Monat um Monat, um uns Ruhries am Ende klar zu machen, dass es genau diese Mikrostruktur ist, die das Ruhrgebiet ausmacht. Nichts gegen die Industriekultur, nichts gegen die sonstigen Leuchttürme des Ruhrgebiets, aber es ist der Raum dazwischen, der nach seiner Ansicht die Identität dieser Stadtregion bestimmt.

Kein Wort über das Bermudadreieck in Bochum, kaum eins über das Kreuzviertel in Dortmund und über Rüttenscheid in Essen. Auch nicht viel über den neuen Innenhafen von Duisburg. Nichts über die neuen sogenannten Kreativquartiere. Keine der üblichen lobenden Ausführungen über die im landläufigen Sinne dann doch recht urbanen Teile dieser Stadtandschaft. Keine Hymne auf die Arbeitersiedlung als die große solidarische Wohnform der Industriegesellschaft. Stattdessen minutiöse Beschreibungen der Viefalt im Kleinen, durchmischt mit den weltweiten Elementen städtischer Peripherie und dem immer gleichen Containerarchitekturen entlang der nicht enden wollenden und nicht nur für den Fremden immer wieder undurchschaubaren Megastruktur der Autotrassen an Emscher und Ruhr.
Die Wahrheit lieben lernen, das könnte der unausgesprochene Leitsatz hinter diesen ausufernden Beschreibungen gebauter Dispersion sein. Diese gleichzeitige Verlorenheit und Aufgehobenheit in immer neuen Zwischenräumern, ist das große Thema dieses Buches. Vielleicht auch das des Autors selbst. Sie verdichtet sich auch für ihn sozial und kulturell immer wieder in den mehr oder weniger zufällig aufgesuchten Kneipen, in denen er sich mit ebenso zufällig ausgewählten Menschen trifft und, wenn es sich ergibt, sich mit ihnen unterhält, bzw. ihnen zuhört.

Das in diesen aneinander gereiten Zwischenräume jedoch insgesamt eine solche Menge an Menschen wohnen, das alles in allem dabei eine riesige Millionenstadt herauskommt, entgeht dabei auch diesem notorisch autoresistenten Ruhr- und Emscher-Eroberer nicht. Im Gegenteil, es ist gerade diese kompakte Riesigkeit einer Vielfalt im Kleinem die ihn offensichtlich fasziniert. Die ihn diese vielen Reisen in dir Nähe machen lässt. Zu Orten die die meisten Ruhries, mit Ausnahme derer die dort wohnen, kaum kennen weil sie sie auch nicht weiter interressieren. Und natürlich fällt im gerade als Fußgänger (aus Berlin) immer wieder und zu seinem Leidwesen auf, dass diese Ruhrstadt einen Nahverkehr hat, der ihrer Größe und räumlichen Dichte hohnspricht. Der Kommentar einer Wirtin macht den hier manifest werden Widerspruch des ganzen Buches kopfschüttelnd deutlich: Zu Fuß würde ich hier nicht weit laufen.

Stimmt. Niemand würde das hier tun, wenn er nicht dafür bezahlt würde. Das, was der Autor dabei so spannend findet, interessiert die meisten Ruhries nicht die Bohne. Wenn unmotorisiert, dann ist das mindeste als Fortbewegungsmittel ein Fahrrad. Auch mit dem sucht man dann eher die vielen grünen und blauen Freiräume oder die Orte wo sich das Leben verdichtet auf, als dass man sich der sogenannten Zwischenstadt anheim gibt. Die hat man ja in der Regel gleich „um die Ecke.“
Das ist auch ein Problem beim Lesen des Buches. Es kann einem leicht langweilig werden, denn die Beschreibungen sind sich oberflächlich gesehen recht ähnlich. Aber eben nur oberflächlich. Das was der Autor von sich selbst verlangt hat, das verlangt er auch vom Leser: Genaues Lesen bzw. genaues hinschauen. Auch wenn er über die Ruhrstadt und ihre Urbanität zwischendurch theoretisiert. Das wirkt manchmal etwas aufgesetzt, aber nicht uninteressant. Vieles ist dem diesbezüglich informierten Leser auch nicht neu. Aber wie er es mit dem Ruhrgebiet verknüpft, lässt einen dann doch auf neue Gedanken kommen.

Auf jeden Fall konnte ein solches Stadtbuch nur im Ruhrgebiet entstehen und Florian Neuner hat sich dieser besonderen Stadtlandschaft wirklich gestellt. Schon von daher unterscheidet es sich geradezu angenehm von all dem metropolitanen Marketinggeschwurbel das in und um die Kulturhauptstadt verbreitet wird. Man spürt beim Lesen auch zunehmend, dass er sich mit dem Gegenstand seiner Erforschung identifiziert, ohne sich mit ihm gemein zu machen. Statt der berühmt berüchtigten Liebe auf den zweiten Blick, die alle die gerne propagieren, die dann doch nicht bleiben, dominiert der harte und zugleich offene erste und deswegen immer auch fremde Blick das Buch. Schon deswegen ist es, trotz seines großen Umfang, unbedingt lesenswert.

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Der Ruhrpilot

Rüttgers und Rau

NRW: CDU-Wirtschaftsflügel rechnet mit Rüttgers ab…Der Westen

NRW II: Ein Masterplan für Generationen…Welt

NRW III: Stuttgart 21 gefährdet ÖPNV-Ausbau in NRW…RP Online

Herne: Interview mit OB-Schiereck…Pottblog

Bochum: Lesen, Lesen, Lesen…Ruhr Nachrichten

Duisburg: Trauerzeit nach Loveparade endet mit Würde…Der Westen

Essen: Täglich sieben Einwohner weniger in Essen…Der Westen

Internet: Guck mal, wer da löscht…Weissgarnix

Stadtentwicklung: Lob der Ramschmeile…Spiegel
Wissenschaft: „Die deutsche Zuwanderungspolitik war verheerend“…RP Online
Karstadt: Das bunte Imperium des Nicolas Berggruen…FAZ
Freizeit: Lörmecke Turm…Zoom

Dortmund: Protest muss möglich sein

Tausende protestieren gestern in Dortmund gegen die Nazis. Die haben davon allerdings kaum etwas mitbekommen.

Wer glaubt, mit Verboten das Nazi-Problem lösen zu können irrt. Hätte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der Demo am Samstag bestätigt, nichts wäre gewonnen gewesen. Sicher, die Nazis konnten in Dortmund nicht demonstrieren, ihre Kundgebung am Rand der Nordstadt war schlecht besucht. Auch wenn alle Rechten die auf dem Weg waren dort angekommen wären: Die Zahlen der Vorjahre wären nicht erreicht worden. Das Verbot hat ihnen Probleme gemacht. An den  Übergriffen auf Nazigegner wird das aber auch in Zukunft nichts ändern.

Wirkungsvoller wäre engagierter Protest gewesen. Den hat die Polizei allerdings nicht zugelassen. Jeder demokratischen Partei wird aus gutem Grund zugemutet, dass beispielsweise bei Parteitagen in Rufweite zur Halle demonstriert wird. Den Nazis nicht. Auch in Dortmund hätte man die Demonstranten näher an das Kundgebungsgelände heranlassen können, ohne die Sicherheit zu gefährden. Der Skandal war weniger die genehmigte Nazi-Demo, als die Unterdrückung des Protests durch eine übertrieben weite Absperrung von großen Teilen der Nordstadt.

Dass die Dortmunder Polizei am Freitag ein Nazi-Konzert in den Innenstadt genehmigte, aber den Protest des S4-Bündnis am Samstag untersagte passt in das Bild einer zweifelhaft agierenden Dortmunder Polizei.

Kein Ruhmesblatt war auch das Verhalten  der Sozialdemokraten und Grünen. Während in der Nähe  ihres Kundgebungsortes am Nordmarkt im Bereich der Kreuzung Mallinckrothstraße/Leopoldstraße die Situation zwischen Polizei und Demonstranten zu eskalieren drohte, waren sie nicht vor Ort. Sie überliessen es der Linkspartei, sich als Vermittler in Szene zu setzen.  Das war töricht und dumm. Zumindest von den Grünen hätte man anderes erwarten dürfen, als die Menschen in Dorstfeld mit einem Konzert des  unsäglichen Purple Schulz zu traktieren.

Emscherkunst 2010 – Ein Gewinn für die Region

Reemrenreh von Bogomir Ecker, Foto: Roman Mensing / EMSCHERKUNST.2010

Die Sache hat eine Menge Geld gekostet. Keine Frage. Aber sie hat sich für die Emscherzone, ja für das ganze Ruhrgebiet  jetzt schon gelohnt. Emscher und Kunst, egal wie man zu den Werken im Einzelnen steht, sind in den Medien zum Synonym geworden.  Vom Meideraum zum Ausstellungsgelände, oder in Neudeutsch „ from No Go to Must Go“, das ist die zentrale Nachricht an die Menschen in und außerhalb des Reviers.

Dass das Ganze nur mit dem Fahrrad zu bewältigen ist, passt zu einer Region die letztlich nur als Roadmovie zu begreifen ist. Wobei dieses Fahrzeug  auch die ökologische Zukunft des Ruhrgebiets bestimmen wird. Mit dem Rad zur Kunst bzw.  von Kunstwerk zu Kunstwerk zu fahren, und das entlang der Emscher, sagt mehr als jeder Masterplan über die Zukunft des Emschertals aus.

Für die Menschen in der Region ist es zugleich Kunst  en Passant, Ästhetik im Vorbeigehen/fahren. In gewisse Weise zufällig und deswegen auch in angenehmer Weise überraschend. Von der Dimension so gewählt, dass man das Werk nicht übersieht, ja dass man zu ihm hin ge- und verführt wird. In der Gesamtlandschaft jedoch „nur“ eine Zugabe, eine sie nicht dominieren wollende Geste.

Teilweise bilden die Werke sogar ganz neue Aufenthaltsqualitäten, ja neue Plätze mit eigenen Funktionen wie bei den umgebauten Klärbecken in Bottrop Ebel. Die dann auch bleiben werden und natürlich im Erhalt wieder Geld kosten. Aber auch hier wird für das Geld etwas Wichtiges geboten: Lebensqualität durch Kunst.  Durch künstlerische Intervention.

Andere Werke werden wieder verschwinden, zum Teil aus Mangel an Geld, zum Teil aus Absicht. Temporäre Kunst eben. Kunst auf Zeit die nach ihrem Verschwinden jedoch in Erinnerung bleiben wird, denn es gibt jetzt schon Menschen an der Emscher, die sich in bestimmte Werke geradezu verguckt haben. Die sie eigentlich in ihrer Nähe behalten möchten. Obwohl  sie sich das am Anfang gar nicht vorstellen konnten.

Die Emschermenschen sind, obwohl es sehr interessante Museen und natürlich die übliche Kunst im öffentlichen Raum gibt,  von der Emscherkunst mehr oder weniger überrascht worden. Sie ist anders als das was sie bislang kannten. Deswegen gab es auch Leute die ihnen diese Werke vor Ort vermittelt und näher gebracht haben. Und denen haben sie, wie mir berichtet wurde, einen Pinn in den Bauch gefragt. Dass das Kunst sei, war vielen von ihnen keineswegs im ersten Moment einsichtig.

Letztlich interessiert diese Frage die Menschen vor Ort auch weniger als die Künstler und die Kuratoren. Die Menschen vor Ort gehen eine eher sinnlich vermittelte Beziehung zu den Artefakten ein, die sie sehen und berühren können. Dass die Aussteller dem noch eine spezielle Veranstaltungsform hinzugefügt haben, in denen direkt mit  den Anwohnern und örtlichen Kunstinteressierten über die Werke diskutiert werden konnte und kann,  passt bestens dazu.

Der so organisierte direkte Kontakt der Künstler mit dem Emschervolk war dabei oft heftig und zugleich lehrreich. Der sogenannte fremde Blick traf auf den einheimischen und genau hier wird dieser fremde Blick erst fruchtbar. Es nutzt der Emscherregion nicht, wenn die Kunst keinen Dialog mit der Landschaft und ihren Menschen aufnimmt. Wenn der Fremde Blick nur einseitig ist, wenn sogenannte Miles and More Künstler hier einfliegen und ihre Kunstwerke wie Raumschiffe landen lassen. Dann kann das immer noch Kunst sein, aber sie bringt die Menschen hier nicht wirklich weiter.

Das ist allerdings erst einmal nur eine These. Die Frage ist nämlich, muss Kunst das wirklich? Hat sie sich nicht jeden  Zweckes zu entziehen? Darf sie nicht so fremd sein wie sie will? Muss sie den Dialog überhaupt suchen? Bedarf sie der Vermittlung gar nicht, weil sie immer auch Konfrontation ist bzw. sein soll? Hat der Ort an dem sie wirken will ihr nicht letztlich egal zu sein? Ist es schon deswegen besser, dass die Künstler die an der Emscher tätig werden, nicht aus dieser Region kommen? Denn wer hier lebt und arbeitet könnte auch als Künstler zur Konformität mit den Verhältnissen neigen. Wohlmöglich sogar zur Heimattümelei, zur Sozialromantik, zum allseits bekannten Ruhrgebietskitsch.

Es ist dieses Verhältnis von örtlichem/regionalem  Kunstschaffen und internationaler Kunst, das weiter zu klären ist. Es ist dieser wohlmöglich produktive Konflikt der für die nächste Runde Emscherkunst von besonderer Bedeutung sein könnte. Lokalität kann dabei natürlich nicht bedeuten, dass der internationale Anspruch dieser Ausstellung aufgegeben  werden sollte. Die Frage ist viel mehr, wie Lokalität und Globalität in der Kunst  zusammen geht und was das für die Zukunft der Emscherkunst bedeutet.

Die zweite wichtige Frage ist, wie bei einem möglichen nächsten Mal die Bevölkerung vor Ort eher und intensiver eingebunden werden kann als bei der Premiere. Das gilt auch für die vielen Menschen mit Migrationshintergrund und vor allem für die türkische Community. Hier geht es nicht nur um Sprache als inhaltliche Vermittlung zur weitaus größten Einwanderergruppe der Emscherregion, sondern auch um Sprache als  Mittel der symbolischen Anerkennung. Schriftlich Ankündigungen und Erklärungen für die Emscherkunst sollten deswegen in Zukunft dreisprachig sein: Deutsch, Englisch und Türkisch.

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Im Dunkeln munkeln knipsen

Low-Light-FotografieZum Fotografieren braucht man zunächst mal Licht. Was aber, wenn grad keins da ist und man auch nicht mit eigenen Lichtquellen die einzigartige Stimmung zerstören will?

Die besten Partybilder erhält man bekanntlich, indem man das Licht löscht, 20 Sekunden wartet und dann mit Blitz fotografiert!

Sonst ist Blitzlicht allerdings nicht unbedingt das Mittel der Wahl, wenn es um Aufnahmen bei wenig Licht geht.

Wie es besser geht, erläutert das Fachbuch „Low Light Fotografie“ (eigentlich ein Untitel, es müßte schon „Low Light Photography“ heißen!) des Amerikaners Michael Freeman, das Markt & Technik übersetzt auf Deutsch herausgebracht hat. Gerade das Richtige für jemanden wie mich, der gerne ohne Blitz fotografiert.

Etwas überraschend für Einsteiger – das Buch ist für mittelerfahrene Fotografen bestimmt, nicht für Vollprofis – ist, daß sich mehr als die Hälfte des Buches gar nicht mit dem Fotografieren beschäftigt, sondern mit der Nachbarbeitung der Aufnahmen am Computer. Doch dies ist auch meine Erfahrung: Aufnahmen bei schlechtem Licht werden meist erst dann etwas, wenn man sie im RAW-Format macht und das Ergebnis anschließend nachbarbeitet – im Originalzustand sind Rauschen, Weißabgleich und Belichtung bei Schwachlichtaufnahmen einfach katastrophal.

Auch sind manche Aufnahmen nur mit Ständer Stativ möglich – und da kann man auch so einiges falsch machen.

Neben Romantikern, die gerne bei Mondlicht fotografieren, ist das Buch auch für Reporter, Konzertfotografen & Co. relevant – oft darf ja nicht geblitzt werden oder der Blitz würde die Stimmung „töten“.

Zum Überblick hier das Inhaltsverzeichnis:

einführung 6

kapitel 1
Low-Light 8
licht und sensor 10
grenzen und kompromisse 16
lichtquellen 18
kontrast 20
lichter retten 22
schatten öffnen 26
natürliche schatten 30
farbtemperatur 32
weissabgleich und farbton 34
kameraeinstellungen
für low-light 36
natürliches low-light 38
künstliches low-light 48
farbtemperaturen mischen 58
farbe selektiv ändern 60
farbprofilierung 64

kapitel 2
freihändig fotografieren 66
freihändig oder fest? 68
stabilisieren 72
Stative und zubehör 78
elektroniSch StabiliSieren 82
lichtStarke objektive 86
Schärfe bei offener blende 90
Schärfe definieren 92
techniSche bearbeitung 94
unSchärfe finden 96
unSchärfe korrigieren 104
Schärfentiefe auSweiten 110
bewegungSunSchärfe
korrigieren 112
objektiv- und bewegungSunSchärfe
korrigieren 116
extreme bewegungSunSchärfe 118
bilder in
ebenen kombinieren 120
mitziehen für Schärfe 124
gezielte bewegungSunSchärfe 126
raw bei Schwachem licht 128
raw zweimal entwickeln 132
freihändige hdr-aufnahmen 136
PSeudo-hdr 138
rauScharten 142
rauSchen reduzieren 146
blitzlicht 156

kapitel 3
statisch fotografieren 158
Stative 160
Stative im einSatz 164
StativköPfe 166
befeStigungSmaterial 170
bewegungSunSchärfe mit Stativ 172
langzeitbelichtung
und rauSchen 174
aufnahmeSerie für
rauSchreduzierung 178
kontraStumfang 180
globaleS überblenden 184
manuelleS überblenden 186
emPfindlichkeit überblenden 188
überblenden-Software 190
hdr-aufnahmen 194
hdr-aufnahmen montieren 196
tonemaPPing 200
Photomatix 204
PhotoShoP 206
fdrtoolS 208
eaSyhdr 210
geiSterbilder 212

Der Ruhrpilot

Nazis: Dortmunder protestieren gegen Neonazis…Zeit

Nazis II: Tausende protestieren friedlich – 160 Festnahmen…Ruhr Nachrichten

Nazis III: Dortmunder protestieren friedlich gegen Nazis…Der Westen

NRW: Zwei Christdemokraten auf Ochsentour…Welt am Sonntag

NRW II: Ranking sieht NRW im Mittelfeld…Welt am Sonntag

NRW III: Im Land der Computerspiele…Welt am Sonntag

NRW IV: Unis fürchten ums Geld…Der Westen

NRW V: 365 Tage Stillstand…DL

RWE: „Laufzeitverlängerungen um 20 Jahre am besten“…FAZ

Bochum: Poker um neues Landesinstitut für Gesundheit…Der Westen

Duisburg: Gedenktafel an Loveparade-Rampe enthüllt…Der Westen

Duisburg II: Das Container-Prinzip…Xtranews

Herten: Subjects in transformation…Hometown Glory

Umland: Die Presse ist frei…Zoom