Familienministerin Kristina Schröder setzt Unternehmen unter Druck. Sie will mehr Frauen in Führungsetagen sehen, sonst droht Deutschland die Frauenquote. Und die kann nicht gut sein.
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In einem Interview mit dem Handelsblatt sagt Familienministerin Kristina Schröder (CDU): „Ich kann nur solange guten Gewissens auf eine Quote verzichten, solange ich in der Wirtschaft eine stetige Verbesserung sehe.“ Das sei aktuell der Fall, so Schröder. Bis 2015 will sie 20% Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten sehen. Wie das gehen soll? Eine gesetzliche Berichtspflicht für Unternehmen soll her – diese sollen offenlegen, wer wie und warum im Unternehmen arbeitet. Eine Quotenregelung ist das nicht, „aber die Folge ist, dass die Unternehmen sich der Diskussion stellen müssen.“ Frauen- und Familienpolitik soll hier als Imageretter dienen. Die Telekom hat es vorgemacht und will bis 2015 eine Frauenquote von 30% erreichen. Freiwillig. PR goes Politik.
Nun ist die Mehrheit der Bevölkerung, egal ob Männchen oder Weibchen, weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat. Der durchschnittliche Deutsche sitzt im Büro oder steht (noch) bei OPEL am Band. Aufsichtsräte sind ihm schnurzpiepegal, solange er seinen Job hat und das Geld pünktlich auf dem Konto landet. Über Frauen in Führungsetagen machen sich die meisten wahrscheinlich selten Gedanken – eine Frauenquote tangiert uns aber alle.
Es ist bitter, dass Frauenquoten zur Diskussion stehen. Keine Frau möchte zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil mal wieder jemand mit einer Gebärmutter und zwei Brüsten an der Reihe ist. Eine Quotenregelung würde die Frau mehr degradieren als es ihr nützen würde. Den Chef durch Leistung und nicht durch den Sexus zu überzeugen, hat schon immer mehr Spaß gemacht.
Natürlich ist es diskriminierend, wenn Frauen um die Dreißig beim Vorstellungsgespräch skeptisch gemustert werden, weil sie noch keine Kinder haben. `Da ist doch bestimmt was in Planung.´ Die Frage ist eher, warum die Personalchefs so denken? Angeblich tickt ja irgendwann die berühmte biologische Uhr:1, 2, oder 3 – letzte Chance vorbei. Und so sind die Gedanken der Personalchefs irgendwie verständlich: Sie gehen davon aus, dass Frau ein Kind bekommt und dann zu Hause bleibt. So war es bisher ja auch Usus.
Was wir brauchen, sind keine Frauenquoten. Wir brauchen eine Krippenplatzgarantie (Kristina Schröder hat schon einen Plan) und eine neue Denke (die muss sie wohl noch lernen). Und wir brauchen Männer. Männer, die damit zurecht kommen, wenn die Frau mehr verdient. Männer, die mehr als die verpflichtenden zwei „Vätermonate“ nehmen – nur damit das Elterngeld gezahlt wird. Und Männer, die nicht von der Erziehung komplett ausgeschlossen werden. Vor allem nicht in den ersten drei Jahren.
Das größere Problem ist aber, dass Kristina Schröder über Frauen in Führungsetagen spricht. Sie sagt, in der Wirtschaft mangelt es an qualifizierten Frauen. Dass viele Unternehmen gern mehr Frauen einstellen würden, aber niemand Geeignetes finden. Nun ist es so, dass gerade Führungspositionen viel Erfahrung brauchen – Erfahrung, die Männer sammeln, während die eigene Frau um die Dreißig zu Hause sitzt und das Kind hütet. Eine sinnvolle Frauenförderung kann nur funktionieren, wenn man beide Geschlechter berücksichtigt.
Vielleicht hat Kristina Schröder auch endlich begriffen, dass der so oft beschriene Geburtenrückgang in Deutschland ein Protest ist. Denn fest steht: Je erfolgreicher eine Frau beruflich ist, desto weniger Kinder hat sie. Weil in Deutschland „Kind und Karriere“ immer noch ein Paradoxon ist, verlagern karriereorientierte Frauen ihre Prioritäten. Wir wollen keine Quotenfrauen sein. Denn eigentlich ist es ziemlich simpel: Gebt uns Krippenplätze, wir geben euch Kinder. Und das hat wahrlich nichts mit Gender Mainstreaming zu tun.
Medien lieben Kriege. Von A wie Afghanistan bis Z wie Zagreb – militärische Intervention sind immer ein dankbares Thema, schließlich lassen Tote, Trümmer und Traumata die Einschaltquoten und Auflagenzahlen in die Höhe schnellen. Dass es alternativ auch erfolgreiche zivile Konfliktlösungen gibt – wie beispielsweise beim Nepal-Konflikt und bei der Loslösung der baltischen Staaten von der Sowjetunion – wird in den Medien gerne klein gehalten. Friedliche Lösungen verkaufen sich nicht gut. Von unserer Gastautorin Malina Opitz
Eine solch einseitige oder lückenhafte Berichterstattung kann ein Fall für die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) sein, die auch das Thema „zivile Friedensstrategien“ publik machte. Die Initiative wurde 1997 vom Medienwissenschaftler Peter Ludes nach dem US-amerikanischen Vorbild „Project Censored“ gegründet und ermittelt jedes Frühjahr eine Top-Ten, der in den Medien am meisten vernachlässigten Themen. Auf die Liste schafften es dieses Jahr auch: „Die rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt“, „Lücken bei der Finanzaufsicht bei Kirchen“, „Patente auf menschliche Gene und Gensequenzen“ und an erster Stelle „Notstand im Krankenhaus: Pflegebedürftige allein gelassen.“
Zuvor waren rund 150 Vorschläge aus der Bevölkerung eingegangen. In Uni-Seminaren wurden sie auf Relevanz und Vernachlässigung geprüft und anschließend einer Jury aus Wissenschaftler und Journalisten vorgelegt. „Unsere Top Ten sind fast immer komplexe und rechercheintensive Themen ohne aktuellen Anlass“, sagt Miriam Bunjes, die das Rechercheseminar an der TU Dortmund leitet. Im journalistischen Alltag fehle schließlich oft die Zeit für aufwendige Recherchen neben dem Tagesgeschäft. „Wir machen das bekannt, was nicht laut aufschreit. Der aktuellen Top 1 – zur widrigen Situation von Pflegebedürftigen in Krankenhäuser – fehlte offenbar eine Lobby mit Einfluss: Obwohl es ein halbe Million Menschen betrifft, haben die deutschen Medienvertreter das Thema übersehen.“ Nach der Veröffentlichung habe es viele Journalistenanfragen gegeben. Das sei enorm wichtig, damit die Themen nicht sogleich wieder in der Versenkung verschwänden.
Liebe Fußballdesinteressierte, da es Sie ja nicht interessiert hat, hier zunächst die schlechte Nachricht: die WM könnte hierzulande doch länger dauern. Die DFB-Elf hat gestern 4:0 gewonnen. Bereiten Sie sich also mental auf das Schlimmste vor. Das wäre das Endspiel: es ist erst am 11.7. um 20.30 h.
Wenn Sie in der Zeit nicht verreisen können, obwohl, ich wüsste auch nicht wohin, will ich Ihnen weiter mit Hinweisen für das Zuhausebleiben vor der heimischen Glotze weiterhelfen.
Die Damen, die Jürgen Klinsmann und Jürgen Klopp irgendwie gut finden und die beiden heute abend bei der RTL-Übertragung von Italien-Paraguay (20.30 h, ebenfalls viele attraktive Männer zu erwarten) suchen sollten, seien gewarnt: Sie werden die beiden in der ganzen Werbung in der Pause und nach dem Spiel kaum finden. Schade eigentlich, denn sie könnten bei dieser WM die besten Gastkommentatoren sein.
Im fußballfreien Angebot ist heute ein Woody-Allen-Film im Match Point (UK 2005, 22.15 h, ZDF) mit einem Thriller im Tennislehrermilieu Londons. Weibliche Hauptrolle: Scarlett Johansson.
Noch ein Rückgriff auf 3 Engel für Charlie: die Ursprungsserie aus den 70er Jahren, u.a. mit Farrah Fawcett-Majors, die seinerzeit als „schönste Frau der Welt“ bezeichnet wurde, läuft derzeit auf EinsFestival, heute um 17.10 h.
Mein persönliche Tipp ist haute allerdings Boston Legal (USA 2004, 22.55 h, Vox). Die letzte Folge ist gerade abgesendet und heute startet Vox das Ganze noch mal von vorn. In der allerletzten Folge war die Staranwaltskanzlei von Chinesen übernommen worden, der Sieg des „Kommunismus“ war vollzogen. Wie es dazu kommen konnte, kann also ab heute nochmal von vorn betrachtet werden. Wer die USA bis heute nicht versteht, aber verstehen lernen will, sollte heute endlich einsteigen. Man lernt viel, hat vor allem aber einen Riesenspass dabei, und imgrunde geht es doch nur um die Sache zwischen Männern und Frauen 😉 Einst habe ich William Shatner als Kommandant des Raumschiff Enterprise gehasst, weil ich meine kleineren Geschwister immer unterdrücken musste, indem ich die Sportschau (ARD) gegen das Raumschiff (ZDF) durchsetzte. Heute liebe ich ihn als genialen selbstironischen Schauspielstar. Ganz am Schluss heiratet er übrigens einen Mann, obwohl er Hetero ist – also …., jetzt in der Serie, nicht im wahren Leben.
Die Stadt zwischen Essen und Dortmund sieht sich selbst gerne als „Swinging Bochum“. Ein Mythos: Unter Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und Ordnungsdezernentin Diana Jägers (CDU) schwingt nichts mehr.
Gut, dass es das Bermudadreieck schon gibt. Wenn heute, wie in den 70ern und frühen 80ern, ein paar Leute Kneipen aufmachen und Stühle nach draußen stellen würden, könnten sie es gleich vergessen. Die Bedenkenträger im Bochumer Rathaus würden so etwas sofort unterbinden. Es könnte sich ja jemand gestört fühlen.
Auch Bochum Total hätte wohl keine Chance mehr. Zu viele Leute und zu viel Krach.
Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und Ordnungsdezernentin Diane Jäger (CDU) bilden eine große Koalition der Spaßbremsen. Ihr Motto: Unser Dorf soll ruhiger werden. Private Initiativen? Stören nur.
Drei Beispiele für das unschwingende Bochum: Der Veranstalter Heinz-Peter Keller wollte auf dem Kirmesplatz an der Castroper Straße während der WM Public Viewing veranstalten. Bier, Würstchenbuden und Fußball. Die Kombination geht immer. Solche Veranstaltungen gibt es zu Hunderten in der Republik. In Bochum nicht. Die Auflagen in Bochum waren so hoch, das Keller hinwarf. Auch weitere Veranstaltungen die er in Bochum plante, hat er aufgegeben. Keller in der WAZ über das Bochumer Ordnungsamt: „Ich will die Leute nicht mehr sehen.“
Besonders lächerlich machte sich Bochum im vergangenem Jahr als die Loveparade scheiterte. Scholz und Jäger stellten sich damals vor die Presse und erklärten, die Loveparade sei behandelt worden wie jede andere Veranstaltung auch. Und es habe nun einmal nicht gepasst. Provinz? Wer im Beisein von Scholz das „böse Wort“ (Scholz) in den Mund nahm erntete böse Blicke. Dabei hat das Loveparade-Aus nichts anderes gezeigt als das: Die Bochumer Stadtverwaltung kann solche Veranstaltungen nicht durchführen. Bocholt übrigens auch nicht. Provinz eben.
Und dann ist da das Trauerspiel um das Goosen-Theater: Der Bermudadreieck-Gründer Leo Bauer und der Kabarettist Frank Goosen wollen ein Kleinkunst Theater eröffnen. Und sie wollen es selbst finanzieren. Da kann die Stadt kaum etwas falsch machen. Denkt man. Ist aber nicht so. Bei einer Präsentation des Konzepts plus Goosen-Auftritt in den künftigen Kleinkunst-Räumen zeigt sich das Ordnungsamt von seiner besten Seite und bringt die Veranstaltung fast zum kippen. Bauer und Goosen müssen eine Menge Geld für Sondergenehmigungen zahlen, um die Veranstaltung durchführen zu können. Als die Stadt dann im vergangenem Jahr noch Zusagen über die Nutzung eines Abwasserkanals zurückzieht droht das Projekt zu kippen. Man einigte sich später, aber das Goosen Theater wird 2010 nicht eröffnet. Erst 2011 geht es los. Egal. 2010? War da was?
Swinging Bochum? Ja, aber nur ohne die Stadtverwaltung. Die pflegt lieber ihre Baulückensammlung und träumt von Konzerthäusern, die niemand braucht und die nie gebaut werden. Und wenn es richtig gut läuft, wird auch noch die Innenstadt durch ein neues Einkaufszentrum ruiniert. Avanti Dilletanti!
Hannelore Kraft beim SPD-Landesparteitag im Februar 2010Gestern und heute traf sich die nordrhein-westfälische Basis der SPD gleich viermal:
Vorab tagte jedoch am Vorabend der Landesvorstand der SPD und beschloss, was erstmal alles nicht geht. Keine große Koalition mit der CDU, keine Minderheitsregierung mit den Grünen zusammen, FDP und Linke hatten sich selber schon aus dem Rennen genommen und auch die Möglichkeit der Neuwahl lehnte die SPD ab.
Da fragt man sich, was dann noch die Alternative ist und erfährt die überraschende Antwort, dass man jetzt aus der Opposition heraus regieren möchte.
Natürlich könnte jetzt auch mal die nordrhein-westfälische CDU, die ja immer wieder darauf pocht, dass sie die Wahlen mit rund 6000 Stimmen gewonnen hat, das Heft des Handelns ergreifen, aber davon ist wohl eher nicht auszugehen. Es ist ja auch einfacher zu beobachten, was die SPD so macht und auf ein Scheitern zu hoffen.
Doch zurück zur Basis der SPD: In Bielefeld, Dortmund, Köln und Oberhausen fanden Regionalversammlungen der SPD NRW statt. Der Kurs des Landesvorstandes fand dort Berichten zufolge eine breite Zustimmung. Aussagen der SPD zufolge gab es dazu aber keine Abstimmungen. Das ist aber auch kein Wunder, denn die Regionalversammlungen gibt es eigentlich gar nicht: