RAG-Stiftung: Abschiedsparty ohne Zukunft

Bergbaumuseum Bochum Foto: Christian Nawrot Lizenz: CC BY-SA 3.0
Bergbaumuseum Bochum Foto: Christian Nawrot Lizenz: CC BY-SA 3.0


Am 1. Mai beginnen mit der Premiere des Films „Junges Licht“ in der Essener Lichtburg die Feierlichkeiten zum Bergbauende 2018. 30 Millionen Euro lässt sich die RAG Stiftung das Gedenken an der Vergangenheit kosten. Geht es um die Zukunft, investiert das Unternehmen in anderen Regionen.

Wenn 2018  mit Prosper Haniel in Bottrop die letzte Zeche des Ruhrgebiets schließt, endet eine Ära: Ohne den Bergbau gäbe es kein Ruhrgebiet. Die RAG-Stiftung, welche die letzten Zechen, neben Prosper Haniel ist noch ein Bergwerk in Ibbenbühren in Betrieb, unterhält, wird sich die Feierlichkeiten zum Ausstieg 30 Millionen kosten lassen. Allein 15 Millionen davon fließen in den Umbau des Bergbaumuseums Bochum. Ein so aufwendiges und teures Gedenken ist dem Anlass angemessen. Ein letztes Mal wird das alte Ruhrgebiet ganz bei sich sein, es sei allen gegönnt.

Doch nach der Feier stellt sich die Frage der Zukunft. Auch mit der sind die RAG-Stiftung und ihre Vorsitzender Werner Müller beschäftigt: Die Stiftung soll das Geld, dass sie aus dem Verkauf von Immobilien und den  Anteilen an dem Spezialchemieunternehmen Evonik einnimmt so investieren, dass die Ewigkeitskosten des Ruhrgebiets finanziert werden können.  Die Pumpen, die dafür sorgen, dass nicht ein Viertel bis ein Drittel des Reviers in Wasser und Schlamm versinkt werden so lange laufen müssen, bis die Kontinentalverschiebung die geologischen Strukturen der Region ändern wird. Das ist nicht ewig, aber doch ein sehr langer Zeitraum.  Dass das nicht passieren wird, ist klar – so lange halten vom Menschen geschaffene Strukturen nicht annähernd – aber soll jetzt nicht das Thema sein, sondern die Investitionen der RAG-Stiftung.

Die Stiftung muss darauf achten, mit dem Geld sorgsam umzugehen. Sie zockt nicht unbedarft wie die Städte und beteiligt sich an Unternehmen wie der Steag oder RWE, sondern investiert in Unternehmen, von dem sie glaubt, sie hätten langfristig gute Zukunftschanchen. Die Investitionsentscheidungen der RAG-Stiftung sind somit auch ein Indikator der Leistungsfähigkeit der Unternehmen de Ruhrgebiets, denn man darf ihr eine Nähe zur Region allemal unterstellen.

Schauen wir uns also an, in welche Unternehmen die RAG-Stiftung in den vergangenen Jahren investiert hat:

Oktober 2015:
„Die RAG-Stiftung hat über ihre Beteiligungsgesellschaft, RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH, in den britischen Ingenieurdienstleister Pell Frischmann investiert.“…Mehr

Februar 2015:
„Die RAG-Stiftung hat Anfang des Jahres den Laser-Lithographie-Spezialisten Heidelberg Instruments Mikrotechnik GmbH übernommen.“…Mehr

Februar 2015:
„Die RAG-Stiftung investiert über ihren Fonds bei der Deka Investment GmbH in die HAMBORNER REIT AG.“…Mehr

Januar 2015:
„Maxburg Capital Partners, die in München ansässige Beteiligungsgesellschaft mit dem Ankerinvestor RAG-Stiftung, hat sich mit der Wendel Group, dem französischen Haupteigentümer des Verpackungsherstellers Constantia Flexibles, auf die Übernahme von ca. 11 Prozent der Anteile an Constantia Flexibles geeinigt.“…Mehr 

Nach dem Geschäftsgericht ist die RAG-Stiftung über ihre Beteiligungsgesellschaft zudem mehrheitlich an dem Röder Zelt- und Veranstaltungsservice GmbH in Büdingen, der Hahn Automation GmbH in Rheinböllen und der in Offenbach ansässigen Dorsch Gruppe beteiligt.

Minderheitsbeteiligungen hält die RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH an dem Schweizer Unternehmen Stadler Rail und der R. Stahl AG in Waldenburg.

Bis auf die Hamborner Reit AG, die in Duisburg sitzt, stammt keines der Unternehmen aus dem Ruhrgebiet. Und dieHamborner Reit AG ist ein bundesweit tätiges Immobilienunternehmen, das mit dem Ruhrgebiet wirtschaftlich nicht sonderlich eng verbunden ist.

Es wäre naheliegend, Werner Müller und der Stiftung vorzuwerfen, nicht in Ruhrgebietsunternehmen zu investieren. Es wäre allerdings ebenso dumm, wie es naheliegend ist.

Denn offenbar findet die RAG-Stiftung im Ruhrgebiet keine Unternehmen, an denen sie sich beteiligen möchte. Das ist eine Frage der Leistungsfähigkeit der Unternehmen, es ist eine Frage der Zahlen und keine der romantischen Heimattümelei.

Die Botschaft ist trotzdem fatal: Das Unternehmen, dass die wirtschaftliche Vergangenheit des Ruhrgebiets abwickelt, sieht offenbar keine Möglichkeiten, in die wirtschaftliche Zukunft der Region zu investieren.

 

 

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7 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 29. April 2016 um 18:23 Uhr

    Stefan Laurin,
    interessanter und nachdenklicher stimmender Beitrag von Dir.

    Spontan kommt mir die Idee, Dir gegenüber anzuregen, auf der Basis Deines Kommentars ein Interview mit Müller zu versuchen, denn er wäre ja derjenige, der dazu kompetent wie kein Anderer etwas zu sagen hätte. Und das würde vermutlich über das Ruhrgebiet hinaus interessieren.

  2. #2 | Klaus Lohmann sagt am 29. April 2016 um 20:35 Uhr

    Ich würde das nicht unbedingt und in erster Linie als "Bankrotterklärung" der heimischen Industrie sehen, sondern eher als eine Landesstrategie zur Vermeidung von noch mehr Abgabenlast zur Finanzierung der Ewigkeitskosten für eben diese heimischen Unternehmen und die steuerzahlenden NRW-Bürger. Der alte Fuchs Müller hat das über seine beratenden Beteiligungsgesellschaften sicher nicht ohne Hintergrund so eingefädelt – grade im noch aktiven Mittelstand.

  3. #3 | Heinz sagt am 11. März 2018 um 19:24 Uhr

    Hallo Herr Laurin,

    konnten Sie mal die Eigentümerstruktur der "RAG-STIFTUNG BETEILIGUNGSGESELLSCHAFT MBH"
    recherchieren?

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 11. März 2018 um 20:37 Uhr

    @Heinz: Das GmbH gehört der RAG Stiftung. Ihre Aufgabe ist es Gewinne zu erzielen, um die Ewigkeitskosten des Bergbaus zu finanzieren. https://www.rag-stiftung.de/ueber-uns/rag-stiftung-beteiligungsgesellschaft/

  5. #5 | Walter Stach sagt am 11. März 2018 um 20:45 Uhr

    Abschiedsparty:
    Und jetzt für Werner Müller.
    Ich bedauere es sehr, daß Müller geht -schade für die Stiftung, darüber hinaus schade für das gesamte Revier.

    Stefan Laurin,
    denkbar, daß Du dazu und zur Nachfolge (zum Nachfolger Tönnies?) mal kommentierst?

  6. #6 | Heinz sagt am 16. März 2018 um 10:03 Uhr

    @Stefan, Auf´m Flur hört man das privates Geld mithebelt.
    Wozu?
    Um die Akteure bei Laune zu halten?
    Oder Trittbrettfahrer?
    Skurril bei einem gemeinnützigen Zweck (Ewigkeitskosten).
    Macht auch keinen Sinn weil die RAG braucht keine zusätzlichen Investoren.
    Fragen über Fragen…..

  7. #7 | Diether sagt am 8. Januar 2019 um 15:07 Uhr

    @heinz & stefan:
    Eigentümer der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH waren bis 2018 zu 75% die RAG-Stiftung und zu 25% die Tiber Beteiligungsgesellschaft mbH. Die Tiber Beteiligungsgesellschaft mbH gehört wiederum zu 100% Herrn Jürgen Wild, einem der Geschäftsführer der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH.

    Soviel man hört, soll die RAG-Stiftung allerdings in diesem Jahr der Tiber/Herrn Wild die Anteile abgekauft haben. Angeblich soll Tiber/Herr Wild dafür 50 Mio. € erhalten, obwohl er weniger als 1 Mio investiert hat. (Damit dürfte Herr Wild, der ja zusätzlich ein Gehalt als Geschäftsführer bezieht, wohl einer der bestbezahlten Manager Deutschlands sein.)

    Hoffentlich ist das Investment in die RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH für die RAG-Stiftung ähnlich erfolgreich. Immerhin hatte Sie ja schon 2016 eine halbe Milliarde dort investiert, inzwischen wahrscheinlich deutlich mehr.

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