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Thomas Tuchel in Not – Ist er noch der richtige Trainer für den BVB?

Thomas Tuchel im Interview. Foto: Robin Patzwaldt

Thema dieses Bundesligaspieltages ist eindeutig die peinliche 1:2-Pleite des BVB beim Tabellenletzten Darmstadt 98. Diese trifft die Dortmunder Borussen und ihren Anhang in einem sehr ungünstigen Moment.

Die Unruhe im Umfeld des Clubs ist nach den unrühmlichen Vorkommnissen der Vorwoche, als Teile des eigenen Anhangs das Image des Clubs schwer beschädigten, dem Team zudem wohl auch eine Sperrung der Südtribüne am kommenden Wochenende beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg eingebracht haben, war noch nicht wirklich abgeklungen. Und nun auch noch diese unerwartete, völlig unwürdige Pleite des Revierclubs beim Tabellenschlusslicht in Südhessen. Zudem erneut eine unerklärlich schwache Leistung des Teams, selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass man noch das DFB-Pokal-Spiel gegen Hertha BSC vom Mittwoch in den Knochen hatte, als man bis ins Elfmeterschießen musste.

Auch wenn die Pleite in Darmstadt am Samstag nun die erste seit 19 Pflichtspielen war, bildet diese Niederlage doch nur die bisherige Krönung einer Serie von zuletzt eher enttäuschenden Spielen. Strenggenommen hat der BVB in 2017 noch nicht ein einziges Mal wirklich zu 100% überzeugt.

Und wenn, dann höchstens beim knappen 1:0 gegen RB Leipzig in der Vorwoche, als man eigentlich höher hätte führen müssen, dann jedoch auch noch einmal Glück hatte, als der mögliche Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit vom Schiedsrichter nicht anerkannt wurde. Gegen Bremen, Mainz, Berlin und nun Darmstadt waren die Leistungen jedoch eher bescheiden bis schlecht.

Wie kann das sein, bei einem Kader, der trotz aller Unerfahrenheit und Jugend, trotzdem für mehr Begeisterung und Erfolg sorgen müsste? In der Kritik vieler Fans und Beobachter der Szene steht seit Wochen schon der Trainer, Thomas Tuchel.

Der von Anfang an in Dortmund nicht gerade mit offenen Armen empfangene Übungsleiter, erarbeitete mit seinem Team im Vorjahr die Vizemeisterschaft für die Schwarzgelben. Und das mit einer historisch guten Spielzeit für die Borussen, welche mit knapp 80 Zählern auf der Habenseite den besten Vizemeister der Bundesligageschichte die über einhundertjährige Vereinshistorie zierte. Wirklich geliebt haben viele ihren Coach danach trotzdem nicht, höchstens respektiert.

Doch selbst diese Anerkennung war nur von relativ kurzer Dauer, wich im Verlaufe dieser Spielzeit rasch immer mehr diversen Vorbehalten. Vorbehalte, welche ich so eigentlich über Wochen nie nachvollziehen konnte. Ich mag die Art des Trainers, seine Analysen und Aussagen.- Zumindest in einem vergleichbaren Ausmaße, welches sich auch nicht wesentlich von dem eines Jürgen Klopp, der unbestritten zum BVB passte wie wohl kein Trainer zuvor, unterscheidet.

Kritiken an Tuchel empfand ich häufig als völlig grundlos, ungerecht und völlig übertrieben. Tuchel ist halt nicht Klopp, hat eine andere Art. Doch die Entwicklung der letzten Monate lässt nun auch mich langsam daran zweifeln, ob der Ex-Mainzer die Lage in Dortmund wirklich noch so gut im Griff hat, wie es für diesen anspruchsvollen Job notwendig wäre.

Spielerische Fortschritte sind in der erwarteten Findungsphase seines im Sommer umgekrempelten Kaders nämlich noch immer nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Derzeit scheint es damit doch eher bergab zu gehen.

Die Baustellen im Kader scheinen zudem auch immer zahlreicher zu werden. Und das, obwohl auch die Phase mit den vielen Verletzungen von Stammspielern, welche ihm die Arbeit im Herbst noch erschwerte, ja inzwischen weitestgehend überwunden ist.

Trotzdem sorgt der Trainer mit seinen teils wenig nachvollziehbaren Kaderrotationen und teuren Neuverpflichtungen auf der Ersatzbank inzwischen auch bei mir für einiges Stirnrunzeln. Spieler wie Götze und Schürrle über Wochen nur auf der Ersatzbank zu haben, dafür plötzlich mit vergleichsweise namenlosen Aktiven wie Passlack, Burnic oder Merino in der Startelf zu operieren, welche in der Vorwoche manchmal noch nicht einmal einen Platz im 18er-Kader fanden, das mag aus Trainersicht zwar im Einzelfall erklärlich sein, wirken auf Außenstehende jedoch gerne mal wenig plausibel. Und wenn dann der sportliche Erfolg auf dem Rasen ausbleibt, dann ergibt das Diskussionsbedarf bei allen Beteiligten. So schafft sich ein Trainer Angriffspunkte, welche dann unvermeidlich erscheinen. Und dass er so natürlich auch im Mannschaftskreis zu internen Diskussionen und viel Unzufriedenheit beitragen dürfte, das sollte auch klar sein.

Zudem wirkt auch die Mannschaft auf dem Platz immer häufiger überfordert, planlos oder sogar relativ unwillig, so wie gestern. Das geht dann so auf Dauer eben auch letztendlich alles auf die Kappe des Trainers. Denn er ist dafür zuständig dies zu korrigieren. Wie auch immer.

Bisher konnte Tuchel für seine Entscheidungen noch nachvollziehbare Argumente liefern. Doch auch das scheint ihm zunehmend schwerer zu fallen, wie u.a. die in der Kritik stehenden Pressekonferenzen nach den Niederlagen in Frankfurt und Darmstadt, wo er zuletzt sogar die Qualitätsfrage bzgl. seines durchaus hochkarätig besetzten Kaders stellte, ja auch eindrucksvoll gezeigt haben. Da wird inzwischen ein Keil zwischen Trainer und Team sichtbar, den es in dieser Ausprägung eigentlich nicht geben darf.

Klar, nach Niederlagen sind ehrgeizige Sportler und auch Trainer, so wie Tuchel, natürlich grundsätzlich immer ein Stück weit genervt, reagieren häufig wenig souverän und fallen die Antworten da dann häufig mal recht kurz und unwirsch aus. Aber bei einem selbsterklärten Spitzenteam des deutschen Fußballs wie den Dortmundern kommt das in den letzten Wochen so einfach zu häufig vor, wie auch ich inzwischen finde.

Treuebekenntnisse über eine langfristige Zusammenarbeit zwischen den Vereinsverantwortlichen Aki Watzke und Michael Zorc und dem Cheftrainer blieben zudem seit Monaten aus, befeuern so natürlich auch noch indirekt die ohnehin schon kursierenden Gerüchte über ein angespanntes Verhältnis, eine mögliche Trennung im kommenden Sommer.

Aktuell bekomme ich jedoch so langsam arge Zweifel, ob man es in dieser Konstellation überhaupt noch bis zum Sommer schaffen wird.

Wenn der BVB in den nächsten 3-4 Spielen nicht wieder deutlich die Kurve zu deutlich mehr überzeugenden Auftritten bekommt, dann könnte die Amtszeit des Übungsleiters vielleicht auch schon schneller enden als man es vor Monaten noch geglaubt hätte.

Und dieses Szenario hätte auch ich vor Wochen noch für völlig ausgeschlossen gehalten. Aber der BVB kann es sich schlicht nicht erlauben in dieser Spielzeit, wo eigentlich kein Team an die Stärke des BVB und der Bayern aus der Vorsaison heranreicht, am Ende im Mai nicht auf einem Champions League-Platz einzulaufen. Das wäre schlicht peinlich. So wie auch die gestrige Pleite beim größten Underdog der Bundesliga.

Sehr viele negativ behaftete Themen und Baustellen rund um den Revierclub derzeit. Keine gute Phase aktuell um ein BVB-Fan oder -Trainer zu sein…

 

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28 Kommentare zu “Thomas Tuchel in Not – Ist er noch der richtige Trainer für den BVB?

  • #1
    Björn Hage

    Tuchel muss wohl weg. Wie kann der Mann immer wieder erfahrene Könner auf der Bank sitzen und stattderen Greenhorns auf den Rasen schicken? Damit ist auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft dahin. Der Tuchel ist wohl etwas "bekloppt".

  • #2
    Klaus Lohmann

    Scheint, als hätten die Medien nur drauf gewartet, beim BvB nach all den Kloppschen und Tuchelschen Harmoniejahren endlich wieder Zwietracht säen zu können. Das bringt Quote, Clicks und Auflage.

    Die Mannschaft ist in dieser jetzigen Form unreif, da die richtigen und wichtigen Führungsspieler fehlen. Das kann und muss man Zorc und Tuchel vorwerfen, sonst nix. Wenn das Management dieses Jahr den großen Erfolg will, hat man die falschen Ziele gesetzt – oder von Sponsoren und Investoren falsch gesetzt bekommen. Hallo Red Bull;-)
    Wenn man eine starke und dominante Mannschaft über Jahre aufbauen und pflegen will, *damit* die großen Erfolge zumindest annähernd "planbar" werden, dann hält man tunlichst an Tuchel fest.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @Björn Hage: Wir reden hier nicht von einer Tresenmannschaft, in der das "schöne Gefühl auf’m Platz" und die "Stimmung" vorrangig ist. Das sind Vollprofis, die ihre Rolle sowohl in der Startelf als auch auf der Bank ausfüllen *müssen*, ansonsten haben sie ihren Beruf verfehlt. Schau Dir an, wer bei den Bayern so alles auf der Bank rumlungert.

    Gestern hat Tuchel einen wirklich fetten Schnitzer mit der Aufstellung von Burnic auf der linken Abwehrseite produziert, über die dann das 2:1 und viele gefährliche Darmstädter Angriffe liefen, denen er nur kopflos hinterher lief. Kann man gegen Darmstadt mal probieren, um dem Jungen Praxis zu spendieren, ging diesmal aber vor allem deshalb schief, weil *die gesamte Mannschaft inkl. der erfahrenen Spieler* entweder Drogen genommen hatte oder im Winterschlaf schlummerte. Es ist eben immer noch kein Team aus einem Guss mit Führungspersonen.

  • #4
    Rübezahl

    Naja, der Reus trifft ja auch nix.

    Abgesehen davon- immer wurde gejammert, dass die Buli langweilig ist- jetzt wird es doch endlich wieder spannend- nicht so sehr um Platz 1, aber doch um die Plätze 2-4. So hat man sich das bei Schwatzke und Co dann wohl doch nicht vorgestellt. Wenn man den Kader des BVB ansieht, ist es allerdings schon ein Witz, dass man mit den Bayern, die ja auch gehörig schwächeln und mit einer Mannschaft schon nahe am Rentenalter kicken, nicht auf Tuch(el)fühlung ist.

    Irgendwie klaffen beim BVB Anspruch, Geld und Wirklichkeit weit auseinander. Es scheint, dass die Aktiengewinne wichtiger als der spielerische Erfolg sind.

    Dass Schürrle und Götze absolute Fehlinvestitionen sind, die am fussballersichen sachverstand der Verantwortlichen zweifeln lassen, wird immer offensichtlicher. da verbrennt Kapital auf der Bank und blockiert Plätze für hungriuge Nachwuchstalente..

  • #5
    Walter Stach

    Robin,
    noch ist kein Saisonsziel gefährdet -3., zumindest 4.Platz am Ende der Saison , Weiterkommen im DFB-Pokal und weiterhin in der Champ.lig dabei!
    Warum wird trotzdem Tuchel als Trainer in Frage gestellt?

    Vorstand, Trainer, Spieler und die allermeisten Fans waren sich einig -und sind sich hoffentlich weiterhin weitgehend einig,daß die Spielzeit 2o16/2o17 eine Übergangszeit ist von einer etablierten, erfahrenen Mannschaft -mit Hummels und…-hin zum Aufbau einer neuen nationalen und europäischen Spitzenmannschaft.

    Auch dieses Ziel ist nicht gefährdet.
    Im Gegenteil.
    Die jungen neuen Spieler lassen doch immer öfter erkennen, welche Qualität eine neu formierte Mannschaft haben kann, wenn…? Ja, wenn "man" u.a. bereit ist, Tuchel und seinen jungen Spieler die notwendige Zeit einzuräumen, so daß sich jeder der jungen Spieler weiterentwickeln und die Mannschaft als Ganzes zusammenfinden und zu konstanten Leistungen kommen kann.

    Und trotzdem wird Tuchel in Frage gestellt?

    Im übrigen:
    sh. Klaus Lohmann -2- im ersten Absatz.

    Nach meiner Wahrnehmung hat u.a. der lokale Sportredakteur Krampe von den Ruhrnachrichten seit "Amtsantritt" von Tuchel unverhohlen seine Vorurteile gegenüber Tuchel gepflegt und gezielt dazu beigetragen, daß wider jegliche Vernunft immer wieder die Fähigkeit Tuchels als für den BVB geeigneter Trainer öffentlich debattiert wurde und jetzt wieder debattiert wird.

    "Versuche der Meinungsmache, Pflege eines Vorurteiles, Selbstdarstellung eines Redakteures, Stabilisierung der Auflage der RN (und damit Sicherung des Arbeitsplatzes),anstelle eines "an sich pflichtigen Bemühens" eines Redakteurs,"faktengerecht" eine Lage zu erfassen und diese möglichst vorurteilsfrei zu bewerten?
    Und was Krampe im kleinen praktiziert, machen im großen die sog. Sportexperten von….???

    Ich hoffe darauf und ich wünsche mir sehr, daß Vorstand, Trainer, Mannschaft und vor allem eine große Mehrheit der BVB-Fan-Gemeinde weiterhin sehr gelassen mit diesem Medien-Getöse kontra Tuchel umgehen werden.

    PS
    Das Alles steht nicht in Widerspruch zu einer konkreten und sachlich begründeten Kritik an der Leistung der Mannschaft in einem einzelnen Spiel und daran, daß man Aufstellung und Taktik des Trainers bezogen auf ein einzelnes Spiel -sh.gestern in Darmstadt-kritisch hinterfragt;ganz im Gegenteil.
    -sh. auch dazu Klaus Lohmann -3-im 2.Absatz.

    Und ab sofort , dashoffe ich jedenfalls, blicken Trainer und Spieler und die meisten Fans nicht mehr zurück, sondern nach vorne, nämlich auf das Spiel unseres BVB in Lissabon.
    Ich finde es toll, daß die junge Truppe des BVB dieses Spiel machen darf -S04, RB Leipzig, Hoffenheim, Frankfurt, dieHerta, der FC Köln wären "stolz darauf", wenn sie statt des BVB in Lissabon antreten dürften.
    Ich wünsche mir, daß es der Mannschaft in den beiden Spielen gegen Lissabon gelingt, ihre spielerischen Qualitäten zu beweisen. Wenn sie dann trotzdem aus der Champ.lig ausscheiden sollte, wäre das kein sportliches Desaster, aber vermutlich für die Krampes und Co. wieder ein willkommener Anlass, die "Trainerfrage" zu stellen.

  • #6
    Lukas N.

    @Robin Patzwaldt
    Es ist schon erstaunlich, wie schnell der BVB in den letzten Tagen und Wochen in ein negatives Fahrwasser geraten ist. Plötzlich herrscht Unruhe rund um den Verein, überwiegen Negativschlagzeilen wegen sogenannter Fans (die man nur als Idioten bezeichnen kann), die meinen, Beleidigungen und gewalttätige Übergriffe gehörten dazu, wegen angeblicher athmosphärischer Störungen zwischen den Bossen des BVB und Tuchel und wegen der Leistungen der Mannschaft sowie Tuchels Entscheidungen.
    Das hätte man vor wenigen Monaten und selbst vor einigen Wochen so nicht für möglich gehalten.

    Was Du, @Robin Patzwaldt, zu Tuchel schreibst sehe ich ähnlich. Auch ich fand die Kritik an Tuchel bisher überzogen. Er überzeugte gleich in seiner ersten Saison mehr als es viele erwartet hatten. Und den Vergleich mit Klopp fand ich ohnehin immer deplatziert. Wenn ein Trainer neben seiner fachlichen Qualität noch ein Kumpeltyp, witzig und unterhaltsam ist wie Klopp, sind das noch schöne Nebeneffekte und kommt gut an, aber das kann man ja nicht zum Maßstab für andere Trainer nehmen. Einen vergleichbaren Trainertypen wie Klopp gibt es auch sonst kaum. Tuchel ist noch recht jung und gilt als einer der besten deutschsprachigen Trainer. Auch ich finde es gut, dass Tuchel immer was zu sagen hat und nicht einfach irgendetwas nichtssagendes dahinplaudert. Er versucht immer, inhaltlich zu argumentieren. Und emotionslos ist Tuchel auch nicht, sondern er gehört gerade beim Coaching an der Seitenlinie zu den emotionaleren Trainern. Wichtig ist, dass ein Trainer fachlich gut und erfolgreich arbeitet und insgesamt zum Club passt. Einem neuen Trainer muss man auch etwas Zeit geben und nicht gleich den Stab über ihn brechen, wenn es mal nicht optimal läuft. Also dachte ich bisher, dass das mit Tuchel passen könnte.
    Ich muss gestehen, dass sich jetzt seit der Pleite in Darmstadt auch bei mir leichte Zweifel einschleichen, bin mir aber noch nicht sicher, ob diese berechtigt sind. Die sportliche Bilanz ist ja nach wie vor gut. Der BVB hat die CL-Gruppe souverän vor Real Madrid gewonnen, steht im Viertelfinale des Pokales und bewegt sich in der Tabelle nach wie vor im Bereich der Plätze, die eine Teilnahme an der CL ermöglichen.
    Des Weiteren darf man nach wie vor nicht vergessen, dass der BVB den größten personellen Umbruch seit langer Zeit zu bewältigen hat. 3 Schlüsselspieler haben den BVB verlassen (Hummels, Mkhitaryan und Gündogan) und das wiegt schwer, ist schwer zu kompensieren. 8 neue Spieler müssen integriert werden, nicht nur gestandene Spieler, sondern auch mehrere junge Toptalente, die noch in der Entwicklung sind. Auch die Verletzungsmisere, die dazu führte, dass zeitweise bis zu 10 Spieler gleichzeitig ausgefallen sind, ist zu berücksichtigen.

    Trotz allem macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass es in der Liga besser hätte laufen können, vielleicht auch müssen und dass das Erreichen des so wichtigen CL-Platzes am Ende der Saison in Gefahr geraten könnte. Auffällig ist, dass der BVB in englischen Wochen nach schweren Spielen zuvor schwächelt, besonders auswärts, gerade gegen nicht ganz so stark eingeschätzte Gegner. Mittlerweile hat man ja eine Winterpausen-Vorbeitung hinter sich und die Verletzungsmisere hält sich in normalen Grenzen.
    Tuchel hat sich wegen seiner Aussagen nach dem Spiel in Darmstadt selbst angreifbar gemacht. Denn er sagte vor dem Spiel, dass es in Darmstadt ein Mentaltiätsspiel sei, dass es nicht vorrangig um Taktik gehe, sondern um Willen und Bereitschaft. Nach dem Spiel sagte er, dass nichts von dem zu sehen war, was man sich vorgenommen hatte, dass man praktisch durchgefallen sei. Und er sagte, dass man evtl. akzeptieren müsse, dass das wahre Bild der Mannschaft sei und dass man evtl. bis Saisonende mit derart schwankenen Leistungen leben müsse.
    Wirklich? Schon nach dem Frankfurt-Spiel hatte Tuchel seiner Elf eine Nichtleistung bescheinigt und die Grundtugenden abgesprochen. In Ingolstadt wurde die Frage aufgeworfen, warum plötzlich Park Linksverteidiger spiele, in Darmstadt war es Burnic, weil Schmelzer wie auch auf der anderen Seite Piszczek ausgefallen sind.
    An den jüngsten Spielern wie Burnic und Mor sollte man die Niederlage in Darmstadt sicherlich nicht festmachen, denn es war generell von fast allen Spielern eine schwache Leistung. Und was gewaltig nervt und worüber man sich sehr ärgert, ist die Tatsache, dass die Konkurrenz (Frankfurt, Berlin, Leipzig) verloren hat und man diese Vorlage wieder mal nicht nutzen konnte.
    Man muss die Spieler kritisieren, aber mittlerweile auch Tuchel, weil wenn zum wiederholten Male in Auswärtsspielen die Mentalität fehlt, den inneren Schweinehund überwinden zu können, obwohl Tuchel das vor diesen Spielen jeweils einforderte, dann muss sich der Trainer kritische Fragen gefallen lassen. Es kommt dann immer die berühmte Frage, ob denn der Trainer die Mannschaft noch erreiche. Von außen betrachtet sieht es bisher noch so aus, als ob das Verhältnis zwischen Trainer und Team noch in Ordnung ist. Aber leichte Zweifel kommen auf.
    Man kann u. a. die Frage stellen, warum nicht mehr erfahrenere Spieler in Darmstadt aufgestellt wurden. Was ist z. B. mit dem robusten Castro, der auf der Bank gesessen hat? Der war doch lange Zeit in Topform, hatte sich zu einem Schlüsselspieler entwickelt. Plötzlich kommt er nur sporadisch zum Einsatz. Warum bringt man nicht Kagawa statt Mor oder stellt Schürrle auf links vorne und Reus mehr zentral. Warum spielt man nicht mit Viererkette statt Dreierkette, also 4 : 2 : 3 : 1, um mehr Sicherheit und Stabilität reinzubekommen. Hätte man nicht Merino für die Burnic-Position in den Kader nehmen sollen oder gar Guerreiro nach links hinten zurückziehen müssen, obwohl der natürlich im Mittelfeld wertvoll ist? Oder Bartra oder Passlack?
    Warum fehlt zu vielen Spielern die Konstanz in ihren Leistungen? Warum macht der eine oder andere Spieler einige tolle Spiele, landet dann aber wieder auf der Bank oder verschwindet weitgehend vom Radarschirm?
    Natürlich kann der Trainer die Spieler besser einschätzen, weil er sie im Training sieht, aber das eine oder andere, da gebe ich @Robin Patzwaldt Recht, ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar, gerade weil ja die Probleme auswärts gegen unangenehme sowie kampf- und/oder pressingstarke Teams bekannt sind. Warum fehlen in Darmstadt von der 1. Minute an Einstellung, Mentalität und Aggresivität, obwohl Tuchel genau das einforderte? Warum sind einzelnen Spieler und das gesamte Team so wenig konstant? Warum gelingen nur noch wenige überzeugende Spiele, schwächelt man die Defensive, mal die Offensive, mal beide?

    Irgendwie ist es zwar Klagen auf hohem Niveau, weil man trotz des großen Umbruches sportlich noch im Soll ist, aber so langsam schleichen sich leichte Zweifel ein und dazu hat Tuchel mit seinen Entscheidungen und Statements beigetragen.
    Der Kader ist trotz des Umbruches stark genug, um einen CL-Platz erreichen zu können, gerade wenn man ihn mit der Konkurrenz um die CL-Plätze vergleicht, auch wenn die Konkurrenz keine internationalen Spiele in CL oder EL hat. Tuchel hat diese Saison aus den genannten Gründen eine alles andere als einfache Aufgabe zu bewältigen, aber es muss der Anspruch sein und bleiben, einen CL-Platz zu erreichen.
    Ich hoffe, dass die bevorstehende Hürde in der CL genommen werden kann und mehrere gute Spiele in der Liga folgen. Ansonsten befürchte auch ich, dass die Unruhe auch rund um den Trainer zunehmen könnte. Grundsätzlich begrüße ich es und halte es für wichtig, wenn möglichst länger als 2 bis 3 Jahre mit einem Trainer zusammengearbeitet werden kann. Ob es auch atmosphärische Störungen zwischen den Bossen und Tuchel gibt, lässt sich bisher allenfalls vermuten, aber nicht belegen. Man hat sich jedenfalls darauf geeinigt, nach dieser Saison Bilanz zu ziehen und auf dieser Grundlage über eine evtl. vorzeitige Verlängerung zu sprechen. Was nach dem Spiel in Darmstadt aufgefallen ist, ist Tuchels Aussage, es müsse auch mal intern ankommen, dass solche schwankende Leistungen gerade in englischen Wochen und gerade auswärts das abbilde, was das Team leisten könne. Vielleicht sei es diese Saison einfach so, meinte Tuchel. Das kann ja nur heißen, dass die Bosse das etwas anders sehen und der Meinung sind, dass angesichts des zur Verfügung stehenden Kaders mehr geboten werden müsse.
    Es bleibt also spannend in den nächsten Wochen und ich hoffe, dass sich im sportlichen Bereich nicht auch noch eine Baustelle auftut, sondern das Team in den nächsten Wochen überzeugen kann.

    Geschockt war ich als ich hörte und lesen musste, 90 Mitglieder zweier Dortmunder Ultragruppen seien mit Pyrotechnik, Kampfsport-Handschuhen usw. auf dem Weg nach Darmstadt von der Polizei gestoppt und wieder zurückbegleitet worden. Und das nach den Ereignissen rund um das Heimspiel gegen RB Leipzig und die öffentliche Diskussion dazu, das nach dem Imageschaden für den BVB und seine Fans. Da ist man nur noch sprachlos und weiß, dass das keine echten Fans sind, sondern das sind gewaltbereite Idioten und Chaoten, die den BVB eher für ihre Gewaltzwecke missbrauchen und die den weltweit guten Ruf der BVB-Fans gefährden, die allen BVB-Fans schaden, auch denen, die friedliebend sind und das ist ja die überwältigende Mehrheit der Fans.
    Gegen diese Chaoten und Idioten muss mit aller Härte vorgegangen werden, einmal mit den Möglichkeiten des Vereines und andererseits mit den Möglichkeiten der Polizei und der Justiz. Leider hat sich ja zu den bisherigen Hardcore-Ultras noch die neue und leider besonders gewaltbereite Riot-Gruppe gesellt.
    Die überwältigende Mehrheit der Fans, die ja friedliebend ist und für eine friedliche Fankultur eintritt, muss erkennen, dass auch sie jetzt gefordert ist, nach innen zu wirken, auch die wahren Fans auf der "Süd", die dort ja auch in der großen Mehrheit sind. Und sie müssen auch klare und eindeutige Zeichen, eindeutiger als bisher, nach außen geben, damit nicht der Eindruck entsteht, dass diese kleine Minderheit an Idioten und Chaoten für die BVB-Fans steht.
    Die friedliebenden Fans müssen sich aktiv gegen diese Chaoten und Idioten auflehnen und dabei Zivilcourage zeigen, deutlich machen, dass diese Leute nicht als BVB-Fans akzeptiert werden und man sie nicht haben will. Ein solcher Prozess muss jetzt einsetzen. Die überwältigende Mehrheit der BVB-Fans, die mit die tollsten Fans weltweit sind, müssen klar die Oberhand gewinnen, klare Zeichen nach innen und außen senden.
    Man kann sich ja kritisch mit Clubs wie RB Leipzig auseindersetzen, aber das muss man konstruktiv, intelligent, auch witzig und humorvoll tun. Nur dann punktet man. Beleidigungen und Gewalt dagegen sind absolut tabu und haben rund um den Fußball nichts zu suchen. Wenn andere in hirnrissiger Weise auf Plakaten beleidigt werden oder wenn man gar durch Gewaltanwendung Verletzungen, sogar schwere Verletzungen, anderer in Kauf nimmt, dann ist das einfach nur kriminell. Damit trifft man auch nicht die, gegen die man irrsinniger Weise kämpft, sondern schadet dem BVB und den Fans und nutzt gerade denen, gegen die man sich wenden will, schießt ein gewaltiges Eigentor, Sperrung der "Süd" und hohe Geldstrafe inclusive, vom Imageschaden gar nicht zu reden.

    Ich hoffe, dass diese unruhige und schwierige Phase derzeit in den nächsten Wochen und Monaten überwunden werden kann, sportlich und auch was das Verhalten der Fans angeht, im Interesse des BVB und im Interesse aller friedliebenden Fans, die ja die überwältigende Mehrheit der Fans darstellen.

  • #7
  • #8
    Walter Stach

    Gestern habe ich hier bei den Ruhrbaronen " Danke gesagt" gegenüber S04, weil S04 uns BVBern die Herta " vom Halse gehalten hat". Heute gilt mein Dank den Wolfsburgern für ihren Sieg gegen Hoffenheim, den ich nicht erwartet hatte.
    Deshalb(!!) sieht ja die Tabelle trotz der Schlappe in Darmstadt für uns BVBer doch gar nicht schlecht aus oder?
    War insgesamt noch mehr möglich?
    Darüber mag nachdenken wer will, immer Gefahr laufend, nach Schuldigen suchen zu müssen, für das vorgeblich Versäumte.
    Ich mache das nicht. Ich bin mit dem bisher Erreichten unter den gegebenen Bedingungen zufrieden und erspare mir folglich das Nachdenken über Schuld und Schuldige mit Blick auf das vorgeblich Versäumte.

  • #9
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Walter: Zu was der BVB in der Lage ist, das hat er schon gezeigt in dieser Saison. Leider aber auch, dass es gerade gegen die ‘Kleinen’ häufig dann nicht reicht. Das kann kein reiner Zufall mehr sein. Damit kann man nicht zufrieden sein. Mit dem Tabellenplatz in der Buli, der Vietelfinalteilnahme im Pokal und dem Überwintern in der UCL schon. Aber das darf ja nicht den Blick auf die Gesamtentwicklung blockieren. Denn diese ist eher bedenklich. Da stellt sich inzwischen bei vielen Beteiligten die Charakterfrage.

  • #10
    Walter Stach

    Robin,
    ich komme mit den Danksagungen als BVBer an diesem Wochenende gar nicht zu Ende.
    Nach S04, nach Wolfsburger gilt mein Dank jetzt den Freiburgern für ihren Sieg gegen Köln, denn wenn der 1.FC gewonnen hätte, wären die Kölner auf Platz 3!!

    "Datt Glück iss mit die Doofen", sagt man dann und wann hier im Revier.

    Robin,
    das mit dem Charakter ist mir " eine Nummer zu groß".
    Letztendlich dürften nur die Spieler und der Trainer einigermaßen objektiv in der Lage sein, die Gründe für ihre gelegentlichen Schlechtleistungen, für ihre mangelnden Konstanz aufzudecken und sich darum bemühen, konstanter zu spielen.
    Sieg gegen Leipzig, Weiterkommen im Pokal und dann Niederlage in Darmstadt?

    Ich jedenfalls kenne nicht die Gründe für die Schlechtleistung in Darmstadt vor allen nicht nach dem Sieg gegen Leipzig und dem Weiterkommen im Pokal; ich könnte besten-/schlechtestenfalls über sie spekulieren .Das werde ich nicht tun, u.a. deshalb nicht, weil solche Spekulationen auch auf den Trainer bezogen sein könnten, was ich jetzt und hier für " absolut fehl am Platze halte" -sh. -5-.

  • #11
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Walter: Es ist Tuchels Job diese leidenschaftslosen Auftritte wie den in Darmstadt zu minimieren. Aktuell gibt es dafür aus der Sicht von mindestens 95% der BVB-Anhänger jedoch deutlich zu viele. Kann er sie zumindest wieder begrenzen, dann ist es ja gut. Gelingt ihm das aber nicht innerhalb einer gewissen Zeitspanne, dann macht er seinen Job eben schlecht. Und mit seinen teils wenig verständlichen Personalrotationen macht er sich zusätzlich angreifbar. Und mir fehlen im derzeitigen Kader auch einfach echte Leadertypen, so wie Sammer früher einer war, der auch dem Möller mal sprichwörtlich in den Hintern trat, wenn dieser bei Ballverlusten in der Offensive nicht mit zurückgelkaufen ist. 😉

  • #12
    Klaus Lohmann

    Gerade *weil* die gesamte Konkurrenz Federn bzw. Punkte gelassen hat, ist diese Niederlage gegen Darmstadt doppelt, dreifach übel und kann dem spielerischen und auch wirtschaftlichen Saisonziel des Vereins – direkte CL-Quali – eigentlich nur schaden. Da können sich die anderen Vereine freuen, dass wir so dermaßen blöd sind und gegen einen potenten Absteiger verlieren.

    Und das ist eine Grundproblematik des BvB in den letzten Jahren – es gibt gegen (auf dem Papier) große Namen große, begeisternde Spiele, aber gegen den Tabellenkeller wird regelmäßig schei.e gepöhlt und Punkte abgegeben, die dann in der Abrechnung am Ende schmerzhaft fehlen. Hier fehlt die Reife, als Team auch die "Brot+Butter"-Spiele mit voller Konzentration und Motivation anzugehen, drei Punkte mit Mundabwischen einzufahren und sich so ganz vorn zu halten. Wenn man etwas Gutes von den Bazis aus München lernen kann, dann dies.

  • #13
    Tim Wassenaar

    Tuchel ist der falsche Mann. Mit seinen absolut wirren Rotationen unter gleichzeitigen Versauern-lassen millionenschwerer Einkäufe auf der Ersatzbank dürfte er ausschließlich schlechte Stimmung in die Mannschaft bringen. Tuchel muss weg, damit das Dortmunder Potential auf dem Rasen aufkreuzen kann.

  • #14
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Aber wer sollte dann auf ihn folgen? Ich sehe da aktuell keinen sich wirklich aufdrängenden Kandidaten. Nagelsmann ist noch sehr unerfahren, das Thema Klopp ist wohl auch erst einmal durch. Ich sehe keinen besseren als Tuchel. Hier jemand?

  • #15
    Klaus Lohmann

    Robin, nur weil ein Teil der Fans wieder mal auf die lokalen Presseschmierereien reinfällt (wurde genau so vorhin auch bei Sky90 thematisiert), gibt es nicht automatisch eine Nachfolger-Diskussion. Bewerten können Tuchels Arbeit nur Watzke, Zorc und evt. noch der Rest der Führungsgremien. Wollen wir jetzt schon auf Schalker Verhältnisse hinarbeiten?;-)

  • #16
    ke

    Der Trainer muss noch seinen Weg finden, wie er in 3 Wettbewerben agieren muss.
    Auch dies braucht Zeit.
    Ich hoffe nur, dass Dortmund nicht dem Jugendwahn verfällt und nur noch sehr junge Spieler aufstellt. Es sind zu viele gute etablierte Spieler im Team, denen man aktuell nicht erklären kann, wieso sie nicht spielen. Auch Jugendliche benötigen Zeit, um das höhere Niveau dauerhaft zu spielen.

  • #17
    b

    Man kann ihm beim letzten Spiel ggf. ankreiden, mit Burnic einen Debütanten in der Dreierkette aufzustellen. Allerdings war das fast alternativos, wenn Schmelzer, Bender und Piszcek fehlen. Der BVB hätte schon im Winter einen soliden IV holen müssen, nun wird es bis Sommer wackelig bleiben. Klar hat der Verein vorne Millionenschwere Optionen, aber was helfen die ganzen Offensivleute, wenn es hinten brennt. Das Problem existierte schon noch mit Hummels unter Klopp, und wurde seitdem nicht besser. Da sehe ich aber nicht ausschließlich Tuchel in der Verantwortung, auch wenn er eher gehen müsste als Susi.

  • #18
    Walter Stach

    Thomas Tuchel,
    eine Persönlichkeit, die nicht nur zu den Spitzentrainern in Deutschland -in Europa?-zählt, sondern bekanntermaßen jemand ist, der sich nicht selbst inszeniert, wie z.B. der Bundesjogi, und der, was ich an ihm besonders schätze, fähig und willens ist, kritisch über die derzeitige Verfaßheit des Fußballsportes, also seines Sportes und insofern auch über sich selbst nachzudenken und darüber öffentlich zu diskutieren.
    Letzteres konnten all diejenigen miterleben, die am Sonntagabend dabei waren, als im Dortmunder Fußballmuseum Prof. Hans Ulrich Gumbrecht -deutsch-amerikanischer Literaturwissenschaftler- und Thomas Tuchel über den Fußballsport philosophiert haben.

    Robin Patzwald hatte dankenswerterweise auf diese Veranstaltung bei den Ruhrbaronen vorab hingewiesen.
    Heute gibt es zu diesem Ereignis einen m.E. gut gelungenen Beitrag -berichtend und zugleich kommentierend-, in der TAZ -Leibesübungen S.19- von Felix Meininghaus.

    Haben die örtlichen/regionalen/nationalen Sportmedien dazu ‘was berichtet?
    Ich vermute ‘mal nein, und wenn, dann vermutlich nicht so eingehend wie die TAZ, was mich fragen läßt, warum das so ist.

    PS
    Mir ist selbstverständlich klar, daß das Wirtschaftsunternehmen BVB nicht deshalb an seinem Manager Tuchel festhalten wird, weil dieser Manager fähig und willens ist, (selbst-) kritisch mit einem weltweit bekannten Literaturwissenschaftler über "Fußball heute" zu philosophieren. Persönlich finde ich es allerdings bemerkenswert und als BVBer irgend wie schon erfreulich, daß wir einen solchen Trainer haben.

    Apropo Wirtschaftsunternehmen und Manager:
    Es scheint so, daß es auch im Wirtschaftsunternehmen BVB den in beinahe allen Unternehmen ständig geführten Streit darüber gibt, ob von einem Unternehmenserfolg nur dann geredet werden kann, wenn am jeweiligen Jahresende "die Bilanz" stimmt, oder ob der Erfolg eines Unternehmens davon abhängig gemacht wird, ob es dauerhaft im Wettbewerb mit der Konkurrenz als eines der Besten seiner Branche bestehen kann; insofern wäre der angebliche interne BVB-Streit also "unternehmerische Normalität".
    Im übrigen weiß ich nach wie vor nicht -faktengestützt!!-, ob die tagtäglich medial propagierten Meinungsverschiedenheit zwischen Watzke und Tuchel tatsächlich bestehen oder nicht.

  • #19
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich wollte zu dieser Veranstaltung im Fußballmuseum eigentlich selber auch hingehen, Walter. Dann hätte ich auch hier darüber etwas geschrieben. Leider ist mir dann aber kurzfristig ein anderer Termin dazwischengekommen, was ich sehr bedauert habe.

  • #20
    Klaus Lohmann

    @Walter Stach: Wenn das BvB-Management und Tuchel *nicht* intern über die notwendigen und richtigen bzw. am meisten erfolgversprechenden Strategien der Unternehmensführung inkl. aller daraus ableitbaren Parameter – also auch der reine Spielbetrieb und die Marktwert-Definition des Spieler"parks" – diskutieren und natürlich auch kräftig streiten würden, hätte ich meine BVB-Aktien schon längst abgestoßen;)

  • #21
    Walter Stach

    Klaus Lohmann
    Trainer und Mannschaft können ja noch etwas dafür tun, daß der Kurs der BVB-Aktie steigt:
    3:1 im Rückspiel gegen Lissabon,
    3.mindestens 4. Tabellenplatz am Ende der lfd.Spielzeit
    Und Einzug ins Pokalendspiel!
    (Und dann mit besserem Personal in der Abwehr – ua.mit Toprak- in die Spielzeit 2o16/2o17.
    Wunschträume oder erreichbare Ziele?

    Nachtrag:

    Mir scheint, daß es abgesehen von Sokratis zwar eine Menge guter bis sehr guter Fußballer in der Mannschaft des BVB gibt, aber keine Persönlichkeiten, die allesamt geprägt sind von einem unbedingten Siegeswillen und der Bereitschaft, von der ersten bis zu letzten Minute hochkonzentriert (!!) ihrem Job nachzugehen. Wenn ich die Charaktere beim FCB mit denen des BVB vergleiche, und zwar auf allen Positionen in der Mannschaft, dann verfügt der FCB eben auf jeder Position über diese Persönlichkeiten , die in jedem Spiel bis zum Abpfiff höchstkonzentriert arbeiten (!!) -nicht unbedingt immer gut spielen-, die allesamt wissen und beweisen, daß es ohne Einsatz- und Kampfeswille keine Siege geben kann und die u.a. deshalb regelmäßig demonstrieren, daß bis zum Schlußpfiff dieser unbedingte Siegeswillen jedem einzelnen Spieler leitet.

    Wenn etwas daran sein sollte, was mir ,wie beschrieben, so zu sein scheint, dann bleibt die Frage a.) warum das so ist und b.) ob sich das kurzfristig und mit Dauerwirkung ändern läßt. Dabei stellt sich für mich nicht die "Trainerfrage", sondern die Frage nach den Charaktereigenschaften der derzeitigen BVB-Spieler, die , so scheint mir, ihre Spielchen machen -dann und wann unstrittig begeisternde-, die aber nach meiner Wahrnehmung nicht begreifen können oder nicht begreifen wollen, daß sie einem hochbezahlten Beruf in einem Wirtschaftsunternehmen nachgehen, indem man verpflichtet (!!) ist, stets das Beste für sein Unternehmen tun zu müssen, und das heißt: "gewinnen"!
    In diesem Sinne sehe ich , wie gesagt, Profis (!!) beim FCB am Werke, beim BVB insgesamt nicht, jedenfalls dann nicht, wenn es um die Erfüllung ihrer für mich selbstverständlichen beruflichen Pflichten geht.
    Anmerkungen, die der völlig unnötigen Niederlage in Lissabon geschuldet sind? Nein, die aber unbestritten in dieser Niederlage ihren konkreten Anlaß haben.

  • #22
    Klaus Lohmann

    @Walter Stach: Eine *mögliche* Ursache für die nur mäßig vorhandene Eigenmotivation der Spieler könnte sein, dass man – ähnlich wie bei den blauen Nachbarn – von einem Großteil der Fans im Stadion ja permanent bejubelt wird und die Zuschauerzahlen auch nach dem allerletzten Schrottkick dauerhaft auf dem Maximum bleiben.

    Der unreife Jungspund und der gesättigte, fußlahme Altprofi folgern haarscharf: Leistung ist hier egal, geschrien und gejubelt wird immer. Und sollte die Stimmung *mal* so wie gerade jetzt etwas umschlagen, dann ist das nur Pöbelei, Neid oder doofe Presse (obwohl, mit Letzterem hätte man ja Recht;-)).

    Also -> dauerstimmungsgröhlende Ultras und "Traditionsfetischisten" raus, normale Fußball-Nörgler wieder rein ins Stadion:-)

  • #23
    Walter Stach

    Klaus Lohmann,
    ich rechne mich zu den "normalen BVB-Fans", zu den "Durchschnitts-Typen".
    Ich freue mich, wenn gewonnen wird. Ich ärgere mich, wenn verloren wird.

    Und dann und wann mache ich mir "so meine Gedanken", wenn………und diskutiere darüber mit anderen Fans, auch hier bei den Ruhrbaronen; nicht mehr, nicht weniger.
    Ein Nörgler bin ich nicht -weder im Fußball noch sonst wo-.
    Ins Stadion geh ich nur noch ganz, ganz selten Das ist altersbedingt und geht einher mit Abscheu vor den Pöbeleien von Fans des BVB und der Gastmannschaften.

    Ich denke, daß ich mittlerweile vom unmittelbaren Geschehen um den BVB bzw. mit dem BVB soweit weg bin -auch emotional-, daß meine Meinungen dazu vermutlich durch die Realitäten , wie sie die heutigen Fans in ihrer großen Mehrheit sieht, nicht gedeckt werden wird. Insofern diskutiere ich gerne über "unseren BVB" , aber doch mit gehöriger Distanz und entsprechender Gelassenheit.

    Gelassen bin ich allerdings dann nicht , wenn ich den Eindruck gewinne, daß von Gegnern des BVB auf diesen unsachlich, polemisch, faktenwidrig, hämisch und überheblich "eingedroschen" wird.

  • #24
    Klaus Lohmann

    @Walter Stach: Kein Vertun – ich zähle mich natürlich auch zu den Normalo-Meckerern;-)

  • #25
    Walter Stach

    Klaus Lohmann,
    wir "Normalo Meckerei", die u.a. über die Gründe für die starken Leistungsschwankungen des BVB nachdenken und diskutieren – Charakterfrage? Mentalitätsprobleme-, müssen nach dem Spiel der Bayern gestern gegen Arsenal zu alldem registrieren, daß auch die spielerischen Qualitäten eines jeden Bayern-Spielers weit über die der BVB-Spieler hinausgehen -von Neuer über……bis Lewandowsky! Was u.a. Thiago gestern zeigte, hat, den "Klassenunterschied" in den spielerischen Qualitäten des FCB im sog. "offeniven Mittelfeldspielern" zum BVB "überdeutlich" gemacht.

    Das wird der BVB auch zukünftig angesichts seiner finanziellen (Un-)Möglichkeiten nicht ändern können. Damit haben wir "BVBer" zu leben,.Deshalb ist es nur folgerichtig und realistisch, wenn sich der Verein -Vorstand, Trainer, Mannschaft, Fans-sich darauf einzustellen, jedes Jahr bestenfalls "nur" hinter dem FCB um einen Champ.lig-Platz (mit-)spielen zu können und zu wollen was ja -sh. die momentane Situation in der Tabelle- für den Verein, für die Mannschaft und den Trainer eine große Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit ist und auch für uns Fans keine Selbstverständlichkeit sein sollte.

  • #26
    thomas weigle

    Ich darf die schwattgelben Meckerer daran erinnern, dass auch der aktuelle Tabellendritte in Darmstadt verloren hat. Mein Rat: Kritik tiefer hängen.

  • #27
    Klaus Lohmann

    @thomas weigle: Nö, macht doch keinen Spassss;-)) Susi Zorc hat die Losung selbst ausgegeben, dass man als BvB nicht zum Tabellenletzten fährt, um dort Punkte hinzuwerfen. Aber dazu bedarf es einer Mannschaft, die eben die nötige Reife besitzt, um auch ohne Topspielzuschlag und Süd im Rücken diese Punkte zu sammeln. Samstag mit ohne Süd wird seeeehr interessant werden, was diese Reifeprüfung angeht.

  • #28
    Walter Stach

    Thomas Weigle,
    unsere Kritik ist doch nicht hoch gehängt!

    Nach wie vor halte ich die von mir hier mehrfach bekundeten Saisonziele des BVB für erreichbar ( 3.oder 4.Platz in der Liga, Weiterkommen in der Champ.lig -trotz der Niederlage in Lissabon -und Erreichen des Pokalendspieles in Berlin . Das setzt doch voraus, daß "man" weiterhin auf die Mannschaft, den Trainer und auf deren Fähigkeiten baut!

    Samstag wird es -sh.dazu auch Klaus Lohmann -27- ganz sicher eines der sog. außergewöhnlichen Heimspiele des BVB geben, nicht nur, aber ganz sicher auch wegen der leeren Südtribüne.
    Aber, daran sei erinnert, außergewöhnliche Heimspiele des BVB mit außergewöhnlichen Belastungen für die Mannschaft und für den Trainer (auch für Vorstand und Fans) hat es in der langen Geschichte des BVB schon sehr viele gegeben. Überlebt hat der BVB sie seit 19o9 alle, also wird das "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" auch für das Spiel am Samstag gegen Wolfsburg zutreffen.

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