Warum der FC Schalke 04 durch seinen Abstieg viele Fußballfans in Deutschland glücklich macht

Schalke 04 wird auch auswärts von zahlreichen Fans unterstützt. Archiv-Foto: Michael Kamps

Zum ersten Mal seit Wochen freue ich mich heute wieder auf einen schönen Fußballabend. Und das liegt zu einem großen Teil am FC Schalke 04. Wenn der beliebte  Ruhrgebietsklub um 20:30 Uhr beim traditionsreichen Hamburger SV gastiert, dann klingt das nach großem Fußball.

Stimmungstechnisch wird es das auch sein, dessen bin ich mir sicher. In Sachen der sportlichen Qualität müssen die Zuschauer aber wohl leider ein paar Abstriche machen. Es handelt sich, auch wenn das Duell der ‚Knappen‘ gegen den ‚Dino‘ für Fußballromantiker nach mehr klingt, hierbei schließlich nur um die Saisoneröffnung in der 2. Fußball-Bundesliga.

Inzwischen ist es auch schon wieder rund zwei Monate her, dass die Gelsenkirchener, trotz einer mehr als respektablen Rückrunde im Fußball-Oberhaus, den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten mussten. Zum zweiten Mal nach 2021.

Der Unterschied im Mai 2023 war, dass sich die Königsblauen diesmal erhobenen Hauptes aus der 1. Liga verabschiedet haben, von ihren Fans erst lange gefeiert und unterstützt, zum Saisonende hin dann bitter beweint wurden, als das Scheitern im Kampf gegen den Abstieg endgültig feststand. 2021 war die Situation rund um den Verein eine gänzlich andere. Damals gab es einen offenen Bruch zwischen Mannschaft und Anhängerschaft. Und das nicht nur durch Corona.

Dementsprechend wird die Fanunterstützung der in den vergangenen Wochen neu formierten Schalker Mannschaft diesmal auch von Beginn an grandios sein. Auch zum Auftakt in Hamburg. Dessen bin ich mir sicher. Und deshalb freue ich mich auch aus neutraler Sicht so sehr auf den heutigen Abend.

Wer die Möglichkeit hat das Spiel im Volksparkstadion zu verfolgen, der wird seinen Spaß haben. Überhaupt darf man sich auf diese Saison im Fußball-Unterhaus mehr als sonst freuen. Denn neben den Gelsenkirchenern ist der Hauptstadtklub Hertha BSC aus der Bundesliga abgestiegen. Auch ein ‚großer‘ Verein, der die zweite Liga ab sofort bereichern wird und der immer für eine interessante Geschichte gut ist.

Ein Blick auf die angesetzten Begegnungen in den kommenden Wochen zeigt, dass an jedem Spieltag mindesten eine Begegnung auf dem Spielplan steht, die so gar nicht nach Zweitligafußball klingt. So setzt sich der erste Spieltag zum Beispiel schon am Samstagabend mit dem interessanten Duell Fortuna Düsseldorf gegen Hertha Berlin fort. Auch dieses Spiel wird, wie der Saisonauftakt am Freitag, wieder hunderttausende Fußballanhänger in seinen Bann ziehen.

Neben Hamburg, Schalke und Hertha BSC sind unter anderem auch ehemalige Erstligisten wie der FC St. Pauli, Hannover 96, der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Nürnberg unter den 18 Vereinen, die bis zum kommenden Frühjahr eine der wohl attraktivsten zweiten Ligen bilden, die es je gegeben hat. Für die Schalker wird der angestrebte Wiederaufstieg daher bestimmt kein Selbstläufer werden. Schon der Saisonauftakt in Hamburg macht zumindest auf dem Papier deutlich, wie hart die Spielzeit in Liga 2 werden kann und wahrscheinlich auch wird. Man darf gespannt sein, wie sich der Ruhrgebietsklub in der neuen Umgebung und mit dem neu formierten Kader zurechtfinden wird.

Die Königsblauen werden dieser Liga aber, unabhängig vom sportlichen Abschneiden, viel zusätzliche Attraktivität verleihen. Das steht jetzt schon fest. Begeisterungsfähige und reisefreudige Anhänger, medial gut vermarktbare Begegnungen, all das wird der zuletzt bundesweit häufig etwas unter dem Radar laufenden 2. Fußball-Bundesliga sicherlich gut tun, ihr ab sofort zu mehr Glanz verhelfen.

Glanz, der der 1. Liga im Gegenzug durch das Ausscheiden der beiden Absteiger abhandengekommen ist. Die Aufsteiger aus Heidenheim und Darmstadt werden sich schwer tun in Liga 1. Um dies vorherzusagen muss man kein Prophet sein. Auch wirtschaftlich können sie die zuletzt sportlich und wirtschaftlich schwächelnden ‚Großen‘ aus Berlin und Gelsenkirchen nicht gleichwertig ersetzen. Den verbliebenen Erstligisten wird das bald auffallen, wenn auch in der höchsten Deutschen Spielklasse in der zweiten August-Hälfte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden wird, und der ein oder andere Gästeblock nicht mehr so voll ist wie gewohnt, oder auch die Einschaltquoten im TV teilweise etwas zu wünschen übrig lassen.

Bundesweit betrachtet aber werden insbesondere die Schalker viele tausend neutrale Fans durch ihren Abstieg vom Mai ab sofort ein Stück weit glücklicher machen, richten sie doch den großen Scheinwerfer der Öffentlichkeit in den kommenden Monaten ein gutes Stück weit mehr auf die 2. Liga.

Auch wir hier im Blog werden in den kommenden Monaten wieder häufiger über diese Liga berichten, um die wir zuletzt häufig einen Bogen gemacht haben, schlicht weil sie aus Ruhrgebietssicht nicht so attraktiv war. Das wird sich jetzt wieder ändern.

Der Anfang wird heute Abend in Hamburg gemacht. Und ich freue mich sehr darauf!

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