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Wenn selbst ein hoher Derbysieg des BVB gegen Schalke keinen wirklichen Spaß mehr macht

War das am Samstag das vorerst letzte Revierderby auf Schalke? Foto: Michael Kamps

‚Mein‘ BVB hat das Revierderby gegen die Schalker am gestrigen Samstag also mit 4:0 gewonnen. Ich muss zugeben, damit hätte ich nicht gerechnet. Trotzdem bin ich jetzt etwas wehmütig am Morgen danach. Eigentlich müsste ich mich jetzt riesig freuen. Zumindest war das früher immer so, wenn Dortmund sich gegen Gelsenkirchen durchgesetzt hat.

Heute ist das irgendwie völlig anders. Es ist schade, dass die Entwicklung im Fußball aktuell so ist, wie sie ist. Das hat sogar Einfluss auf die Seite der ansonsten immer extrem strahlenden Derbysieger, wie ich in diesen Stunden etwas betrübt feststellen muss.

In der Vergangenheit waren die Derbys meist eng und hart umkämpft. Niemand vermochte im Vorfeld eines großen Revierderbys zwischen S04 und dem BVB den Spielausgang fundiert vorherzusagen. Alles war in diesen Spielen möglich. Aktuelle Tabellenstände und Serien waren dabei seit Jahrzehnten völlig unbedeutend.

Das 4:0 vom Samstag war inzwischen allerdings auch schon das dritte Derby ohne Zuschauer im Stadion in Serie. Die ersten beiden davon fanden in Dortmund statt. In der Rückrunde 2019/20 gewann der BVB im Frühjahr 2020 mit 4:0. Es folgte ein kaum weniger eindeutiges 3:0 ‚meiner‘ Dortmunder im vergangenen Herbst. Jetzt gewannen die Schwarzgelben also auch das dritte Geisterspiel gegen die Königsblauen im Februar 2021 glatt mit 4:0. Und das diesmal sogar auswärts.

Die Schalker stehen in diesen Tagen mit weitem Abstand auf das rettende Ufer am Tabellenende der 1. Fußball-Bundesliga. Ihnen droht, wenn kein Wunder mehr geschieht, in wenigen Wochen der sportliche Abstieg. Was dann auch wirtschaftlich auf die Nachbarn zukommt kann derzeit nur erahnt werden. Es könnte somit für längere Zeit das vorerst letzte Derby gewesen sein.

Die Schere zwischen beiden Klubs war schon seit Jahrzehnten nicht mehr so weit geöffnet, die Ergebnisse der Spiele lange schon nicht mehr so einseitig. 11:0 Tore aus drei Spielen innerhalb eines Jahres. Das ist an Eindeutigkeit fast nicht zu überbieten.

Grundsätzlich ist es ja immer schön, wenn die eigene Mannschaft dabei die dominierende ist. Aber die offenkundig zuletzt verlorengegangene Augenhöhe zwischen den beiden Vereinen ist schon auch irgendwie nachteilig. Selbst für die sportlichen Sieger.

Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass man jetzt als Fan der Liga seit rund einem Jahr das Stadionerlebnis vermissen muss. Und das betrifft ja nicht nur den eigenen Gang in die Arenen, das macht selbst den TV-Genuss auf der heimischen Couch auf Dauer ziemlich kaputt.

Da konnte es die Fußballfans beider Lager am Samstag auch nicht wirklich trösten, dass viele Schalke-Fans versucht haben zumindest etwas Atmosphäre ins Stadion zu bringen, indem sie dort diverse Banner und T-Shirts zur Dekoration anbrachten. Ein Derby ohne Fans ist und bleibt halt nur der halbe Spaß.

Und so soll es dann jetzt wirklich forerst zu Ende gehen? Das kann einem doch selbst als BVB-Anhänger nicht gefallen. Da macht selbst das Gewinnen keinen richtigen Spaß mehr. Und ein Fußballoberhaus demnächst ohne die ungeliebten Nachbarn erst recht nicht.

Die BVB-Siegesparty nach dem überzeugenden 4:0 auf Schalke ist ein ziemlicher Flop diesmal, ehrlich gesagt.

 

 

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6 Kommentare zu “Wenn selbst ein hoher Derbysieg des BVB gegen Schalke keinen wirklichen Spaß mehr macht

  • #1
    DAVBUB

    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/sport-inside/audio-fussball-corona-und-die-ausgebliebene-revolution-100.html

  • #2
    ke

    Meine Fußball-Lust geht gegen 0.
    Das ging aber auch schon vor Corona los. Ständig Fansm die sich selbst feiern und monotone Rhythmen singen, die vollkommen losgelöst vom Spielgeschehen sind. Immer die gleiche Akustik.

    OK, der Fußball ist dann auch sehr entspannt und spielt sich BvB meistens da ab, wo man auch getrost ohne GEfahr etwas zu verpassen, das Bier holen oder wegbringen kann.

    Es ist einfach auch ein Überangebot mit zu vielen Gruppenspielen, so dass das Budget final siegt.
    Im Pokal mag es noch Überraschungen geben.

    Ich gehe auch davon aus, dass Fußball seine dominierende Rolle bald verlieren wird.

  • #3
    DEWFan

    Im Gegensatz zu früheren Derbys fühlte sich dieses aus BVB Sicht an, wie ein Pokalspiel gegen einen unterklassigen Gegner. Der Sieg war Pflicht und es ging für den BVB darum sich nicht zu blamieren. Diese Aufgabe haben sie souverän gelöst und endlich mal nach einem Champions League Spiel auch in der Bundesliga gewonnen.

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  • #5
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