Niclas Füllkrug zeigt dem BVB den Stinkefinger – und ich gönne es ihm!

Spaß mit Niclas Füllkrug. Foto: Robin Patzwaldt

Als Borussia Dortmund im Sommer 2024 Niclas Füllkrug nach England ziehen ließ, war ich als langjähriger BVB-Fan ziemlich entsetzt. Ausgerechnet Fülle! Einen der wenigen Spieler im Kader, mit denen ich mich noch uneingeschränkt identifizieren konnte, für eine attraktive Ablösesumme abzugeben, hielt ich schon damals für einen Fehler. Nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich.

Nach Mats Hummels und Marco Reus verschwand damit eine weitere Persönlichkeit aus Dortmund. Einer, der kein Blatt vor den Mund nahm, nicht auf den Mund gefallen war und auf dem Platz für seine Mannschaft arbeitete. Füllkrug war keiner, der sich erst in den sozialen Medien als großer Typ inszenieren musste. Er war einer. Und genau solche Spieler fehlten mir beim BVB schon damals zunehmend.

Zwei schwierige Jahre – und jetzt die Antwort

Die Zeit in England verlief für Füllkrug bekanntlich alles andere als wunschgemäß. Umso mehr freut es mich, dass er bei Werder Bremen inzwischen wieder aufblüht. Ausgerechnet gegen seinen früheren Arbeitgeber demonstriert er gerade eindrucksvoll, dass mit ihm noch immer zu rechnen ist.

Schon beim jüngsten Wiedersehen in der Bundesliga brachte er Bremen zurück ins Spiel. Am Dienstag im DFB-Pokal wiederholte sich das Schauspiel: Kaum eingewechselt, verwandelte Füllkrug einen Elfmeter und legte wenig später mit einer starken Einzelleistung nach. Binnen weniger Minuten hatte er den Dortmunder Zwei-Tore-Vorsprung pulverisiert.

Dass der BVB am Ende durch Marcel Sabitzers Freistoß doch noch gewann, änderte für mich wenig an diesem persönlichen Vergnügen. Natürlich nehme ich als Dortmunder den Pokalerfolg gerne mit. Aber mein Lieblingsspieler auf dem Platz war an diesem Abend trotzdem ein Bremer.

Ein Denkzettel für die Verantwortlichen

Füllkrug hat den Dortmunder Entscheidungsträgern damit gewissermaßen den inneren Stinkefinger gezeigt. Nicht mit großen Worten, nicht mit nachträglichen Abrechnungen, sondern mit Leistung. Schöner lässt sich kaum demonstrieren, dass ein vermeintlich entbehrlicher Spieler anderswo plötzlich wieder den Unterschied ausmachen kann.

Natürlich ist Fußball kein Wunschkonzert. Ablösesummen, Kaderplanung und wirtschaftliche Überlegungen gehören zum Geschäft. Doch wer bei all dem die Persönlichkeit eines Spielers nur als netten Nebeneffekt betrachtet, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann auch die emotionale Bindung der Fans auf der Strecke bleibt.

Dem BVB fehlen solche Typen

Genau das ist für mich seit Jahren ein Problem in Dortmund. Junge Talente kommen, entwickeln sich und verschwinden wieder. Dazwischen wird ständig am Kader geschraubt. Was dabei verloren geht, ist das Gefühl, dass da auf dem Rasen Menschen stehen, für die dieser Verein mehr ist als eine Karrierestation.

Füllkrug verkörperte für mich genau das, was Borussia Dortmund wieder stärker braucht: Charakter, Ehrlichkeit, Identifikation und sportlichen Ehrgeiz. Dass er nach schwierigen Monaten ausgerechnet in Bremen wieder auf Touren kommt, freut mich deshalb ganz besonders.

Vielleicht sollten die BVB-Verantwortlichen bei der nächsten Kaderplanung nicht nur auf Marktwerte, Perspektiven und mögliche Transfererlöse schauen. Manchmal ist ein Spieler, der sich mit dem Verein und seinen Fans identifizieren lässt, eben mehr wert als die nächste Millionenüberweisung.

Schade nur, dass man in Dortmund diese Lektion offenbar immer auf die harte Tour lernen muss.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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1 Kommentar
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Alf
Gast
Alf
1 Stunde vor

Ausgerechnet Fülle!

Ich habe nie verstanden warum er gehen musste, warum er plötzlich nur zweite Wahl war. Er kam gestern rein, und schon wackelte der BVB.

Wer weiß wohin das noch geführt hätte, wenn nicht noch das 3:2 per Freistoß gefallen wäre.

Die Leistungsschwankungen sind mir unverständlich, sobald es 2:0 steht wird hinten wackelig.

Armes Dortmund, wie soll das gegen Bayern enden.

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