Wahlsieg der Linken in Berlin – Party mit Antisemiten, Clan-Boss und Hamas-Vertretern

25,7 % – die Linke hat die Wahl in Berlin deutlich gewonnen und insbesondere Friedrich Merz einen weiteren Nackenschlag verpasst. Jetzt kann man über Politik diskutieren, auch über linke Politik und man muss nicht einer Meinung sein. Wenn das, was da im Rahmen des Wahlkampfs der Linken aber abgelaufen ist gesellschaftliche Akzeptanz findet, sprechen wir nicht über Politik, sondern einen Kampf gegen die Grundfeste der deutschen Demokratie. SPD und Grüne müssen jetzt beweisen, wie ernst sie „Nie wieder“ und eine Brandmauer gegen Antisemiten meinen.

Eine Rot-Rot-Grüne Koalition, das sei vorweggenommen, wäre das Ende der Brandmauer, mutmaßlich das Ende der großen Koalition in Berlin, eine Zäsur der deutschen Geschichte und auch das Ende jedweder Argumentation gegen eine Koalition mit der AfD.

Aber der Reihe nach. Fangen wir den Beitrag mit einer offenen Frage an: Wie geht es der politischen Linken in Deutschland damit, einst angetreten, um den Faschismus zu besiegen, dass in Berlin, der Stadt, in der die Vernichtung des Judentums orchestriert wurde, der Zentralrat der Juden aus Angst um jüdisches Leben vor einer Koalition mit den Linken warnt? Und damit, dass die Hamas auf der Wahlkampfparty in Berlin war. Völlig unironisch.

Die Party

Beginnen wir mit dem Wahlabend selbst. Auf der Wahlparty der Linken Neukölln feiert Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak – Arm in Arm mit Ibrahim Ibrahim, Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“. Das VPNK ist laut Verfassungsschutz die Dachorganisation von PFLP und Hamas in Berlin. Ibrahim gratulierte artig und stellte fest, das VPNK sei „Teil dieses Erfolgs“ gewesen.

Man muss das sacken lassen: Der Berliner Ableger zweier Terrororganisationen reklamiert einen deutschen Wahlsieg als Gemeinschaftsleistung. Und niemand von der Linken widerspricht. Warum auch, es stimmt ja.

Ein paar Meter weiter: Issa Remmo, Oberhaupt des gleichnamigen Clans, Victory-Zeichen, breites Grinsen. Ausgerechnet auf der Party einer Partei, die Enteignungen zum Kernanliegen erklärt hat. Wobei – vielleicht ist die Sympathie ja Expertise: Die Remmos sind die einzige Familie Berlins, die mit Vermögensabschöpfung bereits praktische Erfahrung sammeln durfte. 77 Immobilien, eingezogen vom Staat. Wenn einer weiß, wie sich Enteignung anfühlt, dann er. Offenbar kein Hindernis für gute Laune, wenn die richtigen Leute gewinnen.

Das ist das Milieu, das am Sonntagabend gefeiert hat. Nicht am Rand, nicht ungebeten, sondern mittendrin, neben einem Mitglied des Deutschen Bundestages. Und es kam nicht aus dem Nichts.

Es dürfte ein Novum sein.

Chronik eines angekündigten Skandals

Ende August, Herrfurthplatz, Neukölln. Wahlkampfveranstaltung der Linken unter dem Motto „Wütend auf den Kapitalismus“. Auf der Bühne der Rapper Dahabflex, im Repertoire: „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“. Tod der israelischen Armee, gerufen auf einer Parteiveranstaltung, in Berlin, im Jahr 2026. Davor: eine tanzende Menge, viele mit Kufiya. Anwesende Linken-Politiker griffen nicht ein.

Sie tanzten.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Geprüft wird, ob die Aufrufe strafbar sind – die Kunstfreiheit, so die Innensenatorin, spiele bei der Bewertung eine Rolle. Man darf gespannt sein, welche künstlerische Fallhöhe die Ermittler in „Death to the IDF“ entdecken. Vielleicht ein Reimschema.

Kein Ausrutscher, ein System

Wer nun von einem bedauerlichen Einzelfall sprechen möchte, dem sei die Vorgeschichte empfohlen. Bereits 2025 lud die Linke Neukölln zum Sommerfest, mitveranstaltet vom „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee“ – eine Hamas-nahe, vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation. Denselben Verfassungsschutz will die Berliner Linke laut Wahlprogramm übrigens abschaffen. Man muss der Partei eine gewisse Konsequenz attestieren: Wer den Brandmelder abmontiert, muss sich um Rauchentwicklung keine Gedanken mehr machen.

Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balci stellte schon vor zwei Jahren fest, einige „der schlimmsten Antisemiten“ säßen in der dortigen Bezirksverordnetenversammlung. Und der Verfassungsschutz hat inzwischen die Landesarbeitsgemeinschaft „Palästinasolidarität“ ins Visier genommen – wohlgemerkt: eine von der Partei offiziell anerkannte Gliederung. Nicht das Umfeld. Nicht ein paar verirrte Aktivisten. Die Parteistruktur selbst.

Am Wahltag dann die Krönung: Ein Neuköllner BVV-Kandidat der Linken teilte den Aufruf zur „Wahlintifada“ eines Mitbegründers von „Palästina spricht“, einer vom Verfassungsschutz als gesichert extremistisch eingestuften Gruppe. Erobert die Wahlurne zurück, wählt Elif Eralp. Die Intifada, das sollte man wissen, hat in Israel über tausend Zivilisten das Leben gekostet, in Bussen, Cafés, Diskotheken. In Neukölln ist sie jetzt eine Wahlkampfmethode.

Das Feigenblatt

Und Elif Eralp? Die Spitzenkandidatin hat sich ihr Leben lang gegen Antisemitismus eingesetzt, sie lässt sich da, so sagt sie selbst, nichts vorwerfen. Sie hat den Auftritt in Neukölln „aufs Schärfste“ verurteilt und Konsequenzen erwartet. Erwartet. Von wem eigentlich? Die Frage, welche Konsequenzen sie als Spitzenkandidatin selbst durchsetzt, ob Verantwortliche ihre Funktionen verlieren, ließ sie bis zum Wahltag offen. Eine entsprechende Presseanfrage blieb „aus zeitlichen Gründen“ unbeantwortet. Der Wahlkampf, man versteht das, war anstrengend.

Personelle Konsequenzen in Neukölln bis heute: null.

Aufschlussreicher als das Schweigen ist ohnehin das Reden. Auf dem Podium der Jüdischen Gemeinde erklärte Eralp, die Jerusalemer Deklaration sei besser geeignet, „differenziert den Antisemitismus zu bekämpfen“ – jene Definition also, die israelbezogenen Antisemitismus so eng fasst, dass ein Großteil dessen, was in Neukölln skandiert wird, bequem hindurchpasst. Die IHRA-Definition, genutzt von der Bundesregierung und der großen Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft, ist ihr zu unhandlich. Man wählt sich die Antisemitismusdefinition, mit der die eigenen Leute keine Antisemiten sind. Das ist keine Differenzierung. Das ist Maßanfertigung.

CDU-Spitzenkandidat Evers nannte Eralp im Wahlkampf ein „Feigenblatt“. Das ist präzise beobachtet, greift aber zu kurz. Ein Feigenblatt weiß nicht, was es verdeckt. Eralp weiß es. Sie hat sich entschieden, die Empörungsrituale zu liefern und die Strukturen unangetastet zu lassen – weil diese Strukturen Wahlkreise gewinnen. 25,7 Prozent. Die Rechnung ist aufgegangen.

Die Stunde der Wahrheit

Und nun stehen SPD und Grüne vor der Frage, die Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ihnen bereits vor der Wahl gestellt hat: Koaliert ihr mit einer Partei, die Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht konsequent zurückweist und im Wahlkampf um Stimmen aus einem antisemitischen Milieu wirbt? Der Zentralrat der Juden warnt. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft warnt. Der Verfassungsschutz prüft eine Parteigliederung. SPD-Spitzenkandidat Krach sprach selbst vom „Lackmustest“.

Nun, der Test läuft.

Wer nach alledem mit dieser Linken regiert, kann das Wort Brandmauer aus dem Vokabular streichen. Nicht, weil die AfD besser geworden wäre – sie ist es nicht, keinen Millimeter. Sondern weil eine Brandmauer, die nur in eine Richtung feuerfest ist, keine Brandmauer ist, sondern Parteitaktik. Jedes künftige Argument gegen schwarz-blaue Gedankenspiele in Erfurt, Magdeburg oder Dresden würde mit einem einzigen Satz beantwortet werden: Ihr habt in Berlin mit Leuten koaliert, vor denen der Zentralrat der Juden gewarnt hat. Und dieser Satz wäre wahr.

Das deutsche „Nie wieder“ war nie als Dekoration für Sonntagsreden gedacht. Es war ein Versprechen an die Jüdinnen und Juden dieses Landes – und zwar genau für den Moment, in dem es unbequem wird. Der Moment ist da. In der Stadt, in der die Vernichtung des europäischen Judentums verwaltet wurde, tanzen Wahlkämpfer zu „Death to the IDF“, und die Partei, die sie eingeladen hat, hat die Wahl gewonnen.

Die Kirsche auf der Torte war dann noch, dass

Wenn SPD und Grüne jetzt in Koalitionsverhandlungen eintreten, wissen wir, was ihr „Nie wieder“ wert war.

Naja, oder jetzt halt ist.

Berlin, Berlin… es wächst zusammen, was zusammen gehört

Bild: Casp, Berlin skyline 2009w, PFLP added, Wikimedia Commons

Ehrlich gesagt, hatte ich mich schon beinahe an das jammernde Ritual meines Mitfranken Markus S. über die jährlich fällige 12-Mrd.-Berlin-Stütze gewöhnt. Man bekommt dafür ja tolle Alleebäume, echte Blackout-Übungen, und lustige Pentests an ungeschützten Behördennetzen geliefert. Außerdem kann ich dort im Kiez-Café kiffen und es gibt Super Köfte. Die Mieten sind allerdings inzwischen bald teurer als in Bamberg[1]. Aber diese (nicht ganz so neue) Designer-Mischung vom Kotti jetzt knallt schon heftig:

Man nehme die Wahlparty der siegestrunkenen Berliner Linkspartei, füge radikalen Anti-Israel-Aktivismus, offene Sympathien für verbotene Terrorbanden und das Who-is-Who der arabischstämmigen Clan Kriminalität dazu. Fertig ist das Biotop einer Politik, die über die Jahre von Berliner Charme plus Döner und traditioneller 1. Mai-Randale zur Rocky Horror Picture Show mutierte.

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Die Linke will ins Rote Rathaus. Ihre Palästina-LAG bevorzugt betreutes Regieren.

Instagram-Beitrag von Justus Dirks und der LAG Palästinasolidarität Berlin zum Wahlsieg der Linken
Justus Dirks und die LAG Palästinasolidarität Berlin fragen nach dem Wahlsieg, wie unabhängig die Palästina-Solidarität unter Regierungsverantwortung bleiben könne. (Screenshot: Instagram)

Die Linke hat Berlin gewonnen. Nun droht ihr das Schlimmste: Verantwortung. Ihre Palästina-LAG fragt deshalb vorsorglich, wie unabhängig man vom eigenen Wahlsieger bleiben kann – und ob SPD und Grüne politischen Druck ausüben.

Das klingt weniger nach Koalitionsverhandlungen als nach einer Dienstaufsichtsbeschwerde, die schon vor Dienstantritt fertig ist.

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Ruinen schaffen ohne Waffen

Berlin Mitte 1986 Foto: Lothar Weber Lizenz: CC BY-SA 4.0


Wenn alte wirtschaftspolitische Ideen wieder als Lösung gelten, lohnt ein Blick zurück.

Am 20. Juni 1948 wurde in den westlichen Besatzungszonen die D-Mark eingeführt. Gleichzeitig setzte Ludwig Erhard (CDU) gegen erhebliche Widerstände eine weitgehende Aufhebung von Bewirtschaftung und Preiskontrollen durch. Nicht sämtliche Preise wurden freigegeben, und die Währungsreform war nicht Erhards Werk allein. Aber seine entscheidende Überzeugung war klar: Stabiles Geld allein würde nicht genügen. Deutschland brauchte auch wieder funktionierende Märkte, Wettbewerb und Preise, in denen sich Knappheit, Angebot und Nachfrage widerspiegelten.

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Die CDU und das System Amthor: Wenn das der Neuanfang sein soll …

Das Logo der CDU. Quelle Wikipedia, Linzenz: Gemeinfrei

Wie tief die CDU inzwischen in ihrer eigenen Führungskrise steckt, zeigt sich manchmal in einer einzigen Personalentscheidung. In Mecklenburg-Vorpommern ist es jetzt so weit. Die CDU fliegt erstmals in ihrer Geschichte aus dem Landtag, Landeschef Daniel Peters zieht die Konsequenzen und tritt zurück. Auch Generalsekretärin Katy Hoffmeister gibt ihr Amt ab. Und wer soll den Laden nun übergangsweise führen? Philipp Amthor. Ja, genau der.

Man muss sich diese Pointe wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Nach einem historischen Absturz soll ausgerechnet jener Politiker den Neuanfang organisieren, dessen öffentliche Wirkung seit Jahren zwischen politischem Ehrgeiz, bewusster Selbstinszenierung und reichlich „Cringe“ pendelt. Frischer Wind sieht jedenfalls anders aus.

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Erfolgreiche Wahl-Intifada

Elif Eralp Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

 

Mithilfe von Stimmen auch aus dem islamistischen Milieu hat die Linkspartei die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin gewonnen. Das alte Berlin gehört der Vergangenheit an. Von unserem Gastautor Stefan Wirner

Man kann nicht sagen, man wäre nicht vorgewarnt gewesen. In einem Text mit dem Titel „Mit Islamisten reden: Über die Notwendigkeit von kritischem Dialog und programmatischer Einbeziehung“, der seit Jahren auf der Internetseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung nachzulesen ist, skizzierte Heidi Reichinnek, die heute Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag ist, im Jahr 2016 zusammen mit zwei Co-Autorinnen ein mögliches Bündnis von Linken und

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Die Linke gewinnt Berlin: Regieren würde jetzt nur die Haltung versauen

Breiter Ausschnitt aus dem Instagram-Ergebnispost der Linken Neukölln: drei gewonnene Wahlkreise und vier Abgeordnete im Abgeordnetenhaus.
Der Neuköllner Bezirksverband der Berliner Linkspartei feiert drei Direktmandate und vier Abgeordnete. (Screenshot, Ausschnitt: Instagram / dielinke.neukoelln, 21. September 2026)

Die Linke hat Berlin gewonnen. Teile ihres politischen Nachwuchses feiern das Ergebnis mit einer bemerkenswerten Forderung: Opposition.

Andere nehmen den eigenen Fraktionsvorsitzenden ins Visier. Und in Neukölln wird der Wahlerfolg bereits als Sieg über „Hetze“ präsentiert. Vier Beobachtungen vom Wahlabend und dem Tag danach.

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Alice im Weltmachtland: Weidel erklärt die AfD zur diplomatischen Großmacht

Alice Weidel
Alice Weidel (AfD), 2025. Foto: Elekes Andor / Wikimedia Commons, CC BY 4.0; seitlich mit KI erweitert.

An Selbstbewusstsein fehlt es Alice Weidel (AfD) definitiv nicht.

Für die USA und Russland hat sich herauskristallisiert, dass als verlässlicher Ansprechpartner in Deutschland nur noch die AfD in Frage kommt“,

verkündete die AfD-Chefin am 21. September auf X.

Die Bundesrepublik hat zwar eine Regierung, ein Auswärtiges Amt und Botschaften. Aber das ist offenbar nur diese komplett überschätzte Bürokratie der Altparteien: Im Weltmachtland der Alice Weidel reicht eine Erklärung, und schon erscheinen Washington und Moskau wie zwei Großmächte, die nervös auf den Rückruf aus der AfD-Zentrale warten.

Ein Mandat ist dabei eher hinderlich. Wer sich selbst zur letzten verlässlichen Ansprechpartnerin des Westens und des Ostens erklärt, muss schließlich keine Regierung bilden, keine Verträge verhandeln und vor allem niemanden fragen, ob sie überhaupt mit am Tisch sitzen darf.

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Der Ruhrpilot

Hendrik Wüst, CDU (Foto: Roland W. Waniek)


NRW:
Hendrik Wüst weist Personaldebatte in der CDU erneut zurück…Zeit
NRW: Land zählt lieber nicht, wie oft Lehrer zum Amtsarzt müssen(€)…RP
NRW: Parteien streiten über Lehren aus dem Wahlergebnis(€)…RP

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