Debatte über die Documenta im Bundestag: Hat jemand BDS gesagt?

The Wall. Documenta 15 by C. Suthorn cc-by-sa-4.0

Im Kulturausschuss und im Bundestag wurde am Mittwoch und Donnerstag über Antisemitismus auf der Documenta diskutiert. Während die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann die Hintergründe des Skandals aufzeigte, stellten sich die Abgeordneten von SPD, Grünen  und FDP vorbehaltlos hinter Kulturstaatsministerin Claudia Roth und taten alles, um das Thema BDS aus der Debatte rauszuhalten. Von Thomas Wessel und Stefan Laurin.

Eine antisemitische Global-Erzählung, übergroß ins Zentrum der Documenta gerückt, der Ausstellung für zeitgenössische Kunst, die sich als Schaufenster des Westens inszeniert, das wirft Fragen auf, deren Flugkurve bis in den Kulturausschuss des Bundestages reicht. Auf der Suche nach Antworten hatte der Ausschuss am Mittwoch ein „Fachgespräch“ angesetzt, dessen öffentlicher Livestream machte staunen gleich zu Beginn: Der Kassler OB Christian Geselle (SPD) ließ sich hasenherzig entschuldigen. Ade Darmawan, Sprecher des Kuratoren-Kollektivs der Documenta und seit Wochen wie verschluckt, war tatsächlich einmal erschienen. Ihm zur Seite platziert wurde Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland: Seit sechs Monaten warnt Botmann davor, dass eine Documenta mit Darmawan den schicken Hass auf Israel unters verständige Kunstvolk bringen könnte, die Warnung war nicht aus der Luft gegriffen: Vor einem Jahr erst hatte Darmawan erklärt, der jüdische Staat sei seit 1948, dem Jahr seiner Gründung, „ein einziges Apartheid-System“.

Mit dem von Darmawan unterzeichneten „Letter of Apartheid“, seit Juni 2021 in der internationalen Kunstwelt verbreitet und von derzeit 17 370 Kunstweltbewohnern signiert, fordert Darmawan sämtliche Regierungen dieser Welt auf, „to cut trade, economic and cultural relations“ mit Israel.

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Überraschende Bestseller-Analyse von Frank Überall: Wie Buchautoren Journalisten sehen


Ist der Ruf erst ruiniert – aber wie ist der Ruf von Journalistinnen und Journalisten wirklich? Dafür hat Frank Überall die Journalismus-Darstellung in aktuellen Bestsellern der „Spiegel“-Bestsellerliste untersucht. Ruhrbarone hat mit Frank Überall, der auch Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands ist, über das Bild seiner Zunft gesprochen. Lob für das Werk gibt es im Vorwort übrigens von hoher Stelle: „Mit seinen Ergebnissen liefert der Autor eine Grundlage für den Diskurs über journalistische Tätigkeit, Medienkonsum und Pressefreiheit“, schreibt Katrin Budde, Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses im Deutschen Bundestag.

Ruhrbarone: In den Sozialen Netzwerken gehören Journalistinnen und Journalisten zu den besonders häufig beleidigten Personen. Wie schlecht ist ihr Ruf in der Belletristik?

Frank Überall: Besser, wenn auch überwiegend nicht gut. Wohl aus dramaturgischen Gründen werden sie oft negativ dargestellt. Und an die verbalen Angriffe in den sozialen Netzwerken erinnern vor allem die Tiernamen wie „Geier“ oder „Ratte“ sowie Schimpfwörter wie „Schmierfink“, „Wicht“ oder „Schlampe“. Immer wieder gibt es Schilderungen aufrichtiger und professioneller Recherche. Aber das ist leider nicht die Mehrheit. Vielleicht ist meine Studie ja auch eine Anregung für Autorinnen und Autoren, ihre journalistischen Romanfiguren künftig noch etwas realitätsnaher und freundlicher darzustellen. Wissenschaftliche Arbeiten sind ja auch dazu da, den gesellschaftlichen Diskurs zu beflügeln.

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Redesign

Blumen Foto: Elisabetta Alberti Lizenz: CC BY-SA 4.0

Alles neu macht der April: Wie ihr seht, sieht es jetzt anders aus. Nach vielen Jahren haben wir unser Design geändert und auch die Stabilität der Seite erhöht. In der letzten Zeit klappte ja Vieles nicht mehr. Die Ruhrbarone waren technisch in die Jahre gekommen. Geholfen hat uns dabei  ein befreundeter Webdesigner, den es nach gut 20 Jahren in Essen nach Berlin verschlagen hat: Goetz Heismann und seine Agentur goodhomepage.de. Goetz ist Spezialist für WordPress und wenn jetzt alles gut läuft, haben ihr und wir das Goetz zu verdanken. Habt viel Spaß mit der Seite. Wir haben ihn auch.

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Precht und die chamberlainsche Realitätsverweigerung

Richard David Precht Foto: Ji-Elle Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Philosoph und Schriftsteller Richard David Precht erntete Kritik für Aussagen über den Krieg in der Ukraine. Im gemeinsamen Podcast „Lanz und Precht“, den er mit Moderator Markus Lanz produziert, argumentierte Precht in der neuesten Folge vom vergangenen Freitag, dass die Ukraine besser aufgeben solle, um den Krieg schnellstmöglich zu beenden. Die Art und Weise dieser Argumentation erinnert stark an die Appeasement-Politik der 1930er-Jahre und das Münchener Abkommen von 1938. Von Tobias Kaluza und Daniel Bleich.

Die Ukraine könne diesen Krieg gar nicht gewinnen. Bei dieser Einschätzung, bei der sie auf Militärexperten verweisen, sind sich Precht und Lanz in ihrem Podcast einig. Doch Precht geht

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In eigener Sache: Documenta mahnt Bündnis gegen Antisemitismus Kassel und Ruhrbarone ab

Ruru-Haus der Documenta in Kassel Foto: Jonas Dörge

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hat recherchiert, wer so alles aus dem BDS-Umfeld auf der kommenden Documenta dabei ist. Der Text erschien Anfang Januar auch bei den Ruhrbaronen. Er löste eine bundesweite Debatte über die Documenta aus. Und hatte ein Nachspiel.

Die Documenta ist teuer. Wie teuer die, um im Jargon ihrer Macher zu bleiben, als bedeutende Kunstschau gelesene Veranstaltung ist, weiß niemand. Marcus Woeller versuchte es für die Welt zu recherchieren und stieß auf eine Mauer des Schweigens. Allerdings kann man den Eindruck

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Der Ruhrbarone-Poll 2021

Internationaler Impfpass mit einer vollständigen Corona-Impfung Lizenz: Superikonoskop Lizenz: CC BY-SA 4.0

Auch in diesem Jahr haben ein paar von uns beim Poll mitgemacht.

Peter Ansmann:
Bestes Buch: Achtsam morden (Karsten Dusse)
Bestes Game: Scrabble (Seit Jahrzehnten)
Bestes Album: Four Seasons (Kennedy, seit Jahrzehnten)
Bester Film: James Bond – Keine Zeit zu sterben
Beste Serie: The Crown
Liebster Spruch des Jahres: „Hier ist mein digitaler Impfpass!“
Liebstes Musikstück des Jahres: Higher Power (Coldplay) – so vom Mithören her. Alles andere was ich höre wirft hier Fragen auf.
Mann des Jahres: Friedrich Merz, weil er das Durchhaltevermögen eines Marines bewiesen hat und das Comeback des Jahres gemeistert hat
Frau des Jahres: Meine Freundin, weil wir es geschafft haben, trotz zwei Wochen gemeinsamer Quarantäne, uns nicht gegenseitig umzubringen
Auf den Mond geschossen hätte ich gerne: AfD-Kommandoebene, Querdenker, diverse andere (Verdammt lange Liste!)
Impfstoff: Comirnaty
Getränk des Jahres (Alkohol): Gin-Tonic
Getränk des Jahres (Spritlos): Kaffee
Kneipe des Jahres: Mariannes

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Antisemitismus, NS-Relativierung und Sehnsucht nach einer „Corona Armee Fraktion“: Querdenker in Duisburg

"Normal" in der Telegram-Gruppe "Duisburg steht auf"; Screenshot Telegram
„Normal“ in der Telegram-Gruppe „Duisburg steht auf“; Screenshot Telegram

Den Abend des 13. Dezembers 2021 hätte ich angenehmer für mich gestalten können, als ich es es gemacht habe: Ich war auf einer Demonstration der Gruppierung „Duisburg steht auf“, die nichts mit Querdenkern zu tun haben möchten. Wegen bestimmter heikler Inhalte.

Mit meinen Beitrag “Duisburg steht auf” – Querdenker schwurbelten durch Duisburg war das Thema für mich eigentlich erledigt.

Bis der Inhaber der Telegram-Gruppe wir-stehen-auf/DU, Stefan Brackmann, gestern in einem Kommentar seinen Wunsch nach einer „Kontaktaufnahme“ geäußert um „einen Konsens auf Augenhöhe“ zu erzielen.

Gestern Abend wollte ich kurz auf diesen Kommentar antworten, hab mir zu diesem Zweck nochmals kurz – exakt 19 Minuten lang – Anfertigung von Screenshots inbegriffen- den Telegram-Kanal von „Duisburg steht auf“ angeschaut.

Mein Urteil, dass es sich bei „Duisburg steht auf“ um harmlose esoterische Spinner handelt, das ich nach der Demo am Montag für mich gefällt hatte: Es war ein einziges Fehlurteil.

Fake-News, die Bewerbung von illegalen Impfausweisen, Nazivergleiche, Falschinformation und extremer Antisemitismus werden in dieser Gruppe toleriert.

Am gewünschten „Konsens auf Augenhöhe“ sind die Ruhrbarone nicht so interessiert.

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Glückwunsch! Der VfL Bochum kehrt in die 1. Liga zurück!

Meistercoach Thomas Reis. Foto: VfL Bochum 1848

Es hat ein paar Jahre gedauert. Jetzt ist es endlich soweit: Durch einen 3:1-Sieg gegen den SV Sandhausen am letzten Spieltag der Saison 2020/21 machte der VfL Bochum die Zweitligameristerschaft perfekt und startet ab August wieder in der 1. Liga! Herzlichen Glückwunsch auch vom ‚Bochumer Blog‘ der Ruhrbarone. 😉