Kein Antisemitismus, nirgends – aber überall neue Juden

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Wie ein Internetvideo aus Versehen über die Gefahren alarmistischer Kampagnen gegen Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus aufklärt. Von unseren Gastautoren Floris Biskamp und Stefan Hößl.

Europa erlebt in den letzten Jahren die intensivste antisemitische Welle seit Jahrzehnten; die Solidarität mit Juden hält sich jedoch in Grenzen. Dies ist wenig verwunderlich, kann man sich doch des Eindrucks nicht erwehren, dass Antisemitismus in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit immer wieder verdrängt und relativiert wird. So klärten in den letzten Wochen gleich zwei deutsche Gerichte darüber auf, dass es heute kaum noch etwas gibt, das als Antisemitismus bezeichnet werden kann. Dem Landgericht München zufolge darf als „glühender Antisemit“ nur tituliert werden, wer den Nationalsozialismus gutheißt, und das Amtsgericht Wuppertal sieht „keine Anhaltspunkte“ für Antisemitismus, wenn drei junge Männer Brandsätze auf eine Synagoge werfen. Werden die hier verwendeten und zu sämtlichen sozialwissenschaftlichen Antisemitismus-Definitionen in Widerspruch stehenden Kriterien zur Bestimmung von Antisemitismus als Maßstab genommen, kann praktisch gar nichts mehr als antisemitisch gelten. Insofern erstaunt es nicht, dass nach den Morden von Paris in der Berichterstattung kaum der antisemitische Gehalt des Übergriffs auf einen jüdischen Supermarkt benannt wurde; es erstaunt ebenfalls nicht, dass viele „Je suis Charlie“, aber kaum jemand „Je suis Juif“ sagte – obwohl doch vier der 17 Opfer nur sterben mussten, weil sie dem Täter als Juden galten.

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„Elektra ist Punkrock“

 

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Am kommenden Samstag, 7. Februar 2015 feiert am Schauspielhaus Dortmund die Tragödie „Elektra“ von Alexander Kerlin Uraufführung – mit einer fantastisch besetzten Live-Band: Paul Wallfisch (u.a. Botanica) steht gemeinsam mit Drummer Larry Mullins (u.a. Iggy Pop and the Stooges, Swans) und Gitarrist Geoffrey Burton (u.a. Sophie Hunger und Iggy Pop) auf der Bühne. Matthias Seier hat mit Wallfisch, seit 2010 Musikalischer Leiter am Schauspiel, über den Abend gesprochen.

Elektra ist in fünf Jahren dein fünfzehntes Stück in Dortmund. Wieder mal komponierst du die Musik. Als Inspirationen dienen dir und deinen Bandmitgliedern Gruppen wie Slint, Lightning Bolt oder Nine Inch Nails.

Der Regisseur Paolo Magelli sagte mit zu Beginn, wir sollten die Elektra-Oper von Richard Strauss zum Ausgangspunkt für die Komposition nehmen. Ich dachte also an eine reduzierte Strauss-Variante. Ich bin kein Opernfan, aber manche Momente haben bei ihm eine gigantische,

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Gründer-Debatte: „Kraft wirkt grotesk hölzern und altbacken“

Moritz Körner
Moritz Körner

Christian Lindner beschreibt das, was junge Gründer und Gründungswillige in unserem Land täglich erleben müssen: Wer erfolgreich ein Unternehmen gründet und damit Arbeitsplätze und Innovationen schafft, der kommt ins Visier der Politik. Unser Gastautor Moritz Körner ist Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in NRW.

Hohe Steuern und Abgaben, dazu ein immenser Bürokratieaufwand sind die Folge. Wer aber scheitert, dem wird ein Stigma auferlegt, dem er so schnell nicht entfliehen kann. Christian Lindners Gründung ist nun 15 Jahre her – doch die politischen Wettbewerber verspotten ihn bis heute dafür.

Der Erfolg des Redeausschnitts aus der Landtagsdebatte zeigt zwei Dinge:

Erstens: Liberale und ihre Politik sind weder kalt noch unemotional. Das hat Lindner mit seiner Wut-Rede eindrücklich bewiesen. Freien Demokraten geht es

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Aufklärung: Wir stehen auf den Schultern von Riesen. Und müssen Acht geben, nicht hinunterzufallen

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Bis tief ins siebzehnte Jahrhundert hinein schlugen sich Menschen im Abendland gern gegenseitig die Schädel blutig. So stand es heute in der Zeitung zu lesen. Es klang erstaunt. Das zeigt nur, wie weit entrückt uns Heutigen die Epoche der Aufklärung ist. Es wird Zeit, uns zu besinnen. Von unserem Gastautor Uwe Knüpfer.

 

Dänische Archäologen haben Gräber geöffnet; ganz normale Gräber, von vermutlich ganz normalen Menschen, die in ganz normalen Zeiten lebten, im 12. bis 17. Jahrhundert. In dieser Normalität war es offenkundig üblich, heftig aufeinander einzuschlagen. Jeder zehnte Schädel wies Spuren schlimmer Kopfverletzungen auf. Von Verletzungen, die nicht tödlich waren, aber fast. Es handelte sich dabei nicht um Soldatengräber.

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ZAPP: „Sie lügen durch Unterlassung“

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Nachdem unser Gastautor Ralf Fischer einen Beitrag in ZAPP über Aluhüte kritisiert hat, gab es  eine offizielle Reaktion durch die Redaktion. Und auf die antwortet Ralf Fischer nun erneut. Die Links zu der gesamten Debatte befinden sich unter dem Artikel.

Sehr geehrte Frau Leiterer,

in Ihrer Antwort auf meinen offenen Brief lügen Sie mit der Wahrheit. Niemand bezweifelt die Tatsache, dass im letzten Jahr das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Medien stark gesunken ist. Sie schreiben selbst in der Auswertung: „Längst hat die Kritik an der Berichterstattung zur Ukraine-Krise eine Eigendynamik entwickelt. Und es sind bei Weitem nicht nur „Trolle“ oder „Spinner“, die sich diese Kritik zu eigen machen.“ Wieso kommen dann aber in ihrem Beitrag beinahe nur „Trolle“ und Spinner“ zu Wort?

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Enno Lenze in Kurdistan Teil II: „Vielen Dank an Frau Merkel, die MILAN ist eine große Hilfe“

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Wir waren mit einer Gruppe Peschmerga in den Bergen bei Dohuk, in Richtung türkische Grenze. Zum einen wurde uns hier erklärt, wie die Nachschubrouten zu Saddams Zeiten auf beiden Seiten aussahen, zum anderen wie sich die Ausbildung und Ausrüstung der Peschmerga nach und nach verbessert hat. Von unserem Gastautor Enno Lenze.

Wir streiften stundenlang mit Autos und zu Fuß durch die endlose Bergwelt. In den 90ern waren die Kurden bis hier hin zurück getrieben worden. Sie waren schlecht bewaffnet und und hatten von allem zu wenig. Mit Kalaschnikows und ein paar Granatwerfern und RPGs trotzen sie dennoch der übermächtigen Armee von Saddam. Der Vorteil der Peschmerga war, dass sie um das Überleben ihres Volkes kämpften, die Armee von Saddam oft wenig motiviert für einen Hungerlohn. Wenn Saddams Truppen kamen, konnte man sie relativ gut auf kurze Distanz mit den Kalaschnikows bekämpfen. Die Panzer konnte man schon von weitem sehen, jedoch waren sie schwer zu bekämpfen. Hier musste man Hinterhalte bauen und die Besatzungen des Panzers aushungern oder den Panzer abstürzen lassen. Gegen die Luftangriffe konnte man sich in den Höhlen verstecken, von denen es hier viele gibt. Seit der Zeit war auch der grüne Politiker Siggi Martsch vor Ort, der mitten in diesem Gebiet begann, humanitäre Hilfe aus dem Westen zu organisieren. Weder für Geld noch für Ruhm setze er sich jahrelang ein und hat so einen ganz besonderen Platz im Herz vieler Kurden gewonnen. Durch ihn bin auch ich auch das erste Mal nach Kurdistan gekommen. Von ihm wurde mir auch viele spannende Geschichten erzählt.

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Enno Lenze in Kurdistan Teil I

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Wie bereits im Sommer vergangenen Jahres berichtet Enno Lenze wieder aus Kurdistand – diesmal zusammen mit dem FDP-Politiker und Unternehmer Tobias Huch. Wir veröffentlichen ihre Reiseberichte als Crosspost von Ennos Blog

Da sich die Lage in Kurdistan (Nord-Irak) regelmäßig ändert, habe ich mich erneut auf den Weg gemacht um aus der Region zu berichten. Meinen Bericht aus dem Juni findet man hier, eine Zusammenfassung der Geschichte Kurdistans hier. Zusammen mit Tobias Huch (FDP) sehe ich mir die Flüchlingscamps an,spreche mit den Leuten, die wir auf der Straße treffen und treffe Peschmerga. Wie auch bei den vergangenen Reisen unterstützt uns die Demokratische Partei Kurdistans (PDK) bei der Reise. Die erste Frage die da immer aufkommt ist: Sind die Berichte dann noch neutral? Um das wirklich raus zu finden, müsstet ihr selber her reisen und euch alles ansehen. Aber da noch nie jemand von der Partei, der Regionalregierung oder der

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Frankreichs 9/11 und die „Je suis Charlie“-Heuchler

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In Verneigung vor Stéphane Charbonnier (Charb), Chefredakteur von Charlie Hebdo, der 2012 sagte: »Ich habe keine Angst. Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keinen Kredit. Es klingt aufgeblasen, aber ich will lieber aufrecht sterben, als auf Knien leben.«

Das jihadistische Massaker an der Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 mit 12 Toten, darunter zwei Polizisten, der Mord an einer weiteren Polizistin einen Tag später und die antisemitisch motivierte Geiselnahme und Ermordung von vier Juden in einem jüdischen Supermarkt am 9. Januar, die mit der Aktion vom 7. Januar in Verbindung steht, schreien nach weitreichenden politischen Konsequenzen und einer Analyse der politischen Kultur. Plötzlich sind viele betroffen, nicht nur in Frankreich. Dabei zielt der Jihadismus und Islamismus auf westliche Werte, Religionsfreiheit, Freiheit von Religion, Religionskritik, Meinungsfreiheit, Demokratie, Pluralismus und Heterogenität, Satiriker wie Charlie Hebdo, wie auf Juden und den jüdischen Staat Israel. Doch allzu viele ignorieren die antisemitische Dimension, weil das den allseits beliebten antizionistischen Antisemitismus beinhaltet, den viele partout nicht aufgeben wollen. Auch die Verharmloser des Islamismus melden sich sofort und rabiat zu Wort. Schließlich: wer hatte denn schon Mut die letzten Jahre? Wir haben Angst, sind mutlos und vorsichtig, auch der Autor dieses Textes.  Von unserem Gastautor Clemens Heni.

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ZAPP reagiert auf Kritik an Aluhut-Sendung

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Ende Dezember kritisierte der Journalist Ralf Fischer in einem Gastbeitrag auf den Ruhrbaronen  einen Bericht des NDR-Medienmagazins Zapp über das gesunkene Vertrauen in die Berichterstattung der Medien. Nun hat ihm die Redaktion geantwortet:

Sehr geehrter Herr Fischer,
Sie haben einen Offenen Brief an die ZAPP-Redaktion verfasst, auf den ich gern im Namen der Redaktion antworte.

In Ihrem ersten Satz beziehen Sie sich auf den ZAPP Beitrag vom 17.12. und schreiben: „In Ihrer letzten Sendung strahlten Sie einen Beitrag aus, der sich mit der einseitigen Berichterstattung der bundesdeutschen Medien im Ukraine-Konflikt beschäftigt.“

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