Björn Casapietra: „Ich muss verliebt in das Lied sein“

Björn Casapietra Foto: Privat

Mit Björn Casapietra kommt einer der bekanntesten Sänger der ehemaligen DDR im September nach Dortmund. Stefan Laurin sprach mit ihm.

Ruhrbarone: Du kommst am 16. September für ein Konzert nach Dortmund. Ist das Dein erster Auftritt im Ruhrgebiet?

Björn Casapietra: Aber nein. Wir haben bereits in Essen, mehrfach in Dortmund und Hamm gastiert. Aber das ist sehr viele Jahre her. Damals war ich noch am Anfang meiner Karriere und gesanglich noch auf der Suche. Wir haben damals in Dortmund vier Konzerte gegeben. Und ich freue mich meinem Publikum zu zeigen, wie sehr ich mich gesanglich gefunden habe. Ich bin ein anderer Sänger inzwischen. Ich verspreche ein Abend, den hoffentlich niemand vergessen wird. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Konzerte gegeben allerdings mehr im Osten des Landes . Weil ich Vater geworden bin, und in der Nähe meiner Tochter bleiben wollte. Und dadurch haben wir auch sehr viel gelernt. Ich kann mich an keinen Abend erinnern, und ich sage das nicht um anzugeben sondern weil ich stolz darauf bin, an dem das Publikum am Ende nicht mehrfach aufgestanden ist und viele viele Zugaben gefordert hat. Ich weiß was ich singen muss und ich weiß wie ich singen muss, um die Seelen, um die Herzen der Menschen zu erreichen. Und die will ich erreichen. Das ist mein Anspruch.

Ruhrbarone: Dortmund ist eine Nazi-Hochbug, wie es sie kein zweites Mal im Westen gibt. Du bist ein Gegner jedes Antisemitismus und ein Freund Israels. Wirst Du Dein Programm auf die besondere Situation in Dortmund abstimmen?

Casapietra: Zuerst einmal heißt mein Konzert „Lieder der Sehnsucht“ und ich werde Liebeslieder singen, wie es schönere nicht gibt. Schottische, italienische, spanische, irische Und natürlich deutsche Liebeslieder und Kirchenlieder. Die Sehnsucht hat so viele Facetten. Unter anderem die Sehnsucht nach einer Heimat, nach einem Land in dem man sich sicher fühlen kann. Daher singe ich selbstverständlich auch israelische Lieder weil kaum ein Volk diese Form der Sehnsucht glaubhafter ausdrücken kann als die Israelis. Ansonsten hast du recht, Ich setze mich wo ich kann gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Ich habe eine Zeit lang in Brandenburg gelebt und im Grunde jeden Tag damit zu tun gehabt. Es gibt für mich nichts geistesgestörteres als Menschen nach ihrer Herkunft oder ihren Wurzeln zu beurteilen. Und auch wenn mein Konzert das Ziel hat, Menschen glücklich zu machen und die Liebe zu feiern, so halte ich mit meiner Meinung was diese Dinge angeht nicht hinter dem Berg.

Ruhrbarone: Was wirst Du in Dortmund singen?

Casapietra: Lieder die die Fähigkeit besitzen Menschen zu erreichen. Sie zu berühren sie zu verändern. Ich weiß, das klingt reichlich platt. Aber das funktioniert. Wenn ich das Halleluja von Leonard Cohen singe, eines der ehrlichsten und schonungslosesten Liebeslieder die ich kenne, dann erreicht dass Menschen. Ich bin ja der Auffassung, dass wir Musiker den Auftrag haben, diese Welt zu verbessern. Und wenn es mir bei einem Konzert gelingt, Menschen glücklich zu machen sie in der Tiefe ihrer Seele zu berühren so, dass sie vielleicht nach Jahren das erste mal wieder Händchenhaltend aus der Kirche gehen, dann habe ich mein Job gut gemacht. Das Ave Maria von Schubert ist natürlich in Kirchen immer wieder sehr berührend. Die heimliche irische Nationalhymne Danny boy sehr beliebt. Lieder aus meinem neuen aktuellen Album Um Amore Italiano haben wir mit dabei. Guten Abend, gute Nacht von Johannes Brahms, ich singe die Filmmusik and aus „spiel mir das Lied vom Tod“ und „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni. Oder ein Lied an meinen Vater basierend auf Borodins berühmter Melodie (Ich habe darauf einen Text geschrieben und es heißt Vaters Lied) und besingt die Sehnsucht nach meinem Papa. Es ist durchaus ein persönlicher Abend. Aber selbstverständlich ist es kein trauriges Konzert. Im Gegenteil. Es gibt einen Grund dafür, warum wir seit vielen Jahren von unserem Publikum den Satz hören: „ich hätte nie gedacht, dass ein Klassik Konzert so viel Spaß machen kann.“

Ruhrbarone: Nach welchen Kriterien suchst Du Deine Stücke aus?

Casapietra: Da gibt es nur ein Kriterium. Ich muss verliebt in das Lied sein. Daher singe ich so gerne Lieder aus meinen 6 Studio-Alben bei meinen Konzerten. Weil ich diese mit wirklich großer Liebe ausgesucht und eingesungen habe. Wir proben gerade das Programm und es ist für dieses Jahr ein neues Lied dazu gekommen: „von guten Mächten wunderbar geborgen“. Basierend auf dem berührenden Text von Dietrich Bonhoeffer. Ein wunderschönes Lied und wie geschaffen für eine Tenorstimme und ein Kirchenkonzert.

Ruhrbarone: Du bist der Sohn Herbert Kegel, dem bekanntesten Dirigenten der DDR, und der Sopranistin Celestina Casapietra. Wie haben Dich Deine Eltern musikalisch geprägt?

Casapietra: Das einzige was mich in meiner Kindheit geprägt hat ist die Tatsache, dass bei uns zu Hause immer klassische Musik lief. Laut, durchs ganze Haus schallend. Opern, Konzerte, Liederabende und so weiter. Mein Vater war ein großartiger Musiker aber ein sehr schwieriger Mensch. Aber seiner Liebe konnte ich mir immer sicher sein und das gibt mir auch heute noch Kraft.

Meine Mutter hingegen war ebenfalls eine fantastische Sängerin. Aber leider Zeit ihres Lebens von Selbsthass geprägt. Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr. Ich achte und schätze beide als großartige Musiker. Wenn man heute in ein CD Geschäft geht findet man 50-100 Einspielungen klassischer Werke von meinem Vater und seinen diversen Orchestern. Und wenn man meine Mutter singen hört denkt man ein Engel singt. Das beste was sie hinterlassen haben ist ihr musikalisches Können.

Ruhrbarone: Wirst Du ab jetzt häufiger im Westen zu sehen sein?

Casapietra: Es gibt einen großen Unterschied was das Publikum angeht. Das Publikum im Westen hat wesentlich mehr Sinn für Ironie und Satire als das im Osten. Und da ich ein sehr ironischer Mensch bin und immer drauf achten, mein Publikum auch zum Lachen zu bringen (umso tiefer kann ich sie danach mit meinen Liedern berühren), ist das ein sehr schöner Aspekt. Ich freue mich auf jedes West-Konzert und wir werden den Westen des Landes in Zukunft wieder mehr bereisen.

Björn Casapietra  – Lieder der Sehnsucht 16. September, Ev. Immanuelkirche
Bärenbruch 17 – 19, 44379 Dortmund-Marten. Tickets via Eventim

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