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Bye bye, Mario! – Die Zeit des einstigen Wunderkinds Götze beim BVB, sie endet als Randnotiz

Mario Götze. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Gestern, kurz vor Beginn des Auswärtsspiels des BVB in Wolfsburg (2:0), machte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bei ‚Sky‘ in einer Schalte beinahe beiläufig offiziell, was seit Monaten spekuliert wurde: Die Wege des einstigen BVB-Wunderkinds Mario Götze und des Vereins werden sich nach Abschluss der Spielzeit 2019/20, mit Auslaufen des Vertrages des Spielers beim Klub, endgültig trennen.

Damit endet ein vor über einem Jahrzehnt noch als Fußballmärchen angedachtes Kapitel in der BVB-Geschichte als Randnotiz. Und für den Spieler droht eine märchenhaft begonnene Zeit im Profifußball jetzt ziemlich unspektakulär auszulaufen.

Götze begann seine Zeit in Dortmund unter Trainer Jürgen Klopp als Teenager spektakulär. Seine Leichtfüßigkeit, seine Technik, seine Spielfreude, all das gab damals zu größten Hoffnungen Anlass.

Wenn der Kicker in Dortmund auch nie viel mehr als ein Versprechen auf eine große Zukunft war, schmerzte sein Abgang in Richtung FC Bayern München wenige Jahre später doch viele Schwarzgelbe enorm. ‚Ihr‘ Mario wurde dem BVB ‚untreu‘, wechselte gegen eine festgeschriebene Ablösesumme ausgerechnet zum direkten Konkurrenten von der Isar.

Der Zeitpunkt der Verkündigung des Abgangs, direkt vor einem wichtigen Champions League-Spiel, stieß zudem übel aus. Aus Zuneigung wurde bei vielen Fans damals ganz schnell ‚Hass‘, auch wenn dieser Begriff im Sport eigentlich nichts zu suchen hat.

In München lief es für Götze nicht wunschgemäß. Er kam unter Coach Pep Guardiola nicht auf die gewünschten Einsatzzeiten, seine sportliche Entwicklung stagnierte. Dennoch gelang es ihm im Kader von Bundestrainer Joachim Löw mit der DFB-Elf zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien zu kommen. 2014 war das. Und auch das Turnier in Südamerika sah den quirligen Offensivspieler zunächst vielfach nur als Bankdrücker.

Die Zeit in Brasilien war für den Profi nicht das, was Götze und ‚Fußballdeutschland‘ sich davon versprochen hatten. Es würde vermutlich auch nie mit dem Namen Götze verbunden werden, wenn nicht ausgerechnet der auch in diesem Spiel wieder nur als ein eingewechselter Akteur den entscheidenden Treffer im Finale der WM gegen Argentinien in der Verlängerung erzielt hätte, dadurch in die nationale Fußballhistorie auf eine der vorderen Seiten im Geschichtsbuch dieser Sportart gelangt wäre.

Es folgte im Sommer 2016 die Rückkehr aus Bayern zu seinem Ausbildungsverein, zum BVB. Hier wollte Götze seiner Laufbahn auch im Bundesligageschäft einen Aufschwung verleihen, sollte unter Coach Thomas Tuchel das Dortmunder Offensivspiel beflügeln. Nun, wie wir heute wissen, kam es einmal mehr anders, konnte Götze die in ihn gesetzten riesigen Erwartungen bei seinem zweiten Aufenthalt im Ruhrgebiet nicht erfüllen.

Gebeutelt von Verletzungen, Krankheit und der sportlichen ‚Krise‘ in Dortmund, glänzte Götze auch nach seiner Rückkehr ins Ruhrgebiet nur höchstselten. Die WM 2018 in Russland fand folglich ohne ihn statt.

Die Trainer Peter Bosz, Peter Stöger und Lucien Favre bedienten sich seiner Spielkünste nur allzu selten. Teils weil Götze ihnen gar nicht zur Verfügung stand, teils aber eben auch weil seine Leistungen sie nicht überzeugten. Favre machte erst kürzlich wieder einmal klar, dass er Götze nur als eine Alternative ansieht, nicht jedoch als Stammkraft in Dortmund.

Dass Michael Zorc und Götze jetzt in einem Gespräch in dieser Woche offiziell ausmachten, dass sich die Wege trennen werden, wird in Dortmund kaum jemand überrascht haben. Schlimmer ist jedoch, dass bei Götzes zweitem Abgang aus Dortmund kaum noch jemand dem einstigen Wunderkind eine Träne hinterherweinen wird.

Ein neuer Verein? Der wird sich für Götze natürlich finden lassen. In Corona-Zeiten und mit der Leistungsbilanz der vergangenen Jahre wird der Spieler dabei aber wohl deutliche Abstriche machen müssen.

Nicht alle Profikarieren verlaufen so traumhaft, wie zunächst erhofft. Götze gilt da inzwischen als eine Art Paradebeispiel, reiht sich in Dortmund in eine Reihe ein mit den einstigen Wunderkindern Lars Ricken oder vielleicht auch David Odonkor, die auch jeweils eine Zeit lang als DAS Versprechen auf eine sportlich herausragende Zukunft beim BVB galten, am Ende diese Rolle aber nicht wirklich erfüllen konnten.

Mitleid muss man mit dem mehrfachen Millionär Götze deshalb natürlich nicht haben. Trotzdem trägt auch sein Schicksal etwas zur Ernüchterung bei den Fußballfans bei. Die schöne, heile Traumwelt des Profifußballs, sie erhält durch den seit Jahren (in Anbetracht der einst großen Erwartungshaltung) unbefriedigenden Karriereverlauf von Mario Götze einen weiteren Riss, wenn dies aktuell auch längst nicht (mehr) zu den ganz großen Schlagzeilen taugt.

Etwas schade ist es aus Sicht eines Fußballromantikers ja schon…

Bye bye, Mario!

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2 Kommentare zu “Bye bye, Mario! – Die Zeit des einstigen Wunderkinds Götze beim BVB, sie endet als Randnotiz

  • #1
    thomas weigle

    Loddarempfiehlt Götze Hertha BSC, wie ich um die Mittagszeit in einem Laufband bei ntv las. Wenn man sich verbessern kann,doppelkicher…

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ja, Thomas, Hertha BSC kann ich mir nun auch nicht wirklich als nächsten Klub für Götze vorstellen. Das wäre ja nun ein totaler Absturz. Ich hoffe, dass Mario doch noch etwas besseres findet über den Sommer, als ein Durchschnittsteam der Bundesliga.

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