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Braunkohletagebau Bergheim Foto: Alexander Orth Lizenz: Gemeinfrei
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Protestcamp im Hambacher Forst (2013) Foto: Infoletta Hambach – meadow Lizenz: CC BY-SA 2.0
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Joachim Stamp Foto. FDP/R. Kowalke Lizenz: CC-BY-SA 4.0
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So wie der im Januar verstorbene The Fall-Sänger Mark E. Smith der schnoddrige Gegenentwurf zu Punk-Ikonen wie Joe Strummer oder John Lydon war, so ähnlich verhält sich das Verhältnis von Fehlfarben-Sänger Peter Hein zu den bundesdeutschen Chart-Punk-Größen. Er war stets der hysterische und unversöhnliche Geheimtipp, der meist knietief im Dispo steht. Nächste Woche kommt die Düsseldorfer Band in die Bochumer Christuskirche und sie spielen dort ausschließlich Songs von ihrem Klassiker-Album „Monarchie und Alltag“ aus dem Jahr 1980.
Irgendwann zu NDW-Zeiten wurden die Düsseldorfer Fehlfarben plötzlich hoch gehandelt. „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran“, so lautet die Essenz aus dem Album „Monarchie und Alltag“, welches im Jahr 1980 erschienen ist. Popstar, der auf der Überholspur des Lebens einen Ferrari fährt, ist Peter Hein damit nicht geworden: „Mit dem Album haben wir etwa 270.000 Mark verdient“, sagt Hein nüchtern, „und das auf etwa 20 Jahre verteilt. Damit konntest du in guten Jahren einen Urlaub bezahlen. Wenn es nicht so gut lief, konntest du dann damit in der Kneipe ein paar Mal den Deckel bezahlen.“
Dieser Klassiker ist 1980 erschienen. Ein Jahr, in dem der ehemalige Hollywood-Kleindarsteller Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt wird und der in der heutigen Rückschau fast wie ein „Elder Statesman“ wirkt. 1980 ist auch das Jahr wo sich die Grüne Partei in Karlsruhe gründet, in Danzig macht die Gewerkschaft Solidarność Furore und ein Attentat auf dem Münchener Oktoberfest reißt 13 Menschen in den Tod. Fehlfarben singen damals „Paul ist tot, kein Freispiel drin“. Peter Hein textet für diesen Song eine Shortstory mit vielen Gedankensprüngen: „Ich traue mich nicht, laut zu denken. Ich zögere nur und drehe mich schnell um. Es ist zu spät, das Glas ist leer. Du gehst mit dem Kellner und ich weiß genau warum.“
Meist mixt Hein seine Zeilen mit politischen, persönlichen und gesellschaftskritischen Metaphern. Er jongliert Slogans, Erinnerungsfragmente und Sprachfetzen zu einem zeitgenössischen Erzählstrang, die den Zeitsprung von mittlerweile 38 Jahren locker überlebt haben. Liedtexte wie „Gottseidank nicht in England“ oder „Apokalypse“ klingen mit Endzeit-Versen wie „Oder’ne Fabrik, in die keiner seine Nase steckt – Verbrannte Erde, Schüsse in der Nacht – Bombenteppich, U-Boot-Jagd“ immer noch kunstvoll und utopisch, skurril und wahr, verrückt und erhellend, verzaubernd und verstörend zugleich.
Musikalisch schauen sie sich was vom kalten New-Wave-Funk von Bands wie Gang of Four ab, mixen es mit Ska und geschmackvollen Rock-Sequenzen. Die Saxophon-Klänge von Frank Fenstermacher dröhnen nie so schwülstig und weichgespült wie in Sade-Songs, hier klingt es immer cool nach New Wave und nach James Chance & the Contortions. Aber im weit gefassten Fehlfarben-Sound schimmert auch die Patina von alter Neonreklame durch: hier werden Erinnerungen an Cocktails trinken in coolen Bars geweckt und nach Tanzen in zackigen B-52s-Moves.
Eine vergangene Zeit blinkt hier auf, in der Diedrich Diederichsen und Wolfgang Welt die wichtigsten Popkultur-Autoren waren. Schaut man in dieser Woche zum Vergleich in die Sachbuch-Bestseller-Liste, stehen dort auf den ersten drei Plätzen so überflüssige und geschwätzige Handlampen wie Kollegah, Thilo Sarrazin und Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Die unvergänglichen Rezepte, die die Fehlfarben in ihren Songs verschrieben haben, überzeugen dann doch wirklich mehr.
Aber auch die musikalische Fehlfarben-Vision überzeugt noch immer. Die hart gespielten Gitarren Akkorde von Thomas Schwebel werden cool und unverblümt runter geschrubbt, die Vocals von Peter Hein stehen gleichberechtigt im Wall of Sound – das ist auch Jahre später meilenweit entfernt vom NDW-Schlager-Sound eines Hubert Kah, von Fräulein Menke oder von der Spider Murphy Gang. Nein, hier ertrinkt immer noch alles im Grauschleier – der hängt nicht nur über der Stadt, sondern findet vor allem im Sound seine Entsprechung. Und den kann selbst Mutti nicht wegwaschen, so hartnäckig sitzen diese Flecken im Stoff.
Zudem haben Fehlfarben schon immer den Hang zu Schauspielen in vergilbtem Technicolor. In Anlehnung an den Regisseur Douglas Sirk, der das Film-Melodram im Hollywood der 1950er und 1960er Jahre als farbenprächtiges Gesamtkunstwerk inszenierte, haben Fehlfarben einzelne Songs immer wieder nach Sirk-Filmen benannt. „All That Heaven Allows“ zum Beispiel, „Imitation of Life“ oder „The Tarnished Angels“, auf dem Gastmusiker Helge Schneider damals im Studio sogar die Pianolinie spielte. Hein kommentiert: „Melodramen standen immer in einem schlechtem Ruf. Wir wollten dem etwas entgegen setzen und diese Filme rehabilitieren.“
Fehlfarben-Songs klingen auch manchmal wie Melodramen. „Der Mann den keiner kennt“ von 2015 zum Beispiel wartet mit der Textzeile „Er hat alle zusammen gebracht, selten wurde lauter gelacht“ auf. Für Hein trifft das auch irgendwie zu. Farin Urlaub sagte mal, dass die Art des Textens von Hein ihn maßgeblich beeinflusst hätte und auch für den jungen Campino war der gelernte Groß- und Außenhandels-Kaufmann ein wichtiges Leitbild. Ob Hein gerne ein Punk-Pionier ist? „Das ist mir eher egal. Beziehungsweise, wenn man für etwas Abgekupfertes ein Pionier ist, dann ist es doch schön.“
Seine Weltsicht ist nüchtern und angenehm geerdet: „Ich hatte nie großartige Pläne in meinem Leben und hatte auch nie eine besondere Vision, die ich in meinem Leben verfolgen wollte. Es kommt so, wie es kommen soll – und die meisten Pläne gehen ja eh in die Hose.“ Ob er Dinge gut verkaufen kann, wie etwa eine neue Platte oder einen Roman à la „Herr Lehmann“, den er irgendwann mal schreiben sollte? „Ich hasse Verkäufer“, sagt er und sofort ist wieder der Anti-Typ aus dem Lehrbuch. Also so, wie man sich Peter Hein eigentlich auch vorgestellt hat. Dann setzt er noch eine Jahrhundertweisheit darauf: „Das Geschäftsleben wäre eigentlich super, wenn man keine Kunden hätte.“
Live: Fehlfarben in der Christuskirche Bochum Donnerstag, 11. Oktober 2018 | 20 Uhr Einlass: 19 Uhr VVK: 31,60 (inkl. Gebühren)
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The Spitfires sind eine 4-köpfige Band aus Watford. Unter Einflüssen von The Clash, Billy Bragg, The Jam bis hin zu Soul, Reggae und Ska hat die Band seit 2015 2 Alben veröffentlicht.
Ihre Arbeitsethik und ihr kraftvolles Songwriting, gepaart mit ihrem akuten Sozialkommentar und dem Mangel an Unterstützung durch die Mainstream-Industrie, hat diese unabhängige Band zu einer der populärsten Underground-Erfolgsgeschichten in Großbritannien gemacht. Diese Do It Yourself-Einstellung und Unabhängigkeit hat ihnen eine engagierte Folge und ausverkaufte Shows in ganz Großbritannien und Europa eingebracht.
Ihr aktuelles Album „Year Zero“ erschien am 27.Juli diesen Jahres. Überzeugt euch selber von den neuen großartigen Songs der Briten und zwar am Freitag, den 19. Oktober im Bahnhof Langendreer Bochum.
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