Der morbide Charme in der Alltäglichkeit

Fotografien von Klaus Homann vereinen Morbidität und Endzeitstimmung / mit freundlicher Genehmigung von K. Homann

Das Wechselbad zwischen Nähe, Ferne und Verfall ist der rote Faden in der Bildsprache von Fotograf Klaus Homann. Der Mann mit den Ruhrgebietswurzeln (geboren in Lünen, lebt in Essen) flaniert durch den öffentlichen Raum – und hat als Chronist mit der Kamera immer wieder ein Händchen für verletzliche Momentaufnahmen mit einem schwebenden Ewigkeitsanspruch.

Klaus Homann findet das Ästhetische im Kaputten und porträtiert Hochhäuser, Tiefgaragen, Einzelhandelsgeschäfte, Schrottplätze, Imbissbuden, Spielhallen, Tankstellen und Restaurants, die ein Schattendasein im modernen Leben fristen. Seine Gebäude strahlen eine existentielle Einsamkeit aus und wirken spooky – manchmal sogar wie Schauplätze aus einem noch nicht bekannten Thriller. Vor fast 30 Jahren ist er über einen Urlaub in Amerika zum Fotografieren gekommen.

Continue Reading

Die Europäer: Künstler, Kosmopoliten und Unternehmer

Iwan Turgenew, 1838 porträtiert von Kirill Gorbunow Lizenz: CC0


In seinem Buch „Die Europäer“ zeichnet Orlando Figes das Bild eines im 19. Jahrhundert moderner werdenden Kontinents, dessen Entwicklung erst der deutsche Nationalismus stoppt. Die Zeichnung der Lebenswege des russischen Schriftstellers Iwan Sergejewitsch Turgenew und dem Ehepaar Pauline und Louis Viardot, mit denen er ein Dreiecksverhältnis pflegte, beschreibt auch den Ausbau der Kunst zu einem Geschäft. Für die meisten Künstler war das eine Befreiung.

Es war nur eine kleine Schicht von reichen Adeligen, erfolgreichen Künstlern und zunehmend wohlhabender werdenden Freiberuflern und Industriellen, die im 19. Jahrhundert in einem Europa lebten, dass uns bekannt vorkommt: Die Menschen sprachen mehrere Sprachen, überwanden wie auch die Waren und Dienstleistungen immer häufiger die Grenzen der Staaten und fühlten sich immer weniger als Deutsche, Franzosen oder Russen, sondern vor allem als

Continue Reading

Buchvorstellung: Schalömchen!

Dass der jüdische Humor so seine Art hat, weiß ich seit Jugendtagen, denn im wohnzimmerlichen Bücherschrank stand immer der jeweils neueste Kishon. Gerne und immer wieder gelesen, ganz besonders die Kurzgeschichte Blaumilchkanal, die ja sogar verfilmt wurde.

Von unserem Gastautor Thomas Weigle

Ein schönes Beispiel für diesen Humor sind die Comics von Ben Gershon, die regelmäßig in der Jüdischen Allgemeinen erscheinen. Manchmal muss ich schon ein wenig nachdenken, denn die vielfältigen Facetten jüdischen Lebens sind mir ziemlich unbekannt, insbesondere wenn es um religiöse Rituale geht.

Continue Reading

Hinrichtung des iranischen Bloggers Ruhollah Zam: PEN fordert Straßenumbenennung in Berlin

Ruhollah Zam Foto: MojNews Lizenz: CC-BY 4.0

Das deutsche PEN-Zentrum ist zutiefst entsetzt über die Hinrichtung des iranischen Journalisten und Oppositionellen Ruhollah Zam. Die Ermordung des Regimekritikers muss diplomatische und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Darüber hinaus regt der PEN an, den Teil der Podbielskiallee, an der sich die Iranische Botschaft befindet, also jenen Teil südöstlich der Koserstraße, in Ruhollah-Zam-Allee umzubenennen.

„Wir bitten den Berliner Senat eindringlich, sich diese Idee zu eigen zu machen und eine solche Umbenennung schnellstmöglich zu veranlassen, damit fortan jedes Schreiben an die Iranische Botschaft mit der Adresse Ruhollah-Zam-Allee an dieses abscheuliche Verbrechen erinnert“, so Vizepräsident Leander Sukov.

Continue Reading
Werbung
Werbung


BDS-Unterstützer: Wenn kritische Künstler es ernst meinen würden, würden sie deutsche Steuergelder boykottieren

Inke Arns, Künstlerische Leitung Hartware MedienKunstVerein (HMKV)

Nach der „Initiative GG 5.3. Weltoffenheit“ , in der sich vor allem Intendanten und andere Kulturmanager zusammen geschlossen haben, melden sich nun über 1000 andere „Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Schriftsteller*innen und Kulturschaffende“ zu Wort, um für das Recht auf Israelboykott und die Zusammenarbeit mit Antisemiten zu streiten. Leider

Continue Reading

Initiative GG 5.3 Weltoffenheit: Antisemitisches Gatekeeping

Netta Foto: Raimond Spekking Lizenz: / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Führende Repräsentanzen der öffentlichen Kultur und Wissenschaft plädieren dafür, BDS zu akzeptieren, die antisemitische Boykottkampagne gegen Israel. Gleichzeitig warnen sie vor einer „Logik des Boykotts“. Ihre „Initiative Weltoffenheit“ fällt der privaten Kulturbranche in den Rücken und darum hinter gesellschaftliche Standards zurück. Unser Gastautor Thomas Wessel ist Pfarrer der Christuskirchen Bochum.

Das „Plädoyer“ für die Boykottbewegung BDS hat die „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“   –  am ersten Tag von Chanukka veröffentlicht, dem jüdischen Lichterfest, eine sagenhafte Ignoranz  –  mitten in die Corona-Krise hinein getextet: die private Kulturbranche am Boden, das Weihnachtsgeschäft zerschlagen, eine ungewisse Saison vor Augen. In den kommenden

Continue Reading

Cartoons ohne Bilder #115


Ein großer Supermarkt, ein typisches deutsches Rentnerehepaar, drei Panels.
1. Der Mann biegt in einen Gang ab. Freudiges Gesicht. Frau zeigt seeliges Grinsen. Sprechblase Mann: „Schau mal, Ingeborg: Orientalische Spezialitäten!“
2. Mann grinst immer noch selig, betrachtet Gläser mit eingelegten Peperoni. Frau guckt misstrauisch auf eine Frau mit Kopftuch.
3. Mann guckt erschrocken. Sprechblase über seiner Frau: „Warte mal, Herbert! Ich glaube, das ist nicht Spezialitäten. Das ist die Abteilung, wo die Ausländer ihr Zeug kaufen tun!“

Initiative GG 5.3 Weltoffenheit: Die geheuchelte Sorge um die „Marginalisierten“

Wichtige Stimme Afrikas, für die sich der postmoderne Wanderzirkus nicht interessiert: Unternehmer Strive Masiyiwa Foto: Entrepreneurs4Africa Lizenz: CC BY-SA 4.0

Angeblich gilt die Aufmerksamkeit der Initiative GG 5.3 Weltoffenheit den „Marginalisierten“ und ausgeblendeten Stimmen. Doch gerade diese Menschen interessieren die Mitglieder der Initiative nicht. Ihre Stimmen würden die postmoderne Kulturschickeria irritieren.

Warum muss man Antisemiten, die von der Vernichtung der Juden träumen und mit der BDS-Kampagne eine Initiative unterstützen, die, wenn auch erfolglos, auf dieses Ziel hinarbeitet? Niemand ist so dumm zu sagen, dass es darum geht, auch in Deutschland wieder staatlich finanziert den Holocaust so relativieren möchte, wie es in postkolonialen und postmodernen

Continue Reading
Werbung
Werbung


Staatskünstler wollen mehr Antisemitismus wagen

Auch PACT-Intendat Stefan Hilterhaus will wieder mit Antisemiten plaudern können Foto: Spyrosdrakopoulos Lizenz: CC BY-SA 4.0

Zahlreiche Intendanten, unter anderem von PACT-Zollverein, der Berliner Festspiele und Deutschen Theaters Berlin wollen den BDS-Beschluss des Bundestages kippen. 
Sie wollen mit Antisemiten in staatlich finanzierten Räumen diskutieren und dafür mit Steuergeldern bezahlt werden.

Die „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ hat sich heute mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt und will, dass der Bundestagsbeschluss, der verhindert, dass Organisationen, welche die antisemitische BDS-Initiative unterstützen, deren Ziel die Vernichtung Israels ist, gekippt wird.

Continue Reading

Kaiser Franz: „Wir wollen doch alle in naher Zukunft wieder eine „normales“ Leben führen, oder?“

Die Corona-Pandemie betrifft bekanntermaßen in besonderem Maße auch die unzähligen Künstler im Lande, denen viele Möglichkeiten ihres Wirkens seit Monaten genommen wurden und werden.

Für die Ruhrbarone hat Autor Robin Patzwaldt in dieser woche ein Interview mit ‚Kaiser Franz‘ geführt, einem 33-jährigen Musiker aus dem Ruhrgebiet, der sich trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten seinen Optimismus nicht hat nehmen lassen.

Kaiser Franz veröffentlicht am 11. Dezember seine aktuelle Single „HURRA HURRA“. Ein willkommener Anlass sich einmal über die schwierigen vergangenen Monate und die Herausforderungen der Zukunft zu unterhalten

Continue Reading