Cinderella wird auf dem Markt gehandelt

Zum Duell Philadelphia Eagles gegen Houston Texans wird es in dieser Saison wieder kommen. Foto: Keith Johnston Pixabay.com CC0 1.0

Von Mario Thurnes

Das Quarterback-Karussell dreht sich wieder. Und wie immer fällt in der NFL dabei auch der Name des Backups der Philadelphia Eagles: Nick Foles. Die Chancen des Titelverteidigers auf eine Teilnahme an den Playoffs im amerikanischen Football sinken derweil.

Die Geschichte von Nick Foles ist eine Cinderella-Story, wie sie die Amerikaner lieben: Der 29-Jährige startete bei den Eagles, schaffte es zwischenzeitlich zum Starting-Quarterback, wurde aber durch Verletzungen zurückgeworfen. Gastspiele bei den St. Louis Rams und den Kansas City Chiefs verliefen wenig glücklich. Dann kehrte er 2017 zu den Eagles zurück.

Dort konnte er zusehen, wie Quarterback Carson Wentz die Eagles zum führenden Team der NFC machte und sich selbst zum Anwärter auf den MVP-Titel – den Titel wichtigster Spieler der Saison. Bis sich Wentz am 14. Spieltag das Kreuzband riss und Foles so zum Ersatz-Starter wurde.

An jenem Sonntag schrieben auf Twitter viele Fans die Titelchancen der Eagles schon ab. Doch Foles kämpfte sich rein, führte das Team in den Super Bowl und sorgte dort für den Sieg und einen Gänsehaut-Moment: Kurz vor der Pause krönte Foles den „Philly Special“ mit einem Touchdown.

Bei diesem Spielzug gibt der Quarterback den Ball an einen Runningback. Der wirft einen Rückwärtspass auf einen anderen Offensivspieler, der wiederum einen Vorwärtspass wirft: auf den Quarterback. Denn der wird nach dem Handoff von der Abwehr meist nicht mehr richtig beachtet. Zumindest machten die New England Patriots diesen Fehler und ermöglichten Foles den Quarterback-Touchdown im Super Bowl. Foles wurde zum MVP des Finales gekürt.

Seitdem gilt die Cinderella des Footballs als üblicher Verdächtiger, wenn eine der 31 anderen Quarterback-Positionen in der NFL frei wird. So wie jetzt in Buffalo. Die Bills hatten auf Nathan Peterman gesetzt. Doch der 24-Jährige hat eine grauenvolle Bilanz vorzuweisen: zwölf Interceptions bei nur drei Touchdowns.

Die Bills starteten mit 2:7 in die Saison. Gelegenheit, Matt Barkley eine Chance zu geben. Der nutzte sie und führte Buffalo zu einem 41:10 gegen die New York Jets. Grund genug, ihm eine Chance und Peterman den Laufpass zu geben. Zumal die Bills mit einer baldigen Rückkehr von Derek Anderson und Josh Allen rechnen.

Auf einen Wachwechsel in Philadelphia braucht Foles nicht zu hoffen. Zwar ist der Titelverteidiger mit einer schwachen 4:5-Bilanz gestartet und hat angesichts eines beinharten Restprogramms kaum noch Chancen auf die Playoffs. Das ist aber nicht die Schuld von Wentz, der sich nach seiner Verletzung die Starter-Position zurückgeholt hat.

Wentz liefert: In den letzten fünf Spielen kam er auf ein Passer-Rating von 115,2. Er warf zwölf Touchdowns bei nur zwei Interceptions. Im Durchschnitt erreicht er solide 309 Yards pro Spiel.

Die Ursachen liegen woanders. Zum einen haben die Eagles Probleme im Laufspiel, weil Starter Jay Ajayi verletzt ist. Zum anderen hat sich Trainer Doug Pederson in jüngster Zeit ab und an vercoacht. Ganz besonders beim 20:27 gegen den Erzrivalen, die Dallas Cowboys.

Die Eagles verkürzten kurz vor der Pause mit einem Fieldgoal auf 3:6. Die Cowboys bekamen den Ball mit kaum mehr als 90 Sekunden auf der Uhr und ohne Timeouts. Der Angriff verlief zuerst schlecht für die Cowboys. Pederson nahm nun selber zwei Timeouts, um im Fall einer Ballübernahme noch die Gelegenheit zu haben, selber zu punkten.

Das gab Cowboys-Quarterback Dak Prescott die Gelegenheit, die Angriffe neu zu justieren und die Zeit, sie auch durchzuführen. So gelang den Cowboys gut 20 Sekunden vor der Pause ein Touchdown und ein Extrapunkt zur 13:6-Pausenführung – dank der Auszeiten von Pederson.

Und Foles? In dieser Saison wird er vermutlich nicht mehr wechseln. Die Eagles haben ihm nach dem Märchen im Super Bowl einen gut dotierten, neuen Vertrag gegeben. Doch dieser soll laut NFL-Experten eine Ausstiegsklausel für 2019 haben. Spätestens dann könnte Foles wieder ein üblicher Verdächtiger sein.

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