DER PRÄSI KOMMT IN SPREE

Ich bin ja Obama-Fan. Und hoffe auf seine Rede im Tiergarten. Vielleicht fahre ich auch selbst hin. Die Rede wird sicher besser als alles, was man kennt.

 Ist das Plakat nicht schön? Solche politischen Plakate gibt es in Deutschland überhaupt nicht. Oder hat jemand schon mal so ein Ding gesehen, wenn es um eine Rede von Angela ging? Niemals.

Deswegen finde ich auch dieses Video so klasse. Kann man gar nicht oft genug sehen. Das ist mal cooler Wahlkampf.

 

Zu Mac-Cain fällt einem dabei nur das hier ein:

Dir gefällt vielleicht auch:

12 Kommentare

  1. #1 | Ralf Wasselowski sagt am 22. Juli 2008 um 16:09 Uhr

    Wer hat diesen Artikel geschrieben?

    Das Plakat finde ich auch sehr gut gestaltet. In der Tat könnte der deutsche Wahlkampf, der von größtmöglicher Sachlichkeit dominiert ist, weniger Langeweile vertragen. Dazu würde mehr Mut bei der Plakatgestalung, der Motivauswahl und der Foccussierung auf problematische Inhalte gehören.

    Ähnliche Konzepte, wie Du sie favorisierst, liegen in den Schubladen deutscher Werbeagenturen, aber die Bundespolitiker trauen sich nicht.

    Um welchen Preis kann man spannende Werbung machen?

    Das Video ist zutiefst unehrlich: Warum war die Sängerin nicht nackich? „Obama“ hätte nicht gedruckt auf dem T-Shirt sondern tätowiert auf ihrer nackten Haut zu sehen sein müssen. Das wäre mal ehrlich. Es geht hier um die Verwässerung politischer Inhalte durch „Unterhaltung“. Warum findest Du sowas gut? Neil Postman hätte ein plakatives Beispiel für seine Wir-amüsieren-uns-zu-Tode-Thesen gehabt. Es ist nicht witzig, es ist nicht ehrlich, es ist auch nicht postmodern. Es ist: verdummend.

    Was sagt uns das über den amerikanischen Wahlkampf? Stimmvieh wird positiv für einen Kandidaten eingenommen, wenn es ein hübsches Mädchen im Bikini sieht, das uns seinen Hintern entgegenstreckt… Natürlich ist das nur ein Element im dortigen Wahlkampf. Der ist aber generell viel mehr von unterhaltenden Elementen geprägt als hier. Die Tendenz der Wahlkampfstretegen auch in Deutschland geht ebenfalls in Richtung „Verschlagwortung“ von Inhalten, solange, bis diese nicht mehr erkennbar sind. Das „Guidomobil“ von Westerwelle fährt genau in diese Richtung. Der Populismus von Möllemann in NRW oder von Koch in Hessen ging bzw. geht in dieselbe: Machterhalt, Stimmen um jeden Preis, ohne Rücksicht auf Inhalte.

    Zwischen Spannung im Wahlkampf und verblödender Wahlkampfwerbung liegt eine weite Spanne, die sehr unterschiedlich gefüllt werden kann. Im amerikanischen Wahlkampf wäre es vermutlich mutiger, Argumente und Sachlichkeit sprechen zu bringen, im deutschen von der Langeweile abzuweichen.

    Ansonsten wird natürlich McCain der nächste Präsident. Obama hat keine Chance. Die Rede von ihm wird nichts anderes sein, als eine Aneinanderreihung der üblichen Hohlformeln, um an die Maht zu kommen. Die Hoffnung, Obama als nächster amerikanischer Präsident würde die Welt verbessern und alles, was uns an der amerikanischen Politik stört, besser machen, ist ein Luftschloß. Das weißt Du auch, unbekannter Autor. Von daher verstehe ich den ganzen Artikel eher als kleinen Scherz.

  2. #2 | ralphs sagt am 22. Juli 2008 um 17:01 Uhr

    Das Plakat finde ich vom Layout her auch recht schön, nur der Kopf erinnert mich irgendwie an Naziästhetik. Und wie toll das Gesicht gebleicht ist, damit auch niemad mehr sieht, dass Obama en halber Schwarzer ist.

  3. #3 | David Schraven sagt am 22. Juli 2008 um 22:12 Uhr

    Zum ersten: Das Plakat ist klasse, allein wegen der Bildsprache. Es geht alles nach oben, von Obama aus. Dynamisch, energisch, visionär.

    Zum zweiten: es ist ein verdammtes Voruteil zu meinen, der amerikanische Wahlkampf wäre oberflächlich. Das gegenteil ist der Fall. Obama gibt Antworten. er bezieht sich auf Probleme und macht Lösungsvorschläge. OK. Man muss sich das anhören und es ist in Englisch. Aber eben nachzuhören. Und zwar hier:

    https://youtube.com/watch?v=pWe7wTVbLUU

    Das spannende ist aber, dass es rhetorisch so genial gebracht wird, wie man es in Deutschland nie von unseren Chefs hören wird.

    Siehe hier:

  4. #4 | David Schraven sagt am 22. Juli 2008 um 22:13 Uhr

    Die Rethorik ist so gut, dass man daraus einen guten Song machen kann.

    Höre hier:

  5. #5 | David Schraven sagt am 22. Juli 2008 um 22:27 Uhr

    Wenn Du das gehört hast, dann kannst du nicht unberührt bleiben. Yes, we can!

  6. #6 | Ralf Wasselowski sagt am 23. Juli 2008 um 03:52 Uhr

    ralphs:
    Na, Naziästhetik würde ich nicht sagen. Schau Dir mal amerikanische Plakate aus der Zeit des 2. Weltkriegs an oder sowjetische oder chinesische Polit- und Propaganda- Plakate. Ihnen gemein ist eine Übersteigerung der Heldenverehrung durch die grafische Überzeichnung der Physiognomie. Das war auch bei den Nazis so, aber es ist nicht allein typisch für die Naziikonografie – eher typisch für Soldaten- und maskuline Heldenästhetik.

    David: „…es ist ein verdammtes Voruteil zu meinen, der amerikanische Wahlkampf wäre oberflächlich.“…

    Der amerikanische Wahlkampf ist unterhaltsam. Das ist einerseits oft spannender als hier, andererseits verwässernd. Inhalte werden dort noch ganz anders als hier verpackt und verkauft. Schau Dir nochmal das Video an, das ich in meinem 1. Kommentar kritisiert habe. Wie vielschichtig das ist… Manchmal wird so lange vereinfacht, bis nur noch Schlagworte übrig bleiben – yes we can. Schade, dass die Gefahr besteht, dass das gesamte politische Programm aus „yes we can“ bestehen könnte. Mehr nicht.
    Ein amerikanischer Präsident muß gut aussehen, damit er sich verkaufen läßt. Deshalb regiert Cheney zwar, aber Bush nennt sich Präsident, der hat volles Haupthaar und läßt sich deshalb fernsehwirksam verkaufen. Obama hat nicht durch Inhalte überzeugt, er hat nichts zu sagen, was nicht schon andere vor ihm gesagt haben. Er kann aber gut reden und er sieht gut aus.
    Worum ging es eigentlich im Wettstreit Mit Hillary Clinton? Um die Programmatik? Scheiß drauf! Es ging nur um die Personen. Auf Bravo-Niveau. Wer macht sich besser auf dem Poster und wieviele hängen es auf?
    „Rhetorisch genial“ finde ich zu hoch gegriffen. Obama ist ein sehr guter Redner. Er spricht das Gefühl an, er ist locker und nicht so steif wie deutsche Politiker, die (bis auf manche bayrischen Politiker) die Ratio adressieren. Er ist typisch amerikanisch. Ein guter Verkäufer von allgemeinen Inhalten wie z.B. der Beendigung des Irakkrieges.
    Gepunktet hat er im Vorwahlkampf nicht durch spezifische politische Aussagen sondern durch eine frühzeitige und hervorragende Organisation, die massenhafte Rekrutierung und Mobilisierung von ehrenamtlichen Wahlkampfhelfern und die Einbeziehung des Mediums Internet. So hat er auch seine Wahlkampfgelder hereingeholt – durch eine Vielzahl von Einzelspendern von „unten“. Die logistische Leistung bezüglich des Vorwahlkampfes über Jahre hinweg war in der Tat eine fast geniale Meisterleistung.
    Man kann wohl sagen, dass er – ähnlich wie Bill Clinton damals – als Person bereits das Programm ist: Jung, smart, multikulturell, seriös. Ein Hoffnungsträger. Das wars auch schon. Wie durchschlagend seine Propaganda ist, sieht man an Deiner Reaktion.
    Oder wo siehst Du die besonderen politischen Inhalte? Was wird er anders machen? Atomausstieg? Shakehands mit Old Europe?

  7. #7 | Arnold Voß sagt am 23. Juli 2008 um 08:20 Uhr

    David hat recht. Den amerikanische Wahlkampf einschließlich der Vorwahlen könnte übrigens kein einziger der zur Zeit aktiven deutschen Politiker durchhalten. Weder von der sachlichen Debattenqualität noch von den darstellerischen Entertainmentanforderungen noch von der physischen Leistungsfähigkeit. Hier darf man sich schon freun, wenn eine(r) einen Satz ohne zu stottern zu Ende bringt. Ausstrahlung ist absolute Mangelware. Rehtorische Überzeugungslkraft eine absolute Seltenheit. Was für ein beschämendes Personal im Lande der Dichter und Denker!

    Wer allerdings an einer normalen deutschen Universität mal einen normalen Professor hat vortragen hören, der braucht sich nicht zu wundern. Solche Leute würde in den USA von ihren Studenten ausgebuht bzw. nur aus purer Höflichkeit ertragen.

    Wo also lernt man in Deutschland zur ausdrucksstarken Persönlichkeit zu werden? Nirgendwo! Denn Durchschnittsdeutschland hasst Persönlichkeiten.

    P.S. Ich bin übrigens kein Obama Fan, auch wenn ich mir wünsche, dass die Demokraten in den USA wieder das Ruder übernehmen.

  8. #8 | Ralf Wasselowski sagt am 23. Juli 2008 um 10:08 Uhr

    Arnold: Warum bist Du denn kein Obama-Fan? Hat Dich das Fieber nicht gepackt?

  9. #9 | Jens Kobler sagt am 23. Juli 2008 um 13:57 Uhr

    Ich geh wohl hin, ganz unbefangen.

  10. #10 | Tom009 sagt am 23. Juli 2008 um 14:21 Uhr

    Ich sage nur–Politik tritt hier in diesem fall genau so in den Hintergrund wie überall.
    Leere Worthülsen.Sonst nichts.

  11. #11 | Arnold Voß sagt am 24. Juli 2008 um 08:40 Uhr

    @ Ralf Wasselowski

    Mir ist Obama zu glatt, zu smart. Vor allem aber fantasiert er „das eine Amerika für alle Amerikaner “ herbei. Damit meint er natürlich nur die USA und die ist weiß Gott in sich kulturell, sozial und vor allem ökonomisch sehr gespalten. Der große „Einigungstrick“ ist dann immer die Außenpolitik der USA bzw. der Patriotismus. Das geht auch gar nicht anders in einem Land das nur aus Einwanderern besteht. Es sei denn, Obama würde wirklich versuchen die massiven sozialen Brüche in diesem Land durch eine radikal neue Innenpolitik zu kitten. Ob er das aber will, bezweifele ich. Da wäre dann Schluss mit tollen Reden. Dann ging es wirklich ans Eingemachte. Das ihm das gelänge, wenn er es wollte, bezweifele ich ebenfalls, weil sich dann zeigen wird, welche Macht sich in den USA auf wirklich wenige vereinigt. So wird er wie alle bisherigen Präsidenten, wenn er es erst einmal ist, zur erprobten imperialen Außenpolitik greifen um sich als „Führer“ aller! US-Amerikaner zu beweisen. Vielleicht moderater und multilateraler, aber von der Sache her, das heißt was die mittel bis langfristigen Interessen Amerikas betrifft, wohlmöglich noch unbeugsamer als alle bisherigen US-Regierenden.

    Ich glaube sogar, dass der etablierte Mac Cane sich eher mit den Mächtigen im eigenen Lande anlegen würde als der Aufsteiger Obama. Er tut es übrigens jetzt schon. Auch Hillary Clinton hat sich in ihrem politischen Leben mehr mit ihnen auseinandergesetzt als Obama es bislang in seinen Reden getan hat. Sie ist allerdings auch immer wieder am „Großen Geld“ gescheitert und hat sich letztlich ins „System“ gefügt.

    Mit einem Satz: Ich bezweifele, dass Obama so mutig und souverän bleibt, wie er in seinen Reden rüberkommt, wenn es Ernst wird.

  12. #12 | Jens Kobler sagt am 27. Juli 2008 um 00:02 Uhr

    Da ich gerade eh einen kleinen Berlin-Bericht geschrieben habe, hier ein unzensierter Auszug. Über die Ruhries in B schreibe ich dann im Oktober wenn Tour und CD raus sind. 🙂

    Beim Präsidentschaftkandidaten fand ich Patrice symphatisch, das war ne richtige kleine Party wo sich Band und ca 150er Publikum gegenseitig zuzwinkerten und auf „roots statt Anzüge“ gemacht haben, während sich auf der anderen Seite des Platzes Streber unterschiedlichster Art noch 3 Stunden zwischen Presse- und Rednerbühne blaue Flecken verpassen sollten. Bei Reamonn bin ich dann schnell weg – wie Aushilfs-U2 in ganz schlecht. Der DJ fing mit Recloose und so an, spielte dann ein bisschen Protest-Black&beige-Musik bis hin zu „Push the button“ und direkt als letztes vor der Rede ausgerechnet Bowies „Let´s Dance“. Die Rede fand ich braven Standard, bisschen viel Dankbarkeit für die Luftbrücke einfordern (war wohl pro-Tempelhof), Kalter Krieg und grüne Inhalte. Sehr präsidial. Und immer „now is the place“ und „now is the time“ – Martin Luther King? Hm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.