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Dortmund ehrt Schriftstellerin Kamila Shamsie, die nicht in Israel veröffentlichen möchte

Kamila Shamsie Foto: PR/Mark Pringle


Die Schriftstellerin Kamila Shamsie mag nicht in Israel veröffentlichen und unterstützt den kulturellen Boykott Israels und die BDS-Kampagne. Den nach der eng mit Israel verbundenen jüdischen Schriftstellerin Nelly-Sachs benannten Preis bekommt sie von der Stadt Dortmund trotzdem.

Die pakistanisch-britische Autorin Kamila Shamsie wird in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhalten. Die Entscheidung über die Vergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises fiel am vergangenen Freitag in der Jury-Sitzung. In Anlehnung an den Geburtstag von Nelly Sachs wird der Preis am 8. Dezember in einem Festakt im Dortmunder Rathaus verliehen. Kamila Shamsie habe die Nachricht erfreut entgegengenommen, teilt die Stadt Dortmund mit und beabsichtigt, zur Verleihung nach Dortmund zu kommen.

Mit dem nach Nelly Sachs benannten Literaturpreis, Nelly Sachs erhielt den Nobelpreis „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“, will die  Stadt Dortmund alle zwei Jahre Persönlichkeiten ehren und fördern „die herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen für Toleranz, Respekt und Versöhnung und leben diese Werte in einer globalisierten Gesellschaft, in der sie sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“

Bei soviel wohlfeilem Wortgeklingel stört es dann wohl nicht, das Kamila Shamsie sich am kulturellen Boykott Israels beteiligt und von der antisemitischen BDS-Kampagne dafür gefeiert wird, dass sie ihre Bücher nicht  in einem israelischen Verlag veröffentlicht sehen möchte:

“I would be very happy to be published in Hebrew, but I don’t know of any (fiction) publisher of Hebrew who is not Israeli, and I understand that there is no Israeli publisher who is completely unentangled from the state. I do not want to cross the picket line formed by Palestinian civil society, which has asked everyone who wants to change the situation to not cooperate with organizations that are in any way complicit with the Israeli state.”

Die Vernichtung Israels zu unterstützen, steht für die Jury, zu der Dr. Kersten Knipp (Kulturjournalist und Moderator), Ursula März (Literaturkritikerin, Autorin und Kulturjournalistin), Claudia Kramatschek (Literaturkritikerin, Autorin, Kulturjournalistin),
Jörg Stüdemann (Stadtdirektor, Kulturdezernent der Stadt Dortmund) und Dr. Johannes Borbach-Jaene (Leiter der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund) offenbar nicht im Widerspruch zur frohen Botschaft von „Toleranz, Respekt und Versöhnung.“ Es geht ja nur um Israel, den, wie es Thomas Eppinger einmal formulierte, Juden unter den Staaten.

Ach so: Dortmund hat ein „Netzwerk gegen Antisemitismus“ aufgebaut und hat sich gegen den BDS positioniert. Alles nur Schau ohne Inhalt. Überrascht das? Eher nicht.

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12 Kommentare zu “Dortmund ehrt Schriftstellerin Kamila Shamsie, die nicht in Israel veröffentlichen möchte

  • #1
  • #2
    Ulrike Herrmann

    Zitat aus obigem Text:
    "Nelly Sachs erhielt den Nobelpreis „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“, will die Stadt Dortmund alle zwei Jahre Persönlichkeiten ehren und fördern „die herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen für Toleranz, Respekt und Versöhnung und leben diese Werte in einer globalisierten Gesellschaft, in der sie sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“

    Natürlich, so muss ich doch annehmen, fördert nach Meinung der Stadt Dortmund die BDS-Bewegung die Beziehungen zwischen den Völkern in Toleranz, Respekt und Versöhnung. (Ironie off)

    Entweder bin ich vollkommen unwissend oder die Vertreter der Stadt Dortmund sind es im Hinblick auf BDS.

    Entweder bin ich es, der logisches Denken völlig abgeht oder den Vertretern der Stadt Dortmund fehlt es am nötigen Denkvermögen, denn wie kann man sonst die eigenen Standards mit dieser Preisvergabe so ad absurdum führen, wie es gerade beschlossen und verkündet wurde? Weder fördert BDS das friedliche Zusammenleben, noch ist es ein Zeichen für Toleranz, Respekt oder gar Versöhnung. Es ist eine unverhohlene Kampfansage an den jüdischen Staat Israel.

    Mit der Vergabe an eine bekennende Israel-Boykott-Unterstützerin wird zudem auch das Andenken an Nelly Sachs in extremster Weise beschädigt und verschandelt.

  • #3
    Henny Jahn

    Ist das wieder widerlich von meiner Heimatstadt. Ich bin gerade auf dem israelischen Golan, wie so oft, und muss das hier lesen, während wir fast täglich von Israels Feinden physisch beschossen werden, bekomme eine stille, machtlose Wut auf diese ganzen weltfremden schöngeistigen Juroren. Sie sollten mal ein Weichlen Israelaufenthalt zwangsverordnet bekommen, dann wüssten sie, was Überlebenskampf bedeutet. Und sie wüssten, dass Israel sowas Kontraproduktives wirklich nicht gebrauchen kann.

  • #4
    Jupp Schmitz

    Das Glück perfekt machen, würde Heiko Maas als Laudator, der ja auch eine ganz besondere Verbindung zum Staat Israel hat und seine Verbundenheit gerne bei UNO Resolutionen zeigt.

    Vielleicht könnte man Elvis Costello für das musikalische Rahmenprogramm anfragen?

  • #5
    Klaus Lohmann

    Lt. einer Kurznews in der WDR-Lokalzeit von eben hätte die Jury angeblich nix von der BDS-Nähe der Preisträgerin gewusst. Das wundert. Natürlich nicht.

  • #6
    nussknacker56

    Was die oben erwähnten Damen und Herren aus den ach so kulturbeflissenen Kreisen an Entschuldigungen parat haben, interessiert mich schon gar nicht mehr. Tatsache ist: Genau diese Mitläufer bilden das Schmierfett, ohne das auch extrem autoritäre Regierungen nicht funktionieren können.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Lohmann: Dem WDR ist es ja bei der Übernahme der Pressemitteilung der Stadt auch nicht aufgefallen. Passt schon.

  • #8
    Silke Opfer

    Ich glaube, man muss einfach konstatieren: die deutschen, bzw, die deutsche "intellektuelle Elite" mag Juden einfach nicht. Für diesen Preis gibt es nicht eine Notwendigkeit, auch nicht aus deren Sicht: er wird nicht vergeben aus einer falsch verstandene Toleranz, es ist kein einknicken vor irgend jemandem, um Geld kann es auch nicht gehen, so bleibt nur eines übrig: es ist purer ekelhafter Antisemitismus!

  • #9
    thomas weigle

    @ Silke Opfer Falsch!! Natürlich mögen ganz viele deutsche Intellektuelle Juden. Tote Juden, aber auch nur solche, die von Nazis ermordet wurden!!!

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