Essen: Für bessere Bildung – aber nicht unter Protest

Drei Monate nach den bundesweiten Bildungsstreik-Demos übt das Essener Jugendbündnis schwere Kritik an städtischen Schulleitungen und der NRW-Landesregierung. Am 17. November hatten sich in Essen nach Angaben der Veranstalter knapp 500 Schüler in der Innenstadt eingefunden, um gemeinsam für ein „gerechtes Bildungssystem“ und gegen „kommunale Kürzungen im Sozial- und Jugendbereich“ zu protestieren. Ihre Schulen reagierten auf Geheiß von „Rot-Grün“ mit wenig Fingerspitzengefühl. Anstatt gesellschaftspolitisches Engagement zu fördern, oder wenigstens zu respektieren, hagelte es stattdessen Strafen.

Aus Sicht von Carolin Zottmann, Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung NRW, ein Signal in die falsche Richtung: „Mit Konsequenzen wie Nachsitzen und unentschuldigten Fehlstunden werden aktive Schüler eingeschüchtert, sodass diese sich nicht mehr trauen, sich an kommenden Protesten zu beteiligen und somit für ihre Rechte einzutreten.“  Laut Essener Jugendbündnis habe die Landesregierung im Anschluss an die Bildungsstreik-Veranstaltungen Briefe an die Schule geschickt, mit der Anweisung, von Eltern unterschriebene Entschuldigungen nicht anzuerkennen. Ein Schüler der Realschule Essen West wurde gar mit einem schriftlichen Verweis belegt. Begründung: Er hätte sowohl gegen die Hausordnung, als auch gegen das Grund- und Schulgesetz verstoßen.

„Dass die Teilnahme an den Bildungsprotesten in Essen mit Repressionen verbunden ist, ist eindeutig eine politische Entscheidung der Schulleitungen. Den Schulen sind im Umgang mit Sanktionen rechtliche Handlungsspielräume gegeben, diese nutzen sie allerdings nicht. Es ist inakzeptabel das aktive Schüler für ihr demokratisches Engagement bestraft werden.“, kritisiert Anna Lindner vom Essener Jugendbündnis. In praktisch allen Gesellschaftsbereichen wird regelmäßig die Förderung von Bildung angepriesen. Wenn aber die „Betroffenen“ selbst sich für die Verbesserung der aktuellen Verhältnisse engagieren, passt es den Eliten plötzlich nicht in den Kram. Warum eigentlich nicht?

Dir gefällt vielleicht auch:

3 Kommentare

  1. #1 | 68er sagt am 17. Februar 2012 um 10:19 Uhr

    Ich glaube ich hatte hier irgendwo schon mal die Stellungnahme von der „Grünen“ zu den Bildungsstreiks unter Frau Sommer gepostet.

    https://sylvia-loehrmann.de/738/gruene-unterstuetzen-bildungsstreik-der-schuelerinnen-und-schueler-in-solingen/

    Damals schimpfte frau/ma(n) bei den „Grünen“ noch über die Sanktionen gegen die Schüler.

    https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:iRVGwmCl6hoJ:www.gruenes-gelsenkirchen.de/bildungsstreik-in-gelsenkirchen-und-einschuechterung-an-schulen-681+gr%C3%BCne+bildungsstreik+nrw+verbot&cd=12&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a

    Heute, wo frau/man(n) wieder an der Nadel hängt und sich der Machtsucht hingibt, sich über ihre/seine Diäten und Ministerbezüge freut, sieht frau/man(n) wieder klarer und erkennt:

    Demonstrierende Schüler sind eine Gefahr für das System und mit aller Macht zu bekämpfen.

    Man sollte versuchen, sich in die Grüne Denke einzufühlen und sich fragen, ob so ein hinterhältiger Schüler-Massen-Streik nicht ein bildungspolitisches Srebrenica ist. Wahrscheinlich lassen sich solche potentielle Gefährder gar nicht mit Verweisen und Nachsitzen stoppen. Besser wäre wohl einen Putztrupp in die Schulen zu schicken. Beraten lassen könnte man sich vom Thinktank von Joschka, Madeleine Albright.

    Wenn es kein UNO-Mandant gibt, sollte frau/ma(n) den Angriff dieser Schul-Terroristen vielleicht als Bündnisfall einordnen? Dann wären noch ganz andere Sanktionen möglich…

    (Ende der Polemik)

  2. #2 | Michael Blatt sagt am 17. Februar 2012 um 11:44 Uhr

    Besten Dank für die Links. Daran müssen sich Löhrmann und Partei messen lassen.

    Die Bezeichnung „bildungspolitisches Srebrenica“ schießt allerdings übers Ziel hinaus. Auch Polemik sollte ihre Grenzen haben.

  3. #3 | 68er sagt am 17. Februar 2012 um 14:04 Uhr

    @ Michael Blatt

    Ich fand die Vergleiche mit Auschwitz auch nicht passend, mit denen im Kosovokrieg die GRÜNEN-Bomben über Jugoslawien emotional von unserem Putztrupp-Hauptmann verkauft wurden.

    https://www.zeit.de/1999/30/199930.serbien2_.xml/komplettansicht

    https://www.zeit.de/2003/13/Bombenkrieg

    https://www.sueddeutsche.de/politik/kosovo-krieg-als-die-menschenrechte-schiessen-lernten-1.457678

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung