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#FavreOut: Auch wer mit dem BVB wieder siegt passt deshalb nicht grundsätzlich besser zum Klub

Lucien Favre (Mitte) in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Vor wenigen Wochen stand es vergleichsweise schlecht um den BVB und seinen Trainer Lucien Favre. Zumindest in Anbetracht der hohen Erwartungshaltung, die Mannschaft und Verantwortlichen entgegengebracht wird.

Nach der Vizemeisterschaft in der Vorsaison gab der Verein das Ziel Meisterschaft in der Saison 2019/20 aus. Doch der Saisonstart geriet mäßig. Die Dortmunder Profikicker spielten nicht konstant, vergaben zu viele Punkte leichtfertig. Das Mindestziel Champions League-Qualifikation geriet augenfällig in Gefahr.

Trainer Favre, ohnehin nie ein Liebling der Massen in Dortmund, stand offen in der Kritik. Viele Zeitgenossen forderten bereits seine Ablösung.

Durch drei Liga-Siege in Serie (gegen Hertha in Berlin (2:1), daheim gegen Düsseldorf (5:0) und am Samstag in Mainz (4:0), sowie das zwischenzeitliche Weiterkommen in der Königsklasse (2:1 gegen Prag)) ist die Trainerdiskussion in Dortmund erst einmal verstummt.

Der BVB liegt in der Meisterschaft aktuell auf Platz drei, hat damit, mit einem Spiel gegen den direkten Konkurrenten RB Leipzig vor der Brust, noch alle Möglichkeiten zu einem versöhnlichen Jahresabschluss.

Doch der aktuelle Eindruck sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Der Trainer passt durch die derzeitigen Erfolge auch nicht grundsätzlich besser zu Stadt und Umfeld als vor wenigen Wochen.

Der BVB ist ein emotionaler Verein, Dortmund eine ‚direkte‘ Stadt. Beides ist Favre nicht. Er ist eher kühl, wirkt wenig offen und kommunikativ. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Jeder ist so, wie er ist. Zu verstellen braucht sich ohnehin niemand. Und die Schwarzgelben wussten, wen sie sich da ins Haus holten, als sie Favre im Sommer 2018 als Nachfolger von Peter Stöger verpflichteten.

Solange der BVB siegt, ist in der Trainerfrage vordergründig ohnehin auf den ersten Blick alles in Ordnung. Der Coach ist für die Leistung der Mannschaft zuständig. Siege sind seine Jobgarantie. Sobald der sportliche Erfolg jedoch ausbleibt, fällt jedem im Umfeld direkt wieder ins Auge, dass Favre von seiner Art her nicht wirklich zum BVB passt.

Das mag ungerecht erscheinen, doch es wird nicht lange dauern, bis uns die momentan verstummte Diskussion um den Trainer wieder einholt. Keine Erfolgsserie dauert ewig.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Hinrunde der Vorsaison. Als es lief, war alles gut. Doch als der Verein in der Rückrunde in eine Formdelle geriet, hatte Favre ungewöhnlich schnell sehr wenig Kredit bei Fans und Öffentlichkeit.

Das wird uns irgendwann wieder auffallen. Die Frage ist nur wann. Die Trainerfrage in Dortmund ist also nach wie vor nicht überzeugend beantwortet worden. Die Diskussion wurde nur vertagt….

 

 

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10 Kommentare zu “#FavreOut: Auch wer mit dem BVB wieder siegt passt deshalb nicht grundsätzlich besser zum Klub

  • #1
    Werntreu Golmeran

    Vielleicht sollte man eher versuchen, das Bildungsniveau der Menschen zu verbessern, mehr Lehrer in die Schulen, den Kindern zeigen, dass es nicht nur das Fussballmuseum in Dortmund gibt, sondern viele andere Museums- und Kulturorte, in und mit denen man sich vielleicht einen erweiterten Identitätsbegriff zulegen kann.

    Und dabei müssen die Fans noch nicht einmal auf ihren Gott Fussball verzichten, um ein Beispiel zu nennen, Herr Winkelmann lässt das U an Heimspieltagen ja auch in schwarz gelb erstrahlen.

    Schon die Behauptung, Favre sei zu wenig emotional, zeigt, wie Unterkomplex hier argumentiert wird. Wen man Augen und Herz hat, kann man schon bei den Fragen der Journalisten sehr genau sehen, dass Herrn Favre diese durchaus emotional bewegen. Dazu muss er gar nicht den Mund aufmachen. Das kann man an seinen Augen, seiner Körperhaltung, seinen Mundwinkeln und x anderen Äußerlichkeiten ablesen. Bevor Herr Favre dann antwortet, besinnt er sich aber auf seine mitteleuropäische Bildung und Kultur und versucht, ohne zu verletzen auf die meist verletzenden Fragen der Reporter gesittet zu antworten. Eine solch arrogante Peinlichkeit, wie sie sich Herr Klopp letzte Woche gegenüber dem österreichischen Dolmetscher geleistet hat, wird man bei Herrn Favre wohl nicht erleben.

    Wenn Ihnen, Herr Patzwaldt so etwas besser gefällt, und die Mehrheit der Dortmunder so ähnlich denkt, kann ich für Herrn Favre auch nur hoffen, das er bald davon erlöst wird, für diesen Haufen Ignoranten sein Engagement, sein Talent und seine Engelsgeduld zu verschwenden.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: Es geht doch gar nicht darum was mir recht wäre o.ä.. Es geht schlicht darum, dass Favre durch seine Art, die in den Augen sehr vieler im Umfeld des BVB nicht wirklich gut nach Dortmund zu passen scheint (auch wenn er sich aktuell auffällig um etwas mehr gezeigte Emotionen zu bemühen scheint), weniger Kredit hat als andere Trainer. Und diese Problematik löst sich eben auch nicht durch vier Siege komplett in Luft auf. Spannend wird es schon in der kommenden Woche wieder, sollte Dortmund gegen Leipzig und Hoffenheim nicht gewinnen und die Bayern womöglich in der Tabelle wieder vorbeiziehen. Dann ist die Trainerdebatte beim BVB direkt wieder da. Da bin ich mir ziemlich sicher.

  • #3
    Werntreu Golmeran

    Da haben Sie recht, aber das liegt nicht an Favre, sondern an der Fanstruktur in Dortmund und die kannten Aki und Susi schon vor Vertragsschluss. Und wer sich zu den itelligenteren Fans zählt sollte sich vielleicht dafür engagieren, dem Rest klarzumachen, dass der BVB das Glück hat einen der fähigsten und menschlichsten Trainer der Bundesliga zu haben. Eigentlich dachte ich immer Menschlichkeit sei auch im Pott ein Wert, der hochgehalten und geschätzt würde.

  • #4
    Thommy

    Ich stimme Herrn Golmersn schon eher zu? Wer passt denn zu Dortmund?

    Steffen Baumgart als schlecht gekleidetster und schlecht rasiertester Trainer in der Buli vielleicht?

    Also mal ganz ehrlich.Favre ist FussballLEHRER.

    Soll er-um in Dortmund zu gefallen- im ausgebeulten Jogger mit "Pöhler-"Käppi, BVB- Schal und -Kutte und Pulle Bier in der Hand rumlaufen und an der Linie stehen und alle zwei Minuten laut "Eeehhhhh" rufen?

    Sorry, dann kann der BVB auch einen von der "Süd" -allesamt die besten Trainer/ FussballLEHRER Deutschlands- dahin stellen.

    (Ich meine, mein Sohn fand auch immer, dass seine Lehrer nicht nach Dortmund passen und er deshalb nicht ganz optimale Ergebnisse erzielte- vielleicht hätten sie sich einfach im oben beschrieben Sinne etwas "angepasster" kleiden und benehmen sollen…)😏

  • #5
    Klaus Lohmann

    Wenn man einen Trainer haben will, der zu Dortmunds folkloritisch-antiquierter Pott-Duselei passt, bleibt eigentlich nur Großmaul, Dauerquatscher und Nix-Schaffer Pedda Neururer übrig.

    Favre ist leistungsseitig bester BVB-Trainer der Neuzeit und Gefühlsduselei schießt keine Tore. Punkt.

  • #6
    DEWFan

    Ich bin auch für Favre. Und das mit der uralten Ruhrpottromantik das können unsere Nachbarn in Herne West auch viel besser. Dann laufen die Spieler noch durch einen Tunnel aus Kohle. Wenn wir so einen Tunnel hätten, wäre die Kohle er aus bedrucktem Baumwoll-Papier 😎😀🤠⚽️🥅🏆🥇

  • #7
  • #8
    Aust

    Lieber Robin, den Satz "Doch der aktuelle Eindruck sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Der Trainer passt durch die derzeitigen Erfolge auch nicht grundsätzlich besser zu Stadt und Umfeld" finde ich äußerst bedenklich, fast schon rassistisch. Warum sollte er sich an die Stadt und an das Umfeld anpassen ? Er hat mit 62 Jahren eine eigene Persönlichkeit. Vielleicht tut dem ein oder anderen Fan etwas Respekt gut. Dann dieses ganze Thema Emotion. Man muss geradezu blind sein, um nicht zu sehen, wie sich Favre auf der PK freut. Die Emotionen waren wesentlich echter, als das berechnende Grinsen der Werbetafel Klopp. Es ist das Problem der Fans, sich bei Klopp so reinzusteigern, aber nicht das Problem von Favre. Lasst den Mann in Ruhe arbeiten, er hat herausragende Fähigkeiten.

  • #9
    Thomas Weigle

    @ Aust "Berechnendes Grinsen?" Auf mich wirkt sein Werbegrinsen immer wie das eines gerade aus einer Heil-und Pflegeanstalt entsprungenen Langzeitpatienten, der sich über sein erfolgreiches Entlaufen freut

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