Hertha BSC könnte den FC Schalke 04 als Negativbeispiel ablösen

Felix Magath noch in seiner Zeit als Schalke-Trainer. Quelle: Wikipedia, Foto: Memorino, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Als Hertha BSC vor wenigen Wochen den 68-jährigen Felix Magath als ‚Retter‘ für die Trainerbank des Fußball-Bundesligisten verpflichtete, da reagierte die breite Öffentlichkeit mit großem Erstaunen. Ausgerechnet dieser Coach, der aus der Sicht vieler mit seinen konservativen Trainingsmethoden und Ansichten schon länger aus der Zeit gefallen zu sein schien, sollte den Abstieg des Berliner Erstligisten, der in den vergangenen Jahren mit schier unzähligen Millionen des umstrittenen Investors Lars Windhorst bisher weitestgehend erfolglos um sich warf, vor dem völligen Absturz bewahren? Kaum zu glauben!

Und doch schien der Coup zunächst aufzugehen. Ohne den an Corona erkrankten neuen Cheftrainer siegte die Mannschaft im ersten Spiel unter Magaths Leitung im März 3:0 gegen 1899 Hoffenheim. Gefeiert wurde Magath für diesen Erfolg trotzdem, obwohl er während der 90 Minuten gar nicht vor Ort mit dabei sein konnte.

Danach folgte jedoch nur noch eine ernüchternde Serie von vier Niederlagen, zwei weiteren Siegen und einem Unentschieden, was die Hertha in die Relegationsspiele gegen den Hamburger SV, den dritten der Zweitligasaison 2021/22, schickte.

Am Donnerstagabend fand nun das Hinspiel im Berliner Olympiastadion statt, das aus Sicht der Berliner am Ende mit 0:1 verloren ging. Am kommenden Montag, im Rückspiel im Hamburger Volksparkstadion, droht den Herthanern nun tatsächlich der Abstieg aus der 1. Liga, etwas, das in Anbetracht der eigenen Erwartungshaltung und der zuletzt in den Klub investierten beachtlichen Sponsorengelder, ein echtes Armutszeugnis für die Arbeit aller Verantwortlichen wäre.

Wer Felix Magath in den vergangenen Tagen in Interviews beobachtet hat, der konnte eine gewisse Verunsicherung des früheren Wolfsburger Meistertrainers (2009) nicht übersehen. Der als Retter verpflichtete Coach, der sich stets durch sein gigantisches Ego ausgezeichnet hatte, wirkte ungewöhnlich unsicher und irritiert, rang oft um Worte.

Erklärungen für die Darbietungen seiner Mannschaft hatte er offenkundig keine nachvollziehbaren mehr parat. Magath sah seine Schützlinge gegen den HSV sogar auf Augenhöhe, sprach von einem typischen Remis-Spiel, obwohl die Hamburger in den 90 Minuten des Hinspiels ein klares spielerisches Übergewicht hatten, reifer wirkten und völlig verdient das Hinspiel der Relegation 20922 für sich entschieden hatten.

Das Ergebnis des Hinspiels jetzt im Volkspark auswärts drehen zu müssen, ist sicherlich keine Unmögliche Aufgabe für die Berliner, und ein erfolgreiches Ende der Rettungsmission Magaths ist natürlich aktuell immer noch möglich. Bei näherer Betrachtung erscheint es jedoch wesentlich wahrscheinlicher, dass die Hertha am Montag aus der 1. Bundesliga absteigt und damit als eine der größten Lachnummern der Ligageschichte europaweit Schlagzeilen schreiben wird.

Die Darstellungen als ‚Big City Club‘ aus der Klinsmann-Zeit, die bei der Konkurrenz argwöhnisch betrachteten Millionenspritzen des umstrittenen Investors Windhorst und auch das jetzt drohende endgültige Scheitern des irgendwie aus der Zeit gefallen wirkenden Trainers Magath, das Alles bietet allerdings auch genug Stoff, um der großen Mehrheit der Fußballfreunde in diesem Lande als zukünftiges Musterbeispiel für einen selbstverschuldeten und von den Meisten ‚gegönnten‘ Abstieg zu dienen.

Hertha BSC könnte für lange Zeit als neues Paradebeispiel in die Annalen der Bundesliga eingehen um zu zeigen, wie man es eben nicht machen sollte und damit den FC Schalke 04 ablösen, der sich noch im Vorjahr dem Gespött der Fußballfans in diesem Lande preisgab. Vieles deutet darauf hin, dass mit der Hertha schon zwölf Monate später ein würdiger Nachfolger der Schalker bereit steht, wenn am Montag nicht doch noch ein sportliches Wunder geschieht…

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3 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 20. Mai 2022 um 10:26 Uhr

    Heuer verstehe ich noch weniger als vor einemJahr,warum Fredi Bobic nach Berlin gegangen ist. Der gute Fredi hatte doch in FFM einen klaren Blick auf die Gegebenheiten gehabt und viel Gutes daraus gemacht.Hat ihm seine Heimatliebe den Blick so dermaßen getrübt?

  2. #2 | Walter Stach sagt am 20. Mai 2022 um 12:59 Uhr

    Thomas Weigle,
    erst einmal Glückwunsch zum großen Erfolg Deiner Frankfurter -Pokal geholt
    und was ich für noch bedeutsamer halten- und Platz in der Champ.lig = „viel Kohle“.

    Und Bobic ? Was er jetzt empfindet, was er jetzt „bereuen“ mag? Nahliegende Fragen.

    Thomas Weigle,
    wenn die Medien nunmehr vom größten Erfolg in der Vereinsgeschichte sprechen, dann gilt das für mich nur, wenn der Erfolg Titel gemessen wird.

    Ich denke, europaweit werden die Fußball-Fans, wenn sie über Eintracht Frankfurt nachdenken, sich in erster Linie nach wie vor mit größter Bewunderung an das Spiel der Eintracht gegen Real Madrid erinnern -in den 196o er Jahren und trotz de 7:3 Niederlage. Real u.a. mit Santamaira, Pucas, di Stefano, Gento.

    (Oder ist diese Erinnerung nur altersbedingt zu verstehen?)

    Robin,
    und jetzt bis Du ‚dran.
    „Unser BVB“ trennt sich von Trainer Rose; lese ich so eben.

    Das ist dann der…..(?) Trainer, von dem sich der BVB trennt – beginnend mit der Trennung von Tuchel-? Und das Alles in Verantwortung , zumindest Mitverantwortung- des jetzt in höchsten Tönen zu seinem Abschied gelobten Michael Zorc.

    Und wer soll es jetzt werden?
    Ich habe gestern zufällig Nico Kovac als BVB – Trainer ins Gespräch gebracht, nachdem ich gehört hatte, dass dieser von Monaco nach Wolfsburg wechseln würde.

  3. #3 | thomas weigle sagt am 20. Mai 2022 um 17:03 Uhr

    @ Walter Stach Vielen Dank.Ja,da istaus dem Missvergnügen über und mit Hütters Abschied und dem Verpassen der CL dann doch was wirklich Schönes geworden, wie Glasner sicher zu recht bemerkte. Und dabei begann sein Wirken ja mit einer Pokalniederlage bei Waldhof Mannheim. Also quasi eine Fortsetzung der letzten Spiele unter Hütter.Es dauerte ja dann auch noch bis zum ersten Sieg in der BL-2:1 bei Bayern.

    Was das Endspiel 1960 angeht, so ist das wohl nur noch was für Nostalgiker und Fans der SGE bzw. Real. Allerdings haben die Realfans ja seitdem genug zu bejubeln gehabt, da wird das auch eher nebenbei vllt erinnert. Immerhin haben die Briten vor längerer Zeit dieses 7:3 von Real als das beste Vereinsspiel des 20.Jahrhunderts bezeichnet.

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