Folgen der Corona-Pandemie: Hat das Jahr 2021 der Bundesliga irreparable Schäden zugefügt?

Vor dem Spiel der Schalker am Samstag in Hamburg. Foto: Michael Kamps

An diesem Wochenende geht der Profifußball in diesem Lande in eine kurze Winterpause. Anlass genug, nach einigen Wochen in denen ich mich hier mit Fußball-Beiträgen merklich zurückgehalten habe, noch einmal einen kurzen Blick zurück auf das Jahr 2021 zu werfen.

Es war ein Jahr, dessen Eindruck längst nicht nur aufgrund der eher mageren Resultate unserer drei großen Ruhrgebietsvereine aus Dortmund (2:3 bei Hertha BSC), Bochum (0:1 gegen Union Berlin) und Gelsenkirchen (immerhin am Ende noch 1:1 beim HSV) an diesem Wochenende, eher negativ in Erinnerung bleiben wird.

Da kann auch der Sieg im DFB-Pokal ‚meines‘ BVB vom Mai nicht drüber hinwegtrösten. Corona hat in den vergangenen zwölf Monaten massiv Zustände verstärkt und Gefühle gefördert, wie sie der großen Mehrheit der Fußballfans nicht gefallen (können). Da stellt sich in diesen Tagen schnell die Frage, ob das Jahr 2021 am Ende nicht als eine Art Wendepunkt in der Geschichte der Fußball-Bundesliga in Erinnerung bleiben wird?

An Spiele ohne Zuschauer im Stadion mussten wir uns bereits über weite Phasen von 2020 gewöhnen. Was anfangs noch ganz interessant war, konnte man so doch wie auf vielen Amateurplätzen wieder die Kommandos der Trainer und die verbalen Reaktionen der Spieler vernehmen, mutierte rasch zum Nerv-Faktor. Spiele ohne die Anhänger in der Kulisse, wurden sehr schnell langweilig.

So war man als Fan dieser Sportart wirklich froh, als diese Szenarien nach vielen Monaten in diesem Jahr endlich schrittweise wieder beendet und die Zutrittsbeschränkungen gelockert werden konnten. Es fiel dann aber rasch auf, dass viele Klubs ihr zunächst einmal deutlich reduziertes Karten-Kontingent trotzdem nicht mehr loswurden.

Viele Fans hatten in den ersten Wochen der Lockerungen schlicht Furcht vor einer Infektion in einem ungewohnt vollen Fußballstadion, andere hatten im Laufe der Pandemie offenkundig entdeckt, dass man an seinen Wochenenden auch andere schöne Dinge unternehmen kann. Schon im Herbst 2021 stellte sich daher die grundsätzliche Frage, ob hier ein Dauerhafter Verlust an Fans und Begeisterung zu beklagen sein wird.

Mit den verunglückten Plänern zur Rückkehr zur Volllast im Spätherbst, wurde das Dilemma endgültig offenkundig. Das Virus durchquerte durch die aufziehende vierte Corona-Welle zusätzlich die Abläufe.

Leider konnten sich die Profi-Klubs dann auch auf keine einheitliche Regelung einigen, so dass zwischen Geisterspielen und Teillast-Kulissen mit mehreren Tausend Zuschauern plötzlich alles möglich war und ist, was zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung führte. Mehr Spaß machte das Verfolgen des Ligabetriebs unter diesen Bedingungen auf der anderen Seite aber eben auch nicht wieder.

Immer weniger Leute begeistern sich in diesen Tagen für das Geschehen in der Fußball-Bundesliga. Und auch ich selber habe solche Tendenzen bei mir festgestellt. War es für mich früher stets eine große Freude möglichst alle Spiele der 1. und 2. Liga intensiv zu verfolgen, entdecke ich zuletzt immer wieder eine ‚Es gibt wichtigeres für mich‘-Reaktion an den Wochenenden bei mir selber. Wie ich aus Gesprächen mit Freunden und Verwandten weiß, geht es vielen anderen Fußballfreunden diesbezüglich ähnlich.

Daher stellt sich inzwischen ja ernsthaft die Frage, was 2022 mit der Bundesliga und ihren Fans machen wird?

Setzt sich die Tendenz zu Geisterspielen ab Januar fort, was in Anbetracht der drohenden Omikron-Welle natürlich zu befürchten ist, wird es auch in den ersten Monaten nach Silvester definitiv weiterhin keine vollen Stadien, keine Rückkehr zur früheren Normalität für Fußballfans geben. Die Klubs werden somit auch weiterhin mit enormen finanziellen Einbußen und einem grundsätzlichen Rückgang des Interesses an den Darbietungen ihrer Teams leben müssen.

Auch in diesem Bereich sind die weiteren Folgen noch immer nicht absehbar und in jedem Falle negativ für die mittel- und langfristige Zukunft der Liga. TV-Verträge stehen somit schon bald in Frage, Merchandise-Umsätze sind dauerhaft bedroht. Vieles deutet darauf hin, dass die Zukunft des Profifußballs noch über Jahre hinweg stark beeinträchtigt sein wird. Und das Jahr 2021 könnte dabei als der entscheidende Wendepunkt in die Geschichte eingehen…

 

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5 Kommentare

  1. #1 | Bochumer sagt am 19. Dezember 2021 um 10:49 Uhr

    Dazu kommt: Die Bundesliga ist nur ein Teil des Fußballs. Im kommenden Winter ist die WM in Katar. Das wird der Fußballleidenschaft zusätzlich dämpfen. Ich glaube nicht, das die Höhe Einschaltquoten erzielen wird. Zurecht.

  2. #2 | Trauriger 112. Geburtstag: Der BVB lernt schon seit Jahren einfach nicht dazu! | Ruhrbarone sagt am 19. Dezember 2021 um 13:16 Uhr

    […] schöner Jahresabschluss für Borussia Dortmund! Ausgerechnet am Abend vor dem 112. Geburtstag des Klubs unterlag der BVB in […]

  3. #3 | Waltrop: Mit Treckern, Lichtern und Hupen gegen den vorweihnachtlichen Corona-Frust | Ruhrbarone sagt am 20. Dezember 2021 um 12:22 Uhr

    […] viel bequemer, und früher bestimmt auch lieber, daheim auf der Couch sitzend, den Sonntagsspielen in der Fußball-Bundesliga hätte zugucken […]

  4. #4 | Von stetig nachlassender Fußball-Leidenschaft und einer stark abklingenden Begeisterung für den BVB | Ruhrbarone sagt am 19. Januar 2022 um 10:58 Uhr

    […] Meisterschaft in Serie des FC Bayern München anbahnt, Corona seit knapp zwei Jahren nahezu jede Begeisterung der Fans aus den Fußballstadien des Landes verbannt hat und auch mein Lieblingsverein seit Jahren schon scheinbar keine erkennbaren Fortschritte in […]

  5. #5 | #Peking2022: Der Traum von einer Trendumkehr beim Gigantismus und Kommerz im Sport | Ruhrbarone sagt am 4. Februar 2022 um 08:56 Uhr

    […] Bürger dieses Landes in  Bezug auf den Sport als etabliertem Unterhaltungsprogramm seit längerem massiv verschieben, haben wir hier im Blog in den vergangenen Monaten und Jahren ja schon häufiger […]

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