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Wird der Zuschauerschwund bei BVB, S04 & Co. zu einem Dauerproblem?

Immer häufiger bleiben Sitze in der Bundesliga frei. Foto: Roland W. Waniek

Die Corona-Pandemie hat ein tiefes Loch in die Kassen der Sportvereine geschlagen. Gerade auch im Profibereich war das Fernbleiben der Zuschauer in den vergangenen rund 18 Monate häufig ein existenzbedrohendes Problem.

Millioneneinnahmen blieben aus. Logisch, dass so nicht einzuplanen war und die Klubs in Einzelfällen sogar staatliche Hilfen in Anspruch nehmen mussten. Jetzt, wo die Pandemie durch die Impfungen von Monat zu Monat besser beherrschbar erscheint, bessert sich die Lage. Die Stadien, Hallen und Arenen dürfen schrittweise wieder vermehrt genutzt werden. Plötzlich zeigt sich ein ganz neues Problem, mit dem zu Beginn der Pandemie nur die allergrößten Pessimisten gerechnet haben: Das Interesse der Fans ist offenkundig spürbar gesunken, die Stadien werden so leicht nicht mehr voll.

Wenn der BVB am Samstag gegen den FSV Mainz 05 spielt, dürfte das Stadien mit knapp 70.000 Zuschauern schon fast wieder voll sein. Die Dortmunder schienen schon geahnt zu haben, dass das unter den gegebenen Bedingungen vielleicht kein Selbstläufer wird und lockerten die zuvor extrem strengen Gesundheitsauflagen vom zuvor präferierten 2G-Konzept auf 3G. Das heißt, auch ‚nur‘ Getestete dürfen sich neben den Genesenen und Geimpften (2G) ab sofort wieder vermehrt die BVB-Spiele anschauen. Doch selbst unter diesen deutlich ‚lockereren‘ Zugangsbeschränkungen werden aktuellen Medienberichten zur Folge rund 10.000 zur Verfügung stehende Eintrittskarten nicht genutzt werden.

Das verwundert dann schon, wenn man bedenkt, dass eine Karte für ein BVB-Spiel jahrelang als ein fast nicht frei zu kaufendes Gut galt, und Nicht-Dauerkarteninhaber aus Dortmund eigentlich nur zu vergleichsweise unattraktiven Spielen im DFB-Pokal, zu Testspielen oder aber zum DFB-Supercup gehen konnten.

Jetzt geht das aktuell offenbar wieder deutlich leichter. Nachdem zuletzt auch Tickets für die Bundesligaspiele kurz vor den Begegnungen noch in den freien Verkauf gingen, sind es jetzt offenbar so viele, dass der Verein diese gar nicht alle los zu werden droht. Das gab es im fußballbegeisterten Dortmund schon jahrelang nicht mehr.

Doch der BVB ist mit dieser Herausforderung längst kein Einzelfall. Andere Profiklubs, die stets vor ausverkauften Häusern gekickt haben, kriegen ihr Stadion derzeit ebenfalls nicht mehr so leicht voll. Auch der benachbarte FC Schalke 04 verzeichnete jüngst ein spürbar nachlassendes Interesse an seinen Eintrittskarten, kriegte seine Arena in den vergangenen Wochen selbst bei reduzierten Platzangebot nicht mehr automatisch ausverkauft. Von weniger populären Bundesligastandorten verwunderte diese Nachricht nicht so sehr, zeigte jedoch das gleiche Problem.

Immer häufiger war zuletzt zu hören und zu lesen ‚eigentlich hätten XY Zuschauer dabei sein dürfen‘. Verliert der Profisport hier etwas dauerhaft Potenzial und Geld, oder ist das ein der auslaufenden Pandemie geschuldetes Phänomen?

Vieles spricht dafür, dass es eine grundlegende Veränderung ist, die dem Sport noch jahrelang Probleme bereiten dürfte. Auch hier im Blog hat das Interesse an Sportberichterstattung zuletzt deutlich nachgelassen. Rund 1/3 der fußballinteressierten Leser von vor der Pandemie sind im Laufe der Monate verschwunden. Nun ist das hier, wo wir dieses Blog als Hobby betreiben, fast egal und bleibt folgenlos. In den Büros von BVB und S04 sieht es natürlich gerade völlig anders und weniger entspannt aus. Dort kann man es sich nicht leisten nur interessiert zugucken, wenn die Zahlen signifikant sinken und sich dies eventuell auch nach der vollständigen Überwindung von Corona nicht wieder auf dem alten Niveau einpendeln würde….

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15 Kommentare zu “Wird der Zuschauerschwund bei BVB, S04 & Co. zu einem Dauerproblem?

  • #1
    Mawa

    Impfpass, 2G oder 3G führen direkt ins wirtschaftliche Abseits. Das dürfte jedem halbwegs Begabten klar sein.

  • #2
    ZeroZero

    Erklärungsversuche:
    Wenn man sich alle TV-Abos geleistet hat spart man das Geld und geht nicht ins Stadion
    Nach der Pandemie sitzt der Geldbeutel nicht mehr so locker, auch der Ausblick auf erhöhte Kosten in vielen Bereichen hält einigr Fans vim Gang ins Stadion ab.
    Manche Fans meiden eine große Ansammlung an Menschen, die Pandemie ist noch nicht vorbei.
    Ein Überangebot an Fußball hat bei einigen zu Desinteresse an Fußball geführt.
    Da wo der Geldbeutel nicht gut gefüllt ist macht man sich schon Gedanken wenn von Transfersummen die eine Milliarde erreichen, gemunkelt wird.

  • #3
    Walter Stach

    BVB-Mainz o5;
    " 7O. 000 verkaufte Karten"…..-wie Du berichtest.
    Ich nehme an, daß Watzke und CO. damit zufrieden sind -ich als BVB-Fan auch.

    Wie sich die Zahl der Zuschauer in den Stadien der Bundesligisten mittel-, langfristig entwickeln wird, ist eine von Dir aus naheliegenden Gründen gestellte Fragen, die ich nicht "hinreichend" begründet zu beantworten weiß.
    Bedacht werden sollte, wenn über Antworten auf Deine Frage/Sorge nachgedacht und diskutiert wird, daß es möglicherweise zu einem weiteren Anwachsen extrem unterschiedlicher Zuschauerzahlen in den einzelnen Stadien kommen könnte. Damit meine ich , daß es z.B. beim FCB und beim BVB relativ schnell wieder zu komplett ausverkauften Stadien , in den Stadien in……(??) Gegenteiliges eintreten könnte.
    Also ist abwarten angesagt.

    PS
    Die Überlegungen/Anmerkungen von ZeroZero teile ich.

  • #4
  • #5
    Walter Stach

    Robin,
    Grüße zurück.

    Und trotz allem

    -Corona und Folgen für den Fußballsport im allgemeinen, meine mittlerweile sehr große emotionale Distanz zur DFB-Auswahl usw. -sh. u.a. Zero/Zero-

    sind bei mir Interesse und Engagement für den Fußball im allgemeinen und für den Profi-Fußball im besonderen nach wie vor ganz wesentliche Bestandteile meines Lebens. Aktuell gehen meine Gedanken der Frage nach, wie S04 in Hannover, wie der BVB gegen Mainz 05 und der FCB in Leverkusen spielen wird -spielen könnte, spielen sollte-….

  • #6
  • #7
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Davbub: Ich sehe da keinen wesentlichen Unterschied zu der Zeit vor der Pandemie. Und damals waren BVB-Karten über Jahre hinweg fast nicht zu bekommen, wenn man keine Dauerkarte hatte. Bei anderen Klubs dürfte es sich ähnlich darstellen.

  • #8
    DAVBUB

    @ Autor: Habe mal gerechnet: zwei Karten mittleres Segment à € 37.- zzgl. Anfahrt plus ca. € 30.- Verpflegung macht ~ € 140.- Das ganze einmal pro Monat, dazu die div. Abos; da ginge manch einer einen Monat im Jahr nur für den Fußball arbeiten…
    Da kann ich ZeroZero nur zustimmen.

  • #9
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @DAVBUB: Kein Widerspruch von mir. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als ich 215 DM für meine Saisonkarte auf der Süd bezahlt habe. Aber vor Corona waren die Tickets eben auch schon ‘viel zu teuer’, und trotzdem war der BVB immer ausverkauft.

  • #10
    DAVBUB

    @Autor: Ich glaube, daß das der Punkt ist: vor Corona! Ich habe an mir selbst und bei vielen anderen in meinem sozialen Umfeld festgestellt, daß die Coronazeiten, vor allem die Lockdowns und Ausgangssperren, viele Gewohnheiten aufgebrochen haben. Die Menschen hatten Zeit zum Nachdenken und nicht wenige haben auch ihr bisheriges Leben auf Sinnhaftigkeit und auch Finanzierbarkeit überprüft. Ritualisierte Besuche von Fußballspielen, bei anderen vielleicht Theater, Oper, Kino, der Stammtisch oder Kirmes gehören da wohl auch zu. In Bezug auf die Verteilung der Zuschauer stimme ich zu, wobei ich da Freiburg mit zu den ständig Ausverkauften zählen würde. Bin gespannt, ob das ein gesamtgesellschaftliche Entwicklung hin zum Privaten und zu noch individualisierter Freizeitgestaltung wird.

  • #11
    ChrisDO44229

    Der Artikel bestätigt für mich ganz gut, was mir mein Bauchgefühl seit einigen Monaten sagt. Mein Eindruck ist, daß mit der extremen Aufsplitterung der Übertragungsrechte in diser Spielzeit ein Bogen überspannt worden ist. Ich merke das an meinen Verwandten, die deutlich fußballbegeisterter als ich sind. Da wird es, glaube ich, zunehmend als Ärgernis empfunden, daß man bei Sky längst nicht mehr alle BVB-Spiele sehen kann, sondern zusätzlich noch Abos bei Datzen, Amazon & Co. braucht. Das Problem ist dabei nicht, daß man sich das eine oder andere Abo nicht noch "leisten" könnte, sondern das immer stärkere Gefühl, von den Fußballkonzernen abgezockt zu werden. Und die alte Fanbegeisterung bleibt dabei zunehmend auf der Strecke. Keine Ahnung, ob man das so verallgemeinern kann, aber das ist jedenfalls eine Momentaufnahme aus meinem persönlichen Umfeld.

  • #12
    ke

    Fußball ist doch klasse.
    Die Nationalelf äh "Die Mannschaft" hat die hochspannende WM(?) Quali geschafft.
    Die CL hat nur noch ein paar Spitzenmannschaften mit erheblichen Budgetunterschieden, so dass die Gruppenphase nur noch langweilig ist.

    Dann schaffen es die hochbezahlten und gehypten Profis nicht, sich bestmöglich zu impfen -wenn überhaupt-, so dass es zu Wettbewerbsverzerrungen kommt und die Corona-Konzepte lächerlich wirken.

    Nö, interessiert mich nicht. Ich schaue es auch nicht im Fernsehen, selbst wenn ich Zugriff habe.

    Das war mal anders.

  • #13
    Berthold Grabe

    Fussball ist kein Sport sondern eine ökonomisches Event. Es ist einfach zu viel Geld im Spiel.
    Das haben schon vor Corona viele gemerkt und sich stillschweigend verabschiedet.
    Mit Corona, ist zusätzlich vielen bewusst geworden, das man seine Zeit auch anderswo verbringen kann, und vor allem weniger teuer.
    Wenn Fussball zu dem nicht mehr das sozialisierende Tagesgespräch ist, entfällt eine gutes Stück der Dynamik, de viele erst zum Fussball gebracht hat, jenseits derjenigen die selbst spielen.
    Für mich ist das eine positive Entwicklung. Fussball ist sicher harmloser als Naziaufmärschen hinterherzurennen oder Fridays for Future, intellektuell muss man das jedoch ähnlich bewerten.
    Aber es gibt ja heute genug andere Möglichkeiten….

  • #14
    Ich

    Ganz ehrlich? Ich kann es verstehen. Früher war ich auch glühender Fan und war gerne im Stadion. Meine Verhältnisse haben sich geändert ( Familie usw)…
    Da sitzt das Geld, gerade nach Corona nicht mehr so locker. Außerdem hat man gehofft, dass die völlig überzogenen Gehälter oder Ablösen durch die Krise etwas Einhalt bekommen hätte. Leider nicht. Die ach so tollen Profis interessieren sich doch überhaupt nicht für Otto Normal Bürger.
    Dazu kommt das alles nur noch extrem gemolken wird. Tickets, Trikots, 10x TV Abos um alles zu schauen usw. Jetzt noch ein extra Turnier. WM am besten alle zwei Jahre. Längere HZ Pausen, damit noch mehr gemolken werden kann (ähnlich Super Bowl)
    Ne, danke
    Dann lieber die kleinen, hiesigen Vereine vor Ort

  • #15
    Striker

    Oft wird der Fußball als Ersatzreligion bezeichnet, ritualisierte Bräuche und Gesänge tuen ihr weiteres.

    Wenn man allerdings bemerkt, dass die Kirchen sich sehr weit von ihren Gläubigen durch ungebührliches Verhalten und Auftreten entfernt haben, mussten diese mit Leid ertragen, dass man ihrem Rufe nur noch zu den Großereignissen wie Weihnachten, Ostern, Taufe oder Hochzeit beiwohnt.

    Leider kann man aktuell allen Ortes feststellen, dass viele Anhänger ihrer Ersatzreligion mittlerweile nicht nur mit dem Verhalten ihrer Kirche, sondern auch mit dem gebärden ihrer Lieblingsvereine härter ins Gericht gehen und hinterfragen, warum Unsummen für Spieler, Gehälter und Sponsoren ausgegeben werden. Wenn es ein Überangebot an Messen, ich meine natürlich Spielen gibt, dann fängt das Rosinenpicken an.

    Ich selbst bemerke dies an meinem Verhalten, hätte ich früher nie einen Kick verpasst, fange ich an mir die für mich guten Spiele herauszupicken.

    Heute Abend läuft Champions League, ich könnte es kucken, DAZN ist ja abonniert, noch zumindest, aber ganz ehrlich, bei dem Überangebot – Danke nein.

    Wenn eine WM im Dezember oder bald alle zwei Jahre, dann immer mit 48 Ländern stattfinden soll,
    werden viele sich abwenden und sagen, nein danke ist mir zu viel.

    Viele merkten in Corona, ja ihnen fehlt der Fußball oder ihr Lieblingsteam, aber sicher nicht das eigene treudoofe, Schafes ähnliche und zu weilen sehr viel Geld kostende eigene Wahn einem Kult zu Frönen, der oft über die eigenen Verhältnisse gelebt hat.

    Ob nun die Zeremonienmeister der Ultraszenen nach Beendigung zurückkehren und dem restlichen Publikum die Ekstase wieder weitervermitteln, dass sie bei Benzinpreisen um zwei Euro einem ein Ticket für 40 bis 100 Euro schmackhaft machen, bleibt wohl zu verneinen.

    Viele werden bemerkt haben, weniger ist mehr.

    Ich liebe das runde Leder, aber irgendwie muss ich auch sagen, ich finde es nicht schade drum.
    Sollen doch ruhig Restaurants, Bücherläden oder Strickkurse eine höhere Aufmerksamkeit erhalten, soll jegliche Kultur doch mehr Geld erhalten wie unser leider aufgeblähte König Fußball.

    Ein paar Jahre in Demuth werden diesem gut tun.

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