Friedhofszwang in NRW: Friede Ihrer Asche?

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Auf dem Friedhof von Waltrop am 03.Oktober 2013.

Am heutigen Feiertag konnte man im Onlineangebot der WAZ einen Artikel über den Friedhofszwang für Urnen in NRW lesen. Darin wird u.a. erläutert, dass die Rot-Grüne Landesregierung hier in NRW auch zukünftig verhindern möchte, dass Angehörige die Asche ihrer Verstorbenen mit nach Hause nehmen, oder die Asche eines Toten vielleicht auch in den eigenen Garten ausgebracht wird o.ä.. Bei ‚derwesten.de‘ heißt es dazu wörtlich „NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) lehnt eine Aufbewahrung der Urne im Wohnzimmer allerdings weiter ab. Die Ministerin will so auch verhindern, dass „Totenasche missbräuchlich verwendet und einfach entsorgt wird“.“

Für mich als langjährig direkt neben einem Friedhof wohnenden Bürger, ist das allerdings eine völlig theoretische Diskussion. Die Praxis sieht hier bei uns am Ort schon seit Jahren ganz anders und irgendwie auch viel unangenehmer aus. Wie in dem Artikel nämlich auch erklärt wird, darf die Asche auf den Friedhöfen zukünftig durchaus verstreut werden. Hier bei mir wird das allerdings schon lange so gehandhabt, wenn das von den Angehörigen so gewünscht wird.

Wie die Bilder zeigen, welche ich gerade auf dem hiesigen Friedhof geschossen habe, sieht man das in der Praxis wohl schon deutlich lockerer. Als aufmerksamer Beobachter kann man das, auch bei mir hier um die Ecke, nämlich bereits mit bloßem Auge sehr gut sehen. DSC07140

Die überraschend grobkörnigen Überreste der Toten liegen hier teilweise über Monate für jedermann gut sichtbar auf dem entsprechenden Teil des Friedhofes offen herum. Jeder der mag kann sich theoretisch dort nach der Beerdigungszeremonie auch von der Asche bedienen. Wer wird nach der Zeremonie schon kontrollieren wie viel Asche dort verbleibt bzw. dort noch liegt? Ich möchte gar nicht wissen wie viele Angehörige sich dort schon etwas Asche mit nach Hause genommen haben, oder sonst was mit den sterblichen Überresten ihrer Verwandten getan haben….

Beobachtet man dies über längere Zeit, dann fällt einem auch auf, dass die dort ‚ruhenden‘ Überreste so verstreut ja auch längst nicht zur ‚ewigen Ruhe‘ gebettet sind. Ich möchte auch lieber nicht so genau wissen wie viele Prozente der Asche am Ende in den Grasfangkörben der städtischen Rasenmäher und anschließend mit dem Grasschnitt im ‚Biomüll‘ auf dem Kompost landen. Wahrlich kein schöner Gedanke!

DSC07137Jedenfalls kann ich bei diesen unappetitlichen Abläufen keinen Grund erkennen warum zukünftig Angehörige die Überreste ihrer Lieben nicht auch, und vielleicht sogar besser, mit nach Hause nehmen sollten. Der Gedanke erscheint mir doch allemal wesentlich angenehmer als ein Ende im Grasfangkorb eines Aufsitzmähers oder in der ‚Biotonne‘ der Stadtverwaltung…

Oder, Frau Steffens?

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10 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 3. Oktober 2013 um 18:52 Uhr

    @Robin: Da man seit ein paar Jahren wegen der Gefahr von weltweiter Knappheit des lebensnotwendigen Phosphors überlegt, Großstadt-Klärschlamm (also hauptsächlich menschliche Fäkalien) mittels „Urban Mining“ zu einer neuen Phosphat-Quelle zu machen, sollten wir solche „Verstreuungen“ nicht übereilig als „Bäh!“ abtun:

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69946948.html

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 3. Oktober 2013 um 19:20 Uhr

    @Klaus: Das Verstreuen der Asche selber finde ich auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Das hat für mich etwas Natürliches. Weniger toll finde ich dann allerdings die Tatsache, dass dann auf Friedhöfen mit den Rasenmähern mutmaßlich ein Großteil der Asche in den städtischen Biomüll wandert. Vor diesem Hintergrund fände ich eine Urne auf dem heimischen Kamin im Vergleich doch deutlich würdevoller. Aber das will die Landesregierung ja auch zukünftig so nicht erlauben. Das Verstreuen auf dem Friedhof soll dagegen erlaubt werden/bleiben. Für mich ist das ein Widerspruch. Da fände ich ein Verstreuen im heimischen Garten durch die Familie ja noch sympathischer, wenn ich so sehe was hier auf unserem Friedhof aktuell mit der Asche so mutmaßlich passiert, oder auch passieren könnte, da hier auch jedermann leicht Zugriff auf die sich anhäufende Asche hat…

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 3. Oktober 2013 um 20:08 Uhr

    @Robin: Wie mir mal ein Ex-Totengräber erläuterte, darf auf solchen Friedhöfen *normalerweise* die Asche nur von Friedhofsmitarbeitern mit speziellen Streugefäßen verstreut werden. Klar, wenn Du so einem Geringverdiener unauffällig ein paar Scheine in die Hand drückst, wird der eine oder andere „sich dabei gerne helfen lassen“. Aber das ist dann keine generelle Angelegenheit der Gesetzgebung mehr, sondern einfache Bestechung.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 3. Oktober 2013 um 20:18 Uhr

    @Klaus: Das bräuchte man hier gar nicht. Ein paar Gramm Asche für den heimischen Kamin kann man sich hier direkt selber einsammeln, oder einsammeln lassen, wenn es einem persönlich vielleicht zu nahe geht. Habe auch gehört, dass man sich die Stelle wo die Asche genau hinkommt sogar selber aussuchen kann. Ist dann ja theoretisch gar kein Problem sich ein paar Gramm mitzunehmen. Ist ja für jedermann zugänglich. Im Übrigen liegen die einzelnen Aschehäufchen da über Wochen. So schnell verwittert das gar nicht. Ist, wie geschrieben, überraschend grobkörnig. Hat etwas von Katzenstreu, wenn ich das mal so direkt umschreiben darf.

  5. #5 | at sagt am 4. Oktober 2013 um 00:47 Uhr

    Die Gesetzeslage hat auch bisher nichts an der Möglichkeit geändert, die Kremierung im nah gelegenen Ausland durchführen und sich die Asche anschließend aushändigen zu lassen. Wer mit diesem Umweg, der Gefahr des Erwischtwerdens und dem schlechten Gewissen ob dieses Gesetzesbruches leben kann, darf sich jetzt also wieder anderen Dingen widmen, die ihm an Frau Steffens nicht passen. Da findet sich sicher noch etwas.

  6. #6 | Wir und Heute – Abgekratzt | Ruhrbarone sagt am 15. Oktober 2016 um 08:30 Uhr

    […] mit. Als David erfährt, was es damit auf sich hat, kann er es kaum fassen. Den Skandal hatte Robin Patzwaldt bei den Ruhrbaronen aufgedeckt. Außerdem diskutieren Martin und David darüber, welches System hinter der Verbindung zwischen […]

  7. #7 | Die Stadt Waltrop findet diese Aschehaufen auf dem Friedhof eine ‚würdige Bestattungsart‘ | Ruhrbarone sagt am 20. Oktober 2016 um 12:53 Uhr

    […] länger, bevor sie von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden. So auch im Falle der bereits vor drei Jahren von mir hier im Blog erstmals thematisierten Bestattungspraxis in Waltrop, wo man die Asche […]

  8. #8 | Ingrid Hoerner sagt am 28. Dezember 2017 um 14:43 Uhr

    Seit 2002 mache ich deutschen Menschen möglich, die Totenasche nach Hause zu holen – weg4u -!
    Ich finde unsere Gesetze nicht in Ordnung und ich habe eine Petition laufen um diese Situation zu ändern.
    Mit dem Tod wird Geld verdient und unsere Städte und die kath. Kirche mit Ihren "Grabeskirchen" verdienen damit sehr gut.
    1 qm Wohnraum ist preiswerter als 1 qm Grabfläche!
    Schon lustig, was man alles macht, damit die Menschen sich gängeln lassen!
    Totenruhe, wer fragt denn danach, ob diese überhaupt gewünscht wird?

  9. #9 | Manche Dinge ändern sich scheinbar nie: Immer noch würdelose Bestattungen in Waltrop! | Ruhrbarone sagt am 31. März 2019 um 20:33 Uhr

    […] Dinge ändern sich scheinbar nie wirklich. Bereits in den Jahren 2013 und 2016 war das Aschestreufeld auf dem Waltroper Friedhof hier im Blog ein leidiges Thema. Die […]

  10. #10 | Gesellschaft im Wandel: Bestattungen zwischen karibischem Traum und einem Ende als Katzenklo | Ruhrbarone sagt am 4. August 2019 um 13:26 Uhr

    […] auch noch die ganz krassen Fälle, über die wir hier im Blog ja auch schon mehrfach berichtet haben, wo, wie bei mir hier in Waltrop, die Toten auf einem Asche-Streufeld gerade zu unsanft ausgekippt […]

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