Linkspartei will Nokia verstaatlichen

 
Die Bochumer Abgeordnete der Linkspartei, Sevim Dagdelen, will das Nokia-Werk in Bochum verstaatlichen. Auf diese durchaus orginelle Idee kam Dagdelen wohl auch durch die großen Erfolge der DDR-Staatsbetriebe, deren Überlegenheit über die westlichen Konzerne ja 1989 offensichtlich wurde: Wo wäre Bayer heute, wenn es nicht von den Leuna-Werken übernommen worden wäre? Und VW? Haben nicht die modernen Produktionsmethoden und die ausgebuffte Managementtricks aus dem Haus VEB Sachsenring die Wolfsburger vor dem Abgrund gerettet? Und waren wir nicht erstaunt als die Mauer fiel und wir das erste Mal nach „Drüben“ durften? Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich 1990 das erste Mal in Zittau ein DDR-Obstgeschäft betreten durfte: Es gab Äpfel und Weißkohl, aber auch eine große Zahl an Äpfeln. Wer wollte konnte natürlich auch Weißkohl bekommen. Und schließlich gab es ja auch noch Äpfel. Und die Weißkohlfreunde kamen sowieso auf ihre Kosten.

In den 80er Jahren war für mich auch der Besuch des Robotron-Standes auf der CeBit der Höhepunkt jedes Messebesuches: Mechanische Schreibmaschinen und erfahrene Kämpferinnen der Erntefront als Messehostessen – das hatte sonst niemand zu bieten. In Bochum werden sie sich auf jeden Fall freuen, wenn sie Dank der Beratung durch eine erfahrene Kaderleitung dann bald statt schnöder Handys flotte tragbare Röhrentelefone bauen dürfen.

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5 Kommentare

  1. #1 | Marcus Meier sagt am 7. Februar 2008 um 00:01 Uhr

    Kleine Ergänzung: Die Verstaatlichung fordert übrigens auch die Dann-doch-irgendwie-Schwesterpartei DKP – schon seit Wochen: http://www.dkp.de. Derweil die MLPD auf Reformismus setzt: "Die Schließung muss vom Tisch – ohne Wenn und Aber! Kampf um die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!" Und die trotzkistische Konkurrenz von der SAV hebt beide Positionen küchentisch-dialektisch auf: "Erhalt aller Arbeitsplätze“ UND "Enteignet Nokia“. Nur der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands schweigt, siehe: http://www.arbeiterbund-fuer-den-wiederaufbau-der-kpd.de.

  2. #2 | Syberia sagt am 7. Februar 2008 um 06:55 Uhr

    He, es war nicht alles schlecht in der DDR! Die haben zum Beispiel Autobahnen gebaut und hatten weder Arbeitslosen, noch Drogensüchtige oder Kinderschänder.

    Außerdem sind Äpfel vielseitig und gesund. Ich sage nur Most, Saft, Mus, Kompott, Kuchen, Konfitüre, Gelee, Likör, Bratapfel, Essig, Ringe, Wein, Schnaps…

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 7. Februar 2008 um 07:03 Uhr

    @marcus: Bei der MLPD, der DKP und anderen Sekten gehört das ja zum Programm, aber zum Glück sind die ja auch komplett ohne jede Bedeutung. Bei der Linkspartei sieht das leider anders aus: Die sitzen im Bundestag und sind dabei Partner der SPD zu werden. Das ist dann schon eine andere Liga.

  4. #4 | Marcus Meier sagt am 7. Februar 2008 um 10:48 Uhr

    @Stefan: Okay, sehr selbstreferenziell, aber schau mal da: „PDS-Chefin Gabi Zimmer über die Schaffung von Arbeitsplätzen, den PDS-Landesverband, Honeckers Jagdgewehr und Gründe, die gegen einen DDR-Bezirk NRW sprachen.“ Da geht es auch um die Frage PDS/Linke in NRW und die Sozialisierungsfrage. Link: https://www.marcusmeier.de/cms/?page_id=15

  5. #5 | Jens König sagt am 7. Februar 2008 um 18:59 Uhr

    Nokia verstaatlichen? Manchmal glaube ich wirklich, das ist schon passiert. Vermutlich vor Jahren. Was in diesem Unternehmen an Verwaltungsapparat herumläuft (sitzt, liegt), ist immens. Darüberhinaus gibt es für alles Prozesse (vulgo Formulare und Dienstwege), die jeden Beamten neidisch werden lassen. Die Schliessung des Bochumer Standortes hat mehr mit dem Zusammenbruch der DDR gemein als mit witschaftlichem, unternehmerischen Handeln.

    Noch was zu Robotron: Die waren mit ihren Schreibmaschinen ebenso (-wenig dauerhaft) erfolgreich wie seinerzeit Triumph-Adler.
    Missmanagement ist kein Privileg staatlicher Kaderleitungen.

    Und Röhrentelefone gab es mal: Kofferraumfüllende Geräte für das A-Netz, von Herstellern wie der Süddeutschen Telefonapparate-, Kabel- und Drahtwerke AG, Nürnberg. Nürnberg lag zwar nie in der DDR, aber trotzdem muss die Geschäftsleitung irgendwie den Geistesblitz gehabt haben, nicht im Mobiltelefongeschäft zu bleiben.

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