Müllmänner, Neujahr und ein frohes Fest

Am Wochenende war ich in Köln. Da gab es ein wunderschönes Weihnachtsmenu. Wildschwein, Knödel, Rotkohl. Perfekt. Zum Essen dazu gab es eine nette Geschichte. In Köln, wie im Ruhrgebiet auch, ist es üblich, dass die Müllmänner am Ende des Jahres von Haustür zu Haustür ziehen, ein frohes Fest wünschen und einen Schnaps und 10 Euro kriegen.

In Köln ist aus dem Brauch für die Müllmatrosen ein nettes 14 Gehalt geworden. Schwarz und Steuerfrei. Je Tour ziehen die Entsorger an hunderten Haustüren vorbei. Überall wird geklingelt. Fast überall gibt es Schotter. Der Boss, der Fahrer, sammelt das Geld ein – und verteilt es anschließend nach Gutdünken an seinen Trupp. Der Einsammler war nett dies Jahr, der kriegt 10 Prozent. Der Rücksteller hat genervt, der kriegt nur einen Schein. Und so weiter. Willkür eben.

In Köln ist die Nummer wohl so attraktiv geworden, dass die Müllmänner in fremde Bezirke, fremde Touren eindringen, um dort auch die Hand aufzuhalten. Es gibt Schlägereien, Platzkämpfe und Erpressungen. Müllbarone mal anders. Hört sich an, wie eine spannende Story. Vielleicht steig ich da mal richtig ein. Bis dahin hier dies Lied. Es gibt soviel zu sehen…..

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12 Kommentare

  1. #1 | Matthias Andre Richter sagt am 21. Dezember 2008 um 22:07 Uhr

    Lieber David,
    nur zur Info- Dieselbe Geschichte hatte Herr Markwort letzte Woche auf seinem BR Stammtisch – natürlich bezogen auf Bayern. Da war die Tendenz aber eher bayrisch-libertär, nach dem Motto, jetzt wollt Ihr den Leuten doch nicht auch noch diesen Tipp wegbehmen.(Ich glaube irgendein Politiker wollte da an die Kohle ran)
    Kannst ja mal nachlesen..

    mfg
    M.A.Richter

  2. #2 | David sagt am 21. Dezember 2008 um 23:38 Uhr

    Hi Mr. Richter,

    was ist der BR Stammtisch?

    Was ich spannend an der Nummer finde: wie läuft das konkret mit den Bezirken ab? Am Abend hat der Kumpel erzählt, das sind richtige Revierkämpfe. Die einen fahren bei dem anderen die Haustüren ab, um den Kollegen das Trinkgeld zu mopsen und so.

    Dass man drüber diskutieren kann, die Hausbesuche zu stoppen, kann ich verstehen. die Leute werden bezahlt und haben einen Krisensicheren Job. Warum kriegen die Trinkgeld und der Postbote nicht? Auf der anderen Seite ist es eine Tradition, wie die Deputate damals. Was spricht also dagegen?

    Ja, und dann ist noch der Punkt offen: wo geht die Korruption los? Der einzelne zahlt nur zehn Euro. Alle zusammen zahlen tausende. Und was wenn ich nciht zahle? Wir mein Müll dann immer noch gut abgeholt? Oder kriege ich eine Zinke an die Tür?

    Ich stehe eher auf der Seite der Tradition. Aber kann die Diskussion gut nachvollziehen.

    Ansonsten danke für den Tipp.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 22. Dezember 2008 um 00:09 Uhr

    @David: Postboten bekommen auch Trinkgeld und das nicht zu knapp, wenn sie in ihrem Bezirk bekannt und beliebt sind.

    Ich haben noch nie Müllmännern Trinkgeld gegeben, weil ich noch nie Zuhause war wenn sie kamen (sonst würde ich geben) und mein Müll ist noch immer weggebracht worden.

  4. #4 | Jens sagt am 22. Dezember 2008 um 00:22 Uhr

    @David:

    BR Stammtisch klingt nach Bayerischer Rundfunk bzw. einer Sendung dort. Google hilft sicherlich für weitere Informationen.

    „Warum kriegen die Trinkgeld und der Postbote nicht?“

    Die bekommen auch was, genau so wie Zeitungszusteller. Jedenfalls wenn sie Leute antreffen die zahlen.

  5. #5 | David Schraven sagt am 22. Dezember 2008 um 00:42 Uhr

    @Jens,

    Danke für den Tipp.

    Bei uns haben die Postboten noch kein Trinkgeld bekommen. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, ob städtische Angestellte im Dienstleistungsbereich Trinkgeld fordern können. Wegen der Tradition wäre ich dafür Müllmännern weiter was zu geben. Aber ich verstehe die Diskussion, dies zu hinterfragen. Gibst Du einem Standesbeamten ein Trinkgeld? Einer Kindergärtnerin, einem Paßaussteller oder Ummelder? Wo sind da die Grenzen. Dies wird in Köln gerade ausdiskutiert.

    Im Ruhrgebiet eher nicht. Da werde ich wohl eher über Vorteilsannahmen und Korruptionsermittlungen berichten müssen. 🙂

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 22. Dezember 2008 um 01:38 Uhr

    Das ganze klingt nach einer Fliege, die zum Elefanten gemacht werden soll. Paßaussteller rennen nicht das ganze Jahr draussen rum und haben auch keinen Kontakt zu immer den gleichen Bürgern. David: Es geht um ein paar Euro Trinkgeld von Leuten die einen Scheiß Job haben. Ich glaube in Köln haben sie traditionell größere Korruptionsprobleme als so einen Scheiß.

  7. #7 | David sagt am 22. Dezember 2008 um 15:39 Uhr

    @ Stefan:

    Es geht nicht um eine Mücke und einen Elefanten.

    Es geht

    a) um eine lustige, interessante Geschichte. Müllmänner kämpfen wie im Wilden Westen mit Blanker Faust um ihr Trinkgeld-Revier. Das ist der journalistische Aspekt.

    b) Um eine Diskussion um die Grenzen der Korruption. Wer sich dieser Diskussion verschließt, ist nicht in der Lage oder willens, die Grenzen zu erkennen.

    Davon ab, haben die Müllmänner keinen Scheiß-Job. Die Arbeit ist besser bezahlt und sicherer als die eines WAZ–Jung-Redakteurs. Und dem geb ich auch kein Trinkgeld. Und selbst wenn, würde der sich nicht mit seinem Schreibtischnachbarn um das Trinkgeldrevier prügeln.

  8. #8 | Jens sagt am 22. Dezember 2008 um 21:32 Uhr

    Helmut Markwort kündigt in seinem Tagebuch heute an, dass er verbotenerweise seinem Müllmann Geld zustecken wird, obwohl es in München jetzt verboten sei.

  9. #9 | Karl sagt am 4. Januar 2009 um 17:08 Uhr

    Ich glaube, die Postboten haben den schlimmeren Job. Das ist – nachdem was ich so gehört/gelesen habe – ein richtiger Knochenjob vom feinsten (geworden)… Trotzdem würde ich dem Postboten kein Trinkgeld geben, der wechselt hier so häufig und stellt Amazon-Päckchen draussen im Regen vor die Tür…vielleicht liegt das aber auch am ausgebliebenen Trinkgeld! 😉

    Wenn man dem Müllmann etwas geben möchte, ist das meiner Meinung nach ok. Aber einen Anspruch darauf hat kein Müllmann, bezahlt wird er mit seinem Lohn und dafür hat er bei allen Leuten den Müll abzuholen, egal ob die ihm Trinkgeld geben oder nicht. Wenn man allerdings diese Kölner Wild-West-Geschichte liest, hat man das Gefühl, dass da eine Grenze überschritten wurde. Was passiert denn mit einem Bürger, der da nichts geben will?

    Bei uns kam auch ein Müllmann vorbei, um Trinkgeld und Trinken abzuholen, ich stand allerdings wie der Dieter oben im Video gerade unter Dusche und hab ihn dann nur noch weggehen sehen…

  10. #10 | Olli sagt am 7. Januar 2009 um 19:10 Uhr

    Lasst mal einen Müllmann sprechen..Nämlich mich..Weiss gleich gar nicht wo ich anfangen soll bei all den Kommentaren und/oder Vorurteilen..Also..Es ist ein mieser Job..Ich arbeite zwischen 200 und im Winter bis zu 240 Stunden im Monat..Dafür bekomme ich unschlagbare 950 Euro..Soviel zum Thema „gut bezahlt“..Ich hätte leicht mehr Stunden würde ich ein normales Tempo arbeiten..aber nein..es geht im Dauerlauf von Mülltonne zu Mülltonne..und damit es noch ein Tick schneller geht werden die Mülleimer nicht unten an die Schüttung gefahren sondern oben eingehangen..so hebt man am Tag zwischen 10 und 20 Tonnen an Gewicht..besonders gut für den Körper (Bandscheiben etc lassen grüssen)..Würde ich so nicht arbeiten käme ich wohl kaum noch nach Hause also muss das Tempo sein..Liegen lassen kann man auch nichts für den nächsten Tag..Erst wenn die Tagestour geschafft ist gibts Feierabend..Das kann auch mal abends um 22 Uhr sein..(Die neuen tollen Müllautos taugen nämlich gar nichts mit ihrer Elektronik)..Nicht zu vergessen das wir um 5 Uhr morgens anfangen..Das ganze natürlich bei jedem Wetter..Ob Verbrennungen im Sommer oder Erfrierungen im Winter..Keinen kümmerts.. Schon mal einen Müllmann im Rentenalter gesehen? Glaube nicht..weil der Job dich innerhalb weniger Jahre kaputt macht und das Tempo gar nicht halten kannst..Bringst du keine Leistung bist du Ratz Fatz weg vom Fenster..Der nächste wartet schon..Trinkgeld oder nicht? Keiner verlangts aber umso mehr freut man sich drüber wenn es dann mal was gibt..Und die welche nichts geben werden nicht nachteilig behandelt..wo sollte das auch hinführen.. Wir sehen es als Anerkennung für den doch wirklich üblen Job..Und wenn dann auch mal einer kommt und mir die Hand schüttelt und sich bedankt ohne Geld zu geben dann bedeutet mir das genauso viel..Abgesehen davon dem Friseur, zum Essen gehen, Taxi und und und..überall gibt man doch n kleines Trinkgeld..also was ist schon dabei..Revierkämpfe gibts eigentlich auch nicht da meisst immer die selben Leute ihre Tour fahren die sie natürlich auswendig kennen müssen..Und die sind nicht klein..Und die anderen fahren ihre Tour wo die sich auskennen aber wir nicht..so bleibt dann jeder auf seiner Strecke..Abgesehen von dem ganzen bleibt noch die Gefahr..Den ganzen Tag im Strassenverkehr arbeiten zu müssen ist übel genug..So entging ich einem Unfall mit viel Glück aber meinen Kollegen hats erwischt..Ihm trennte ein Auto beide Beine ab..Und so könnte ich schreiben und schreiben warum es so ein mieser Job ist aber jetzt ist mal auch gut..Wollte euch nur mal einen kleinen Einblick gewähren in diese Szene..War wohl der gleichen Meinung wie ihr bis ich selber Müllmann wurde

  11. #11 | David Schraven sagt am 7. Januar 2009 um 19:22 Uhr

    @ Olli,

    DANKE für Deinen Beitrag!!

    Hört sich an, als wärst Du bei einem privaten Mülldienst? Die Kölner Müllmänner sind als Angestellte der Stadt wohl besser dran.

    Aber sei es dahin gestellt. Es geht bei der Trinkgeldfrage tatsächlich um die Grenzen, was darf man jemanden geben.

    Bis zu dem oben beschriebenem Gespräch wusste ich noch gar nicht, das es überhaupt als Problem gesehen wird, Trinkgeld zu geben.

    Nun verstehe ich aber die Abgrenzungsschwierigkeiten.

    Aber wie gesagt, Danke für Deinen Beitrag. Hat mich sehr gefreut.

  12. #12 | Olli sagt am 9. Januar 2009 um 21:23 Uhr

    Kein Problem David

    und ja..ich bin bei einem privaten Mülldienst..Ob ich nun sagen soll „leider“? Ich weiss es nicht..Das würde
    wohl zu sehr klingen als würde ich dort lieber als Müllmann arbeiten..so ist es aber nicht..Werde mich auf jeden Fall 2009 intensiver bemühen eine andere Stelle zu bekommen..5 Jahre Müllmann reicht mir..Nahm die Stelle auch nur um der Arbeitslosigkeit zu entkommen.

    Noch kurz zur Trinkgeldfrage was man jemandem geben darf..also Hauptsächlich geben die meißten einen Fünfer..welcher auch durch 3 geteilt wird..Das ist meiner Meinung nach absolut ok..Klar gibt der eine oder andere mal n Zehner aber wie gesagt..n Fünfer ist ok..Und reich wird durch die Trinkgelder auch kein Müllmann..Ich zahle vom Trinkgeld das Weihnachtsgeschenk für meinen kleinen und vielleicht langts noch dafür etwas für die höheren Nebenkosten weg zu legen die man als Müllmann u.U. auch noch hat.

    Danke und schönes Wochenende
    Hat mich ebenso gefreut gefreut

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