Ölpreis, bitte steigen

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Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Oktober kennt der Ölpreis nur eine Richtung: Ab nach unten. Der Preis segelt deutlich unter die Marke von 40 Dollar pro Barrel. Das ist nicht gesund.

Denn ein Ölpreis auf dem Level ist gefährlich für viele Länder, da sie auf die Einnahmen aus ihren Ölquellen angewiesen sind. Dies gilt nicht nur für die Opec-Staaten, auch Russland und Venezuela hängen am Öl-Tropf. Die Regierung in Moskau etwa braucht einen Preis von über 70 Dollar pro Barrel, um ihr Staatsbudget zu finanzieren. Mit jedem Barrel, der zum jetzigen Preisniveau verkauft wird, wächst nun die Sorge der Russen vor einem Staatskollaps.

Auch Saudi-Arabien und die Ölstaaten am Golf brauchen einen Ölpreis von mindestens 50 Dollar oder mehr. Den können sie am Weltmarkt derzeit nicht erzielen; und das sollte uns Sorgen bereiten. Nicht etwa, weil die Scheichs keine Luxuskarossen mehr kaufen können. Sondern viel mehr, weil im Nahen Osten Infrastruktur-Projekte mit einem Volumen von 500 Milliarden Dollar geplant sind. Üppig mit Aufträgen bedacht wurden etwa der Essener Baukonzern Hochtief, ThyssenKrupp oder Linde aus München. Beim jetzigen Ölpreis fehlen die nötigen Petrodollar, um die Projekte zu finanzieren. Fraglich, ob alle Aufträge bestehen bleiben. Zu spüren bekam die neue Zurückhaltung der US-Konzern Dow Chemicals. Kuwait zog sich von einem vereinbarten Gemeinschaftsprojekt zurück, was die Dow-Aktie um über 20 Prozent abschmieren ließ.

Die Projekte und der russische Staatshaushalt sind aber nicht die einzigen Gründe, warum der Ölpreis steigen muss: Wie sonst soll man Automanagern denn beibringen, dass bei einem Dieselpreis von 99 Cent pro Liter die Entwicklung von spritsparenden Motoren notwendig ist? Die Jungs sind doch so beweglich wie Homer Simpsons nach einer Palette Duff-Bier.

Heute ist der Ölpreis so stark gestiegen wie schon seit Wochen nicht mehr. Zwischenzeitlich um zwölf Prozent über die Marke von 40 Dollar pro Barrel. Alleiniger Grund ist der Konflikt in Israel/Gaza. Die Logik kennt man, knallen die Kanonen in der Region, zieht der Preis an.

Der Ausschlag fiel in der Vergangenheit schon mal stärker aus, als der Ölmarkt noch von Spekulanten getrieben wurde. Die halten sich nun offenbar zurück. Viele haben sich die Finger verbrannt, hatte sie doch auf alte Höchststände von über 150 Dollar pro Barrel gewettet. Nach Einschätzung einiger Experten werden dieses Niveau nicht mehr so schnell erreichen, hängt doch das Damokles-Schwert der Rezession über unseren Köpfen. Aber irgendwann wird die Konjunktur wieder anziehen und dürfte es wohl wieder aufwärts gehen mit dem Ölpreis.

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6 Kommentare

  1. #1 | David Schraven sagt am 29. Dezember 2008 um 19:37 Uhr

    Noch was pro höherem Ölpreis: Die Russen drehen mit ihrer Gas-Opec an einer so dicken Schraube, dass unsere ganze Wirtschaft unter Druck geraten könnte. Denn wenn die Gazputins mit dem Rück an der Wand stehen, kennen die nichts. Die sind nicht berechenbar wie zu Zeiten der Sowjets – die nur Stabilität wollten. Die jetzigen Herrscher wissen nciht wie Kapitalismus funktioniert. Die sind wie kleine Gangster, die denken es müsste immer Bergauf gehen und beim ersten Bergab drehen die durch. Die wollen mehr Geld auf Teufel komm raus. Krise hin oder her.

    Die russische Mafia ist auch die einzige, die nicht begriffen hat, dass man die Kuh, die man melkt nicht schlachtet. Die sagen: Was willst Du? Gibt doch viele Kühe – wozu brauch ich da die eine. Machen wir heute ein Fest und morgen holen wir uns das nächste Kälbchen. Huh?

    Wie mies es den Jungs schon geht, kann man an folgender Geschichte sehen. Mir hat ein hoher Sportfunktionär erzählt, dass Abromowitsch derzeit versucht, Chelsea für einen Euro zu verkaufen, Hauptsache die Schulden kommen weg. Sein Vermögen ist von 16 Mrd auf 2 Mrd abgeschmolzen.

    Hört sich immer noch viel an – aber nicht mehr, wenn man ahnt, was der Mann für Schulden hat, die er mit seinem Vermögen gedeckt hat. Der ist am Ende und reißt halb Moskau mit sich.

  2. #2 | Frank sagt am 29. Dezember 2008 um 21:08 Uhr

    Ich bin völlig entgegengesetzter Meinung: Der niedrige Ölpreis ist der einzige positive Effekt, den die gebeutelten Verbraucher gerade hierzulande verspüren.

    Mir fällt auf, dass es immer irgendwelche politischen Provokationen seitens eurasischer Mächte gibt, wenn es mit dem Ölpreis abwärts geht. Stichworte in diesem Jahr: Vermeintlich „kurdische“ Anschläge auf die BTC-Pipeline zwischen Aserbaidschan und Mittelmeer, der Georgienkrieg und nun die Provokationen der Hamas.

    Ich halte auch nichts davon, einen beliebigen Ölpreis als „fair“ festzulegen oder einen zu deckenden Finanzbedarf anzusetzen, den wir dann bitte schön an der Tankstelle zu entrichten haben. Wo waren denn umgekehrt verständnisvolle Preisminderungsmaßnahmen der OPEC als die Preise oben waren – etwa mit Rücksicht auf die Reallohnverluste in Europa?

  3. #3 | Paul Havers sagt am 30. Dezember 2008 um 10:00 Uhr

    pro Frank: Es geht auch nicht um einen „fairen“ Ölpreis. Es geht um die Risiken. Und die sind bei dem Level beachtlich. So sind die Bauprojekte am Golf eine der wenigen Lichtblicke für die Bau- und Investitionsgüterindustrie. Und die Russen stehen mit dem Rücken zur Wand; die sind immer noch in der Transformation und die brauchen Stabilität. Diese dient auch uns.
    Zur ökologischen Komponente. Die Autokonzerne haben bewiesen, dass sie alle Tricks verwenden, um ihre Spritfresser auf dem Markt zu halten. Sie tun dies, weil die Kunden solche Autos wollen. Werbung mit PS sieht auch besser aus als ein Auto auf der grünen Wiese. Erst mit den hohen Spritpreisen hat ein Umdenken begonnen.

  4. #4 | Arnold Voß sagt am 30. Dezember 2008 um 15:15 Uhr

    Der Markt funktioniert, wenn auch sehr verzögert und durch Oligopole und Spekulationsblasen erheblich überformt, auch beim Ölpreis. Wenn die Nachfrage so massiv sinkt wie zur Zeit und dasselbe wahrscheinlich auch im kommenden Jahr passiert,wird selbst der neue Krieg am Golf nichts Wesentliches an seinem ungewöhnlich niedrigen Niveau ändern. Es sei denn, dass der Iran sich in den Konflikt zwischen der Hamas und Israel auch offiziell und militärisch einmischt. Das würde nicht nur das Pulverfass an dieser Stelle der Welt sondern auch den Ölpreis (erneut) zum Explodieren bringen.

    Hoffentlich lernen die ölproduzierenden Staaten durch den aktuellen Ölpreis endlich, dass auch innerhalb ihrer Länder unbedingt ein anderer Umgang mit den Petrodollars/Euros vonnöten ist, um sich auch selbst auf Dauer vom Ölpreis unabhängiger zu machen. Den westlichen Verbraucherländern ist jedoch nicht mehr als eine Atempause vergönnt, die sie dringend nutzen sollten, um wiederum ihre Energiebilanzen noch viel schneller als bisher zu Gunsten regenerierbarer Recourcen zu verändern.

    Beides wird aber wahrscheinlich nicht geschehen, weil zur Zeit die Regierungen sowohl der produzierenden als auch der Vebraucherländer mit ausgesprochen kurzatmigen und eher monitären als substantiell-investiven Maßnahmen auf die Krise reagieren. Und die meisten Autofahrer denken im Prinzip genauso wie die meisten Oligarchen und Potentaten der Ölländer: nur an ihren ganz persönlichen Geldbeutel und auch das nur von einem Tag zum nächsten.

  5. #5 | Der Horst sagt am 30. Dezember 2008 um 19:34 Uhr

    Also ich muss sagen, dass ich selten so einen platten Kommentar wie den von Hrn. Scharven gelesen haben. Vor allem die Behauptung „Die jetzigen Herrscher wissen nciht wie Kapitalismus funktioniert.“ lässt einem den Atem stocken. Dazu sei nur gesagt, dass es unabhängig von der aktuellen Wirtschaftskrise noch wesentlich mehr Abnehmerländer für russisches Gas gibt als Herr Scharven erahnt, deren Wirtschaft im Gegensatz zu der deutschen zumindest ein leichtes Plus verzeichnet. Wenn die Verträge auslaufen und keine neuen ausgehandelt werden können, weil der Abnehmer nicht in der Lage ist den Markpreis zu zahlen, der woanders zu erzielen wären, ist das keine Bösartigkeit, sondern harte Realität. Wenn vorne an der Theaterkasse die Logenplätze vergeben werden, muss sich der Hartzi nunmal hinten anstellen. Das ist Kapitalismus. Aber dann ist der ja böse, weil wir im Nachteil. Nein – so wollen wir nicht spielen: Lieber Milliardensubventionen für Bau- und Automobilkonzerne.

  6. #6 | Jens König sagt am 31. Dezember 2008 um 00:06 Uhr

    Was mich ein wenig irritiert:
    Wie sähe die Inflationsrate aus, wenn der Ölpreis sich halbwegs normal weiterentwickelt hätte, nehmen wir mal an, seit Anfang 2008 wie Brot und Käse oder so.
    Sie wäre a) wesentlich höher b) würde noch weiter steigen, da ja viel Geld in Umlauf gebracht wird (nichts anderes passiert durch die neuen Milliarden-Bürgschaften, Konjunkturprogramme und was auch immer, und sag mir keiner, dass das Geld zurückgezahlt wird, was passiert denn dann mit den Scheinchen, hm?).
    Muss nicht die Inflation rasant steigen?

    Aber der sinkende Ölpreis sorgt für einen Rückgang der Inflation. Manche sprechen von Deflation -zugegebenermassen nicht im Zusammenhang mit dem Ölpreis-, was dazu führt, dass keiner mehr das Geld verleiht. Dann kriegt keiner mehr Kredit, Kreditprogramme verpuffen, der niedrige Zins der Notenbank interessiert keinen mehr etc.

    Wäre es da nicht besser, den Ölpreis normal weitersteigen zu lassen, um eine Deflation zu vermeiden?

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