14

Onlinehandel: Warum ich der Shopping-App ‚Wish‘ enttäuscht wieder den Rücken kehre

Die Paketboten sind seit Jahren schon fast der besten Freunde unseres Autors.

Seit vielen Jahren schon bin ich ein begeisterter Onlineshopper. Man könnte fast sagen, der Paketzusteller ist im Laufe der Zeit fast zu meinem besten Freund geworden. Das Einkaufen im Internet hat ja auch viele Vorzüge. Die Auswahl, die Preise. Das Angebot ist in vielen Bereichen vom stationären Handel schlicht unschlagbar.

Auf den im Einzelhandel gebotenen Service in Form von persönlichen Beratungen lege ich im Regelfall gar keinen Wert, freue mich hingegen sehr, wenn ich rund um die Uhr durch die Angebote stöbern und etwas bestellen kann. Da ist das Netz einfach nicht zu schlagen.

Beim Onlineriesen Amazon bin ich inzwischen schon seit fast 20 Jahren treuer Kunde, selbst wenn mir dort längst nicht alles gefällt. Auch bei Ebay habe ich im Laufe der Zeit viele gute Erfahrungen gemacht, dort zwischen den Jahren 2005 und 2008 sogar einmal einen eigenen Internetshop betrieben. Kurz gesagt: Ich bin ein regelrechter Fan des Onlinehandels, auch wenn mir die Schattenseiten, über die wir hier ebenfalls schon häufiger diskutiert haben, natürlich bewusst sind.

Soviel kurz zur Einordnung der nun folgenden Zeilen. Heute möchte ich mich hier an dieser Stelle nämlich einmal kurz mit der us-amerikanischen Shopping-Plattform ‚Wish‘ beschäftigen, über die man in erster Linie günstige Waren aus China beziehen kann.

Im Sommer 2018 wurde ich durch Freunde eher zufällig auf das Angebot bei ‚Wish‘ aufmerksam gemacht. Ein erster neugieriger Blick beförderte sofort etliche günstige Produkte von Interesse zu Tage.

Schuhe, Socken und T-Shirts gehörten zu den ersten Dingen, die ich mir dort bestellte, die dann auch, wie versprochen, innerhalb von zwei bis vier Wochen bei mir zu Hause per Paketzusteller eintrafen. Die ersten Erfahrungen meinerseits waren durchweg positiv, so dass ich weitere Bestellungen dort aufgab.

Wer sich bei Wish in erster Linie auf bereits vielfach bewertete Verkäufer einlässt, keine grundsätzlich ‚zweifelhaften‘ Artikel kauft, die weder in den Verdacht von Marken-Fälschungen geraten noch unglaublich günstige technische Geräte sind, die Postverzollung aufgrund eines relativ gerinen Kaufpreises nicht benötigen, der kann bei Wish einige schöne Schnäppchen machen. Zumindest war das bei mir im zweiten Halbjahr 2018 so vielfach der Fall.

Klar, im Laufe der Monate erlebte ich zwangsläufig auch Enttäuschungen. Wer jede Woche mehrere Artikel dort kauft, der kann ja nicht immer nur ‚Glück‘ haben. So bekam ich beispielsweise einmal ein paar Damenschuhe statt eines bestellten Paars Herrenschuhe zugestellt, welches ich dann kurzerhand an eine Facebookfreundin weitergereicht habe, die dafür Verwendung hatte.

Auch das mit der im Netz angegebenen Lieferzeit klappte im Laufe der Monate längst nicht immer. Insgesamt waren die ersten Erfahrungen bei Wish meinerseits aber eigentlich alle ganz positiv. Ich empfahl damals auch meinen Freunden und Bekannten  guten Gewissens den Einkauf bei dieser Schopping-‚App‘, die am besten auf dem Smartphone zu bedienen ist, aber auch auf dem PC funktioniert.

Im Laufe der Monate verschlechterte sich die Zuverlässigkeitsrate dann jedoch leider zusehends. Immer mehr Lieferungen kamen zu spät bei mir an, einige auch gar nicht. Teilweise dauerte der Versand drei Monate statt der vorgegeben zwei Wochen.

Da tröstet es zunächst, dass es für diese unerfreulichen Fälle bei Wish die Möglichkeit einer Erstattung des Kaufpreises gibt. Da ich per ‚Klarna‘ bezahle, also per Rechnung innerhalb von rund vier Wochen, war auch das anfangs kein wirkliches Problem. Erhielt ich einen Artikel einmal wieder nicht (oder nicht im angegebenen Zeitfenster), bekam ich zumindest das Geld wenige Tage nach der Zahlung wieder zurücküberwiesen. Ein finanzieller Schaden entstand mir so eigentlich nie.

Die große Mehrheit der Waren stellte mich auch in diesen Wochen der beginnenden Unzuverlässigkeit stets zufrieden. Zudem brauchte ich die bestellten Waren wirklich selten zu einem bestimmten Termin. Das Ganze war also noch gut zu verschmerzen.

Jetzt, rund 15 Monate nach meinen ersten Erfahrungen dort, werde ich Wish allerdings wieder den Rücken kehren. Die Ausfallquote hat sich bei meinen letzten Käufen auf über 50% (!!!) gesteigert. Das bedeutet für mich, obwohl es das Geld noch immer zuverlässig zurück gibt, einen nicht länger vertretbaren Aufwand.

Wenn nicht einmal mehr die Hälfte der bestellten Produkte tatsächlich wie zugesagt beim Besteller ankommt, dazu noch immer die eine oder andere qualitative Enttäuschung mit dabei ist, dann wird der Aufwand selbst für einen leidenschaftlichen Onlineshopper wie mich irgendwann selbst bei gutem Willen nicht mehr länger vertretbar.

Schade, Wish, eure Plattform hat grundsätzlich großes Potenzial, aber die Praxis ist auf Dauer dann doch den Aufwand nicht wert. Zumal man viele der angebotenen Produkte aus dem Bereich in dem ich mich überwiegend bediene auch andernorts im Internet bekommt. Im Zweifelsfall muss man dort eben ein paar Euro mehr dafür bezahlen. Dafür bekommt man sie dann aber im Regelfall auch innerhalb weniger Tage. 😉

 

 

RuhrBarone-Logo

14 Kommentare zu “Onlinehandel: Warum ich der Shopping-App ‚Wish‘ enttäuscht wieder den Rücken kehre

  • #1
    Helmut Junge

    Robin, ich hatte monatelang auf eine Tüte mit Erdbeersamen (blaue Erdbeeren) gewartet. Als die dann kam, waren Vermerke vom Zoll drauf. Der Verkäufer war unschuldig.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Helmut: Den Fall hatte ich auch schon einmal. Glaubt man dem Onlinetracking, das man für die Waren dort ja vielfach angeboten bekommt, dann verschwanden die Pakete in meinen Problemfällen aber an ganz unterschiedelichen Stellen, wurden teilweise offenbar auch erst gar nicht abgeschickt. Einmal wurde ein Anbieter wenige Stunden nach meiner Bestellung sogar schon wieder komplett ‚gelöscht‘. Das Geld gab es dann nach ein paar Wochen über den Wish-Kundenservice zurück. Aber nervig ist das schon.

  • #3
    Ke

    Wenn der S. Laurin auch Ebook könnte, müsste ich mich jetzt nicht schon fast 1 Woche mit der Online Bestellung beschäftigen. Wo das Buch nur ist.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @ke: Meins kam per Amazon schon am Tag nach der Bestellung. 😉 PS: Leider konnte ich es auch noch nicht komplett lesen, weil mein Vater es aktuell noch in Beschlag genommen hat. 😉 😀

  • #5
  • #6
    thomas weigle

    @ke Ich weiß ja nicht was bei euch im Pott los ist, hier in OWL habe ich nachmittags Laurins Buch bestellt und konnte es am nächsten Tag ab 10 Uhr abholen. So wie es eigentlich jedesmal klappt, wenn ich was im lokalen Buchhandel bestelle, deshalb gilt für mich SUPPORT YOUR LOCAL DEALER!! Wer das nicht macht, sollte dann aber auch nicht wg. Leerstände in der Heimatstadt an der Klagemauer stehen.
    Die nicht mal100 Seiten waren dann fast schneller gelesen als der Gang zum Buchhändler und das anschließende Frühstück dauerte.
    Ich bin bis heute nicht auf die Idee gekommen neue Bücher online zu bestellen, egal wo. Warum auch?

  • #7
    Lutz Rummel

    Hatte eine Jacke bestellt,zu klein.also setzte ich mich mit whish in Verbindung,sollte Fotos machen.man wollte sich umgehend um dieses kümmern.nein,bekam eine Mahnung,dann noch eine,obwohl ich Widerspruch eingelegt hatte,bekam ich Post von einer Anwältin.ich bin bis heute noch im Widerspruch,will nur eine Abschrift,wo das hingeschickt werden soll. Ich empfinde es als Nötigung.

  • #8
    ke

    @6 Thomas Weigle
    Wenn der Local Deal da ist, wenn ich Zeit habe und er liefern kann, ist das kein Problem. Es sollten natürlich keine Mondpreise sein.

    Beispiel:
    Wenn ich Reisen online buche, gibt es irgendwann ein Mail und alles ist OK. Evtl. einen Brief mit Unterlagen. Beim Local Dealer muss ich oft wieder ins Geschäft, Sachen abholen und habe auch noch Probleme mit der Zahlungsart.

    Als ich einen Telefonanschluss gebucht hatte, war der Local Dealer nicht besonders wissend und bei einer Frage, die ich im Laden klären wollte, wurde auf die Hotline verwiesen. So einen Einzelhandel brauchen nur Menschen, die nicht selber aktiv werden wollen.
    Vielleicht ist das in ihrer Region aber besser.

    Ich mag meine lokalen Händler, abgesehen vom Filial-Bäcker, nicht.

  • #9
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @ke: Geht mir ganz ähnlich. Zuletzt habe ich hier am Ort häufig gar nicht mehr bekommen, was ich kaufen wollte. Das verschärft die ohnehin stattfindende Abwanderung ins Netz weiter. Ein ‚Teufelskreis‘ für die ötlichen Händler.

  • #10
    thomas weigle

    @ke,Wenn es um neue Bücher geht, sind die Preise lokal wie im Netz, wobei im Netz ja gelegentlich noch Versandkosten hinzukommen können, bspw wenn ich das Buch am nächsten Tag geliefert bekommen will, was lokal nicht der Fall ist. Noch kriege ich hier eigentlich alles was ich so brauche,-vom Buch bis zur Waschmaschine plus fachgerechter Beratung und Installation der Geräte, einschließlich Computertechnik.
    Sicher sind Geräte vor Ort etwas teurer als in Bielefeld bei Real bspw oder auch im Netz. Mir ist aber die Beratung vor Ort und der (Reparatur)Service, der bislang immer schnell funktionierte allemal wichtiger als kostengünstigere Käufe.
    Im Netz kaufe ich nur gebrauchte Medien, die ich mir sonst nicht angeschafft hätte. Und mittlerweile auch mal gebrauchte Kleidung, weil ich meinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten will. Wäre früher undenkbar gewesen.

  • #11
    Ingrid

    Bei mir sind Artikel gar nicht angekommen und bekomme jetzt von KLARNA Mahnungen wegen nicht bezahlter Rechnung ,will den Verkäufer,der in Belgien sitzt kontaktieren , bekomme aber die Adresse nicht raus!!!???

  • #12
    Nolte Rainer

    Ich bin Wiederverkäufer und ja das mit Wish das ist so eine Sache ich bestelle jetzt schon fast seit 1 Jahr bei denen, denn die Preise sind ja unschlagbar. Diese Preise kann mir kein Deutscher Großhandel bieten. Ich kaufe viel Silberschmuck. Anfangs hatte ich meine Zweifel ob das trotz Stempel auch alles echt ist, aber ich habe alles auch die Sachen die nicht gestempelt sind mit Prüfsäure und siehe da es ist bis auf ganz wenige Teile alles echt.
    Nur mit einem nehmen es die Shops nicht so genau mit der Lieferung der Ware und der Pünktlichkeit. Wie ich schon von anderen hier gelesen habe kommt die Ware tlw. erst nach 3 Monaten. Heute bekam ich einen Armreif den ich im Januar bestellt habe und im März das Geld zurückerstattet bekam weil er nach 10 Wochen immernoch nicht da war. Aber egal die meisten Shops sind ehrlich und liefern pünktlich, aber in letzter Zeit häufen sich die Fälle wo die Ware einfach nicht mehr ankommt. Und wenns zu arg wird mit den Zurückerstattungen tritt dir Wish auf die Füße und beschuldigt dich so hintenrum als wolltest du betrügen, Ware zwar erhalten und trotzdem Geld zurückgefordert. Deswegen habe ich schon einige heftige Emails mit Wish getauscht und werde deswegen vorerst Wish auch mal den Rücken zukehren.

  • #13
    ke

    So wie es aussieht, hat der Logistiker die Lieferzeiten bei meiner Bestellung versemmelt.
    Versand nach Mail/Aufdruck 25.9. Lieferung 28.9.
    Irgendwie war die Post schon schneller. Das fällt nicht nur bei dieser Lieferung auf.

  • Pingback: Onlinehandel: Warum ich euch reBuy nicht empfehlen kann | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.