Francesca Berruto und Sara Zinna in „La Berezina“ von Valentin Juteau am Musiktheater im Revier (Foto: Harry Simmons)
Am 23.6. versuchte sich das Ballett im Revier mit seinem Programm „Jam Session IX“ gegen das zweite Deutschlandspiel bei der WM zu behaupten. Kein leichtes Unterfangen und das kleine Haus des Musiktheater im Revier war dann auch nur knapp zur Hälfte besetzt, als Mitglieder des Ensembles ihre eigenen Choreographien präsentierte. Die Zuschauer wurden mit einem unterhaltsamen wie überraschenden Programm belohnt und das bei freiem Eintritt – nach der Vorstellung konnte jeder so viel spenden, wie ihm der Abend wert war und er fähig zu zahlen ist. Die Niederschwelligkeit des Angebotes ist daher ideal, das Ensemble, das Haus und vielleicht das Ballet an sich kennenzulernen.
Die Ballettmeisterin und Folkwangdozentin Lynne Charles machte mit ihrer Choreographie „The Barre“ den Auftakt und zeigte eine Arbeit, die sich mit dem Beginn allen Balletttrainings
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Stefanie Carp und Christoph Marthaler bei der Bekanntgabe der Intendanz für die Ruhrtriennale 2018 – 2020. Foto: Edi Szekely/Ruhrtriennale 2016
Ganz sicher war es falsch, die „Young Fathers“ nach dem Eklat beim letztjährigen Pop-Kultur-Festival Berlin überhaupt zur Ruhrtriennale einzuladen. Mindestens war es sehr naiv, selbst wenn man berücksichtigt, dass mit „Massive Attack“ 2013 völlig unbemerkt und unkommentiert schon einmal BDS-Unterstützer im Rahmen der Ruhrtriennale aufgetreten sind. Völlig richtig war es von Seiten der Ruhrtriennale, von den „Young Fathers“ eine klare Stellungnahme zu ihrer Haltung zu Israel und der BDS-Kampagne zu verlangen und als diese nicht kam, den Auftritt abzusagen. Denn auch wenn Stefanie Carp mit ihrer Stellungnahme „Bedauerlicherweise haben sich die Young Fathers nicht von BDS distanziert. Wir schlussfolgern daraus ausdrücklich nicht, dass die Band antisemitisch sei und es ist mir in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen,
Na klar. Platten sind Individuen, mit einer Geschichte, einem Charakter, Stärken und Schwächen. Das gilt ganz besonders für gebrauchte Platten. Ich habe zwei große Strömungen in meiner Sammlung: Neues Vinyl mit Gitarrenmusik und gebrauchte Jazz-Platten. Natürlich gibt es auch Ausreißer. Aber zumeist kaufe ich Musik aus dem Metal-, Hardcore- und Etcetera-Bereich frisch beim Mailorder. Ich bin sowieso kein systematischer Sammler, der unbedingt alte Lücken füllen muss und dafür bei Discogs und Ebay Archäologe spielt. Aber neben den neuen Gitarrenalben kaufe ich Jazzplatten und da am liebsten Second-Hand.
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Die britische Band Young Fathers wird trotz Einladung von Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp nicht in Bochum auftreten. Das meldet die Rheinische Post. Carp hatte die Band für das Festival gebucht, dann wegen ihrer Anhängerschaft zur antisemitischen BDS-Kampagne ausgeladen und gestern dann doch wieder eingeladen: Die Intendantin war vor der BDS-Kampagne eingeknickt.
Damit hat sich Carp als rückgratlos und mit der Leitung eines Festivals der Größe der Ruhrtriennale disqualifiziert. Alles rumgeeier war umsonst – Carp hat sich schlicht blamiert. Alleine schon ihre „Erklärungen“ zeugten davon, dass weder sie noch ihre Mitarbeiter sich mit dem Thema BDS auseinandergesetzt haben. Aber Carps Welt, die aus ominösen Narrativen besteht, die alle gleichberechtigt nebeneinander stehen, wird so etwas offenbar für unnötig gehalten.
Beim BVB erlebte er etliche herausragende Jahre, war zusammen mit Mats Hummels in den Jahren nach 2008 als fester Bestandteil des sogenannten ‚Kinderriegels‘, unter Trainer Jürgen Klopp, mit dem er gemeinsam aus Mainz ins Revier gewechselt war, sehr rasch eine herausragende Persönlichkeit auf und neben dem Platz, zudem ein sportlich wirklich erstklassiger Spieler: Neven Subotic!
Foto: Patrick Temme/Philipp Nolte|N2S Media
Er prägte mit seinem mehr als soliden Abwehrspiel die großen BVB-Erfolge der Jahre 2011 und 2012 maßgeblich mit, wurde Meister und Pokalsieger, war zudem Mitglied der international vielbeachteten Dortmunder Truppe, die 2013 im Champions League-Finale stand.
Langwierige Verletzungen und Trainerwechsel schwächten zuletzt die Position des erfahrenen Abwehrspielers bei den Schwarz-Gelben. Einer Leihe zum 1. FC Köln, bei der ihm zu mehr Spielpraxis verholfen werden sollte, folgte im Vorjahr der offizielle Abschied vom BVB. Seither kickt Subotic in Frankreich, durfte sich dort zuletzt wieder über deutlich mehr Einsätze freuen, was auch viele in Dortmund ihm von Herzen gegönnt haben. Dem Ruhrgebiet ist Subotic allerdings seinerseits grundsätzlich treu geblieben. Auch seine inzwischen fest etablierte ‚Neven Subotic Stiftung‘ agiert unverändert von Dortmund aus.
Grund genug für uns aktuell einmal wieder das Scheinwerferlicht auf einen wirklich tollen Fußballer mit herausragender Persönlichkeit zu werfen.
Viel zu häufig mussten Fußballfans in diesem Lande zuletzt über die Auswüchse der Kommerzialisierung im Profifußball schimpfen. Auch wir hier im Blog der Ruhrbarone haben diese Entwicklungen ja schon häufiger durchaus kritisch betrachtet. Umso bemerkenswerter ist, was Neven Subotic mit seiner Stiftung seit Jahren auf die Beine stellt, wie er schon seit Jahren viel eigenes Geld und Freizeit investiert um auf dem afrikanischen Kontinent möglichst vielen Menschen zu einer besseren Wasserversorgung zu verhelfen.
So auch in diesem Juni. Mit in der Reisegruppe der Subotic-Stiftung in diesem Jahr übrigens auch ein ehemaliger Mannschaftskollege aus ehemals gemeinsamen BVB-Tagen, Nuri Sahin.
Bühne frei für Antisemiten und Israelhasser: Stefanie Carp und Christoph Marthaler Foto: Edi Szekely/Ruhrtriennale 2016
Die Entscheidung der Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp, die Young Fathers doch wieder zu dem Festival einzuladen findet viel Zustimmung. Vor allem Antisemiten und Israelhasser sind begeistert. Die Band, die der Meinung ist, das kein Musiker in Israel auftreten darf und das Land auch wirtschaftlich und wissenschaftlich isoliert werden muss, soll im August in Bochum auftreten. Aber es gibt auch Kritik an Carps Entscheidung:
Roger Waters jubelt. Der ehemalige Pink Floyd Bassist gilt als einer der größten Fürsprecher der antisemitischen BDS Kampagne. Auf seinen Konzerten schwebten schon öfter Schweine mit einem Davidstern durch die Halle.
Der deutsche Ableger der BDS-Kampagne, der die Terrororganisation PFLP, die 1977 die Lufthansa-Maschine „Landshut“ entführte, als „Befreiungsbewegung“ bezeichnet, ist ebenfalls von der Entscheidung Carps angetan:
Auf der Facebookseite der Ruhrtriennale wird indes die Nazi-Aktion „Kauft nicht bei Juden“ zum Akt des Widerstandes verklärt:
Auch die israelische Fahne wird verfremdet – was die Betreiber der Ruhrtriennale-Seite nicht stört. Geht es doch nur um unterschiedliche Narrative:
Allerdings gibt es auch Kritik: Der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Nückel fordert den Rücktritt Carps. Nach einem Bericht der Rheinischen Post geht die Kulturstiftung des Bundes auf Distanz zu Carp: „Der Vorstand der Kulturstiftung des Bundes bedauert ebenfalls die Entscheidung der Intendantin Frau Carp, besagte Band einzuladen, und teilt insofern die Auffassung der Kulturministerin von NRW, Frau Pfeiffer-Poensgen“. Die Kulturministerin hatte zur Entscheidung Carps, der Young Fathers wieder einzuladen und vor der BDS-Kampagne klein beizugeben gesagt: „Die Intendantin der Ruhrtriennale hat sich erneut entschieden, die Gruppe ‚Young Fathers‘ zur Ruhrtriennale 2018 einzuladen. Diese Entscheidung bedauere ich. Die Gruppe hat in den vergangenen Tagen durch ihre Teilnahme an der BDS-Kampagne gegen die Ruhrtriennale gezeigt, dass sie offenkundig die BDS-Bewegung unterstützt, die das Existenzrecht Israels in Frage stellt und zu einem umfassenden Boykott Israels auffordert. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte nicht akzeptabel. Es ist nicht auszuschließen, dass durch die Entscheidung die BDS-Kampagne eine Plattform auf der Ruhrtriennale erhält. Dies ist in Zeiten zunehmender antisemitischer Straftaten und anderer Vorfälle, leider auch in Nordrhein-Westfalen, ein falsches Signal.“
Zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einem Schreiben an die jüdisch-deutsche Aktivistin Malca Goldstein-Wolf geschrieben:
Wir werden sehen, was der Tag bringt. Und ob Stefanie Carp weiter daran arbeiten will, die Ruhrtriennale zu beschädigen.