Der Schriftsteller Abbas Khider war am Mittwoch Gast der Reihe „textrevolte“ von Literaturbüro Ruhr und Ringlokschuppen Mülheim
Wenn man den heute 38jährigen aus dem Irak stammenden Abbas Khider fragt, wie es ihn nach Deutschland verschlagen habe, erzählt er bereitwillig seine Geschichte, obwohl er sie schon in Dutzenden Interviews erläutern musste. „Aber“, sagt er dazu, „ich bin selbst erstaunt darüber, dass ich sie jedes Mal etwas anders erzähle und sie bei jedem Gespräch auch etwas anders sehe oder etwas anderes daran entdecke.“
Und wenn Abbas Khider erzählt, dann tut er dies mit dem ganzen Körper. Flackert sein Zorn auf Saddam Hussein und dessen Regime auf, dann sieht man diesen Zorn in seinem schönen Gesicht. Spricht er von der Taubenzucht, der er selbst einst für sechs Jahre so verfiel wie Mahdi, der Protagonist seines jüngsten Buches, dann ahmen seine Hände die Bewegungen einer Taube nach, ihres Flugs. Kein asiatischer Taiji-Lehrer könnte sich eleganter bewegen.
Anders B., der Attentäter von Oslo, war in der norwegischen Fortschrittspartei aktiv. Sie gehören zu den Vorbildern der extrem rechten Partei Pro NRW.
Manfred Rouhs, ehemaliger Neonazi und heutiger Vorsitzender von Pro Deutschland, mimt nach den Anschläg von Oslo den Betroffenen:
„Ob die Täter nun einen islamistischen Hintergrund haben oder welcher totalitären und menschenverachtenden Ideologie sie sonst anhängen mögen: Die Politik hat Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die Bürger vor solchen Wahnsinnigen geschützt werden. Wir müssen unsere Freiheitsrechte verteidigen – und zwar gegen jede Art von Extremismus.“
Liest man sich die Ansichten von Anders B., dem mutmaßlichen Mörder von Oslo durch, zeigt sich: Der Mann hätte mit seinen Ansichten auch bei Pro NRW oder Pro Deutschland landen können – und tatsächlich gibt er laut einem Artikel in der Welt an in einer Pro-NRW Vorbildpartei, der norwegischen Fortschrittspartei, aktiv gewesen zu sein. Der Extremismus, von dem sich Rouhs scheinheilig distanziert, ist sein eigenes Gedankengut.
Über die Fortschrittspartei schreibt pro Bonn, der lokale Ableger der Rechtspopulisten, auf seiner Homepage:
Was in Schweden passiert ist, ist ein gesellschaftlicher Prozess, der in allen hochindustrialisierten Staaten Europas mit ungezügelter Masseneinwanderung beobachtet werden kann. Der Konsens vom überdehnten Toleranzbegriff wird aufgekündigt. In Norwegen kennt die Fortschrittspartei seit 1989 zweistellige Ergebnisse, während in Dänemark die Volkspartei 1998 ihren Siegeszug angetreten hatte. Nur die Bundesrepublik Deutschland geht diesbezüglich noch einen Sonderweg. Im Bundestag gibt es nur drei Fraktionen linker Parteien und zwei verorten sich in der „Mitte“, ein rechtsdemokratisches Korrektiv fehlt bisher gänzlich.
Andres B. war kein klassischer Neonazi: Er war ein Rechtspopulist, der seiner Ideologie, dem Hass gegen die multikulturelle und offene Gesellschaft, hat Taten folgen lassen. Er hasste Moslems, hielt die Presse für multikulturell unterwandert und Norwegen durch Muslime bedroht. Klingt alles nach Pro NRW. Und zeigt, dass es gute Gründe gibt, den Beisicht-Verein vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Und das nicht nur, weil sich dort ehemalige Neonazis tummeln. Sondern weil sie so sind wie sie sind.
Der Berliner Ableger, Pro Berlin, tritt übrigens zur Wahl in Berlin an.
Die größte Werberdichte, die größten Dichten der Erfolgreichen, die größte Dichtung ihrer Selbst breitet sich in der Werbehauptstadt Düsseldorf aus. Ich war zufällig dabei. Oder auch fern. Von unserem Gastautor Thomas Meiser
Wiewohl mich Werber nicht interessieren, sondern nur Kumpels. Und eine Kumpeline. Mit denen traf ich mich. Wie jedes Jahr. Auf der Oberkassler Kirmes Eine literarisch angelegte Studie. Mit Zitaten von Peter Hein, demGott der Fehlfarben.
Der Text ist sehr nahedran, aber schlicht Prosa.
Karla mal wieder völlig besoffen angekommen. Der berühmten Goldschmiedin mangelt wohl es an Mikrokoodination. Taxi gut, sagt sie.
Dritter Tag bei Bochum Total. Bislang hat sogar das Wetter mitgemacht. Marcus Gloria, der Macher des Festival, ist zufrieden. Als ich ihn gestern traf und fragte wie es läuft, strahlte er über das ganze Gesicht, breitete seine Arme aus und rief: „Gut. Sind doch alle wieder da.“
"Im System ist nichts eingetragen." - "Das kann nicht mein Problem sein."
Gestern hatte ich eine telefonische Auseinandersetzung mit meinem Mobilfunkanbieter o2. Trotz meines Status als „Premium-Kundin“ weigerte sich die Servicemitarbeiterin, meinen überteuerten und veralteten Tarif umzuwandeln in einen, der meinen gegenwärtigen Bedürfnissen viel besser entspricht und mich etwa 50€ pro Monat weniger kosten würde. Das heißt, sie hat sich nur so lange geweigert, bis ich ihr damit gedroht habe, über die Haltung der Firma zu bloggen. Da ich meinen Blog noch nie als Druckmittel benutzt habe, war ich höchst überrascht darüber, dass meinem Wunsch, welcher zunächst als unerfüllbar galt, plötzlich doch nachgekommen wurde. Meiner Meinung nach ist das für sich genommen ein Skandal: Was ist denn mit all Menschen, die nicht bloggen oder oder für die Presse arbeiten? Haben die nicht auch ein Recht auf faire Konditionen?
Im folgenden ein Gedächtnisprotokoll meines Gesprächs mit der o2 Kundenbetreuung (das neuerdings übrigens nicht mehr umsonst ist, sondern auch „Premium-Kunden“ 0,30€ pro Anruf kostet).
Ich: Guten Tag, mein Name ist Annina Luzie Schmid und ich möchte meinen viel zu teuren Vertrag, den ich gar nicht mehr nutze, in einen billigeren umwandeln. Ihr Kollege meinte, das ginge nach dem 27. Mai. Da jetzt Juli ist, dachte ich, ich rufe mal an.
o2-Frau: Ihre persönliche Kundenkennzahl und Ihr Geburtsdatum, bitte?
Somalia verhungert. Das Space Shuttle ist für immer gelandet. Die EU verkommt zum Paketpostamt und Schirmfachhandel. Russland und China sind – na? – gegen die Klima-Erklärung. Brigitte Heinischgewinnt, EHEC wird dingfest gemacht, Bürgerbeteiligung zur Farce (Update), und die WELT versteht die Welt nicht mehr.
Axel Bach, Markus Bechtold, Martin Munz Schöner schreiben über Lesben und Schwule
Okay, der Titel ist grenzwertig, dennoch bitte lesen; hilft, doofe Fehler zu vermeiden (*an die eigene Nase pack*).
Der Ruhr Reggae Sommer startet heute in Mülheim an der Ruhr. Auch wenn das Wetter das Sommergefühl noch nicht so recht aufkommen lässt, kann man sich dort eine satte Portion fröhlicher Beats abholen und zu fetten Basslines absteppen.
Schon gestern haben die Allersten das Gelände gestürmt und ihre Zelte aufgeschlagen. Jetzt sitzen sie auf ihren Campingstühlen, frühstücken und lassen sich das erste Bierchen schmecken. Es wird Fußball gespielt, Musik aufgelegt und für das erste Konzert vorgeglüht.
Die Ruhr Reggae Fans schätzen vor allem die familiäre Stimmung und die überschaubare Größe des Festivals. Weil sich die Musiker nur auf einer Bühne präsentieren, fällt das lästige Entscheiden weg, das man von anderen Festivals kennt. Die Bühne vereint einfach alle Besucher miteinander: erwartet werden über 10 000 Musikfreunde.
Auch die Örtlichkeit hat ihren Reiz. Zum Gelände zählen nämlich auch das Mülheimer Naturschwimmbad und die angeschlossene Beach-Area mit Meersand und Liegestühlen. Falls die Sonne uns also doch noch einen Besuch abstattet, kann man sich dort eine spontane Abkühlung holen.
Auch nach dem Ergebnis des Stresstests geht der Streit um Stuttgart 21 weiter. Zur Erinnerung: In Stuttgart soll kein Kernkraftwerk in der Innenstadt gebaut werden, geht es nicht um den Abriss ganze Stadtteile und die Vertreibung tausender Menschen, sondern um den Bau eines Bahnhofs. Ein eher profanes Vorhaben. Das sehen die Gegner anders. Sie sehen sich in einer Linie mit den großen Protestbewegungen unserer Zeit. Und so verkünden die Parkschützer stolz auf ihrer Internetseite, das beim Protestkonzert am kommenden Sonntag, auf dem der Blödelbarde Konstantin Wecker natürlich nicht fehlen darf, auch „Grußbotschaften aus Athen, Madrid, Kairo“ verlesen werden. Ob die, die ja grüßen wissen, wen sie grüßen, darf bezweifelt werden: Die Ägypter haben unter Lebensgefahr ein brutales Regime gestürzt. Es gab Todesopfer. Über den Bau eines neuen Bahnhofs hätten sich die meisten Menschen in Kairo wahrscheinlich gefreut. Und auch die Spanier, die von Massenarbeitslosigkeit betroffen sind und gegen die Korruption der politischen Klasse ihres Landes auf die Straße gehen oder die von Massenarmut bedrohten Griechen haben im Gegensatz zu den wohlsituierten schwäbischen „Wutbürgern“ durchaus nachvollziehbare Gründe für ihre Proteste. Ihnen allen geht es schlecht. Die Stuttgarter Wutbürger fühlen sich schlecht. Zu dem Thema ist heute auch ein sehr feiner Artikel auf Spiegel.de erschienen.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.