„Russland hat aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion nichts Vernünftiges gelernt“

Ein Militärkonvoi der von Russland unterstützten Rebellen bei Donezk, Juni 2015 Foto: Mstyslav Chernov Lizenz: CC BY-SA 4.0

Geehrte Leserinnen und Leser!

Aufgrund der aktuellen Verletzungen der Waffenruhe in der Ost-Ukraine durch Russlands Aggressionen muss ich dazu meine Meinung kundtun. Höchstwahrscheinlich will der KGB-Zwerg Putin eine Landverbindung zwischen den sogenannten Volksrepubliken im Donbass und der von Russland okkupierten Krim schaffen. Denn derzeit kann die Krim von Russland nur per Wasser versorgt werden und dies treibt den Preis der Okkupation höher. Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Das wäre, meiner Meinung nach, von Seiten der Herrschaften im Kreml noch das, in Anführungs- und Schlusszeichen, Vernünftigste. Aber auch das würde zwar zu einem nationalistischen Freudentaumel in Russland selber führen, aber auch zu weiteren Sanktionen von zivilisierten Staaten und zu weiteren Isolation Russlands auf dem internationalen Parkett. Doch würde eben für den Kreml die Versorgung der Krim billiger, denn nach internationalem Recht muss der Besatzer für die Versorgung von besetzten Gebieten sorgen, und das wäre im Falle der Krim, aber auch für den Donbass, die Zchinwali-Region/Süd-Ossetien und Suchumi/Abchasien, nun mal Russland. Aber in Bezug auf die Krim gestaltet sich dies für Russland schwierig aufgrund des Keils zwischen den sogenannten Volksrepubliken im Donbass und der Krim selber, der dazu führt, dass Russland nur auf dem Wasserweg Zugriff zur Krim hat.

Dies zeigt übrigens meiner Meinung nach perfekt, warum die Krim nicht nur rechtlich integraler Bestandteil der Ukraine ist, sondern auch geographisch und logischerweise, denn eine russische Krim wäre de facto eine russische Enklave, die offensichtlich ohne Landweg von Russland kaum zu versorgen ist. Aber durch Fakten lassen sich Kreml-Apologeten nicht von ihrer Liebedienerei gegenüber russischen Chauvinisten abbringen.

Stattdessen sieht man dieser Tage wieder eine unheilige Allianz der Querfront, bestehend aus Rechtsnationalisten, die im KGB-Zwerg Putin den Erlöser des Abendlandes sehen, und aus Altlinken, die trotz der Tatsache, dass die Menschenrechte aller Bewohnerinnen und Bewohner Russlands und ganz besonders jener, die nicht russisch-orthodox und slawisch sind, regelmässig mit Füssen getreten werden und der Tatsache, dass in praktisch allen Statthaltergebieten des Kreml, Belarus, Zchinwali, Suchumi und den sogenannten Volksrepubliken, die Todesstrafe wieder eingeführt wurde. Notabene sind dies die einzigen Gebilde in Europa, in denen die Todesstrafe noch vollstreckt wird, aber aus Sowjet-Nostalgie halten sie den Herrschaften im Kreml die Stange. Allen imperialistischen Abenteuern Russlands der letzten Jahre zum Trotz, wie zum Beispiel dem Augustkrieg 2008 mit Georgien und den jetzigen Aggressionen gegenüber der Ukraine.

Besonders bizarr wird diese Farce, wenn diese Kreml-Apologeten von Israel verlangen, die Bewohnerinnen und Bewohner der Westbank und von Gaza zu impfen, obwohl dies ganz klar den Osloer Abkommen widerspricht und gleichzeitig erwarten, dass die von Russland okkupierte Krim durch die Ukraine mit Wasser, Strom und Lebensmitteln versorgt wird, obwohl dies internationalem Recht widerspricht.

Summa summarum zeigt sich beim neuesten imperialistischen Abenteuer Russlands, dass Russland immer noch ein Aggressor in der Region ist und aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion nichts Vernünftiges gelernt hat, und dass Kreml-Apologeten nach autoritären Charakteren und totalitären Ideologien streben, währenddessen russische Proxys ganz konkret in der Ost-Ukraine und in Georgien Menschen ermorden und dabei anti-semitisch gefärbte Propaganda verbreiten, wie die Geschichte vom angeblich von ukrainischen Truppen in Slawjansk gekreuzigten Jungen, und dabei auch noch schamlos Staaten wie Georgien und die Ukraine, die sich nur selber verteidigen, bezichtigen, am Konflikt schuld zu sein. Dies wiederum zeigt, dass im Kreml nur eine Sprache verstanden wird: Die der harten Hand. Darum ist es wichtig und richtig, dass die Biden-Administration neue Sanktionen gegenüber Russland verhängt und russische Diplomaten ausgewiesen hat.

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8 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 18. April 2021 um 10:52 Uhr

    Nun betrachtet die SU…ääähh, Mütterchen Russland die Krim doch nicht als von ihr besetztes Gebiet,sondern als Heim ins Reich geholtes urrussisches Land.
    Und wenn man Umfragen glauben darf, ist Putin nur russischem Volksempfinden gefolgt, dass ja immer noch in stalinistischen oder großrussischen Kategorien fühlt.

  2. #2 | Berthold Grabe sagt am 18. April 2021 um 11:52 Uhr

    Es ist nicht so, das die Russe nichts gelernt hätten aus dem ökonomischen Zusammenbruch,
    Deshalb ist die Ökonomie heute in Russland eine andere und keine Planwirtschaft mehr.
    Der Westen hat aber nicht kapiert, das dies nicht die russischen Herrschaftsansprüche beendete, sondern nur die Planwirtschaft.
    Was der Grund dafür ist warum nicht nur im Westen Rechte und Linke Oberschichten sich plötzlich in unheiligen Allinanzen wiederfinden zu Lasten Dritter.
    Schließlich macht es keinen Unterschied ob man durch Kapitalismus oder staatlicher Apanage das Volk ausbeutet. Bei beiden formen gibt es durchaus nicht wenige zweifelhafte Anspruchsbegründungen.
    Weshalb Identitätspolitik im westen so wichtig ist, sie schafft zusätzliche Legitimationen für zweifelhafte staatliche Einkünfte. In Russland baucht man solche Alibis nicht.

  3. #3 | Stephan sagt am 18. April 2021 um 12:42 Uhr

    Guten Tag,

    bitte schreiben Sie nicht von Rebellen. Eher von russischen Soldaten bzw. Söldnern. Dies trifft den Fakten besser. Die Menschen in der Osturkaine sympathisieren zwar mit Russland, es ist sicher dass kein Bewohner der Osturkraine vor dem Konflikt ein Krieg wollte.

    Viele Grüße
    Stephan

  4. #4 | Daniel sagt am 19. April 2021 um 13:19 Uhr

    Mit der Krim-Brücke existiert seit 2018 (Straße) bzw. 2019 (Bahn) sehr wohl eine feste Verbindung über den Landweg von Russland auf die Krim, während es vom Ukrainischen Festland auch nur drei Straßen und zwei Zugstrecken auf die Krim gibt. Was auch immer Putin im Donbass vorhat, die Vermutungen der Autorin wirken doch recht konstruiert und basieren auf einer falschen Prämisse.

  5. #5 | Berthold Grabe sagt am 19. April 2021 um 16:19 Uhr

    @4 Daniel
    Diese pauschale Abwehr der Autorin ist nicht gerechtfertigt, zumal Putin schon mehrfach versucht hat den Korridor zu destabilisieren und dem Donbass anzuschließen.
    Es wäre gut möglich das Putin einen weiteren Anlauf nimmt.
    Denn nicht alles lässt sich über eine einzelne brücke befriedigend umsetzen.
    aus der Brücke zu schließen diese Pläne seien hinfällig kann richtig, aber auch oberflächlich voreilig sein.
    Dazu bräuchte man dann doch mehr Detailwissen.

  6. #6 | Berthold Grabe sagt am 19. April 2021 um 16:29 Uhr

    @3
    "Die Menschen sympathisieren im Donbass mit Russland" ist etwas erklärungsbedürftig.
    Wer die Ereignisse vor dem bewaffneten Konflikt genauer beobachtet hat, konnte unschwer feststellen, das die Bevölkerung entweder neutral oder Pr Ukrainisch gewesen ist.
    Der Schwenk entstand aus zwei Umständen.
    Die Oligarchen des Donbass entscheiden sich für Russland und die folgenden kriegerischen Handlungen, aber vor allem deren Opfer im Donbass haben den Menschen ein Feindbild geliefert, weil sie sich von der Ukraine angegriffen fühlten.
    Es aber waren aber die lokalen Oligarchen die den Krieg angezettelt haben, was die russische Propaganda im Donbass verschweigt und stattdessen von reaktionären Kräften in Kiew spricht.
    Es ist nicht das erste mal in der Geschichte, das sich geplagte Bürger auf die Seite der Täter schlagen, im Vermeintlichen Glauben Aggressoren abzuwehren.
    In solchen Fällen ist es aber fast nie möglich den Irrtum aufzuklären, das wir einfach nicht geglaubt, weil der Verlust sich gerecht wähnen zu dürfen unerträglich ist.

  7. #7 | Daniel sagt am 20. April 2021 um 10:46 Uhr

    @Berthold Grabe: Die Argumentation der Autorin basiert ausschließlich darauf, andere Begründungen finden sich im Text nicht:

    "Denn derzeit kann die Krim von Russland nur per Wasser versorgt werden und dies treibt den Preis der Okkupation höher. "

    "[…] der dazu führt, dass Russland nur auf dem Wasserweg Zugriff zur Krim hat."

    …und da das schlicht nicht stimmt, darf man dann doch schon mal hinterfragen, was denn vom Rest des Kommentars zu halten ist, zumal die östliche Bahn- und Straßenanbindung der Krim aus dem Rajon Kherson auch über Brücken erfolgt.

  8. #8 | Reginald sagt am 24. Mai 2021 um 11:54 Uhr

    Ich für meinen Teil bin mittlerweile wieder für den Eisernen Vorhang Ich will nichts zu tun haben mit Russland,China oder irgendeiner anderen Diktatur.Und wenn die Krieg haben wollen sollen Sie Ihn bekommen.Es muss Schluss sein mit offenen Grenzen zu diesen Schurkenstaaten.Ich will Ihr Öl und Gas nicht.Auch keine Wären sonstiger Art.Europa ist gross genug und hat auch alles was wir brauchen.Lasst uns wieder in unseren Grenzen in Frieden und vor allem in Freiheit leben.Sollen die Schurkenstaaten doch selig werden mit Ihren Missraten Staaten.

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