Stets unterhaltsam, aber zu selten erfolgreich – Schalke in Not!

Party am Millerntor in Hamburg. Archiv-Foto: Daniel Jentsch

Der FC Schalke 04 hat, da sind sich alle Experten einig, einen der stärksten Kader der 2. Fußball-Bundesliga in der Saison 2023/24. Und wer die Spiele der Königsblauen verfolgt hat, der wird festgestellt haben, dass die Auftritte der Mannschaft stets sehr unterhaltsam sind. Das Problem der Gelsenkirchener ist, dass der sportliche Erfolg mit den Ansprüchen noch nicht mithalten kann.

Am Samstag unterlagen die Schalker beim FC St. Pauli in Hamburg mit 1:3 und liegen nun nach sieben absolvierten Spieltagen mit mageren sieben Punkten in der Tabelle auf Rang 15. Wenn es dumm läuft für die Knappen, dann zieht Bertha BSC am heutigen Sonntag noch vorbei und verdrängt S04 auf den Relegationsrang 16. Mehr noch als diese ernüchternde Zwischenbilanz verwunderten jedoch die öffentlichen Aussagen der Beteiligten nach der Pleite am Millerntor die Zuschauer.

Wer den Interviews bei Stefan Hempel und Torsten Mattuschka gestern nach Spielende auf Sky Sport zugehört hat, der musste regelrecht entsetzt sein über die Aussagen der befragten Schalker. Sowohl Trainer Thomas Reis als auch seine interviewten Schützlinge gaben sich am Mikrofon erschreckend hilflos, ließen tiefe Risse im Verhältnis zwischen Coach und Mannschaft erkennen.

Reis präsentierte sich, um Ehrlichkeit bemüht, für einen Coach beängstigend ratlos, die Spieler offenbarten unverblümt Probleme mit dem Spielsystem und ließen Veränderungswünsche in Sachen Training und Taktik erkennen. Erklärungen für den abermals schwachen Auftritt der Schalker konnte an diesem Abend keiner so wirklich liefern.

Als Zuschauer bzw. Zuhörer konnte man spätestens in diesen Szenen erahnen, dass es hier intern so überhaupt nicht (mehr) stimmt. Überzeugende Lösungsansätze konnte in dieser Situation keiner anbieten. Erschreckend, für eine Mannschaft, deren Ziel ja eigentlich der Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga war.

In Anbetracht des anspruchsvollen Programms, das an den kommenden Spieltagen auf die Gelsenkirchener wartet, ein Zustand, der einem Sorgen machen muss, wenn man es mit den Königsblauen gut meint.

Die nächsten Auftritte in Paderborn, daheim gegen Hertha BSC und beim Karlsruhe SC, die eigentlich den Weg raus aus dem Tabellenkeller ebnen müssten, sind in dieser Form der Schalker immense Herausforderungen. Nicht unwahrscheinlich, dass keines der drei Spiele siegreich beendet werden kann. Und dann? Wie schlecht wird die Stimmung beim Schalker Anhang, der gestern in Hamburg teilweise schon durch unschöne Krawalle auffiel, dann wohl erst sein?

Klar ist, dass der holprige Saisonstart der Schalker grundsätzlich nicht völlig unerwartet kommt. Die neu formierte Mannschaft braucht naturgemäß Zeit um zusammenzuwachsen. Hinzu kommt ein erhebliches Verletzungspech, dass dazu führte, dass auch gestern gegen St.Pauli etliche etablierte Spieler wie Stammtorwart Marius Müller und Stürmer Simon Terodde fehlten. Es gibt also durchaus Gründe, die als Erklärung herhalten könnten. Doch all das ist keine Begründung für die völlige Planlosigkeit, die gestern bei Trainer und Spielern zu erkennen war. Ein reines ‚Weiter so‘ wäre fatal.

Gelingt in den kommenden Begegnungen nicht die dringend notwendige Stabilisierung der Leistung auf einem höherem Niveau, das ausgerufene Ziel Wiederaufstieg wäre wohl schon frühzeitig aus den Augen der Schalker geraten und die Amtszeit von Trainer Thomas Reis, der sich durch eine starke Rückrunde 2022/23 in die Herzen vieler in Gelsenkirchen befördert hat, könnte schon im Herbst 2023 unrühmlich beendet werden. Das war am Samstag sowohl auf dem Platz als auch hinterher an den Mikrofonen schon sehr deutlich zu erkennen.

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vormals SvG
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9 Monate zuvor

Spätestens, wenn die Kredite der Schalker aufgebraucht sind oder neu verhandelt und damit höher verzinst, das Land keine Bürgschaften mehr verschenkt und sich kein Gazprom/Tönniesgeld mehr zum verprassen findet, wird die dritte Liga eine ernstzunehmende Perspektive für die Schalker sein.
@ Autor: Sie haben vor kurzem davon geschrieben, daß in der zweiten Liga es für die Zuschauer viel schöner sei, da dort die „Traditionsvereine“ gegeneinander spielten. Bei der Vorstellung, daß der HSV gegen Schalke spielt, fällt mir nur der „Not gegen Elend“ ein.
Was daran für die Zuschauer schön sein soll, erschließt sich mir nicht.
Das könnte noch unterboten werden von Hetha-Kaiserslautern, aber nur knapp.

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