Vertrag nicht verlängert: Die dritte Spielzeit von Romy Schmidt am Prinzregenttheater wird ihre letzte sein!

 

Am Bochumer Prinzregenttheater steht die neue Spielzeit bevor. Offiziell beginnt sie am 30. September 2017 mit der Premiere von Jean Genets „Die Zofen“ unter der Regie von Frank Weiß, in Wirklichkeit aber beginnt sie mit einem Paukenschlag ganz anderer Art: Romy Schmidts dritte Spielzeit am Prinzregenttheater wird ihre letzte sein – ihr Vertrag als Theaterleiterin wurde nicht verlängert. Im Sommer 2018 ist Schluss.

Zwanzig Jahre lang leitete Sibylle Broll-Pape das Bochumer Prinzregenttheater, bevor sie sich im Jahre 2015 als Intendantin nach Bamberg verabschiedete. Doch halt: So ganz verabschiedet hat sie sich nie. Denn, das muss man wissen: Das Bochumer Prinzregenttheater ist ein Verein. Und als Vorstand im „Theaterverein Prinz Regent e. V.“ sitzt, immer noch und nach wie vor in voller Verantwortung, Sibylle Broll-Pape.

2015 wurde die Theaterleitung in die Hände von Romy Schmidt übergeben, und Romy Schmidt begann die in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten im Prinzregent-Quartier sofort ordentlich durchzulüften und das Prinzregenttheater von jenem ollen Muff und all jenem Staub, der sich in zwanzig Jahren „Sibylle-Broll-Pape-Intendanz“ dort routinemäßig eingenistet hatte, mit jeder Menge Elan, Enthusiasmus und allergrößtem Engagement zu befreien. Dieser frische Wind wird nun jäh unterbrochen. Die allseits ansteckende Aufbruchstimmung, die sich seit 2015 im Prinzregenttheater positivst bemerkbar gemacht hatte, findet nun ihr allzu frühes und vorzeitiges Ende.

Bemerkbar gemacht hatte sich der Zuspruch nicht nur in steigenden Besucherzahlen, die in den beiden Spielzeiten unter Romy Schmidt jeweils absolutes Rekordniveau erreichten, auch die Presse zeigte sich, weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus, hellauf begeistert: So gewann Romy Schmidts Inszenierung von „Die Schöne und das Biest“ beispielsweise den 1. Preis beim „Nachtkritik-Theatertreffen“.

„Wir verlieren eine künstlerische Heimat“, sagt Romy Schmidt, und weil das WIR als Motto im Prinzregenttheater in ihren beiden Spielzeiten wirklich ganz besonders groß geschrieben wurde, zeigt sich auch das gesamte kreative Team schockiert. Der Vorgang, eine Theaterleiterin nach zwei derartig erfolgreichen Spielzeiten zu entlassen, ihr nicht mindestens fünf Jahre Zeit für eine Neuausrichtung zu geben, ist in der Tat beispiellos, und an jedem Stadt- oder Staatstheater wäre in einem solchen Fall mit einem allgemeinen Proteststurm zu rechnen.

Selbst ein gestandener Schauspieler wie Jost Grix (zur Zeit am Prinzregenttheater in Romy Schmidts Inszenierung von Frank Goosens „Sommerfest“ zu sehen) zeigt sich erschüttert: „So etwas habe in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt“.

Und Schauspieler Linus Ebner (zur Zeit am Prinzregenttheater in Romy Schmidts Inszenierung von „Angst essen Seele auf“ zu sehen) stellt für sich definitiv klar: „Im nächsten Jahr werde ich ohne Romy Schmidt im Prinzregenttheater als Schauspieler definitiv nicht mehr tätig sein.“

Solidarität statt Schock-Starre!

Nichtsdestotrotz soll diesem einzigartigen Paukenschlag mit einem eigenen, ebenso einzigartigen, letzten künstlerischen Trommelfeuer begegnet werden: „Diese Spielzeit wird nochmal gerockt! Wir gehen nicht leise. Wenn wir gehen müssen, dann gehen wir laut“, verspricht Frank Weiß kämpferisch, und nach seiner Inszenierung von „Die Zofen“ Ende September wird im November der Jugendclub der „Jungen Prinz*essinnen“ Albert Camus „Caligula“ auf die Bühne hieven, wird Romy Schmidt sich ihrer spannenden Stückentwicklung „Sisyphos – Der Berg ruft“ widmen, wird Linus Ebner als satirischer „Till Eulenspiegel“ im Prinzregenttheater zu sehen sein, wird Alexander Ritter sein überaus ambitioniertes multimediales Stück „Vom Verschwinden“ über die Schließung der letzten Zechen im Ruhrgebiet präsentieren, wird Helge Salnikau wieder durch ungemein unterhaltsame und kurzweilige Talkshows führen.

Ja, wir freuen uns auf diese letzte Spielzeit unter der Leitung von Romy Schmidt – aber ob von ihr auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegte Projekte wie das interkulturelle „Grubengold“-Projekt von und mit Geflüchteten oder eben auch die beiden Jugendclubs „Junge Prinz*essinnen“ (einmal für Unter-, einmal für Über-15-Jährige) in einer Zeit nach Romy Schmidt zukünftig auch noch Bestand haben werden, das steht, wie vieles andere, nun in den Sternen.

„Die Gründe, die mir mitgeteilt worden sind, sind für mich nicht nachvollziehbar. Mehr möchte ich dazu nicht sagen“, äußert sich Romy Schmidt zurückhaltend – als berechtigte Vermutung steht allerdings zumindest die Möglichkeit im Raum, dass die verantwortliche Vereinsvorsitzende Sibylle Broll-Pape nach Bochum zurückzukehren und sich selber erneut als Theaterleiterin am Prinzregenttheater zu installieren gedenkt. Auf eine entsprechende Anfrage des Blogs antwortete Broll-Pape bislang nicht.

Eine offizielle Erklärung von Seiten des Trägervereins und der Vereinsvorsitzenden Sibylle Broll-Pape steht somit noch aus.

Mehr zu dem Thema: 

„Unregelmäßigkeiten“: Prinzregenttheater in Bochum bekommt keine Landesförderung mehr

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8 Kommentare

  1. #1 | JR sagt am 31. August 2017 um 15:03 Uhr

    Die Frau Broll-Pape, unter deren Leitung Fördergelder so verbraten wurden, dass das Prinz-Regent-Theater jetzt keine mehr bekommt? Super.

  2. #2 | Ben sagt am 31. August 2017 um 15:30 Uhr

    Niemand hat Broll-Pape vermisst.

    Nur weil sie vielleicht in Bamberg ebenfalls nicht vermisst werden wird, muss sie nicht wieder nach Bochum zurückkehren.

    Allerdings heißt es jetzt erst einmal abwarten, denn die Fördergeld-Geschichte ist ja noch nicht vollständig geklärt. Je nach Ergebnis könnte es auch für Broll-Pape keine Zukunft in Bochum geben. Aber immerhin hat sie dann mit dieser unwürdigen Entscheidung gleich zwei in den Abgrund gerissen: sich selbst und die kulturelle Landschaft dieser Stadt.

    Was Romy Schmidt anbelangt: Sie braucht sich wohl keine Sorgen zu machen. Wer so fähig ist, findet immer einen guten Job.

  3. #3 | Wolfgang Wendland sagt am 31. August 2017 um 15:39 Uhr

    Der Skandal beginnt doch viel früher: das PRT ist die Spielstätte der freien Theaterszene. Die dort aufzuführenden Stücke werden z. B. von einem Beirat mitbestimmt. Das steht sowohl in der Satzung und die Beschlusslage der Stadt Bochum, die diesen Laden bezuschusst hat sich auch nie geändert. Das das Theater plötzlich eine Quasi-Intendantin Broll-Pape hatte, die die Dinge nicht organisierte sondern dominierte hab ich nie verstanden. Wann immer man Frau Broll-Pape auf diesen Umstand ansprach wurde sie laut, zuletzt hab ich das 2015 bei einer Veranstaltung des Kemnader Kreises erleben dürfen. Ich bin gespannt wie es weiter geht.
    Übrigens, die Vereinssatzung ist beim Vereinsregister einsehbar und hat sich, wenn überhaupt erst nach 2015 geändert bei der Beschlusslage der Stadt Bochum dürfte sich nichts geändert haben.

  4. #4 | Prinzregenttheater: Schmidt Rauswurf wegen zu viel Transparenz? | Ruhrbarone sagt am 2. September 2017 um 11:30 Uhr

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  5. #5 | OB Eiskirch zum Bochumer Prinzregenttheater: "Wenn eine geht, dann sollte sie auch gehen" | Ruhrbarone sagt am 3. September 2017 um 05:40 Uhr

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  6. #6 | "Es gibt mittlerweile einen internen Maulkorb" | Ruhrbarone sagt am 4. September 2017 um 08:14 Uhr

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  7. #7 | Prinzregenttheater Bochum: „Das Konzept ist heute noch modern“ | Ruhrbarone sagt am 5. September 2017 um 08:16 Uhr

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  8. #8 | Prinzregenttheater: Wie könnte es weitergehen? | Ruhrbarone sagt am 10. September 2017 um 09:30 Uhr

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