Vom Gangmitglied zum Sprecher der IDF

Neuauflage: Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude von Arye Sharuz Shalicar
Neuauflage: Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude, von Arye Sharuz Shalicar

Vor zehn Jahren veröffentliche Arye Sharuz Shalicar seine Autobiografie. Oder genauer: Einen Teil seiner Autobiografie, denn Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude endet mit dem Beginn seines neuen Lebens in Israel am 4. März 2001.

Das Buch war einige Zeit schwer zu bekommen: Meine Bestellung vom April 2020, gedacht als Lektüre für den damaligen Lockdown, kam vor zwei Wochen in der Buchhandlung meines Vertrauens an. Die Neuauflage ist optisch neu gestaltet. Nicht ohne Grund: Ein Nasser Hund ist besser als ein trockener Jude kommt in diesem Jahr ins Kino.

Die Autobiografie von Arye Sharuz Shalicar

Vermutlich wäre das Leben von Arye Sharuz Shalicar geradeliniger und wesentlich langweiliger verlaufen, wenn er in seiner Geburtsort Göttingen aufgewachsen und sozialisiert worden wäre:

Der Wedding in Berlin ist – und war – aber ein anderes Pflaster. Dort hielten ihn Kurden, Türken, Araber und Libanesen, mit seiner dunkleren Haut, dunklen Haaren und persischen Vorfahren, für einen der ihren:

Aber Arye ist kein Moslem, sondern Jude. Was, in einem muslimisch geprägten Umfeld, sein Leben nicht unbedingt leichter und angenehmer machte.

Etwas ruhiger wird es für ihn, als er sich mit Husseyin – einen der Köpfe der Straßengang „Kolonie-Boys“ – anfreundet.

Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität geht Arye Sharuz irgendwann einen anderen Weg als seine früheren Gang-Kollegen: Raus aus Deutschland, nach Israel!

Arye Sharuz Shalicar und Freund Sahin in Berlin; Foto: privat
Arye Sharuz Shalicar und Freund Sahin in Berlin; Foto: privat

Die Probleme die ein jüdischer Teenager – der seine Identität findet und der stolz auf seine Wurzeln ist – bewältigen muss: Sie dürften heute die gleichen seit wie in den 80er und 90er Jahren, als Arye Sharuz Shalicar in Berlin aufwuchs. Sein Weg in der Diaspora, sein Leben auf „feindlichem Gebiet“ und die Gratwanderung zwischen Anpassung und Leben der eigenen Identität: Das Leben in Wedding ist eine Erklärung für sein heutiges Engagement gegen Antisemitismus und für Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten.

Was mir an der „Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde“ besonders gefällt, ist die Authentizität des Textes: Ein Co-Autor hat hier offensichtlich nicht Hand angelegt. Das Leben in einer Gang, für mich komplett fremd, wird realistisch und ohne falsche Romantik beschrieben: Ohne auszuschweifen und schnörkellos. Der Blick auf seine Familie im Iran, im Kapitel „Meine Tante Entezaar“, wirkt erschreckend aktuell: Der Terror des Mullah-Regimes und die Tiraden gegen Israel und Judentum, er ist heute nicht anders als zur Zeit von der „Ein Nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ handelt.

Etwas schade finde ich, das abrupte Ende des Buches: Der Weg vom Gangmitglied zum Sprecher der IDF, er ist ja kein Automatismus. Eine erweiterte Autobiographie, irgendwann vielleicht: Langweilig würde sie in keinem Fall ausfallen.

„Ein nasser Hund“  wurde verfilmt

Der Filmstart, eigentlich für 2020 geplant, wurde bedingt durch die Corona-Pandemie verschoben: In diesem Jahr soll „Ein Nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ in den Kinos laufen: Ich freu mich drauf.

Wer nicht solange warten mag, dem sei die Neuauflage des Buches ans Herz gelegt:

  • Ein Nasser Hund ist besser als ein trockener Jude
  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft (18. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 248 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423349808
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423349802

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2 Kommentare

  1. #1 | Laubeiter sagt am 7. Juli 2021 um 18:07 Uhr

    Wenn ich als Deutscher lese, dass in Berlin es in einem Stadtteil Judenfeindschaft gibt unter Moslems, so kann ich damit ne Menge in meinem Kopf anstellen. Ich kann behaupten, klar, in Berlin gibt es ne Menge Moslems, da werden wohl auch welche Vorurteilen anhängen. Damit tue ich so, als gäbe es das nur in Berlin. Ich kann mich wundern, dass sich Jugendliche moslemischen und jüdischen Glaubens treffen – auch das gibt es nicht in jeder deutschen Großstadt. Mich interessiert, wie die Judenfeindschaft bei den Christen in Deutschland sich verhält zu jener von Moslems. Ich habe das Buch gelesen und den Erzähler gemocht.

  2. #2 | Schalom Habibi - Zeitenwende für jüdisch-muslimische Freundschaft und Frieden | Ruhrbarone sagt am 21. Oktober 2022 um 14:09 Uhr

    […] Publizist und Buchautor (Hundert Weisheiten um das Leben zu meistern, Der neu-deutsche Antisemit, Ein nasser Hund) mit deutsch-iranisch-israelischen Background hat jetzt […]

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