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Vor einer zu großen Aufstiegs-Euphorie beim VfL Bochum ist zu warnen!

Thomas Reis. Foto: VfL Bochum 1848

Heute ist es endlich soweit! Der VfL Bochum hat am Nachmittag die besten Aussichten auf den Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs. Beim Gastspiel beim 1. FC Nürnberg kann der Revierklub nach elf Jahren Abstinenz die Rückkehr in die 1. Fußball-Bundesliga mit einem Sieg perfekt machen.

Nach dem jüngsten 5:1-Erfolg gegen Jahn Regensburg fehlen dem VfL nur noch zwei Punkte um eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Saison mit dem lang ersehnten Aufstieg zu krönen. Sollte es heute in Nürnberg nicht gelingen die erforderlichen Zähler einzufahren, der VfL bekäme am kommenden Wochenende daheim gegen Sandhausen die nächste Chance. Was soll da also noch schiefgehen?

Wer die Spielzeit 2020/21 des VfL Bochum in der 2. Liga intensiver verfolgt hat, der wird dabei festgestellt haben, dass die Leistungen der Mannschaft von der Castroper Straße selten glanzvoll waren. Der Unterhaltungswert dar bei den Spielen der Bochumer häufig eher überschaubar. Das mag auch der fehlenden Zuschauer in den Stadien geschuldet gewesen sein, aber sicherlich längst nicht nur.

Der VfL tat das, worauf es ankam: Er punktete regelmäßig. Das war es, was die Spiele von denen der Vorjahre in erster Linie unterschied. Dass es zudem in dieser Spielzeit keine echte Übermannschaft im Fußballunterhaus gab, kam dem VfL dabei zusätzlich zupass. Trotzdem gilt es die Leistungen und die Entwicklung der Bochumer Profikicker natürlich grundsätzlich zu loben und anzuerkennen.

Trainer Thomas Reis übernahm bei Antritt seiner Amtszeit im Jahre 2019 eine unterdurchschnittliche Mannschaft in der 2. Liga, die das Problem hatte, dass seit Jahren der Aufstieg von ihr erwartet wurde. Stets galt der VfL vor Saisonbeginn als ein Geheimfavorit auf eine Rückkehr ins Oberhaus, konnte diesen Ansprüchen dann aber nie wirklich gerecht werden, als es um die Wurst ging. Das zerrte an den Nerven aller. Wir erinnern uns an unzählige Unruhen im Verein und daraus resultierende Trainerwechsel.

Erst unter Coach Reis gelang es, das Umfeld zu beruhigen, die Mannschaft zusammenzuschweißen und in schöner Regelmäßigkeit erfolgreich Fußball zu spielen.

Jetzt steht der Klub, als Ergebnis dessen, also endlich vor der Rückkehr in die erste Liga, dorthin, wo sich viele in Bochum noch immer zugehörig fühlen. Doch die Rückkehr ins Oberhaus, könnte ein kurzzeitiges Abenteuer für die Bochumer werden.

Die wirtschaftlichen Kraftverhältnisse im Profifußball haben sich in den vergangenen Jahren deutlich auseinanderentwickelt. Die Gelegenheit auf einen langfristigen Aufenthalt unter den besten 18 Vereinen des Landes droht kurz auszufallen, wenn dem VfL im kommenden Jahr nicht eine Art sportliches Wunder gelingt.

Mit einem der kleinsten Etats der Liga wird die Herausforderung gigantisch werden, so viel steht schon vor dem offiziellen Aufstieg fest. Thomas Reis und seine Mitstreiter werden also auch im kommenden Jahr auf Tugenden wie Teamgeist und Kampfkraft setzen müssen. Dass das nicht von vorneherein aussichtslos ist, das haben in den vergangenen Jahren Mannschaften wie Freiburg und Mainz bewiesen, die inzwischen seit etlichen Jahren im Konzert der Großen mitmischen. Aber es gibt eben auch die diversen Negativbeispiele wie Eintracht Braunschweig, den SC Paderborn und auch Greuther Fürth, die einst auch jeweils mit sehr viel Euphorie aufstiegen, in der 1. Liga dann aber nicht viel zu bestellen hatten, am Ende direkt wieder abstiegen. Und das auch noch ziemlich sang und klanglos.

Die derzeitige Freude in Bochum ist also berechtigt und verständlich. Vor Übermut und zu viel Euphorie ist aber zu warnen. Die kommenden Monate werden sehr arbeitsreich und schwer an der Castroper Straße. Die zu erwartende Aufstiegseuphorie der kommenden Tage sollte den Blick darauf nicht verstellen. Das könnte sich sonst noch bitter rächen…

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