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Könnte der VfL Bochum den FC Schalke 04 in der 1. Bundesliga wirklich ersetzen?

Ruhrstadion Bochum (Foto: Roland W. Waniek)

Wow! Der VfL Bochum ist nach dem überraschend klaren 3:0-Erfolg im Westschlager gegen Fortuna Düsseldorf am Montagabend tatsächlich Tabellenführer in der 2. Fußball-Bundesliga! Das hätten wohl vor Saisonbeginn nur die allergrößten VfL-Fanatiker so erwartet.

Acht Spieltage vor Saisonende hat die Elf von Trainer Thomas Reis damit eine sehr gute Chance die Rückkehr ins Fußballoberhaus in diesem Sommer endlich Realität werden zu lassen. Logisch, dass die Stimmung rund um die Castroper Straße in Bochum aktuell so gut ist, wie schon lange nicht mehr.

Ganz anders bekanntlich die Lage auf Schalke. Eine Horrormeldung jagt dort die nächste. Tabellenletzter in der 1. Liga, Führungschaos und Finanzkrise. Vieles deutet darauf hin, dass die Gelsenkirchener sportlich so schnell nicht mehr im Oberhaus mitmischen werden dürfen.

Bochum steigt auf, Schalke im Gegenzug ab. Klingt für den neutralen Beobachter noch immer irgendwie surreal. Und doch deutet aktuell viel, ja fast alles, in diese Richtung. Stellt sich also die grundsätzliche Frage: Wäre der VfL Bochum in der 1. Liga aus Ruhrgebiets- und Ligasicht ein adäquater Ersatz für S04?

Auch ich persönlich muss an dieser Stelle einmal öffentlich einräumen, dass ich mich in der Einschätzung der Aufstiegschancen der Bochumer lange Zeit getäuscht habe. Zunächst einmal sah ich schon die Untervertragnahme von Coach Thomas Reis als Nachfolger von Robin Dutt seinerzeit recht kritisch. Und als regelmäßiger Zuschauer bei den Spielen des VfL habe ich in diesen auch lange nicht das Potenzial für einen Aufstieg in Liga 1 erkannt.

Thomas Reis hat sich jedoch als akribischer Arbeiter herausgestellt, hat die Bochumer seit seinem Amtsantritt kontinuierlich verbessert, aus der Mannschaft inzwischen eine Einheit gemacht. Der Auftritt am Montag in Düsseldorf war dabei typisch für den aktuellen VfL.

Fußballerisch sind die Auftritte nicht immer die schönsten, aber das Team punktet regelmäßig, ist auch mit dem notwendigen Glück im Bunde. Den Bochumern kommt zudem zupass, dass es in der 2. Liga aktuell keine wirkliche Übermannschaft gibt. Vorbei sind die Zeiten, wo die Bundesligaabsteiger auch direkt ein quasi gebuchtes Rückkehrticket ins Oberhaus in der Tasche haben.

Wer sich die Tabellenspitze der 2. Liga anschaut, der sieht, dass es dort aktuell keine Mannschaft gibt, der ein Aufstiegsplatz quasi von vorneherein sicher schien. In diese Lücke könnte nun der VfL springen. Das wäre für den Klub natürlich eine Riesengeschichte. Endlich bekäme man die Chance die in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den Klubs aus Dortmund und Schalke zumindest ein Stück weit wieder zu schließen. Von der Augenhöhe, auf der man sich in den 80er und 90er-Jahren noch häufig befand, kann ja schon lange keine Rede mehr sein.

Jetzt bietet sich urplötzlich die Möglichkeit sogar, zumindest tabellarisch, vor die Gelsenkirchener zu springen. Kaum zu fassen. Doch was würde das für die Hackordnung im Ruhrgebietsfußball und/oder die nationale Fußballlandschaft bedeuten?

Nun, dass der VfL längst nicht die Strahlkraft der beiden großen Nachbarn besitzt, das können wir hier im Blog schon alleine an den Zugriffszahlen auf unsere Artikel feststellen. Texte über den BVB, die Schalker oder die Nationalmannschaft laufen im Regelfall schon seit Jahren deutlich besser, als welche über die ‚kleinen‘ Ruhrgebietsvereine aus Bochum oder auch Duisburg. Von Oberhausen oder Essen an dieser Stelle einmal ganz zu schweigen.

Die Kommerzialisierung des modernen Fußballs macht sich hier inzwischen immens bemerkbar. Logisch daher auch, dass die Bochumer die Königsblauen im kommenden Jahr niemals eins zu eins ersetzen könnten. Zumindest eben noch nicht auf Anhieb. Es wird alleine Jahre dauern, bis Bochum wieder eine feste Größe der 1. Fußball-Bundesliga wäre.

Der VfL ist, auch wenn das in Bochum aktuell keiner gerne lesen mag, inzwischen halt nur noch eine vergleichsweise kleine Nummer im deutschen Fußball. In Sachen Zuschauerinteresse, Fanbasis, Umsatz usw. kann Bochum den Schalkern nicht ansatzweise (mehr) das Wasser reichen. Nur auf dem Fußballplatz, da scheint der einst riesige Vorsprung der Knappen gerade irgendwie verschwunden zu sein.

Der sich abzeichnende Abgang der Schalker aus dem Kreise der nationalen Top-Klubs, er wird/würde eine vom VfL Bochum auf allen anderen ebenen jedoch erst einmal über Jahre hinweg nicht zu schließende Lücke reißen… Ob einem das nun gefällt, oder nicht.

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7 Kommentare zu “Könnte der VfL Bochum den FC Schalke 04 in der 1. Bundesliga wirklich ersetzen?

  • #1
    Emscher-Lippizianer

    Die Titelfrage kann man thematisch aufteilen:

    Sportlicher Ersatz:
    Wenn Bochum aufsteigt und Schalke mindestens eine Liga absteigt, so ist die Frage für den Augenblick mit "Ja" zu beantworten.

    Finanziell:
    Schalke schafft es -bisher- anscheinend immer wieder noch Geld aufzutreiben. Ob es in Liga zwei bis vier auch noch gelingt, sei dahingestellt. Inwieweit Bochum mit den Kosten für die Liga eins zurechtkommt, muß sich zeigen. Daher würde ich die Frage mit "Weiß nicht" beantworten.

    Abseitige Kasperletheater:
    Hier wird der VfL nie an Schalke heranreichen.

    Fansympathien:
    Auch hier wird Bochum den Schalkern nicht das Wasser reichen können.

    Attraktivität für den Gegner:
    Die sportliche Attraktivität der Schalker ist lange hin. Es bleibt ein einstmals großer Name und die Freude über die bereitwillig angelieferten drei Punkte. Bei Bochum fehlt dem Namen die Größe.

    Als kampferisches Vorbild:
    Da beginnt ja mMn das Problem des S04. Jeder gute Spieler der dorthin gekommen ist, hat das Fußballspielen verlernt und den Einsatz auf knapp über Null gefahren. Als ob man als Malocher in der Fabrik Schläge angedroht bekommt, wenn man den Akkord kaputt macht. Nach dem Wechsel zu einem zivilisierten Verein klappt es dann auch wieder mit dem Fußball (z.B. Rakitic). Ansonsten war die Mentalität wie bei Spielen gegen den FC Köln: "Oh, wir liegen in der fünften Minute mit einem Tor in Rückstand. Das werden wir verlieren."

    Weitere Nennung möglich…

  • #2
    Roland Mitschke

    Auch im Fußball gilt, dass niemand unersetzlich ist. Richtig ist, dass der VfL bei den Schlagzeilen weniger häufig erscheint. Gut, dass dem VfL viele Schalke-Schlagzeilen erspart geblieben sind. An der Castroper Straße wird mit knappen Mitteln gute, solide Arbeit abgeliefert. Das Ergebnis spiegelt sich in der Tabelle der 2. Liga. Den Gelsenkirchener Nachbarn kann vielleicht die Bochumer Bescheidenheit, Seriösität und Solidität beispielhaft sein. Beide Vereine haben ja schon etliche Derbys in der 1. Liga absolviert. Warum nicht wieder?

  • #3
    Emscher-Lippizianer

    @Roland Mitschke #2
    Wenn Schalke nicht so grottig in der ersten Liga spielen würde und Bochum etwas schlechter in der zweiten Liga, dann wäre eine Relegation sicher das ultimative Derby.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Roland Mitschke: "Beide Vereine haben ja schon etliche Derbys in der 1. Liga absolviert. Warum nicht wieder?" Weil Schalke absteigt und pleite ist? 😉

  • #5
    Bochumer

    Es kann gar nicht das Ziel sein, Sx4 zu ersetzen.

    Da der HSV einen der beiden Aufstiegsplätze sicher hat und Kiel zwei Spiele weniger, ist der Kuchen vom Aufstieg noch lange nicht gegessen.

    In der zweiten Liga kann jeder jeden schlagen – und tut das auch. Deswegen ist eine schnelle Rückkehr der Schalker natürlich möglich – aber nur eine von mehreren Optionen. Ein kurzer Blick nach Lautern reicht da, um die Laune zu verbessern.

    Aber der Fußball in der Mentalitätsliga 2 macht Spaß. Die Spiele sind spannend, überraschend und es steht nicht schon fest, wer dieses Jahr Meister wird… und Nächstes und Übernächstes… und im Jahr darauf… Gähn. Der Anteil der Plastikclubs ist erfreulich gering und die Spieler noch oder nicht mehr so überheblich. Eigentlich ganz schön in der zweiten Liga für Fußballromantiker…

  • #6
    MarS

    Ich denke, niemand in Bochum denkt ernsthaft daran, S08 überflügeln zu wollen. Der VfL besticht durch seriöse, durchdachte Arbeit in allen Bereichen, davon ist man in Ückendorf Lichtjahre entfernt. Der VfL sollte weiter so arbeiten wie bisher, sollte es tatsächlich mit dem lang ersehnten Aufstieg klappen, wird es noch schwer genug, die Mannschaft entsprechend erstligareif anzupassen, um nicht gleich wieder zu scheitern. S08 ist S08 und der VfL ist der VfL, er kann mit seinem Scharm und dem Hauch von altehrwürdiger Fussballromantik durch das Stadion punkten. Hier zählt das Herz und nicht das große Geld und daran wird sich auch nichts ändern. Und kein echter Bochumer will so ein Chaos wie in Ückendorf.

  • #7
    Christian K.

    Selten habe ich einen Artikel mit so einer schlechten Überschrift über meinen VfL gelesen. Wer kommt auf so eine absurde Idee, beide Vereine miteinander zu vergleichen? Es ist eine Beleidígung für jeden Bochumfan – und das in jeder Hinsicht!
    Ein Aufsteiger ersetzt doch keinen anderen Verein. Seit Jahren wird in Bochum vernünftig gearbeitet, jeder Euro an Ausgaben wird gut überlegt. Viele Traditionsvereine sind im Laufe der Zeit in den Niederungen der 3. oder 4. Liga verschwunden, weil die Spirale unter den heutigen Bedingungen eher nach unten geht. Daher ist es gerade in Bundesligazeiten von Leipzig oder Hoffenheim umso schöner, wenn sogenannte kleine Vereine wie in diesem Jahr nach oben kommen können. Da stellt sich für einen Fan überhaupt nicht die Frage, ob man nun einen krisengeschüttelten und verschuldeten Verein ersetzt. Oder geht es dem neutralen Zuschauer etwa um den fehlenden Unterhaltungswert? Keine Sorge, dieser muss auch nicht ersetzt werden. Das schafft Schalke, sollte es denn so kommen, in der 2. Liga sicherlich wieder ganz alleine.

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