Wir gewöhnen uns an den Terror

Fahndungsfoto der schwedischen Polizei

Nach dem islamistischen Anschlag gestern in Stockholm blieb es in den Sozialen Medien, wie auch nach  London, relativ ruhig. Die Zeiten sind vorbei, als viele „Je suis Paris“ posteten. Die westlichen Gesellschaften haben sich an den Terror gewöhnt, die Anschläge gehören mittlerweile zum Alltag.  Das kann man bedauern, aber man sollte es nicht tun: Der Westen, postheroisch und überaltert, behält die Nerven und lässt sich nicht einschüchtern. Alles, was die Islamische Staat (IS) mit diesen Anschlägen erreichen wollte, ist nicht eingetreten: Es gibt keine Ausschreitungen gegen Muslime, die Verhältnisse sind fast überall stabil, die Gesellschaften lassen sich nicht spalten. Und die Militäraktionen gegen den  IS gehen erfolgreich weiter: Mossul steht vor dem Fall, die IS-Hauptstadt Rakka ist eingeschlossen.  Was nach wie vor fehlt, ist eine realistische Idee zur Befriedung und Demokratisierung des Nahen-Ostens und solange das so ist, wird der Krieg auch hier weiter gehen. Erst wenn dort demokratische und stabile Staaten entstanden sind, wird es Frieden geben.

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Walter Stach
Walter Stach
5 Jahre zuvor

"Wir gewöhnen uns….."

1.
Der Verdrängungsmechanismus funktioniert . Wenn das nicht so wäre, könnte das tägliche Leben (Überleben) für viele Menschen nur schwer zu ertragen sein
Ich schließe trotzdem nicht aus, daß die zum Alltag in Europa gehörenden Terroranschläge "unbewußt" menschliches Bewußtsein und menschliches Verhalten verändern
könnte, nicht nur wenn es um Freiheit versus Sicherheit geht.

2.
Ich kann -leider – nicht erkennen, wie "man" solche Terroranschläge radikal-fanatischer Islamisten gänzlich vermeiden könnte.

Selbst wenn der sog. IS militärisch besiegt sein würde und es ausgeschlossen werden könnte, daß er als IS oder unter einem anderen Namen sich in anderen als den bisher bekannten etablierrt -z.B. mehr und mehr in Afrika und in Südost-Asien-, blieben die vielen, vielen jungen radikal-fanatischen Islamisten, die in Eurpa leben und die jederzeit -auch ohne Fremdsteuerung bereit und in der Lage sein können, mit einfach zu beschaffenden Mitteln Terroranschläge auszuüben. Kurz- bzw. mittelfristig gibt es m.E. keine sichere Garantie dafür, daß diesen potentiellen Terroristen, die "unter uns leben" beizukommen ist.

ke
ke
5 Jahre zuvor

Nein, ich gewöhne mich nicht an diese Terror-Taten und kann es auch nicht nachvollziehen, wie bspw. in NRW mit Gefährdern umgegangen wird. Schon gar nicht, dass ein Eintragen toll sein soll.

Wir akzeptieren, dass Menschen ihr Land verlassen, weil es dort unsicher ist, d.h. weil dort bspw. Selbstmordattentate stattfinden. Gleichzeitig bleiben wir hier ruhig, wenn diese Taten auch hier passieren?

So ein Verhalten ist doch nicht nachvollziehbar.

Ich möchte nicht im selbst gemacht Gefängnis leben, wie bspw. viele Menschen in Südafrika, um mich vor Kriminellen und Wahnsinnigen zu schützen. Für Sicherheit hat der Staat zu sorgen. Dabei muss er auch handeln und nicht nur zuschauen.

Die Frage ist, wann werden Menschen hier das Land verlassen, weil die Sicherheit nicht gewährleistet ist. Kriminalität inkl. Bandenschießereien in bestimmten Vierteln kann man vermeiden. Wahnsinnige Terroristen, die gezielt einfach nur viele Menschen töten wollen, nicht. Hier müssen unsere Sicherheitsbehörden stärker aktiv werden.

Hierbei zeigt es sich, dass die unkontrollierten Grenzen und wohl immer noch fehlenden Möglichkeiten zur Identifizierung von Menschen in der EU ihre Konsequenzen haben.

BTW: Ja, ich weiß auch, dass jede Aktion bspw. gegen Krankenhauskeime weit mehr Menschen retten würden als Blitz-Aktionen oder die zusätzlichen Aktivitäten im Bereich Totalüberwachung.

Gerd
Gerd
5 Jahre zuvor

"Alles, was die Islamische Staat (IS) mit diesen Anschlägen erreichen wollte, ist nicht eingetreten: Es gibt keine Ausschreitungen gegen Muslime,…"

Ganz im Gegenteil. Der Islamische Staat hat sein Ziel erreicht. Vier Ungläubige weniger! Ob, wie und welche bürgerlichen Freiheiten wir einschränken und wie wir es mit dem Islam halten, ist dem IS wurscht. Solange die uns nicht beherrschen, sind wir zu Abschuss bzw Überfahren frei gegeben.

Jürgen Seeger
Jürgen Seeger
5 Jahre zuvor

Dem islamistischen Terror sind erst dann seine Grundlagen entzogen, wenn auch der Islam – wie die anderen monotheistischen Religionen – durch die Aufklärung weitgehend domestiziert worden ist. Kaum voraussagbar, wann das der Fall sein wird. Bis dahin plädiere ich für Distanz und Containment.

Arnold Voss
5 Jahre zuvor

Ich will es nicht an die Wand malen. Aber ich weiß nicht ob alle noch so cool bleiben, wenn sich die Frequenz erhöht. Und ob dann nicht wieder Helden gefragt sind. Hoffen wir, dass es nicht so kommt. Mögliche Täter gibt es nämlich genug.

Martin Gohr
Martin Gohr
5 Jahre zuvor

In Paris starben viel mehr Menschen (Angriff auf Disco), bzw wurden Menschen gezielt getötet (Redaktion von charlie hebdo). Es ist schon was anderes, wenn einer willkürlich tötet. Das ist in meinen Augen dann ein Irrer. Das ist genauso schrecklich wie ein "normaler" Autounfall. Davon gibt's viel mehr und da tut auch keiner was gegen.

ke
ke
5 Jahre zuvor

Zwischen einem Auto-Unfall und einem Terroranschlag mit mehreren Opfern gibt es einen gewaltigen Unterschied.

Wenn eine Gesellschaft sich an Terror gewöhnt, d.h. an Menschen, die nur darauf hinarbeiten andere Menschen zu töten, hat sie verloren. Hier muss der Staat eingreifen. Auch wenn zurzeit der Meldung ein schöner Sommertag ist.

himynameis
himynameis
5 Jahre zuvor

Ob der Artikel den ägyptischen Christen Trost und Orientierung bieten könnte? Es sind zwar mal wieder viele ermordet worden heute, aber vermutlich nur (s. o.), weil sie gegen Muslime aufgehetzt werden sollten und nicht, weil ihr Leben und ihr Glauben einer immer weiter wachsenden Zahl von Menschen so sehr missfällt, dass als einzige Optionen Konversion oder Emigration gegeben werden sollen.

Ich weiß, dass wir die ¯\_(ツ)_/¯-Gesellschaft sind, aber als Antworten auf islamistischen Terror nur "Wir lassen uns nicht spalten!", "Die Erde dreht sich weiter!" und "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit." zu haben, ist mir zu wenig.

Walter Stach
Walter Stach
5 Jahre zuvor

1.
"Man gewöhnt sich…."

Ja, "man" gewöhnt sich daran, daß tagtäglich tausende Kinder weltweit verhungern.
Ja "man" gewöhnt sich daran, daß akut rd. 2o Mio (!!) Menschen im Jemen, in Somalia, in Nigeria, im Südsudan unmittelbar vom Hungertod bedroht sind.

Ist es zynisch, wenn ich danach frage, warum hier keine Empörung, kein Entsetzen wahrzunehmen ist -auch nicht in Deutschland- und warum hier nicht vehement , z.B. durch die Zivilgesellschaft in Deutschland- eine Problemlösung durch die internationale Staatgengemeinschaft verlangt und zu erzwingen versucht wird, und das im Gegensatz zum Entsetzen,zur Empörung und zum weltweitem Ruf nach einer unverzüglichen Lösung des Gesamtproblems eines weltweit agierenden gewaltbereitenden Islamismus, obwohl die durch ihn verschuldete Tötung von Menschen relativ gering ist?
Kann das damit zu tun haben, daß das Empörtsein und daß das Entsetzen und daß das Verlangen nach Problemlösungen angesichts toter Menschen u.a. -nicht nur- voraussetzt, daß man medial -überall und ggfls. tagtäglich- mit den Getöten konfrontiert wird – mit schrecklichen, mit erschreckenden Bildern- und immer wieder und immer auf's Neue medial angehalten wird, über die Ursachen dieser Tötungen , über Schuld und Schuldige sowie über Problemlösungen nachzudenken und zugleich dazu verleitet wird, einfache Antworten zu finden und oftmals dann relativ schnell zu solchen kommt, die in das Schema der eigenen Vorurteile passen?

2.
2.1
IS…….
Nach wie vor gibt es kein internationales Bündnis, dessen einziger Zweck darin besteht, weltweit Terrorakte seitens radikal-fanatischer Islamisten mit allen Mitteln und Möglichkeiten präventiv und repressiv zu bekämpfen -einschließlich der Bekämpfung aller Organisationen, die unter Berufung auf den Islam Kriege/Bürgerkriege führen, u.a.bezogen auf den sog. IS.
Und für die Mitgliedschaft und für das Engagement in einem solchen Bündnis sollte ausschließlich bestimmend sein die Einigkeit im Kampf gegen des islamistischen Terror jeder Art, u.a. also auch gegen den IS bzw. gegen jede damit vergleichbare Organisation.
Ich habe hier bei den Ruhrbaronen schon mehrfach gefragt, warum es zu einer solchen Organisation noch nicht gekommen ist -mit den USA, mit China, mit Russland, mit Indien, mit der EU usw.
2,2
Konkret nachvollziehen kann ich u.a. nicht, warum es weltweit nicht gelingt, die Werbung radikal-fanatischer Islamisten -u.a. via Internet- für ihre Ideen und für neue Kämpfer zu verhindern . Konkret nachvollziehen kann ich zudem nicht, warum nicht gegenüber Saudi-Arabien als Unterstützerland eines weltweit gewaltsam agierenden radikalen Islamismus durch die internationalen Staatengemeinschaft, besser wohl konkret durch die USA und durch die EU, " Position bezogen wird" statt weiterhin an dieses Land Waffen zu liefern und beste wirtschaftliche Beziehungen zu hegen und zu pflegen -Letzteres offenkundig auch im privaten Interesses Trumps.

Mir scheint, daß es nach wie vor weltweit an dem unbedingten Willen, an einer radikalen Entschlossenheit fehlt, wenn es um die Bekämpfung des gewaltbereiten radikal-fanatischen Islamismus geht, wenn es darum zu gehen hat, Terroranschläge radikal-fanatischer Islamisten soweit menschenmöglich auszuschließen und wenn es darum geht, durch den IS oder vergleichbare Organisationen initiierte und geführte Kriege/Bürgerkriege zu verhindern oder im Kriegsfall den IS zu besiegen.

Was diesbezüglich weltweit, in Europa und in Deutschland bisher getan worden ist halte ich für absolut unbefriedigend. Es müßte und es könnte (!!) viel mehr getan werden -sh.Oben-.

ke
ke
5 Jahre zuvor

@9:
"Nur noch kurz die Welt retten"?
Das ist nicht so einfach. Wer soll es machen?

Ein guter Anfang ist immer, im eigenen Bereich anzufangen.

BTW Europa und D sind bei ein paar großen Hungersnöten aktiv:
http://www.dw.com/de/eu-will-hungersnot-abwenden/a-38313360

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