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Zum Kinostart von ‚Being Mario Götze‘: Ein exklusives Interview mit Filmemacher Aljoscha Pause

Am heutigen Donnerstag, den 18. Oktober 2018, startet ein Film in den Deutschen Kinos, der das Interesse der Fußballfans in diesem Lande ganz sicher auf sich ziehen wird. In ‚Being Mario Götze‘ widmet sich Filmemacher Aljoscha Pause, der in den letzten Jahren bereits mit den preisgekrönten Sport-Dokus ‚Tom meets Zizou‘ und ‚Trainer‘ für viel Aufsehen sorgte, der ins stocken geratenen Karriere von BVB-Star Mario Götze.

Ruhrbarone-Autor Robin Patzwaldt hat zum Kinostart seines neuesten Streifens ein exklusives Interview mit dem 46-jährigen Pause geführt, wird in den nächsten Tagen auch noch über die heutige Filmpremiere des Streifens in Köln separat berichten, sich dann auch dem Inhalt des Films näher widmen.

Heute möchten wir Euch durch das Interview mit dem Filmemacher zunächst einmal etwas Lust auf einen eigenen Besuch im Kino machen, das Film-Projekt etwas näher vorstellen und über die dazugehörigen Hintergründe informieren.

Ruhrbarone: Hallo, Aljoscha! Schön, dass Du dir etwas Zeit für uns nimmst. Wie kam es eigentlich zum Projekt ‚Being Mario Götze‘?

Pause: „Eigentlich steckte ich mitten in einem Dokumentarfilm-Projekt im Popmusik-Bereich. Ein ganz tolles Ding, aber nicht so aktualitätsgebunden.

Dann kam im September letzten Jahres DAZN auf mich zu, mit der Idee, eine Doku über Mario Götze zu machen. Ich fand das direkt sehr spannend.

Einfach weil diese Geschichte von Anfang an alles hatte, was ein interessanter Film braucht. Dieses Spannungsfeld zwischen dem großen Versprechen „Jahrhunderttalent“ und dem WM-Tor einerseits – und den Rückschlägen und Krisen andererseits. Außerdem fand ich, dass sich an Götzes Geschichte darüber hinaus eigentlich alle großen Fragen des Fußballs festmachen lassen. Die von Erwartungshaltung, Heldenverehrung und ultimativem Leistungsdenken genauso wie die von Kommerzialisierung und Medienzuspitzung. Das fand ich hoch interessant.

DAZN wollte unbedingt mich und hat mich mit Mario zusammen gebracht. Wir haben uns dann ein paar Mal getroffen und uns „beschnuppert“. Als ich merkte, dass ihm das mit dem Film ernst war, habe ich zugesagt.

Und Mario hat sich „Tom meets Zizou“ und „Trainer!“ angesehen. Daraufhin wollte er mit mir zusammen arbeiten.

Also haben wir losgelegt. Und mein Popmusik-Projekt hat ein paar Monate warten müssen.“

Ruhrbarone: Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?

Pause: „Ja, sehr. Ich finde, es hat sich wirklich gelohnt. Als ich Mario kennen gelernt habe, war ich überrascht, wie er sich als Privat-Mensch, ohne Öffentlichkeit und Kameras, von der Kunstfigur Mario Götze unterscheidet. Davon wollte ich etwas transportieren. Das war mir wichtig. Und ich finde es nach wie vor mutig und bemerkenswert, dass Mario das ermöglicht hat.“

Ruhrbarone: Was bedeutet Dir der Film?

Pause: „Mir bedeutet der Film viel, da ich daran anknüpfen und vertiefen konnte, was ich schon mit vorherigen Dokus erzählen wollte. Wie ticken die Menschen hinter den Fassaden der Glitzerwelt „Fußball“? Was macht es mit ihnen, permanent heroisiert, bejubelt, verklärt, abgestempelt, verurteilt oder angepöbelt – kurzum: bewertet zu werden? Letztendlich ist es ja so, dass wir doch alle, die Medien und die Öffentlichkeit generell, sehr stark dazu neigen, Menschen zu bewerten, zu be- oder verurteilen.

Warum machen wir das eigentlich? Es scheint da so ein psychologisches Grundbedürfnis zu geben. Obwohl wir – oder zumindest einige von uns – doch die alte Weisheit kennen, dass man über keinen urteilen sollte, in dessen Schuhen man nicht zumindest mal eine Weile gewandelt ist, fällt es uns schwer, immer angemessen, sachlich und differenziert zu bleiben. Und das bekommen die Stars natürlich massiver zu spüren als alle anderen. Zumal sich differenzierte Berichterstattung, wenn wir jetzt mal von den Medien sprechen, eben viel schwieriger verkauft, als dramatische Schwarz-/Weiss-Schlagzeilen. Was am schnellsten vergessen wird: dass hinter der Kunstfigur Mario Götze (und den anderen) eben auch nur ein ganz normaler Mensch steckt, der das alles aushalten muss – dazu man noch nicht mal übermäßig sensibel sein. Zu dieser Abstraktions- oder Empathie-Leistung sind viele „Urteilende“ leider nicht in der Lage. Natürlich versuche ich auch mit so einem Film, da gegen zu steuern, einfach mal zu zeigen, was IST – und eben nicht zu bewerten. Nur wird man natürlich mit einem Film auch nicht die Welt verändern. Auch wenn ja schon die Hoffnung besteht, dass die Leute zumindest in Bezug auf Mario Götze Ihr Bild ein wenig revidieren/ modifizieren – und womöglich etwas fairer urteilen als vorher.“

Ruhrbarone:  Der Film lief ja schon auf DAZN. Wie war die Resonanz?

Pause: „Auch in der Reaktion auf den Film spüre ich, dass die Medienfigur Mario Götze polarisiert. Einige sagen: Mensch, da hast Du mir ein Stück weit die Augen geöffnet, ich sehe Götze – und bestimmte Aspekte des Fußballs – jetzt anders.

Andere sagen: das ist auch nur eine Selbstdarstellungsmasche und wehren den Film eher ab. Sie bleiben lieber in dem Modus von Bewertung und Urteil, anstatt sich auf das Nachempfinden, das Menschliche einzulassen.

Aber glücklicherweise ist das positive Feedback deutlich in der Überzahl. Wir haben aus den unterschiedlichsten Richtungen ganz tolle Rezensionen erhalten.“

Ruhrbarone:  Was erwartest Du für Marios Zukunft?

Pause: „Also ich finde wirklich, dass es momentan eigentlich schon mehr als genug externe Kommentatoren und „Fußball-Weise“ gibt, die scheinbar ganz genau wissen, was exakt schief läuft und vor allem, was jetzt zu tun ist. Ich maße mir ehrlich gesagt kein Urteil darüber an, was für Mario jetzt das Beste ist. Sein Tor gegen Augsburg hat zumindest bestimmten Kritikern nochmal klar gemacht, dass man Götze nicht abschreiben sollte. Er hat es immer noch drauf. Natürlich müssen auch die Umstände stimmen – und wenn ihn Lucien Favre sechs Spiele lang nicht aufstellt, dann gerät man schnell in einen Teufelskreis. Es fehlt dann  die Spielpraxis, die Routine, die Leichtigkeit – und wenn man dann mal ran darf, soll es sofort alles perfekt laufen und man wird schon wieder gnadenlos beobachtet und beurteilt. Ich denke, Götze braucht vor allem wieder Normalität und Alltag. Und ich hoffe sehr, dass er das in Dortmund bekommt. Falls nicht, muss er vielleicht doch einmal erwägen, es im Ausland zu versuchen. Aber wie gesagt, das kann nur er alleine entscheiden. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass er nichts von seinen Fähigkeiten verloren hat.“

Ruhrbarone: Du hast ja auch schon andere tolle Fußball-Dokus gemacht. Ich erinnere nur einmal an Trainer und Tom meets Zizou. Welcher Film bedeutet Dir im Rückblick persönlich am meisten und warum?

Pause: „Das ist ein bisschen wie bei einem Vater und seinen Babys. Würde man eines hervorheben? Wohl kaum. Die Filme sind mir alle ans Herz gewachsen – und jeder ist mir auf seine Weise besonders wichtig. Filmerisch, also rein formal, habe ich mich sicher weiter entwickelt. Da ist „Being Mario Götze“ wohl die Beste dieser Dokus. Andererseits ist mir „Tom meets Zizou“ schon auch auf besondere Weise nahe. Einfach, weil diese Zeit so lang und so intensiv war. Und weil dieser Film und seine Entstehung auch tatsächlich ein großes Abenteuer waren. Darüber hinaus bin ich auch heute noch gut mit Thomas Broich befreundet. Das ist also etwas Spezielles. Andererseits war die Arbeit an „Tom meets Zizou“ auch zum Teil sehr schwierig. Aber wenn ich ehrlich bin, ist das ein Punkt, der alle diese Filme eint: wenn man heutzutage einen spannenden und besonderen Film aus der Fußballwelt erzählen möchte, dann muss man bereit sein, auch den einen oder anderen Stein aus dem Weg zu räumen.“

Ruhrbarone:  Hast Du schon neue Pläne?

Pause: „In Bezug auf den Fußball gibt es ein paar Ideen und Anfragen, da ist aber noch nichts spruchreif.“

Ruhrbarone: Womit geht es für Dich konkret weiter?

Pause: „Zunächst mal schließe ich gerade die eingangs erwähnte Popmusik-Doku ab. Das ist ein absolutes Herzensprojekt. Vielleicht ist das mein bester Film. Man könnte sagen, es ist eine Story wie „Tom meets Zizou“, nur eben im Musik-Business.“

Ruhrbarone: Danke, Aljoscha! Dann wünschen wir Dir heute einfach zunächst einmal einen erfolgreichen Kinostart von ‚Being Mario Götze‘ und natürlich auch viel Erfolg für Deine zukünftigen Projekte!

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Ein Kommentar zu “Zum Kinostart von ‚Being Mario Götze‘: Ein exklusives Interview mit Filmemacher Aljoscha Pause

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