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Was darf Comedy? Islamist erstattet Anzeige gegen Dieter Nuhr.

Nuhr

Quelle: Youtube

Erhat Toka von der Muslimisch Demokratischen Union hat Anzeige gegen den Komiker Dieter Nuhr erstattet und verlangt den Boykott seines Auftritts in Osnabrück. Der Vorwurf lautet »Beschimpfung von Religionsgemeinschaften«. Für diese Straftat sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

An der deutschen Comedy-Landschaft nimmt für gewöhnlich niemand ernsthaft Anstoß. Das Milieu der RTL-affinen Witzarbeiter übt sich zwar zumeist in trivialem Verbal-Slapstick unter der kulturellen Gürtellinie. Comedy gibt sich jedoch ansonsten betont unverfänglich. Das geschieht nicht unbedingt nur aus kommerziellem Interesse. Mit Ausnahme der Satiriker von Titanic und Heute Show ist der hiesige Comedian oft nur ein zotiger Duckmäuser. Hape Kerkeling bestätigte dies mit achtbarer Offenheit: »Ich würde und werde mich öffentlich mit dem Islam nicht beschäftigen. Aus Angst.«

Die ermüdende Behäbigkeit der Mario Barths, Atze Schröders und Kaya Yanars hat zuletzt Dieter Nuhr durchbrochen. Bei seinen Auftritten witzelt er über die Tötungsaufrufe des Korans und die Stellung der Frau im Islam. Er verspottet die Terroristen von Al Quaida und die drakonischen Körperstrafen der Scharia. Damit war absehbar, dass Nuhr irgendwann einholen musste, was spätestens seit den gewaltsamen Ausschreitungen nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen Kurt Westergaards offensichtlich ist: Wenn es um den radikalen Islam geht, wird Humor schnell zu einem sehr ernsten Thema.

Statt brennender Botschaften und Mordaufrufen erwartet Nuhr jedoch vorerst nur ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Die Anzeige erstattete Erhat Toka, der von 2003 bis 2008 für die Öffentlichkeitsarbeit in der Milli Görüs Moschee in Lengerich zuständig war und am 11. September 2011 mit einer Muslimisch Demokratischen Union zu den Osnabrücker Kommunalwahlen antrat. Tokans Islam-Partei geriet im August 2012 zeitweise in das Visier des Verfassungsschutzes, nachdem Toka auf deren Homepage eine Fatwa veröffentlicht hatte, in der die Demokratie als islamfeindliche „Vielgötterei“ bezeichnet wurde. Im Juli 2014 organisierte Toka eine pro-palästinensische Demonstration in Osnabrück, bei der es zu gewalttätigen Übergriffen gegen pro-israelische Gegendemonstranten kam, die von „Kindermörder Israel!“-Rufen begleitet wurden.

Toka begründete die Strafanzeige im „Exklusivinterview“ mit der Neuen Osnabrücker Zeitung und forderte beiläufig zum Boykott eines Auftritts von Nuhr in Osnabrück auf. Er ist der Ansicht, bei „Nu(h)r Lügen“, so der Name des Programms, handele es sich um „blöde, dumme Hetze“ gegen die Minderheit der Muslime in Deutschland, die den Deckmantel des Humors missbrauche.

Die Staatsanwaltschaft wird beantragen, das Hauptverfahren vor dem Strafrichter am Amtsgericht zu eröffnen, wenn sie den hinreichenden Tatverdacht einer Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften oder Weltanschauungsvereinigungen bejaht. Die praktische Bedeutung des § 166 StGB ist jedoch äußerst gering. Jährlich kommt es zu nur ca. 15 Verurteilungen.

Auch wird die Schutzrichtung des § 166 StGB vielfach missverstanden. Die Gotteslästerung im Sinne einer „Beleidigung Gottes“ ist nicht strafbar. Auch das religiöse Empfinden der Gläubigen ist nicht Schutzgut von § 166 StGB:

»Der säkulare Rechtsstaat hat nicht die Berechtigung, Strafen nach Maßgabe subjektiver Glaubensinhalte und individueller Empörung zu verhängen« (vgl. Fischer, Thomas, Schwarz, Otto, Dreher, Eduard, Tröndle, Herbert: Strafgesetzbuch und Nebengesetze. 60. Auflage. München: Beck, 2013, § 166, Rn. 2).

Dennoch wird die Staatsanwaltschaft prüfen, ob Nuhr die Religionsgemeinschaft oder das Bekenntnis der Muslime beschimpft hat. Eine Beschimpfung wird nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als eine besonders gravierende und herabsetzende Äußerung definiert. Eine scharf vorgetragene Kritik allein erfüllt diesen Tatbestand allerdings nicht. Und da Nuhr seine Kritik am Islamismus durch Humor transportiert, wird die Staatsanwaltschaft abwägen müssen, ob sein Spott eine aggressive Tendenz aufweist.

Wenn die Staatsanwaltschaft Beschimpfungen erkennt, muss sie entscheiden, ob Nuhrs Comedy auch geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Dazu wird sie nicht nur abwägen, wie intensiv die Beschimpfungen sind. Die Eignung zur Störung des öffentlichen Friedens hängt davon ab, ob Gewalttätigkeiten gegen oder durch die Beschimpften zu erwarten sind. Auch gilt es, die Gefahr einzuschätzen, ob Dritte die Beschimpfungen aufgreifen und wiederholen werden.

Zuletzt ist eine schwerwiegende Einzelfallabwägung vorzunehmen. Wiegt der Wert der Kunstfreiheit für die offene Gesellschaft hier schwerer als eine „auf die personale Würde gegründete, gesellschaftliche Kommunikation“ (ebd.)? Mit anderen Worten: Die Staatsanwaltschaft muss beurteilen, wieviel Comedy in einem angespannten, gesellschaftlichen Klima erlaubt ist.

Während in einer Amtsstube der Staatsanwaltschaft die Antwort auf eine große Frage der Gegenwart gesucht wird, begegnet Nuhr der Anzeige mit Humor:

nuhr 1

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32 Kommentare zu “Was darf Comedy? Islamist erstattet Anzeige gegen Dieter Nuhr.

  • #1
    Arnold Voss

    Ich kenne die entsprechenden Ausschnitte aus seinem Programm. Wer ihn deswegen vor den Kadi zerren will, der tut dem Islam in Deutschland keinen Gefallen, denn der Schuss geht garantiert nach hinten los.

  • #2
    der, der auszog

    Ein Teil meiner türkischen Mitbürger geht mir derzeit gehörig auf den Sack. Wie groß dieser Teil ist, kann ich beim besten Willen nicht beurteilen. Ich hoffe, er ist verhältnismäßig klein, befürchte allerdings, dass ich mit dieser Hoffnung falsch liege.

    Wen meine ich:
    Da sind zum einen die Salafisten, die hier missionieren und ISIS Kämpfer rekrutieren.
    Da ist zum anderen der Zentralrat der Muslime, dem man erst wochenlang in den Hintern treten muss, bis er bereit ist, die Gewalt von ISIS und die hier agierenden Salafisten zu verurteilen.
    Das sind zum dritten Organisationen wie Millî Görüş, die sich tatsächlich einbilden, die multikulturelle und offene deutsche Gesellschaft müsste sich ihren religiösen Vorstellungen anpassen. Wenn Erhat Toka der Meinung ist, der Humor deutscher Komiker kratze an seinen religiösen Befindlichkeiten, dann stellt sich die Frage, wieso er nicht zurück in die Türkei geht oder in ein vergleichbares Land, in dem Kritiker des Islams nicht sonderlich viel zu lachen haben. Niemand zwingt Erhat Toka hier zu leben.

  • #3
    Hank

    Humor und Selbstironie gehören nicht zum Repertoire des gemeinen Fanatiker bzw. Extremisten. So ist das wenn man zum Lachen in den Folterkeller gehen muss.

  • #4
    Helmut Junge

    Falls Dieter Nuhr das wiedergibt, was täglich in den Medien zu sehen, bzw. zu lesen ist, frage ich mich, was ihn besonders auszeichnet, und was bei ihm strafbar sein könnte, aber bei den Medienberichtern nicht. Wenn der Vorwurf gegen ihn aber sein sollte, daß er den Islam mit dem Islamismus verwechselt hat, muß die arme Staatsanwaltschaft definieren, wo die Grenze zwischen Islam und Islamismus liegt.
    Das aber geht dann mit Sicherheit in die nächste Instanz. Schließlich müßte dann, wenn der Unterschied definiert wäre, letztlich immer noch geklärt werden, ob Nuhr diese Grenze überschritten hat, und ob er sich irren durfte. Denn um zu erkennen, daß es diesen Unterschied gibt, müßten doch diejenigen, die diesen anderen, toleranten Islam vertreten, sich öffentlich so deutlich positionieren, daß auch Dieter Nuhr sie wahrzunehmen hätte und es als Absicht einzustufen wäre, sie zu ignorieren. Eigentlich unlösbar dieser Fall, wenn es jemals einer würde. Zur Zeit gibt es auch nur die Anzeige einer Privatperson.

  • #5
    Arnold Voss

    Bin gespannt was die anderen deutschen Religionsgemeinschaften zu dieser Klage gegen Dieter Nuhr sagen. Was die sogenannten religiösen Gefühle und ihre angebliche Beleidigung betrifft, bildet sich schnell eine gemeinsame Front auch zwischen denen, die sich ansonsten nicht sonderlich grün sind, ja sich zuweilen sogar bis aufs Messer bekämpfen.

  • #6
    Emil

    @der, der auszog:

    Gehe da zum Teil dakor mit. Aber mir gehen auch weiterhin die Leute auf den Sack die solche Kommentare schreiben.
    Ich meine „dann soll er halt dahin gehen wo….“ und dann? Haben Wir hier wieder ruhr und können uns in den Kommentarspalten und am Tresen über die, die woanders leben aufregen weil die so zurückgeblieben sind? Unabhängig davon bezweifel ich das es die Türken sind welche alle Salafisten etc. sind da gibt es genug andere Menschen aus div. Kulturen und Nationen, unabhängig davon gilt es zubeachten das es sich bei, sicherlich, vielen schlicht um Deutsche mit Migrationshintergrund handelt.
    Millî Görüş war schon immer scheisse weil es eine reaktionäre Vereinigung ist. Das ist ja keine neue erkenntnis.
    Und dahin gehend ist es doch erfreulich das der Zentralrat sich hat in den Arsch treten lassen.

    Die Deutschen brauchen auch bis heute um mit bestimmte Dingen die mal passiert sind klar zu kommen und hin und wieder muss man ebend diese auch in den Arsch treten.

    Was passieren muss ist über Religion aufzuklären und zwar nicht in „HoGeSa“-manier sondern mit einer praktischen Theorie die aufzeigt wie regresiv Religion ist aber mit dem Blick darauf das diese doch „Heilbar“ ist…

    Für deustche Comedian interessiere ich mich leider gar nicht, vor allem für das was diese Sagen bzw. wie diese versuchen Leute auf billigem Niveau zum lachen zu bringen. Der Text oben trifft es dahingehend mit dem RTL satz ganz gut. Nuhr soll sich freuen das ihn nun ein paar Leute mehr aufmerksamkeit schenken, bis es dann doch niemanden mehr interessiert. Der Herr Toka soll ausm Keller kommen und sich nicht so wichtig nehmen, vllt. hilft dabei ein Blick auf den Kalender und das Jahr welches wir schreiben…

  • #7
    der, der auszog

    @Arnold

    wenn ich Julius Hagen richtig verstanden habe, dann gehört der Kläger Erhat Toka dem Verein Millî Görüş an. Dieser Verein steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und wird dort als antidemokratisch eingestuft. Millî Görüş gibt es weltweit und in seinem Herkunftsland Türkei macht er immer wieder gerne gegen die Trennung von Staat und Kirche mobil.

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich deutsche Religionsgemeinschaften dieser Angelegenheit in irgendeiner Form annehmen, geschweige denn eine gemeinsame Front bilden werden.

  • #8
    Arnold Voss

    Fast parallel zur KLage gegen Nuhr ist vor ein paar Tagen folgender kommentierter Zusammenschnitt seiner Aussagen/Auftritte bei You-Tube veröffentlicht worden:

    https://www.youtube.com/watch?v=2AaVixOXc_I

    An den Kommentaren kann man gut studieren wie satirische Religionskritik zur Islamophobie umgedeutet und Dieter Nuhr zum Islamhasser abgestempelt wird.

  • #9
    keineEigenverantwortung

    Wir wollen hoffen, dass unsere Staatsanwaltschaften/Gerichte nicht wieder das Mittelalter einführen.

    Anhänger von Religionen haben es oft schwer, wenn sie auf Atheisten, Wissenschaftler oder Menschen, die sich mit der Umwelt auseinander setzen, treffen.
    Das müssen sie in Europa aushalten können. Hier gibt es einfach einige Menschen, die bspw. nicht daran glauben, dass die Welt in ein paar Tagen geschaffen wurden. Auch Interna von Religionsgemeinschaften dürfen angesprochen werden. Limburg war Hauptbestandteil aller Nachrichten-, Comedy-Sendungen.

    Satire darf alles und die heutigen Zustände ohne wirklich Verantwortliche lassen sich nur in der Komödie darstellen. Es ist gut, dass es diese Aufgabe von wenigen Künstlern wahrgenommen wird. Leider machen dies zu wenige.

    Künstler können auch dazu beitragen, dass bspw. die Attraktivität des Terror-Kämpfers nachlässt. Es bleibt zu hoffen, dass Herr Nuhr Unterstützung aus dem Kreis der Kollegen und auch aus der Politik erhält.

    Kunst und Satire muss Freiheiten haben. Diese erhält sie bisher auch vor den Gerichten. Es bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt. Auch die Katholiken müssen weiterhin viel aushalten. Vielleicht hilft es ja dabei, dass auch die katholische Kirche erkennt, dass Gott auch homosexuelle Menschen erschaffen hat.

    Wenn einige Gemeinschaften unter dem Deckmantel der Religion gegen Grundsäulen der demokratischen Gesellschaft kämpfen, muss dies angesprochen werden können.
    Hier gibt es Gleichberechtigung, Wahlen, Freiheit der Religion, …
    Viele dieser Rechte wurde über einen langen Prozess erkämpft. Wir sollten sie nicht leichtfertig opfern.

  • #10
    AlNitaq

    @#6 Emil 25. Oktober 2014 um 12:43

    >>_“[…]
    Der Herr Toka soll ausm Keller kommen und sich nicht so wichtig nehmen, vllt. hilft dabei ein Blick auf den Kalender und das Jahr welches wir schreiben…“

    Er schreibt ein anderes, aktuell glaube ich 1436.
    Aber man holt mit Riesenschritten auf: Da das islamische Jahr schneller vergeht, wird man uns irgendwann im 21. Jahrtausend sogar überholen.
    >;-)

  • #11
    Julius Hagen Beitragsautor

    Liebe Vollidioten,

    wir schalten in der Kommentarspalte keine neurechte Kulturkampf-Propaganda frei. Wenn ihr nicht anders könnt: Bitte vergnügt euch mit den anderen Wirrköpfen in den Kommentarspalten von pi-news. Hier ist jedenfalls kein Platz für euch. Bei den Ruhrbaronen diskutieren Erwachsene unter sich. Wir sprechen über euch, nicht mit euch.

    Gruß
    Julius

  • #12
    Nansy

    Dieter Nuhr verbindet Kabarett und Comedy und hat 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett erhalten. Auch Kleinkunst ist, wie der Begriff schon sagt, Kunst. Und Kunst darf meiner Meinung nach beinahe alles, solange es nicht gegen unsere Gesetze verstößt.
    Satire lebt von der Übertreibung, kontrastiert Widersprüche und Wertvorstellungen in übertriebener Weise. Wenn sich dadurch Einzelpersonen angegriffen fühlen, ist das ihr persönliches Problem und nicht das der Gesellschaft. Abgesehen davon beschäftigt sich Nuhr nicht nur mit dem Islamismus, sondern auch mit anderen Religionsgemeinschaften.
    Unter der Diktatur des Nationalsozialismus wurden satirische Zeitschriften eingestellt, die Schriftsteller ins Exil gejagt. Viele satirische Werke wurden Opfer der Bücherverbrennungen und der Zensur. Solange die Staatsanwaltschaften in Deutschland die Kunstfreiheit nicht neu definieren wollen, ist für mich alles in Ordnung.

  • #13
    Thorsten Stumm

    Hier mal die Äusserungen vo Dieter Nuhr im Orginal :

    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=KyIVCmdHERk

  • #14
    TuxDerPinguin

    Über die Anzeige braucht man nicht diskutieren. Das wird nicht weiterverfolgt, weil die künstlerische Freiheit eigentlich sehr hoch ist.
    Da müssten solche muslimischen Verbände schon von den christlichen Verbänden lernen, sich in den WDR Verwaltungsrat wählen lassen und Stücke wie Carolin Kebekus‘ Kirchen-Rap ohne Prozess vom Bildschirm zu verbannen https://www.youtube.com/watch?v=4Y3IWFLFHbk

    als Atheist hoffe ich auch auf den Tag, wo religiöse Einrichtungen nicht anders behandelt werden als Karnikel-Zuchtvereine… wenn jemand das als Hobby macht, gerne, sollen sie machen… aber nicht an Schulen, Universitäten unterrichten, von Steuergelder finanziert werden etc..

  • #15
    Hank

    Wird das Ganze nicht ein wenig Übertrieben? Eine Anzeige kann immerhin jeder stellen und die Staatsanwaltschaft muss dem nachgehen.
    Scheint so als wäre die Zeit der Wichtigtuer angebrochen, auf der einen Seite kriminelle Schläger, die sich auf einmal für die „Freiheit“ in Deutschland einsetzen, auf der gegenüberliegende Seite radikale Islamisten.
    Beide sind weder an vernünftigen Lösungen, noch an differenzierten Betrachtungen interessiert, es scheint als wollten beide eine Front aufbauen-wichtig ist es beiden Seiten besonnen entgegen zu treten.

  • #16
    paule t.

    @ Hank: Eben, eine Anzeige kann jeder stellen. Passiert auch andauernd, nur meistens von Christen, die sich beleidigt fühlen. Der Mann ist also gut integriert – beleidigte Leberwurst, stellt ne Anzeige, ganz landestypisch.

    Auch diese Anzeige wird – zu Recht – erfolglos bleiben, und alles ist gut.

  • #17
    Christlicher Islamist

    Naja, der Herr Nuhr ist Geschmackssache.
    Ich erinnere nur mal kurz an die Kollegin von Hr. Nur, Frau Kebekus. Letzte Woche waren Interviews von ihr zu lesen, in denen sie sich über die Verfolgung mittels ca. 100 Anzeigen, Drohmails und Einschüchterungsversuchen von Christen beklagen musste, weil sie ein neckisches Video aus der Kirche gebracht hat.
    Si sind unsere christlichen Freiheitswerte.

  • #18
    Hubi

    Trauriger als die Anzeige gegen Dieter N., ist hier eher die Rolle der Neuen Osnabrücker Zeitung:

    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/nach-islamsatire-dieter-nuhr-laesst-neue-osnabruecker-zeitung-nicht-zum-auftritt/10888100.html

    Nach der Anzeige eines Muslim gegen Dieter Nuhr wegen angeblicher „Islamhetze“ hat der Kabarettist der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) verboten, seinen Auftritt am Samstag in Osnabrück zu besuchen. Die „NOZ“ hatte als erstes über die Anzeige berichtet. Der Hintergrund des Zerwürfnisses zwischen Nuhr und der „NOZ“ ist nicht ganz klar. Beide Seiten streiten sich um die Frage, ob Nuhr die Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen hat. Nuhr sagt nein, die Zeitung sagt ja. Der Ton ist ziemlich scharf: Nuhr schrieb auf seiner Facebookseite: „Bin von Islamisten als „Hassprediger“ angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe. Bitte um regelmäßige Besuche im Gefängnis! Neue Osnabrücker Zeitung holt ausschließlich Meinung bei den Islamisten ein und zeigt sich verständnisvoll. Die Frage ist: Braucht ein Land, das solche Zeitungen hat, überhaupt noch Islamisten?“

    Hintergrund ist offenbar ein islamfreundlicher Kommentar in der „NOZ“, in dem Nuhrs Islamkritik kritisiert und er der Lüge bezichtigt wird, was seine Darstellung des Islam angeht.

  • #19
    Nansy

    @17 selbsternannter Islamist:
    …ist ja ein dolles Ding! Kebekus hat also von Anhängern der Piusbruderschaft über 100 Anzeigen bekommen? Und wo liegt jetzt der Erkenntnisgewinn? Vielleicht darin, dass die Kölner Staatsanwaltschaft auch hier das Verfahren eingestellt hat?
    Ob nun fundamentale christliche oder islamistische Gruppierungen Anzeigen gegen Satiriker oder Kabarettisten erstatten, es läuft immer wieder auf das Gleiche hinaus: wir lassen uns die Kunstfreiheit nicht von Extremisten kaputtmachen – die Verfahren werden eingestellt!

  • #20
    Arnold Voss

    Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass der Gläubige über den Ungläubigen und der Ungläubige über den Gläubigen lachen kann und darf.

  • #21
    WALTER Stach

    -20-Arnold

    „Zur Religionsfreiheit gehört…….“

    Und zur Meinungsfreiheit gehört , daß man sich kritisch, satirisch, polemisch mit Religionen im allgemeinen, mit Religionsgemeinschaften im besonderen, mit deren Ritualen pp. jederzeit und überall
    befassen darf,.

    Aber…..
    Nicht nur vielen Muslimen in Deutschland fällt es schwer, diesen Aspekt eines der höchsten Rechtsgüter in der freiheitlichen Demokratie zu respektieren. Ich erinnere an so manchen einschlägigen „Aufschrei“ von Repräsentanten christlicher Kirchen und einzelner „Christen-Menschen“. Das war bis in den 1980er Jahren in Deutschland beinahe alltäglich zu registrieren, ist aber auch heute noch wahrzunehmen. Gibt es insofern möglicherweise nur graduelle, aber keine substantiellen Unterschiede zwischen „Muslime und Chisten“ in Deutschland?

    Mir als kath.Christen geht so manche Polemik gegen den crhistlichen Glaluben, gegen die kaht.Kirche und damit letztendlich auch gegen mich „gewaltig gegen den Strich“ .Gelegentlich äußere ich mich dazu dann kritisch, auch polemisch in der Öffentlichkeit.Das war das dann. Und mehr darf es und kann es nicht sein.

  • #22
    aloo masala

    Die Aussage »Ich würde und werde mich öffentlich mit dem Islam nicht beschäftigen. Aus Angst.« trifft wohl inzwischen nicht mehr zu. Es gehört zum guten Ton den Islam zu bashen. Seit den Mohammed Karikaturen äußerten sich zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens abfällig über den Islam: Sarrazin, Nikolaus Fest (BILD), Broder und so weiter. Wenn Harpe Kerkeling Angst hat, ist das in erster Linie sein Privatproblem.

    Der Humor hört dort auf, wo er die Menschen trifft, was ihnen heilig ist. Kein nichtjüdischer Komiker in Deutschland wagte sich bisher auf ähnlich geschmacklose Weise Juden zu kritisieren. Vor dem Vorwurf des Antisemitismus haben doch noch alle Angst. Das ist auch ganz gut so. Allerdings ist Nuhr nichts anderes als eine Art Antisemit, nur gegen Muslime. Das ist das verlogene an der hiesigen Debatte. Von den Muslimen verlangt man, humorig zu sein Wenn ein Muslim sich ähnlich verächtlich über Deutsche oder Juden äußert ist er ein Hasspediger und Antisemit und gehört ausgewiesen. Hier haben wir in Deutschland eine Schieflage.

  • #23
    der, der auszog

    @Hubi

    Der aktuelle Streit zwischen Dieter Nuhr und der NOZ hat dazu geführt, dass der Verlag so ziemlich alle seine Artikel über Nuhr ins Netz gestellt hat und sie derzeit für jedermann einsichtig sind. Immerhin möchte man beweisen, dass der Kaberettist die Unwahrheit gesagt hat. Interessant finde ich, dass die Information, die uns beispielsweise Julius Hagen über den Kläger Erhat Toka hinsichtlich seiner Mitgliedschaft zu Millî Görüş gibt, für die NOZ nie eine erwähnenswerte Rolle spielt. Vor zwei Tagen kam es erstmals dazu, dass sich die NOZ zur Vergangenheit dieses Mannes dahingehend äußerte, „dass ihm gelegentlich eine Nähe zu islamischen Hardlinern nachgesagt (wird). Gerne gibt er sich als Fan des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zu erkennen.“ Das klingt natürlich bei weitem nicht so scharf wie die Erwähnung seiner früheren Mitgliedschaft bei einem Verein, der vom verfassungsschutz beobachtet wird.

    In Deutschland werden täglich unzählige Anzeigen erstattet, die weder Erfolg versprechen, noch einer Erwähnung wert sind. Das gilt auch für die Anzeige von Erhat Toka. Trotzdem macht die NOZ darüber ein Fass auf. Warum macht sie das? Und wieso spielte für sie die Biographie Tokas keine große Rolle?

    Meine Vermutung:

    Der Islam gehört zu Osnabrück wie Christian Wulff und die Neue Osnabrüker Zeitung.

  • #24
    Aimée

    Wie glaubwürdig ist eigentlich ein Herr Tokan mit seiner Anzeige? Er hat ein Problem mit der Demokratie („Vielgötterei“), seine Aussage im Muslim-Markt http://www.muslim-markt.de/interview/2013/toka.htm ist m.E. auch ein „Fall“ für den Staatsanwalt, mal abgesehen von (wenn wundert es) seiner üblen pro-palästineser Demonstration mit den Slogen „Kindermörder Israel“.

    Man kann und soll all seine Recht in einer Demokratie fordern dürfen, allerdings wer ein recht „merkwürdiges“ Verständnis davon hat, dieses als unislamisch sieht und ablehnt, sollte sich dann diesem auch nicht bedienen und eine Anzeige erstattet, er negiert diese Form doch.

    Die Frage ist nicht, wie gefährlich sind Salafisten, sondern welches Verständnis haben Menschen wie ein Herr Tokan von der Demokratie?
    Ich könnte Herrn Tokan auch durch seine Hetze mehr als ausreichend anzeigen, aber ich lasse seine „krude“ Meinung und Weltverständnis einfach stehen.
    Seine Aussagen beim Muslim-Markt sind eine Ohrfeige für eine Demokratie und sicher keine „Satire“ wie bei D. Nuhr.

  • #25
    der, der auszog

    Gestern gab es ein interessantes Interview mit Dieter Nuhr in der Welt am Sonntag, das leicht gekürzt auch im Internet verfügbar ist:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article133657850/Herr-Nuhr-sind-Sie-ein-islamophober-Hassprediger.html

    @Aimée
    Ergänzend zu Deinen Fragen:

    Wie wichtig ist unserer Gesellschaft die Meinungsfreiheit?
    Wieso lacht sich alle Welt scheckig, wenn in der Titanic der Papst mit einer eingenässten Soutane gezeigt wird, während man bei Themen, die den Islam betreffen, den Schwanz einzieht?
    Wieso überlässt unsere Gesellschaft das Thema Salafisten/Islamisten rechten Spinnern und Holligans? Wo ist der Protest der Linken und der bürgerlichen Mitte?

  • #26
    Aimée

    @der, der auszog..
    .. zu deiner Ergänzung, schau einmal was @ aloo masala schreibt: „Es gehört zum guten Ton den Islam zu bashen.“
    Bashen?, jede Form der Kritik, jede Form des Humors oder Satire wird als „bashing“ verstanden, an Kritikfähigkeit indes mangelt es.
    Erinnern wir uns einmal an den Juli und August in Deutschland, an den Mob auf deutschen Straßen. War das Bashing oder schon „ausgelöscht“ aus dem Gedächtnis, dann einmal zur Erinnerung http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/hasspredigt-in-neukoellner-moschee-berliner-polizei-der-inhalt-ist-eindeutig-volksverhetzend/10228538.html
    Man sollte einmal ernsthaft darüber diskutieren, was „bashing“ ist, was Humor und was „Lynchmob inkl. Lynchmord“ ist.
    Ich denke es gibt Linke, die sich kritisch mit dem Thema Islamisten/Salafisten auseinander setzen, aber ein Herr Toka ist weder das eine noch das andere, sondern vielmehr ein eher unauffälliger Muslim, der leise aber stetig sein undemokratisches Gedankengut in die Gesellschaft einschleußt und dafür sogar noch die Demokratie (die er so verachtet) mißbraucht.
    Bedenklich finde ich, dass Hools, die eigentlich unpolitisch sind von Rechten nun auch mißbraucht werden und ihren Raduis/Klientel jetzt erweitern.
    09.11.2014 in Berlin ….. wird hoffentlich kein Revival der Gazademos mit anderen Akteuren und anderen Probanden! Was sich da zusammenbraut….

  • #27
    der, der auszog

    @Aimée (#26)

    die Bemerkungen von aloo masala (#22) finde ich extrem beknackt, nicht nur, weil ich seine Ansichten zum Islambashing nicht teile, sondern auch weil ich Sarrazin, Fest und Broder nicht für repräsentativ halte (auch wenn sie sehr viele Menschen erreichen) und auch nicht in ein und dieselbe Schublade stecken möchte (von Sarrazin halte ich gar nichts, Fest und die BILD sind mir egal und von Broder würde ich mir wünschen, ihn nicht nur zu lesen sondern auch mal wieder im Fernsehen zu sehen)

    Darüber hinaus finde ich aloo masala Aussage, „Nuhr [sei] nichts anderes als eine Art Antisemit, nur gegen Muslime“, mehr als gewagt. Dieter Nuhr ist sehr wohl in der Lage, sehr differenziert zwischen Islamismus und Islam zu unterscheiden (siehe Welt-Interview) und in seinem Zusammenhang Islam und Judentum gegeneinander auszuspielen, um ihn als eine „Art Antisemiten“ diffamieren zu können, halte ich für unter aller Sau.

  • #28
    Arnold Voss

    @ aloo masala # 22

    „Der Humor hört dort auf, wo er die Menschen trifft, was ihnen heilig ist.“

    Nein, hört er nicht, Herr aloo masala. Was dem einen nämlich heilig sein mag muss in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft wie der deutschen allen anderen nicht auch heilig sein. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit, wie sie vielleicht wissen. Dazu gehört nicht nur die Freiheit sich den Glauben zu wählen, den man persönlich für richtig hält, sondern auch sich gegen jede Religion zu entscheiden. Das schließt natürlich ein, sich auch über sie und ihre Gläubigen lustig zu machen.

    Gewöhnen sie sich besser dran, anstatt sich darüber scheinheilig aufzuregen. Ich kenne nämlich viele gläubige Menschen die sich genauso über un- und andersgläubige Zeitgenossen lustig machen. Da auch das in Deutschland erlaubt ist, können hier alle friedlich nebeneinander leben, wenn sie nur wollen. Dazu gehört auch das Lachen übereinander. Also nicht geich beleidigt sein, sondern mitlachen oder einfach drüber stehen.

  • #29
    WALTER Stach

    Arnold -28-
    „soo issett“.
    „Dazu gehört auch das Lachen übereinander“.
    Ich denke mir, daß hätte auch Papst Franziskus so sagen können.

  • #30
    Aimée

    @der, der auszog…
    … ich würde die Aussage von @ aloo masla@22 nicht als beknackt bezeichnen, sondern der immer wieder mißglückte Versuch sich als Opfer darzustellen. Alles was an Muslimen kritisiert wird, wird als Islambashing bezeichnet, obwohl sie sich ansonsten gerne als neuzeitige Opfer auf die Stufe der Juden stellen (sic. Shoah) und gleichzeitig und da sind wir wieder bei Herrn Toka, gnadenlos Juden als „Kindermörder“ in Bezug auf Gaza propagiert werden.
    Ich weiss nicht, ob du Dieudonné M’bala M’bala kennst, den Quenelle-Gruß, den er erfolgreich, besonders unter Muslime verbreitet hat, dürfte zumindest bekannt sein. Wer einmal eine Show von ihm gesehen hat, wird erkennen, was „judenfeindlich bzw. judenbashing“ ist und wie weit ein D. Nuhr davon in Bezug auf Muslime oder Islam entfernt ist. Anscheind kennt @aloo masla diesen „Komiker“ nicht … DAS ist Bashing und der französische Staat sieht es noch intoleranter!

  • #31
    Andreas Kuhn

    Nachtrag:
    Man achte auf den nachträglichen „Löschwahn“ der NOZ bei den Kommentaren!

  • #32
    Konny

    Hallo, ich weiß, Sie werdens auch ohne mich wissen, vorischtshalber trotzdem. Schauen Sie in Sachen Abmahnung mal, was der Verfassungsschutz (z. B. in Berlin) legalistischen Islamismus nennt.

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