Wie es sich mit Roma in einem Haus lebt
Seit 20 Jahren lebe ich, mit einer kurzen Unterbrechung in der es mich in die Innenstadt verschlagen hatte, in der Nordstadt. Und ich lebe gerne dort. Seit nun 8 Jahren lebe ich in einem Haus am Blücherpark. Meine Vermieterin ist eine ältere Dame die in Hamburg lebt. Die Hausverwaltung kümmert sich und die Miete ist mit 4,90 pro qm absolut in normalen Bereich. Wir Mieter sind und waren immer eine bunte Mischung. Wir sind aus Menschen aus Afrika, Arabien und Deutsche. Familien, Singles, Rentner. Es gab nie mehr Probleme, wie es sie nicht auch in anderen Städten in ganz normalen Häusern gibt wo Menschen zusammenleben. Zum Januar 2012 wurden zwei Wohnungen frei, einfach durch normalen Wechsel. Von unserem Gastautor Thorsten Stumm.
Dann geschah aber etwas, dass ich vorher noch nie erlebt hatte. Wenige Tage vor dem 1. Februar sprach mich auf der Treppe der erste Nachbar an: “Haben Sie schon gehört, jetzt ziehen hier Zigeuner ein.“ Ich hatte es nicht gehört und bisher hatte ich mich noch nie bei einem Mieterwechsel dafür interessiert vorher zu erfahren, wer nun einzieht. Ich hatte nicht vor das zu ändern. Nach und nach sprachen mich aber alle anderen Mieter, auch solche mit, wie man wohl korrekt sagt, Migrationshintergrund an. Die Tonlage war durchgängig hysterisch und ängstlich. Zigeuner, hier, in unserem Haus, man liest ja so viel, die klauen wie die Raben, haben den bösen Blick, vermüllen unser Haus…..
Über die Vehemenz dieser Tiraden meiner Mitbewohner war ich doch überrascht.
Ich selber bin nun kein Heiliger, aber ich habe in den Jahren des Zusammenlebens mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Nationen gelernt, dass selbst wenn sich ein Vorurteil auf den ersten Blick betätigt, es sich immer auf den zweiten Blick erklärte oder in Luft auflöste. Man musste allerdings auch zweimal hinschauen wollen. Auch diesmal war ich entschlossen, mit jedem der sich respektvoll und anständig mir gegenüber verhält, friedlich auszukommen.
Am 1. Februar 2012 standen dann mehre Kleinlastwagen vor unsere Tür und unsere neuen Mitbewohnern zogen ein. Genau wie sonst auch. Diesmal nur Menschen, denen man ansah, dass sie deutlich ärmlicher lebten. Ich grüßte jeden der mir Treppenhaus begegnete, was mir keine Mühe machte, tat ich ja sonst auch. Und erlebte die erste Überraschung.
Anfangs waren meine neuen Mitbewohner etwas perplex das man sie grüßte, aber nach einigen Tagen kam von allen ein “Hallo” zurück. Meine anderen Hausbewohner verlegten sich vom ersten Moment aufs meckern und beschweren. Der Flur sei nun zu dreckig und überhaupt es sei einfach zu laut im Haus.
Wobei wir nun bei den Vorurteilen wären.
Vorurteil: Roma sind laut!
Es wurde tatsächlich deutlich lauter im Haus. Allerdings nicht weil jetzt laute Partys mit Musik bis zum Abschlag gefeiert wurden, was auch mich sicher irgendwann in der Nacht gestört hätte. Meine neuen Mitbewohner brachten etwas mit, dass viele andere Menschen offensichtlich nicht mehr kennen: Kinder.
Ja, Kinder sind, Überraschung, lauter als Haustiere, sie laufen im Flur, reden, rufen, spielen. Und das macht Geräusche. Allerdings sind auch Romakinder nach 21 Uhr im Bett. Meine Nachtruhe war nie in Gefahr.
Meine anderen Mitbewohner, die sich nie zuvor über Partys und Musik beschwert hatten, verlangten nun lauthals zeternd eine Art Friedhofsruhe im Haus.
Vorurteil: Roma vermüllen alles!
Unsere Mülltonnen werden immer montags gelehrt, wir haben 4 Hausmülltonnen und 1 gelbe Tonne. Als ich am ersten Mittwoch nach dem Neueinzug meinen Hausmüll entsorgen wollte, waren die Tonnen bis zum Anschlag voll. Zudem war die gelb Tonne falsch befüllt. Und das sollte sich in den kommenden Monaten auch nicht ändern.
Der Grund für dieses Anwachsen der Hausmüllmenge war schnell gefunden. Für meine neuen Mitbewohner ist Familiensolidarität selbstverständlich. Das heißt findet eine Familie eine Wohnung dann wird diese zu einer Anlaufstelle für Verwandte und Freunde. Und niemand wird abgewiesen. Das führte natürlich dazu, dass nun deutlich mehr Hausmüll anfällt als sonst üblich. Von armen Menschen gelebte Werte wie Solidarität und Familie kollidieren aber mit dem Ökowahn unserer Welt, in der der Werteverfall zwar beklagt wird, aber an der gelben Tonne zum Nervenkrieg wird.
Wie erklärt man jemanden aus einem bitterarmen Land, dass wir in unserem Reichtum den Müll trennen? Und was Hausmüll ist (schwarze Tonne) und was der gelbe Punkt (gelbe Tonne). Den es eigentlich nicht mehr gibt und er auch nicht gelb ist?
Wie erklärt man, dass der Entsorger EDG fein säuberlich neben der Tonne gestapelte Müllsäcke nicht mitnimmt sondern nur Müll in der Tonne. Nicht daneben, nur drin.
Über diese Absurdität könnte man lachen, nur leider bleibt dies alles nicht ohne teure Konsequenzen. Natürlich könnten mehr und größere Tonnen her. Nur ist die Müllentsorgung teuer und treibt die Nebenkosten hoch, die alle im Haus bezahlen. Eine falsch befüllte gelbe Tonne wird stehen gelassen, gammelt vor sich hin und wird nur per beantragter Sonderleerung gegen erhöhte Kosten geleert. Zudem bleibt dem Ordnungsamt nicht verborgen, wenn sich der Müll stapelt und dann hagelt es böse Briefe und Bußgelder. Ich musste leider feststellen, dass es im 21. Jahrhundert in Dortmund nicht vorgesehen ist, hier eine Lösung zu finden welche nicht in einem Nachbarschaftskrieg mündet.
Vorurteil: Roma klauen!
Meine eingesessen Nachbarn fingen nach dem Einzug an Türschlösser nachzurüsten. Die Kellertüren, die vorher oft ungesichert waren, wurden nun mit Stahlmonstern verhängt.
Mein Keller hat ein billiges Baumarktschloss das ich eigentlich nur angebracht hatte damit die Tür zubleibt. Ansonsten enthält mein Keller nichts im eigentlichen Sinne wertvolles. Genaugenommen nur Dinge bei denen ich schon seit Jahren die Mühe scheue sie zu entsorgen. Ich unterstelle mal, dass dies bei meinen Stammnachbarn auch so ist. Plötzlich wurde aus diesem Haufen vergessener, ungebrauchter und auch unbrauchbarer Gegenstände ein mächtiger Schatz den es zu verteidigen galt.
Ich selber bin in der Nordstadt überzeugter Radfahrer und besitze mehrere Fahrräder. Diese sind nicht gammelig und waren nicht billig. Das sieht man ihnen auch an. Sie stehen in unserem Fahrradkeller zusammen mit den anderen Fahrrädern meiner Nachbarn. Bald standen sie allerdings alleine da, denn meine anderen Nachbarn schlossen ihre Fahrräder nun entweder hinter ihren mit Monsterschlössern gesicherten eignen Kellern ein oder nahmen sie mit in Ihre Wohnung. Was zu lustigen Szenen im Treppenhaus führt, wenn Leute plötzlich anfangen Fahrräder in den dritten Stock zu schleppen.
Mir selber sind schon Fahrräder geklaut worden. Zuletzt eines in Bochum. Seit ich aber nicht mehr an guten Fahrradschlössern spare, ist keines mehr weggekommen. Dabei ist es auch geblieben. Unnötig zu sagen, dass nie etwas geklaut wurde seit dem Einzug meiner Roma-Nachbarn.
Wie sich jemand fühlen muss, dessen bloßer Anblick zu einer Panikreaktion seiner Umwelt führt, davon hab ich nun allerdings eine Ahnung.
Richtig gut wurde mein Verhältnis zu meinen neuen Roma-Nachbarn nach einer kleinen Episode im Sommer. An einem verregneten Sonntag ging ich mit meinem Hund spazieren. Da mein Hund in der Straße bekannt ist und sonst niemand rumlief, hatte ich sie auf dem kurzen Weg zur Hundewiese nicht angeleint. Da hielt mit quietschenden Reifen ein Wagen des Ordnungsamtes neben mir und die Mitarbeiter belehrten mich über den Leinenzwang. Das Bußgeld betrug 20€. Da ich die sofort bezahlen wollte bat ich, da ich ja um die Ecke der Hundewiese wohne, dass die Ordnungshüter kurz im Wagen vor meinem Haus zu warten. Ich ging in meine Wohnung das Geld holen. Der Wagen des Ordnungsamtes vor unserer Haustür blieb auch einem Sonntag nicht unbemerkt. Nachdem ich bezahlt hatte wurde ich im Treppenhaus von einer jungen Romafrau in einer Mischung aus Englisch und Deutsch angesprochen. Worüber ich mich den beschwert hätte wollte sie wissen. Ich verstand nicht sofort, aber langsam dämmerte mir, dass man als Roma vor jeden Behördenfahrzeug mit Blaulicht erst mal eines hat: Angst!
Nachdem sie verstanden hatte, dass ICH eine Strafe bezahlt hatte, machte sie ein sehr erstauntes Gesicht dann lachte sie lauthals und lud mich zum Tee ein. Die Wohnung war proppenvoll mit Menschen aber sauberer als bei mir. Die Kinder bestaunten mich wie einen Alien. Von diesem Tag an, habe ich meine Einkäufe nie mehr allein in den 4. Stock getragen. Eine Horde Kinder übernahm das.
Die Schattenseiten im Zusammenleben mit meinen neuen Nachbarn will ich nicht verschweigen. Da meine Nachbarn ihren Lebensunterhalt durch Schrott verdienten den sie einsammelten ergab sich bald ein Problem mit der Lagerung dieses Schrottes. Wohin damit? Sie verwendeten dazu unsere Kellerräume wo sie jeden freien Raum regelrecht verfüllten. Bald waren auch mein Keller und der Fahrradkeller unerreichbar, weil komplett zugestellt. Wenn nichts mehr reinging, kam es regelmäßig zu einer großen Verladeaktion. Abends versammelten sich dann mehrere Kleinlaster vor unsere Haustür. Diese wurden bis unters Dach beladen und fuhren den Schrott ab. Wohin habe ich nie erfahren.
Dieser Vorgang wiederholte sich alle 3-4 Wochen. Immer unter dem lautstarken Protest der Nachbarn. Die ersten Male wurde die Polizei gerufen, aber da es sich nicht um Diebesgut handelte und die Aktion auch ohne Lärm ablief ergaben sich irgendwann auch die hartnäckigsten Beschwerer ihrem Schicksal. Dieser Wechsel von Schrottflut und Schrottebbe hat auch mich gestört. Allerdings war Schrott zu sammeln die einzige Einnahmequelle meiner Nachbarn. Da ich die Armut kannte in der sie lebten blieb mir jede Kritik und Groll im Halse stecken. Mittlerweile ist aber auch dieser legale Einnahmeweg verschlossen. Gewerblich Schrott zu sammeln ist in NRW gesetzlich praktisch unmöglich geworden.
Die gelebte Familiensolidarität, die mir als normal kontaktgestörter, durchschnittlich einsamer Westeuropäer exotisch unbekannt ist, machte mir da mehr zu schaffen. Wie schon erwähnt, findet eine Romafamilie eine Wohnung, wird diese zu einer Anlaufstation für Freunde und Verwandtschaft. Diese haben aber keine Schlüssel. Um ins Haus zu gelangen wird dann geschellt. Häufig überall. Bei mir im Haus ist eine Klingel mit Gegensprechanlage installiert. Bei dieser kann ich weder die Klingel abstellen noch den Klingelton in der Lautstärke regulieren. Das Klingelkonzert zu den unterschiedlich Tag und auch Nachtzeiten kann ganz schön an den Nerven zerren.
Ich suchte also das Gespräch. Die von meinen Roma- Nachbarn entwickelte Lösung war pragmatisch sorgte aber für neuen Ärger. Das Türschloss der Haustür wurde ausgebaut. Fortan war unser Haustür immer offen. Die Hausverwaltung war entsetzt, meine sonstigen Nachbarn auch. Allerdings war es unmöglich immer wieder ein neues Türschloss zu installieren, weil dann ja auch alle Mieter neue Schlüssel hätten bekommen müssen. Nach dem zweiten Schlosstausch gab der Hausmeister auf. Ich klemmte das Kabel meiner Gegensprechanlage ab und bat Freunde vorher anzurufen wenn sie vorbeikamen. Aufmachen musste ich die Tür ja nicht mehr. Das Schreiben meiner sonstigen Nachbarn zur Mietminderung habe ich nicht mit unterschrieben. Ich weiß aber, dass viele meiner sonstigen Nachbarn ab da die Miete kürzten.
Womit wir bei einem prinzipiellen Problem wären. Man mag sich ja zur Toleranz bekennen nur wenn sie dann konkret gefordert ist, ist es häufig nicht so einfach sie zu leben. Kulturelle Eigenarten treffen auf ein Mietrecht das Nebenkosten und Mieterrechte definiert. Die große Zahl von Besuchern treibt die Nebenkosten in die Höhe die alle per Umlage bezahlen müssen. Und im Dortmunder Norden trifft dies Menschen mit wenig Geld. Zudem gibt es eine lange Liste von Dingen, welche zur Mietminderung berechtigen. Davon machten einige meiner Nachbarn auch Gebrauch. Und nach gültigem Mietrecht auch völlig zu recht.
Anfang November gab es dann einen Vorfall der die Hausgemeinschaft endgültig sprengte.
Die Roma hatten eine altersschwache Waschmaschine. Diese lief bei den vielen Menschen praktisch dauernd. Ich hörte das Rumpeln des Schleuderganges jedenfalls häufig. Die Maschine schlug dabei wohl immer gegen den Anschlusshahn der irgendwann nachgab und an der Wand abbrach. Sofort gab es eine kleine Fontäne die in Wohnung selber nicht mehr abgestellt werden konnte. Dies hätte natürlich jedem passieren können. Der Haupthahn ist im Keller nur der war mit Schrott zugestellt. Bis man durch den Schrott zu dem Haupthahn kam lief so viel Wasser in die Wohnung und den Nachbarwohnungen das diese unbewohnbar wurden. Der zur Ausstattung gehörende Laminatfussboden warf lustige Wellen. Meine Roma-Nachbarn hatten natürlich keine Versicherung und konnten für den Schaden auch nicht aufkommen.
Am 30.11. war dann wieder Schrottverladetag. Wieder kamen mehrere Kleinlaster, wurden bis zur letzten Ecke beladen und rauschten in einer Dieselwolke davon( Ohne Umweltplakette). Diesmal war es danach aber anders. Mit dem letzten Wagen verschwanden auch meine Roma-Nachbarn.
Wenn ich über diese Monate nachdenke, bleibt zum Schluss eine große Ratlosigkeit. Ich habe eine Lektion in Demut gelernt. Und erfahren das wir es erlauben, dass es in Europa eine Volksgruppe gibt die brutal in Armut gehalten wird. Deutsche Gesetze sind oft nicht für das friedliche Zusammenleben gemacht sondern um Recht zu haben. Toleranz zu üben kann verdammt schwer sein. Ratlos bin ich immer noch.






#1 | Klaus Lohmann sagt am 6. Februar 2013 um 11:00
Treffender Artikel, der meine gehörten Erfahrungen von Nordstadt-Mietern und -Vermietern genauestens wiedergibt. Man muss sich einfach nur mit *denen* (und nicht mit Gutbürger-Pseudonymen, die ihren Fremdenhass in Blogs/Foren verbreiten) unterhalten.
Man sollte sich auch permanent vor Augen und Ohren halten, dass ein solcher Artikel so vor nicht allzuvielen Jahren auch über Häuser in Lütgendortmund, Brackel oder Hombruch hätte geschrieben werden können.
#2 | Arnold Voß sagt am 6. Februar 2013 um 12:24
Lieber Gastautor, warum so ratlos? Warum sich nicht einfach die beiden folgenden Fragen stellen:
Warum haben die Zugezogenen, obwohl sie so hohen Wert auf das Gemeinschaftsleben und die Gemeinschaftssolidarität legen, die Gemeinschaftsbedürfnisse, die Gemeinschaftsverpflichtungen und vor allem die Gemeinschaftskosten der schon vorhandenen Hausbewohner so wenig beachtet?
Gab es bei den vielen Roma die das Haus letztlich besucht haben wirklich Niemanden der soweit der deutschen Sprache mächtig war, dass er sich über die Regeln der häuslichen Müllentsorgung zu erkundigen in der Lage gewesen wäre?
#3 | Thorsten Stumm sagt am 6. Februar 2013 um 13:45
@Arnold Voss
Gute Fragen, allerdings war die Kommunikation ein Riesenproblem. Die wenigsten sprachen deutsch oder eine andere hier gängige Fremdsprache. Zudem wurde die Wohnung durch die Riesenverwandschaft von ca 8- 30 Menschen in ständigem Wechsel genutzt. Meine Hausverwaltung hat die Integrationagentur eingeschaltet auch dort musste zunächst ein Dolmetscher aufgetrieben werden. Aber dann waren schon wieder andere Menschen in den Räumen.
Ausserdem ist es wohl auch ein kulturelles Problem Nebenkosten und Müllentsorgung zu erklären. Für uns sind das Themen die mit heilgem Ernst ausgefochten werden.
Menschen die bitteram sind und nur wenig legale Möglichkeiten haben sich zu finanzieren haben da wohl zurecht akture Probleme z.B dafür zu sorgen das ihre Kinder was zu essen haben.
Aber wenn Sie da ein paar Vorschläge haben, der Planerladen in Dortmund an der Schützenstrasse hat da immer ein offenes Ohr für gute Konzepte.
#4 | Klaus Lohmann sagt am 6. Februar 2013 um 15:35
@#2 | Arnold Voß: Ganz ohne Zorn – ich wünsche Ihnen mal einen längeren Auslandsaufenthalt inklusive des Zwangs, sich dort sozial und finanziell auf eigene Beine zu stellen, weil Sie woanders nur noch unter ständiger massiver Bedrohung von Neonazis und “Gutbürgern” existieren können.
Ich garantiere Ihnen, dass Sie in 98% aller Länder dieser Erde mit Ihrem deutsch-gesellschaftlich-sozialen Wissen keinen Millimeter weit kommen. Vor allem dann nicht, wenn Ihr Wissen über das Zielland “Ihrer Träume” aus Stille-Post-Geschichten und/oder – noch schlimmer – aus dem TV stammt.
#5 | Jan W. sagt am 6. Februar 2013 um 16:29
Natürlich gibt es eine absurde Paranoia (siehe genannte Vorurteile), aber im Falle dieser einen Familie sind die Schattenseiten objektiv vorhanden!
Ich kenne niemanden, der sich in einem Haus ohne Haustürschloss wohlfühlen würde! Wieso ein erneuter Einbau des bisherigen Schlosses nicht möglich war (immerhin wird hier vom Aufwand des Verteilens neuer Schlüssel an die Mieter gesprochen), lässt sich möglicherweise nur durch einen Diebstahl des alten Schlosses erklären.
Eine gewerbliche Nutzung des Kellers ist tatsächlich eine Zumutung – im Alltag unpraktisch, im Falle des Wasserschadens hat sie den Schaden verschlimmert.
Ein Mietverhältnis oder auch die Hausgemeinschaft, innerhalb derer die Nebenkosten aufgeteilt werden, sind nie als Umverteilungsinstrument angelegt worden – und im Normalfall sind sie das auch nicht. Wer sich diesen Normalfall wünscht, sei es nun ein Vermieter, der natürlich möchte, dass Schäden seines Mieters versichert sind, oder andere Hausbewohner, die natürlich nicht mit explodierenden Nebenkosten abfinden, ist doch deshalb kein Rassist!
Selbstverständlich sind Unterschiede zu respektieren, aber das gilt beiderseitig: und der Artikel definiert Mülltrennung & Co. als Zwang und Diktat, ein Leben mit zugemülltem Keller, ohne Haustürschloss, mit Wasserschaden, den keiner zahlt, und höheren Nebenkosten eben nicht.
#6 | Arnold Voss sagt am 6. Februar 2013 um 18:55
@ Thorsten Stumm # 3
Ein Dach über dem Kopf zu haben ist mindestens so wichtig wie etwas zu essen zu haben. Ein Dach über dem Kopf bekommt man aber selten für sich allein. Will man es also behalten, dann sorgt man auch dafür, dass man mit den anderen Leuten im Haus klar kommt. Das liegt genauso im existenziellen Interesse wie das Beschaffen von Nahrung durch Arbeit.
Roma sind keine dummen Menschen. Überhaupt hat Armut nichts mit Dummheit zu tun. Höchsten mit einer schlechten Ausbildung und mit schlechten Sprachkenntnissen. Aber um zu wissen, dass Strom und Wasser etwas kosten braucht man weder Sprachkenntnisse noch ein Abitur. Um zu wissen, dass der Platz in einem Haus begrenzt ist auch nicht.
Es geht um grundsätzliche und überkulturelle Einstellungen, oder glaubt hier Jemand dass Roma nicht wissen, was Respekt und Rücksichtnahme bedeuten. Wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist, sind diese beiden Umgangsqualifikationen sogar überlebenswichtig.
Es ist mir also schlicht zu einfach, wenn hier die bösen Nachbarn letztlich als Schuldige für den Rausschmiss angesehen werden, weil sie sich von ihren Ressentiments und Vorurteilen beherrschen lassen. Als wenn Roma keine Vorurteile hätten.
Alltägliche Kooperation von Tür zu Tür ist nun mal keine einfache Sache und die sprachliche Verständigung spielt dabei d i e zentrale Rolle. Wer also ohne Sprachkenntnisse in ein fremdes Land geht, der weiß in der Regel selbst was auf ihn zukommt, und das ganz unabhängig davon wie arm er ist.
Bei bitterer Armut, die quasi das verlassen der angestammten Heimat unvermeidlich macht, gilt es also auf diesem Gebiet die meiste Hilfe zu leisten, da diesen Menschen auch das Geld fehlt, die notwendige Fremdsprache systematisch zu erlernen. Mein erst einmal sicherlich unausgegorener Vorschlag: Ein stadtteilbezogener Sprachnotdienst. Notdienst hieße konkret für mich, dass dieser wie ein Art Telefonseelsorge funktioniert also fast immer ereichbar ist.
Ein kleines privates und eher kommerziell orientiertes Beispiel, das mich auf diese Idee gebracht hat, dazu aus dem Migrantenviertel in dem ich lebe: Ich war noch spät nachts in einer Dönerbude und hatte eine etwas kompliziertere Bestellung. Der Mann der mich bediente konnte offensichtlich kein Wort Deutsch.
Der Mann rief daraufhin eine bestimmte Nummer an und gab mir dann sein Handy. Ich gab der Stimme am anderen Ende meine Bestellung auf und gab das Telefon zurück. Die Stimme übersetze meine Bestellung und ich bekam genau das was ich mir gewünscht habe. Der Mann hatte offensichtlich per Handy eine art Erste (Sprach)Hilfe von seinem Chef oder einem Freund bekommen.
#7 | Klaus Lohmann sagt am 6. Februar 2013 um 18:57
@#5 | Jan W. – Keine Ahnung, warum Sie das mit den Schattenseiten so exponieren müssen, wo es doch der Autor schon selbst sehr plastisch getan hat.
Und er hat Recht mit der Bemerkung, dass hier Kleinstuniversen (manchmal auch “Mietshäuser” genannt) häufig in ihren Strukturen erzittern, wenn deutsche, teuflisch ausgeklügelte Mietbürgerlichkeit auf den Rest des Universums trifft.
#8 | Thorsten Stumm sagt am 6. Februar 2013 um 19:25
@Arnold Voss
Natürlich sind Roma nicht dumm. Das habe ich nie angenommen. Und so bin ich mit meinem Roma-Nachbarn nie umgegangen. Ich hatte auch nie vor den Sozialarbeiter zu spielen. Lösungen oder Konzepte hatte ich nie. Ich wollte eigentlich nur Nachbar sein, der seinen neuen Nachbarn begegnet, wie den anderen Mitbewohnern.
Meine Roma-Nachbarn sind auch nicht gekündigt worden oder rausgemobbt worden. Durch den Wasserschaden war ihre Wohnung nicht mehr bewohnbar. Sie sind ohne Kündigung einfach selbst ausgezogen. Wohin weiss niemand.
#9 | Arnold Voss sagt am 6. Februar 2013 um 19:25
@ Klaus Lohmann # 4
Schön, dass sie nicht zornig mit mir sind. Der Zorn wäre aber auch nicht wirklich angebracht, denn ich Lebe Tür an Tür mit Einwanderern aus verschiedenen Ländern. Längere Auslandsaufenthalte sind mir auch nicht unbekannt und der Zwang mich finanziell auf die eigenen Beine zu stellen kenne ich als Freiberufler seit vielen Jahren.
Aber ich bin zweifellos nicht in einem bitterarmen Land geboren worden, hatte eine gute Schulbildung und auch sonst kulturelle und ökonomische Privilegien um die mich ein großer Teil der Menschheit sicher beneidet. Wenn ich also aus Armutsgründen in ein anderes Land auswandern müsste, wäre das für mich sicher ein bitteres Unterfangen.
Eins wüsste ich aber ganz genau: Ich würde nicht ohne rudimentäre Sprachkenntnisse in eine Land gehen, in dem ich bleiben will. Egal wie arm ich wäre. Ich würde mich zuallererst erkunden, wo in diesem Land Menschen sind, die sowohl meine Sprache als die des ausgewählten Landes sprechen. Ich würde Freunde und/oder Verwandten fragen, die schon da waren um mich vorzubereiten.Ich würde alle Informationen sammeln, derer ich habhaft werden könnte.
Das alles kann man auch tun wenn man bitterarm ist. Zumindest haben mir das Menschen gesagt, auf die genau das zutrifft bzw. zugetroffen hat, als sie sich entschlossen nach Deutschland zu kommen. Menschen die in meiner Nachbarschaft leben und da auch nicht mehr weg wollen. Menschen denen zu Anfang auch Ressentiments und Vorurteile entgegen gebracht wurden.
#10 | Klaus Lohmann sagt am 6. Februar 2013 um 20:14
@#9 | Arnold Voss: Ich schrieb von längeren Aufenthalten im Ausland *inklusive* dem dortigen Existenz-Zwang. Das hat mir Ihren erwähnten und auch mir bekannten Lebensumständen nichts zu tun.
Roma haben in in ihren jetzigen Lebensräumen in den bekannten Balkanstaaten überhaupt keine Chance, sich aktiv Wissen und Sprachkenntnisse für mögliche Einreiseländer des Schengenraums anzueignen. Und deshalb reisen sie halt einfach dorthin, wo ihre Landsleute schon sind. Dieses Wissen über eine konkrete Kontaktaufnahme in Dortmund lässt sich prima durch Verwandt-/Bekanntschaft transportieren.
Damit ließe sich den Roma aus Ihrer Sichtweise heraus nichts vorwerfen, schon gar kein fehlendes Bemühen.
#11 | Jan W. sagt am 6. Februar 2013 um 21:10
@7 Klaus Lohmann
Natürlich doppelt sich das ein wenig – ich habe aber eben die Verharmlosung dieser Punkte, kombiniert mit den paranoiden Punkten, kritisiert.
Es ist ein Stück weit eben auch Lebensqualität, nicht im Warenlager eines Schrotthändlers zu leben, neben der abschließbaren Wohnungstür auch vor einem unkontrollierten Zugang zum Treppenhaus geschützt zu sein, in der Regel nicht auf den Folgeschäden einer Überschwemmung in der Nachbarwohnung sitzen zu bleiben.
Ihr Universen-Vergleich stellt all das als eine Art typisch deutsche Weltfremdheit dar … aber in den meisten entwickelten Ländern ist das eigentlich normaler Lebensstandard, und da muss man nicht diejenigen verunglimpfen, die darauf nicht verzichten wollen.
#12 | Links anne Ruhr (07.02.2013) » Pottblog sagt am 7. Februar 2013 um 07:40
[...] Wie es sich mit Roma in einem Haus lebt (Ruhrbarone) [...]
#13 | Sebastian sagt am 7. Februar 2013 um 09:06
Wenn die Roma in ihren Heimatländern schlecht behandelt werden warum wird dann Rumänien nicht einfach hochkant aus der EU geschmissen? Bei sowas muss man Härte zeigen!
#14 | Arnold Voss sagt am 7. Februar 2013 um 10:15
@ Thorsten Stumm
Natürlich sind sie ausgezogen, denn sonst wären sie sehr wahrscheinlich für den Schaden im Hause belangt worden. Ich denke, dass sie genau aus diesem Grunde auch Niemanden gesagt haben wo sie hinziehen.
#15 | Klaus Lohmann sagt am 7. Februar 2013 um 11:06
@#13 | Sebastian: Da es Bürgern, die sich ansonsten kaum für das Thema interessieren, überhaupt nicht bekannt zu sein scheint: Rumänien und Bulgarien sind seit 2007 nur EU-Mitglieder zweiter Klasse, d.h. sie sind nicht vollständig aufgenommen, sondern müssen sich die Vorteile einer echten Mitgliedschaft unter ständiger Kontrolle erst noch verdienen. Dieser Prozess zieht sich zäh wie Schuhleder, da die westlichen Balkanländer weiterhin Riesenprobleme mit z.B. Korruption und organisierter Kriminalität haben.
Auch das Thema Roma und deren Mißachtung auf dem Balkan ist permanentes Thema bei den Verhandlungen über die endgültige Mitgliedschaft, aber der Rechtsruck z.B. in Ungarn (ebenso ein Land, das argwöhnisch beäugt wird) scheint den faschistoiden, romafeindlichen Kräften in der gesamten Region neuen Auftrieb zu geben.
Zur Info: http://www.dw.de/eu-kritisiert-anstieg-von-roma-asylanträgen/a-16307512
#16 | Helmut Junge sagt am 7. Februar 2013 um 12:08
Die Annahme, dass wenige Kilometer östlich, oder südlich der deutschen Grenze, die hier üblichen Standards für Ordnung und Sauberkeit nicht eingehalten werden, ist falsch. Auch in Rumänien gibt es Müllabfuhr.
@Thorsten Stumm ist offensichtlich ein gutmütiger Mensch. Aber er begibt sich da ungewollt, nur um für sich und für uns eine plausible Erklärung für das Verhalten seiner Exnachbarn zu finden, auf eine auf eine gefährliche germanozentristische Schiene, die eine lange, aber schlimme Tradition hat.
Käme nämlich jemand auf die Idee zu sagen, “die haben auf dem Balkan nicht mal eine Müllabfuhr”, wäre er sicher wegen des rassistischen Hintergrunds solch einer Behauptung entsetzt. Darüber sollte er mal nachdenken.
#17 | Stefan Laurin sagt am 7. Februar 2013 um 12:11
@Helmut Junge: Er sagt ja nicht “Auf dem Balkan haben sie keinen Müllabfuhr” sondern, sinngemäß “Auf dem Balkan haben sie keinen Ökowahn.” Klingt für mich erst einmal nicht abwertend
#18 | Helmut Junge sagt am 7. Februar 2013 um 12:33
@Stefan Laurin,
stimmt, ich habe den Satz ziemlich überspitzt, aber ich denke, dass Thorsten Stumm seine Position auch erklären kann.
Ich habe ihn deshalb überspitzt, weil seine Erklärung zu diesem Fragekomplex im Text sehr lang ist, und in meinem Kopf so nachklang, dass die Romanachbarn so etwas, wie gregelte Müllabfuhr nicht kennen.
Damit Du dich aber wieder etwas beruhigst, habe ich mich über die Müllabfuhr auf dem Balkan informiert, und lasse Euch alle an meinem neuen Kenntnisstand teilhaben.
“Nicht ungewöhnlich ist es, dass der Müll hier in Plastiktüten am Wegrand abgestellt wird oder am Gartenzaun hängt. Denn nachts kommt täglich die Müllabfuhr und sammelt jede einzelne Tüte ein.”
http://blog.renovabis.de/2011/01/%E2%80%9Emull-abstellen-verboten%E2%80%9C/
Wenn wir das gelesen haben, können wir ja mal darüber diskutieren, ob das, was in Bosnien gemacht wird, nicht auch für uns beispielhaft sein könnte.
Vor allem Leuten, die sowieso zu viel Umweltschutz bei uns erkennen, könnte das bosnische Beispiel gefallen, Stefan.
#19 | Klaus Lohmann sagt am 7. Februar 2013 um 14:54
@#18 | Helmut Junge: Sehr fraglich und nach den ganzen Reportagen eigentlich kaum vorstellbar ist, dass z.B. in Plovdiv, einem der Haupt-Siedlungspunkte für die Roma, die von dort ins Ruhrgebiet kommen, eine Müllabfuhr existiert, die das heutige, verkommene Roma-Quartier Stolipinovo mehr als nur sporadisch abfährt:
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/bilder/cme103634,2297532 (nur ein Beispiel; einfach die Fotos nach dem Müll durchsuchen…)
#20 | Helmut Junge sagt am 7. Februar 2013 um 22:47
Lieber Herr Lohmann,
ich war in den 90igern einige Jahre Mitglied im Ratausschuß für die Entsorgungsbetriebe der Stadt Duisburg.
Damals betrugen die Kosten für die Entsorgung wilder Müllkippen jährlich etwa 2 Millionen DM, also etwa 3 Million euro im Jahr. Vielleicht, weil ich es wissen wollte, wie sich diese Summe erklären läßt, machten die mitglieder des Ausschusses mit den Leitern der Entsorgungsbetriebe eine Besichtigungsfahrt wilderMüllkippen innerhalb der Stadt. Wir besuchten 6 oder 7 solcher “Sammelstellen”. Zwei davon hatten eine ähnliche Größe wie sie auf den von Ihnen verlinkten Fotos zu sehen sind.
Dabei könne n Sie davon ausgehen, daß es zu dieser Zeit noch keine Roma aus der von Ihnen genannten rumänischen Stadt Plovdiv gab. Über die ermittelten Namen im Müll, war klar, dass die Verursacher aus dem Lande kamen.
Auch heute gibt es Ansammlungen von Müll mitten in grüner Landschaft.
Eine große Zahl der Einwohner mag das nicht. Allerdings sind wilde Müllhalden in der freien Landschaft fast nie einer bestimmten Person, schon gar nicht einer bestimmten Ethnie zuzuordnen. Nur da, wo sich die Verunreiniger nicht mal die Mühe machen, ihren Unrat, das ist die ältere Bezeichnung, zu verschleiern, ist diese Zuordnung zu diesem Personenkreis überhaupt möglich.
Es gibt, wenn ich das mal so sagen darf, in meiner Nachbarschaft, die aus einer angesehenen kroatischen Familie, und dem Rest aus Eingeborenen besteht, neben anderen Steitpunkten auch Zoff, weilein Nachbar seinen Sperrmüll hinter die Gärten entsorgen wollte. Ein anderer Nachbar konnte aber auf der Basis von Indizien nach weisen, dass die entsorgten Teile eindeutig diesem Nachbarn zuzuordnen wären, und at gedroht, den Fall zur Anzeige zu bringen, falls dAS teil nicht bis Dato weg wäre. Das besagte Teil war dann tatsächlich weg, es kam nicht zur Anzeige, aber die beiden Nachbarn haben die Beziehungen zueinander abgebrochen.
So hoch ist für dieses Delikt in Deutschland der Preis.
#21 | JensPeter sagt am 10. Februar 2013 um 10:53
Eine sehr nachvollziehbare Schilderung, toll, danke!
Ich denke, wo große Differenzen zwischen Armut und Bürgertum existieren, ist Solidarität gefragt. Wenn eine bettelarme Familie mit in dem Wohnhaus wohnt, in dem ich wohne und durch die vielen Gäste/Freunde überdurchschnittliche Umlagekosten verursacht, dann kann ich dagegen Klagen oder einfach meinen Anteil an Solidarität mit dem erhöhten Beitrag leisten.
Der Müllberg in den Kellern würde wohl auch mich nerven…
Der Wasserschaden ist natürlich ein Desaster, ohne Versicherung… wie wäre eine Gemeinschaftsversicherung für solche Fälle?
#22 | Jan W. sagt am 10. Februar 2013 um 18:39
@JensPeter
Ich glaube, solche Umverteilungsmechanismen innerhalb von Hausgemeinschaft sorgen eher für Konflikte und tragen nicht gerade dazu bei, dass neue Mieter freudig empfangen werden, wenn sie erstmal als “Nehmer” identifiziert sind.
Was meinen Sie mit Gemeinschaftsversicherung? Ein Herausnahme von Wasserschäden und Co. aus bisherigen Versicherungen (z.B. Haftpflicht) in eine zentrale gebäudebezogene Versicherung, die dann per Nebenkosten umgelegt wird?
Und muss eine solche Versicherung wirklich dann in solchen Fällen zahlen, in denen durch den Müllkeller der Schaden noch verschlimmert wird?
#23 | Arnold Voß sagt am 10. Februar 2013 um 19:37
Mir wird das hier wieder etwas zu gutmenschig. Betrachten wir den Vorgang mal aus einer weniger herablassenden Perspektive. Armut macht nicht doof sondern erfinderisch. Wer einmal in Armut gelebt hat, und sei es nur in relativer, der weiß wovon ich spreche. Du willst da raus, du musst daraus. Für die Roma gilt beides in besonderer Weise.
Also machts du z.B. in subversiven Schrotthandel. Du sammelst systematisch das, was andere wegwerfen. Keine schöne Arbeit, denn du must anderer Leute Müll durchwühlen, in gewisser Weise ihren Unwillen zum Recycling mit Drecksarbeit wieder gut machen. Du wirst dafür schräg angesehen, vor allem wenn du in private Höfe eindringst, und immer wieder auch angeschissen und rausgeworfen.
Dann musst du das alles ja auch noch lagern, denn den Schrott den du sammelst kannst du nicht gleich wieder loswerden. Nicht an all die Gutverdiener hier in Deutschland. Du musst das Zeug zu den wirklich Armen schaffen, denn die geben dir auch noch was dafür. Gewinn lässt sich also nur dann machen, wenn du das Gesammelte günstig lagern kannst, denn der lange Transport lohnt nur, wenn auch die entsprechende Menge erreicht ist.
Da die Gewinnnspannen in dieser Art des Schrotthandels aber sowieso gering sind, musst du auch noch deine Arbeitskräfte sehr günstig pro Person unterbringen, d.h. möglichst viele Personen in einer Wohnung stecken und diese auch noch als infrastrukturelle Basis für weitere Mitarbeiter benutzen, sprich mögichst viel Energiekosten z.B. für Reinigung und Wäsche dort abschöpfen.
Zugleich nutzt die die gesamten Kellerräume als Lagerplatz, sprich du senkst die Lagerkosten dadurch auf Null, in dem du den Stauraum nutzt, der dir garnicht zusteht. Dabei setzt du darauf, dass das ganze möglichst lange von denen ertragen wird, denen er eigentlich zusteht bzw. die ihn als notwendige Durchgangsräume nutzen.
Natürlich hast du auch Leute im Unternehmen die gut Deutsch sprechen.Im Hause allerdings hast auf Grund der dort gegebenen unternehmerischen Zwänge natürlich Niemand untergebracht der dieser Sprache mächtig ist bzw. ist es besser, dass von den dortigen Mitarbeitern Niemand als sprachkundig gilt. Diskussion kannst du nämlich genau dort nicht gebrauchen.Sie könnten zu Kompromissen führen, die den sowieso schon knappen Unternehmensgewinn weiter schmälern.
Wenn die ganze Kiste dann auffliegt, weil den anderen Hausbewohner diese Art der Mitfinanzierung deines Schrotthandels einfach nicht mehr einsehen,oder aber so etwas passiert wie ein komplette Wohnungsüberschwemmung durch Übernutzung, dann verlagerst du blitzartig den Standort deiner Unternehmung samt der Mitarbeiter.
Das das hier Niemand falsch versteht: Das war keine moralische Standpauke gegen die Roma. Es war vielmehr der Versuch das Verhalten der Roma nicht von oben herab als Armuts- sondern aus ihrer Sicht als unternehmerisches Armutsbekämpfungsverhalten zu verstehen. Eine sich daraus ergebende systematische Rücksichtslosigkeit gegen die in ihren Augen reichen Hausbewohnern mit eingeschlossen.
Mag ja sein, dass ich mit allem oben Geschriebenen vertue. Und wenn das Jemand nachweisen kann, dann nehme ich die entsprechenden Kritik natürlich gerne an. Auch die entsprechenden Beschimpfungen der Gutmenschen. Aber diese eher unternehmerische Sicht der Dinge schien mir zu plausibel, als dass ich auf diesen Diskussionsbeitrag hätte verzichten wollen.
#24 | Links vom 04.03.2013 sagt am 5. März 2013 um 08:28
[...] Wie es sich mit Roma in einem Haus lebt | Ruhrbarone – Einen wunderbaren Artikel zu dem Thema gibt es auch bei den Ruhrbaronen. Eine Beschreibung des Lebens mit den Zuwanderen als Nachbarn. [...]