
Es gibt Meldungen, bei denen man sich zunächst fragt, ob man sie richtig gelesen hat. Neue Stadtbahnen in Dortmund – und keine Klimaanlage. Im Sommer 2026. In einer Zeit, in der uns Politiker im gefühlt täglichen Wechsel erklären, dass wir uns wegen des Klimawandels auf mehr Hitzetage einstellen müssen.
Willkommen im Ruhrgebiet!
Während andernorts längst darüber nachgedacht wird, wie öffentlicher Nahverkehr auch bei 30, 35 oder noch mehr Grad angenehm und attraktiv bleiben kann, setzt Dortmund offenbar lieber auf das gute alte Prinzip: Fenster auf und durch. Wer regelmäßig Stadtbahn fährt, darf sich also schon einmal daran gewöhnen, in den neuen Fahrzeugen nicht nur von A nach B, sondern nebenbei auch noch durch eine kleine Sauna zu reisen.
Das ist natürlich überspitzt. Aber leider nicht besonders weit von der Realität entfernt.
70 Millionen Euro gespart – und dafür geschwitzt
DSW21 hat Argumente. Sogar mehrere. Klimaanlagen hätten rund 70 Millionen Euro gekostet. Außerdem würden sie ungefähr sieben Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen. Und die meisten Fahrgäste seien ohnehin nur wenige Haltestellen unterwegs.
Klingt zunächst vernünftig. Bis man sich fragt, ob man solche Entscheidungen eigentlich auch treffen würde, wenn man den öffentlichen Nahverkehr wirklich als Zukunftsprojekt begreifen würde.
Denn natürlich ist eine Klimaanlage kein Luxusproblem, wenn draußen regelmäßig Hitzerekorde erreicht werden. Sie wird irgendwann zur Frage, ob Menschen den Nahverkehr als vernünftige Alternative zum Auto wahrnehmen – oder lieber selbst ins klimatisierte Fahrzeug steigen.
Aber immerhin: DSW21 räumt ein, dass der Verzicht eine „Komforteinbuße“ ist. Das ist vermutlich die elegante Unternehmensformulierung für: Liebe Fahrgäste, ihr schwitzt künftig eben ein bisschen mehr.
Die Metropole Ruhr schwitzt hinterher
Besonders schön wird die Geschichte, wenn man sie vor dem Hintergrund der großen Ruhrgebiets-Erzählung betrachtet. Metropole Ruhr! Zukunftsregion! Klimafreundliche Mobilität! Strukturwandel!
Und dann sitzt man in Dortmund in einer nagelneuen Stadtbahn und fühlt sich plötzlich wie im Nahverkehrsmuseum.
Genau hier liegt das eigentliche Problem. Es geht gar nicht nur um Klimaanlagen. Es geht um eine Mentalität, die im Ruhrgebiet leider immer noch erstaunlich weit verbreitet ist: Wir erklären ausführlich, warum etwas nicht geht, nicht finanzierbar ist oder nicht notwendig erscheint – und halten das anschließend für Zukunftspolitik.
Natürlich muss man mit Geld vernünftig umgehen. Natürlich verbrauchen Klimaanlagen Energie. Und natürlich können nicht sämtliche Wünsche der Fahrgäste erfüllt werden.
Aber eine Region, die seit Jahrzehnten vom Strukturwandel redet, sollte irgendwann auch einmal anfangen, entsprechend zu handeln.
Provinz mit Hochöfen im Herzen
Wer einmal etwas mehr von der Welt gesehen hat, erkennt den Unterschied ziemlich schnell. Moderne Städte machen sich Gedanken darüber, wie ihre Infrastruktur unter den Bedingungen der Zukunft funktionieren soll. Das Ruhrgebiet diskutiert dagegen häufig noch darüber, warum die Gegenwart leider nicht anders möglich ist.
Das ist das eigentlich Traurige an der Dortmunder Stadtbahn-Geschichte.
Man kann 70 Millionen Euro sparen. Man kann sieben Millionen Kilowattstunden Strom sparen. Man kann all das wunderbar begründen. Und trotzdem bleibt am Ende der Eindruck zurück, dass hier wieder einmal der Mangel verwaltet wurde, statt eine Region zukunftsfest zu machen.
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Auch im Rheinland wird geschwitzt.
Bei der Ruhrbahn haben die Busse alle eine Klimaanlage. Dagegen haben die Stadtbahnwagen B keine klimaanlage, sie lässt sich auch nicht nachrüsten.
Bei den Bussen von der Rheinbahn ist es auch nicht anders.
Bei den Stadtbahnen und Straßenbahnen ist der Anteil jedoch geringer. Nur etwa 18 Prozent der Schienenfahrzeuge besitzen eine Fahrgastklimaanlage. Weitere Fahrzeuge werden schrittweise modernisiert, wenn möglich, oder neu gekauft.
In Köln ist es ähnlich.
Generell kann aber gesagt werden, die Stadtbahnwagen B können nicht nachgerüstet werden, da die Fahrwerke für das höhere Gewicht nicht mehr tragen können da die Achsen zu schwach sind.
Das kann BO auch. Überregional präsentiert die kommunale Pressestelle stolz ihre zig Millionen Euro teuren Rigolen als Vorzeigestadt für Nachhaltigkeit – deren „Kanäle“ mittig in der Hattinger und vor Allem Castroper nicht nur regelmäßig vermüllen und zuwachsen, sondern möglicherweise der neuartigen Spezies Tigermücke eine neue Heimat bieten – wenn BO dann mal überschwemmt wird. Aktuell vertrocket sie ja eher. Während sich das Amt gleichzeitig mit dem Abholzen von Großbäumen auf erste Plätze hervortut – und dafür Jungbäume im Münsterland pflanzt. Wieso kommt dazu eigentlch nie eine Rcherche?
Ich gehe mal davon aus, dass die Stadtbahnwagen bestellt wurden, als die Ruhrbarone noch nicht gegen Klimakleber gehetzt haben, weil es die noch nicht gab, m.a.W. ist schon etwas her. Wahrscheinlich noch zu Zeiten, als die heutigen Hitzewellen bestenfalls bei Fachleuten, Grünen und bei den von den Ruhrbaronen so übel beleumdenden NGOs wie greenpeace ein Thema waren. Es scheint so, dass der Klimawandel und seine Folgen offensichtlich erst durch die Hitzewellen so richtig in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Bin gespannt, wann die ersten Schüler aus den aufgeheizten Schulgebäuden ohne Klimaanlagen strömen und den Verkehr v.a. in den Großstädten zum Erliegen bringen, um so auf ihre „Hitzenot“ aufmerksam zu machen. Früher gab es meiner Erinnerung nach „Hitzefrei“ wenn es um 11 Uhr 25 Grad hatte, die hat es heute aber auch gerne mal schon um achte.
Noch vor kurzem titelte ZON „Wir dürfen Klimaanlagen nicht den Rechten überlassen“.
Klimaanlagen galten als asozial und schädlich, da sie Komfortzonen zu Lasten des Klimas schaffen und den Willen den Klimawandel zu bekämpfen schwächen würden. Zur Erinnerung, das war bis vor kurzem auch Tenor der heute-Show.
Jetzt, da die eigene Bude aufbackt und die Luftsuppe im vollgeschwitzten ÖPNV unerträglich geworden ist, sind die anderen, die ewiggestrigen für die Inkommoditäten verantwortlich. Das ist dann wohl Ökoalzheimer.
Die Grünen im Rat haben sich immerhin so ehrlich gemacht, dazu zu bekennen damals den Entscheid mitgetragen zu haben.
Dann haben wir dazu noch eine blitzschnelle Verwaltung, die sich zügig auf sich ändernde Verhältnisse einzustellen weiß, und der Schlamassel ist fertig angerichtet.
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