2. Mai 1933: Nazis ermorden Gewerkschafter in Duisburg

Michael Rodenstock, *11.3.1885, von Faschisten am 2.5.1933 ermordet. Der Sitz der SPD Duisburg-Wanheimerort, das Michael-Rodenstock-Haus, ist nach dem ermordeten Genossen benannt.  Foto: Archiv Adolf Graber
Michael Rodenstock, *11.3.1885, von Faschisten am 2.5.1933 ermordet. Der Sitz der SPD Duisburg-Wanheimerort, das Michael-Rodenstock-Haus, ist nach dem ermordeten Genossen benannt.  Foto: Archiv Adolf Graber

Vor 20 Jahren habe ich, als ich noch Mitglied der SPD war, mit dem Genossen Adolf Graber (Dessen Vater im Widerstand war und im KZ Sachsenhausen starb.) auf der Website der SPD Duisburg-Wanheimerort einige eingescannte Fotos aus dieser Zeit dokumentiert. 

Heute jährt sich die Ermordung der Duisburger Gewerkschafter zum 87. Mal.

Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser wurden ermordet. Ihre Leichen wurden erst ein Jahr später im Hünxer Wald gefunden.

Ich zeige im Blog, zur Erinnerung an die ersten Opfer der Naziherrschaft, ein paar Fotos aus dieser Zeit.

Kein Vergeben, kein Vergessen!

Das erste Foto zeigt die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion in Duisburg, Das Bild stammt aus dem  Jahre 1931.

Sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion; Foto: Archiv Adolf Graber
Sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion; Foto: Archiv Adolf Graber

Vorne in der Mitte: Der Oberbürgermeister von Duisburg Karl Jarres (DVP), zweiter von rechts: Oskar Triebel (Duisburg-Wanheimerort, 13.1.1891 – 24.5.1965), nach der Befreiung vom Faschismus Ratsherr und Fraktionsvorsitzender der SPD. Bevor Oskar Triebel in die SPD wechselte, war er Mitbegründer des Spartakusbundes und der KPD. Oskar Triebel wohnte in Duisburg-Wanheimerort auf der Posener Straße: Nachbar meiner Großeltern. Oben links im Bild: Michael Rodenstock aus Duisburg-Wanheimerort.

Mit diesem Foto habe ich auch „private“ Erinnerungen: Nachdem die damalige History-Seite der SPD auch in den lokalen Medien erwähnt wurde, sprach mich meine Mutter im Jahre 2000, zu Weihnachten, an. Und konnte mich mit dem Tagebuch meiner Oma überraschen: Oskar Triebel und seine Familie waren Nachbarn der Familie meiner Mutter.

Meine Oma notierte Ende April 1933, sinngemäß: „Christa (Meine Mutter, Jahrgang 1927) hat heute bei Tisch gesagt, dass die Triebels die reichsten Leute in Deutschland seien. Ich habe nachgefragt, wie sie darauf käme. Sie antwortete, dass heute ein Braunhemd im Haus gewesen wäre und Frau Triebel gebeten hätte, beim Hissen der Hakenkreuzfahne für den 1. Mai zu helfen. Frau Triebel hat geantwortet, dass sie diese verfluchte Fahne nicht mal für 100 Millionen Reichsmark anfassen würde. Ich habe Christa gesagt, dass sie mit niemanden dadrüber sprechen darf, weil die Nazis Menschen umbringen. Und auch die Triebels dann sterben würden.“

Ermordet am 2. Mai 1933: Emil Rentmeister

Sozialistischer Jugendverband, Gruppe Duisburg: Am 01.05.1933 in Venlo.

Dritter von links: Emil Rentmeister (*12.12.1905,) am darauffolgenden Tag, den 02.05.1933 (Zerschlagung der freien Gewerkschaften) wurde er von den Nazis ermordet.

Emil Rentmeister, dritter von links; Foto: Archiv Adolf Graber
Emil Rentmeister, dritter von links; Foto: Archiv Adolf Graber

Andere Fotos aus den Jahren 1931 – 1933

Der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war der Gegenpol zu den kommunistischen und nationalsozialistischen Milizen, denen die Weimarer Republik verhasst war.

Hier sind Mitglieder des Reichsbanners Wanheimerort (Vorsitzender: Michael Rodenstock) auf einem Foto aus dem Jahre 1931 zu sehen.

Reichbannerkameradschaft Wanheimerort (1931)
Reichbannerkameradschaft Wanheimerort (1931)

Der Ausschließungsschein des Vaters von Adolf Graber, Adolf Graber Senior. Politische Häftlinge wurden mit diesem Schein für „wehrunwürdig“ erklärt:

Ausschließungsschein; Foto: Archiv Adolf Graber
Ausschließungsschein; Foto: Archiv Adolf Graber

Ein Foto aus dem Wahlkampf 1932: Dieses Bild entstand im Umfeld einer SPD-Kundgebung zur Reichstagswahl.

Kundgebung der SPD am 30. Juni 1932 im Stadion Hamborn: Vorrne, 2. von rechts: Michael Rodenstock. Foto: Archiv Adolf Graber
Kundgebung der SPD am 30. Juni 1932 im Stadion Hamborn: Vorrne, 2. von rechts: Michael Rodenstock. Foto: Archiv Adolf Graber

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2 Kommentare

  1. #1 | Barbara Laakmann sagt am 3. Mai 2020 um 14:59 Uhr

    Danke für die vielen Fotos und die persönlichen Erinnerungen.
    Im Mai 1984 haben wir die damalige Hauptschule Gitschiner Straße umbenannt in
    Emil-Rentmeister-Schule. Leider ist mit dem Schließen der Hauptschule auch der Name als lebendige Erinnerung verschwunden.

  2. #2 | Werner Bergmann: Die Geschichte machten Helden und Schurken im Ruhrgebiet | Ruhrbarone sagt am 31. Juli 2020 um 16:13 Uhr

    […] a) ein ehemals populärer Fußballer war, der b) in meiner direkten Nachbarschaft – hier in Wanheimerort – aufgewachsen […]

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