Dortmund zeigt, wie rückständig das Ruhrgebiet ist – Willkommen im Hitzetest der DSW21

Der Hauptbahnhof in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Meldungen, bei denen man sich zunächst fragt, ob man sie richtig gelesen hat. Neue Stadtbahnen in Dortmund – und keine Klimaanlage. Im Sommer 2026. In einer Zeit, in der uns Politiker im gefühlt täglichen Wechsel erklären, dass wir uns wegen des Klimawandels auf mehr Hitzetage einstellen müssen.

Willkommen im Ruhrgebiet!

Während andernorts längst darüber nachgedacht wird, wie öffentlicher Nahverkehr auch bei 30, 35 oder noch mehr Grad angenehm und attraktiv bleiben kann, setzt Dortmund offenbar lieber auf das gute alte Prinzip: Fenster auf und durch. Wer regelmäßig Stadtbahn fährt, darf sich also schon einmal daran gewöhnen, in den neuen Fahrzeugen nicht nur von A nach B, sondern nebenbei auch noch durch eine kleine Sauna zu reisen.

Das ist natürlich überspitzt. Aber leider nicht besonders weit von der Realität entfernt.

70 Millionen Euro gespart – und dafür geschwitzt

DSW21 hat Argumente. Sogar mehrere. Klimaanlagen hätten rund 70 Millionen Euro gekostet. Außerdem würden sie ungefähr sieben Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen. Und die meisten Fahrgäste seien ohnehin nur wenige Haltestellen unterwegs.

Klingt zunächst vernünftig. Bis man sich fragt, ob man solche Entscheidungen eigentlich auch treffen würde, wenn man den öffentlichen Nahverkehr wirklich als Zukunftsprojekt begreifen würde.

Denn natürlich ist eine Klimaanlage kein Luxusproblem, wenn draußen regelmäßig Hitzerekorde erreicht werden. Sie wird irgendwann zur Frage, ob Menschen den Nahverkehr als vernünftige Alternative zum Auto wahrnehmen – oder lieber selbst ins klimatisierte Fahrzeug steigen.

Aber immerhin: DSW21 räumt ein, dass der Verzicht eine „Komforteinbuße“ ist. Das ist vermutlich die elegante Unternehmensformulierung für: Liebe Fahrgäste, ihr schwitzt künftig eben ein bisschen mehr.

Die Metropole Ruhr schwitzt hinterher

Besonders schön wird die Geschichte, wenn man sie vor dem Hintergrund der großen Ruhrgebiets-Erzählung betrachtet. Metropole Ruhr! Zukunftsregion! Klimafreundliche Mobilität! Strukturwandel!

Und dann sitzt man in Dortmund in einer nagelneuen Stadtbahn und fühlt sich plötzlich wie im Nahverkehrsmuseum.

Genau hier liegt das eigentliche Problem. Es geht gar nicht nur um Klimaanlagen. Es geht um eine Mentalität, die im Ruhrgebiet leider immer noch erstaunlich weit verbreitet ist: Wir erklären ausführlich, warum etwas nicht geht, nicht finanzierbar ist oder nicht notwendig erscheint – und halten das anschließend für Zukunftspolitik.

Natürlich muss man mit Geld vernünftig umgehen. Natürlich verbrauchen Klimaanlagen Energie. Und natürlich können nicht sämtliche Wünsche der Fahrgäste erfüllt werden.

Aber eine Region, die seit Jahrzehnten vom Strukturwandel redet, sollte irgendwann auch einmal anfangen, entsprechend zu handeln.

Provinz mit Hochöfen im Herzen

Wer einmal etwas mehr von der Welt gesehen hat, erkennt den Unterschied ziemlich schnell. Moderne Städte machen sich Gedanken darüber, wie ihre Infrastruktur unter den Bedingungen der Zukunft funktionieren soll. Das Ruhrgebiet diskutiert dagegen häufig noch darüber, warum die Gegenwart leider nicht anders möglich ist.

Das ist das eigentlich Traurige an der Dortmunder Stadtbahn-Geschichte.

Man kann 70 Millionen Euro sparen. Man kann sieben Millionen Kilowattstunden Strom sparen. Man kann all das wunderbar begründen. Und trotzdem bleibt am Ende der Eindruck zurück, dass hier wieder einmal der Mangel verwaltet wurde, statt eine Region zukunftsfest zu machen.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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