
Eine israelisch-deutsche Familie verlässt Köln und zieht nach Israel. Von unserem Gastautor Adyan Schneider.
Julia – der Name ist anonymisiert – ist eine Engagierte. Eine Nette. Sie passt(e) in ihrer offenen Art zu Köln. Sie hatte einen Israeli geheiratet, hat mit ihm drei kleine Kinder und engagiert sich sehr für eine jüdische Offenheit und Präsenz. Und für die Menschen in Israel. Die Mittvierzigerin versucht ihren drei kleinen Kindern Weltoffenheit, Neugierde und jüdische Traditionen zu vermitteln.
Die studierte Psychologin arbeitete in Köln in einem guten Job in verantwortlicher Position. Aber nun hat sie genug von dem öffentlichen, regelmäßig dokumentierten Hass und den fortgesetzten, auch persönlich gegen sie gerichteten Bedrohungen. Antisemitismus ist für sie inzwischen eine regelmäßig, persönlich erlebte Erfahrung. Dass die organisierten Judenhasser in Köln, von denen einige der Kölner Linkspartei und deren Jugendorganisation zuzurechnen sind und von denen ein weiterer Teil auch nachweislich aus dem Umfeld von Samidoun stammen, hierdurch ihr Ziel erreicht hat, ist Julia bewusst. Dennoch: Sie und ihre Familie haben deshalb soeben Köln verlassen und sind nach Israel gegangen – trotz des dort noch andauernden Krieges.
Vor allem möchte Julia ihre drei kleinen Kinder nicht unter den Bedingungen solchen Hasses aufwachsen lassen. Das weiterhin von Raketenterror bedrohte Israel ist da, auf Dauer gesehen, doch ein friedlicherer Ort, hofft die deutsch-israelische Familie. Unmittelbar vor ihrer Übersiedlung gab Julia dem WDR ein Interview, in dem sie die Gründe für ihre Übersiedlung nach Israel darlegte.
Engagement für die Geiseln
Nach dem barbarischen, über Jahre geplanten Hamas-Pogrom des 7. Oktober 2023 engagierte Julia sich bei dem wöchentlichen run für die Geiseln. Die Rettung der 250 unschuldigen Geiseln war ihr eine Herzenzangelegenheit – im Wissen darum, dass dabei auch Hunderte von palästinensischen Verbrechern, von Mördern freikommen. Auch hierbei war Julia wichtig: Gesicht zeigen. Persönlich für die liberalen jüdischen Werte und für jüdisches Leben in Köln eintreten. Sich nicht einschüchtern lassen. Hierdurch ein Vorbild für ihre jüdischen Kinder sein. Zivilcourage zeigen. Damit ist es nun vorbei.
Immer verstörender für sie wurde in den letzten Jahren die – gesellschaftlich zugelassene – Gegenwärtigkeit von vulgärstem Judenhass seit dem 7.10.2023. Immer wieder wurden auch in Köln, gerade in ihrem „multikulturellen“, migrantischen Köln-Ehrenfeld, wo sie mit ihren Kindern und ihrem israelischen Mann lebte, Juden als Ratten dargestellt. Immer wieder wurden auf Stolpersteinen hinterlegte Blumen schon nach wenigen Stunden zerstört, wurden Gedenkkerzen umgestürzt. Und es wurde, auch in Köln, auf den antisemitischen Hass-Kundgebungen regelmäßig zur Intifada aufgerufen.
Die Intifada war für Julia keine abstrakte, ferne, sondern eine unmittelbare, verstörende Erfahrung: Ihr Mann, der in dieser Zeit in Israel studiert hat, kennt Menschen, die während der Intifada ermordet wurden, erzählte sie unmittelbar vor ihrer Übersiedlung nach Israel dem WDR. In dem Interview tritt sie bewusst, zum Schutz ihrer Kinder, nur anonymisiert auf. Und den Kindern hat das Paar nichts von den wahren Gründen ihrer Übersiedlung nach Israel erzählt. Sie wünschen, dass ihre Kinder Köln und Deutschland weiterhin als ein positives Land wahrnehmen und erinnern.
Das Versagen der Kölner Justiz
Letztlich ausschlaggebend für Julia war jedoch die zutiefst verstörende Erfahrung, dass auch die Kölner Justiz, der Rechtsstaat, dem sie vertraute, keinen Schutz mehr bietet: Mehrfach wurde sie im Umfeld ihrer Wohnung bedroht. Teile der gewaltaffinen Kölner, sich wöchentlich in bewusst einschüchternder Weise inszenierenden „Paliszene“ rund um die antisemitische sogenannte „Palästinasolidarität“ bedrohen fortgesetzt Israelfreunde und Juden. Der Klau von Israelfahnen ist bei solchen Demonstrationen eine alltäglich Routine.
Einmal wurde Julia eine „Kopf-ab-Geste“ gezeigt: Man werde sie, wie beim Pogrom der Hamas am 7.10. grausamst Hundertfach in die Tat umgesetzt, ermorden. Sie zeigte den Täter an. Das Gericht wertete dies als Nase-Jucken – und sprach den Mann frei. Danach zerbrach in Julia das Grundvertrauen auf die Schutzfunktion der Demokratie und der Justiz. Und weitere Kölnerinnen mit jüdischem Hintergrund überlegen, nach Israel zu gehen.
Der Artikel erschien bereits bei Hagalil
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