
Bild: Casp, Berlin skyline 2009w, PFLP added, Wikimedia Commons
Ehrlich gesagt, hatte ich mich schon beinahe an das jammernde Ritual meines Mitfranken Markus S. über die jährlich fällige 12-Mrd.-Berlin-Stütze gewöhnt. Man bekommt dafür ja tolle Alleebäume, echte Blackout-Übungen, und lustige Pentests an ungeschützten Behördennetzen geliefert. Außerdem kann ich dort im Kiez-Café kiffen und es gibt Super Köfte. Die Mieten sind allerdings inzwischen bald teurer als in Bamberg[1]. Aber diese (nicht ganz so neue) Designer-Mischung vom Kotti jetzt knallt schon heftig:
Man nehme die Wahlparty der siegestrunkenen Berliner Linkspartei, füge radikalen Anti-Israel-Aktivismus, offene Sympathien für verbotene Terrorbanden und das Who-is-Who der arabischstämmigen Clan Kriminalität dazu. Fertig ist das Biotop einer Politik, die über die Jahre von Berliner Charme plus Döner und traditioneller 1. Mai-Randale zur Rocky Horror Picture Show mutierte.
Während aktuell die Anwesenheit von Clan Größen wie Issa Remmo auf der Veranstaltung die Schlagzeilen dominiert, lohnt der Blick auf einen Gast, der tiefer in die ideologische Scharnierfunktion der neuen Linkspartei blicken lässt: der pro-palästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim. Wer sich genauer anschaut, was da seit Jahren im Berliner Unterholz agiert, kriegt ein präzises Bild davon, wie fließend die Übergänge zwischen politischem Extremismus und organisierten Milieus tatsächlich sind und stößt auf ein Geflecht aus Vorfeldorganisationen und ideologischer Radikalisierung.

Bild: Tiktok @arakichaker
Der Aktivist und die PFLP-Verbindung
Ibrahim ist kein unbeschriebenes Blatt, auch wenn seine Hintergründe in der breiteren Öffentlichkeit selten tiefer gehend beleuchtet werden. Er tritt nicht nur als langjähriger Akteur und offizieller Demo-Anmelder auf, sondern ist fest im Dunstkreis der sogenannten Demokratischen Komitees Palästinas[2] verankert. Kenner der Szene und Beobachter wie das Recherche-Zentrum democ[3] ordnen ihn unmissverständlich dem Unterstützermilieu der PFLP zu – der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“. Zur Erinnerung: Die PFLP ist in der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft[4]. Ihr ideologisches Fundament speist sich aus Marxismus-Leninismus und bewaffnetem Kampf, ihr erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels und die Beseitigung des jüdischen Staates.
Die „Demokratischen Komitees Palästinas“ und ähnliche Strukturen fungieren als operative Drehscheibe in Berlin: Sie organisieren Veranstaltungen, steuern die Mobilisierung für Demonstrationen und bieten einen Resonanzraum, in dem radikale Positionen salonfähig gemacht werden. Wenn ein solcher Protagonist bei Kundgebungen das Mikrofon führt oder – wie im Sommer 2025 vor dem Auswärtigen Amt[5] – von Organisationen wie Amnesty International als Redner auf eine Bühne gehoben wird, zeigt das die erschreckende Normalisierung dieses Milieus. Da wird der offene Terror-Support unter dem Deckmantel zivilgesellschaftlichen Protests gewaschen, flankiert von der Ausrede diverser NGOs, man müsse solche Stimmen vor angeblichen Repressionen schützen.

Bild: democ.de
Organize Classwar, Destroy Israel
Dass auf der Wahlparty Figuren wie Ibrahim auftauchten und dort – wie Fotos dokumentieren – im direkten Umfeld von LINKE-Parteivertretern zu sehen waren, ist kein Betriebsunfall. Im Zentrum dieser Verflechtungen stehen lokale Funktionäre wie der Neuköllner-Co-Vorsitzende Hermann Nehls, der Ibrahim bereits in der Vergangenheit auf parteiinternen Veranstaltungen – wie vor dem Neuköllner Rathaus – herzlich ans Mikrofon bat und erklärte: „Ich freue mich sehr, dass Ibrahim jetzt zu uns spricht.“
Die Linksjugend [’solid] liefert die laute Begleitmusik und verteilt Sticker mit Kalaschnikow-Motiv, dem Aufruf zum „Class War“ und einer Palästina-Flagge an Schüler [6]. Die Aktion fand direkt im Anschluss an ein Schulpodium statt, bei dem zuvor die Neuköllner Linken-Direktkandidatin Emmi Stiegler gesprochen und die Parole „Free Palestine“ verwendet hatte.
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Solche Szenen offenbaren einen jahrelang gewachsenen, informellen Resonanzraum in den Berliner Bezirken, in dem sich radikale Akteure und linke Parteistrukturen bewusst überschneiden.
Auf den ersten Blick mögen die Motivationen variieren: In den Kiezen von Neukölln und Kreuzberg beanspruchen kriminelle Großfamilien seit Jahren informelle Hoheitsrechte. Politisch aufgeladene, radikale Milieus finden dort ein unkritisches, oft schützendes oder schlicht freundliches Umfeld. Man teilt die Feindbilder, man arrangiert sich, man operiert in denselben subkulturellen Szenen – bis hin zu jenen Schaltstellen, an denen Parteijugend, Funktionäre wie Nehls und Akteure aus dem extremistischen oder kriminellen Unterholz nahtlos ineinandergreifen. Den Aktivisten treibt ein fanatischer Israel-Hass an, während das Clan-Milieu primär in seinen eigenen kriminellen Bahnen operiert. Die Berliner LINKE betreibt Enteignungs-Folklore und gibt sich traditionell sozialpopulistisch bis grossmäulig. Die Jugend organisiert den Strassenkampf. Alle auf einem gemeinsamen Nenner: die tiefe Verachtung für den Rechtsstaat und die offene Gesellschaft.
Wenn Strukturen verschwimmen
Wenn Parteistrukturen über Jahre hinweg nie klare Grenzen gezogen haben und Funktionäre sich zunehmend offen mit solchen Akteuren gemein machen, wird das Problem offenkundig. Zwar hieß es von parteioffizieller Seite prompt, man habe ungebetene Gäste wieder vor die Tür gesetzt. Aber das ist Schadensbegrenzung nach dem Eklat. Wer Extremisten jahrelang gewähren lässt, sie in bürgerliche Bündnisse einbindet oder auf Veranstaltungen duldet – sogar einlädt, darf sich nicht wundern, wenn das Milieu längst nicht mehr nur Teil des eigenen schönen Berliner Hinterhofes ist. Sondern beginnt, die Öffentlichkeit zu dominieren. Und wenn deshalb Teile von Berlin für jüdische Bürger oder pro-israelische Aktivisten No-Go-Areas werden.
Hier wächst zusammen was zusammengehört: Linksextremisten, radikale als “Antizionisten” maskierte Antisemiten und kriminelle Strukturen verschmelzen zu einem, inzwischen auch in der Berliner Politik bestens vernetzten, Biotop, das prächtig gedeiht, solange die Verantwortlichen wegschauen.
Quellen:
[1] https://share.gemini.google/jMCtFY39RnDs
[2] https://www.israelnetz.com/palaestinensische-terrorgruppe-laesst-sich-in-berlin-feiern
[4] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-979156
[5] https://democ.de/artikel/pflp-amnesty-kundgebung/
[7] https://democ.de/artikel/pflp-amnesty-kundgebung