Waltrop ist pleite – aber für Blödsinn reicht das Geld

Dauerbaustelle in Waltrops Innenstadt Mitte Oktober 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Manchmal muss man gar nicht weit fahren, um zu erleben, wie herrlich öffentliche Fördergelder verpulvert werden können. Ein Spaziergang durch die Waltroper Innenstadt reicht völlig. Meine Heimatstadt ist seit Jahren chronisch klamm, finanziell kaum noch handlungsfähig und auf Fördermittel angewiesen.

Doch statt sich auf das zu konzentrieren, was wirklich notwendig wäre, wird nun einmal mehr ein Projekt zum Ärgernis, das immer mehr Bürger und Geschäftsleute zur Verzweiflung treibt.

Aus einem völlig intakten Kiepenkerl-Brunnen, der vielen Waltropern über Jahrzehnte ans Herz gewachsen ist, soll eine schicke „Klimainsel“ werden. Fortschritt nennt man das vermutlich im Rathaus. Ich frage mich dagegen: Wer hat eigentlich beschlossen, dass ein funktionierender Brunnen plötzlich ein Problem ist, das unbedingt mit Steuergeld beseitigt werden muss?

Fördergeld macht offenbar blind

Natürlich verstehe ich, dass Städte Fördermittel nutzen müssen, wenn ihnen selbst das Geld für dringend notwendige Investitionen fehlt. Doch genau hier beginnt der Irrsinn. Offenbar wird nicht mehr zuerst gefragt, was eine Stadt wirklich braucht. Stattdessen scheint die entscheidende Frage zu lauten: Für was gibt es gerade Geld?

So entstehen Projekte, die sich ohne Zuschüsse kaum jemand ausdenken würde. Ein beliebter Brunnen wird geopfert, während anderswo Schlaglöcher, marode Gebäude und andere dringende Baustellen auf ihre Sanierung warten. Hauptsache, das Ergebnis klingt modern, klimafreundlich und lässt sich in einer Fördermittelabrechnung gut verkaufen.

Dass Waltrop finanziell seit Jahren auf der letzten Rille läuft, sich vor wenigen Jahren nicht einmal mehr das Wasser für die vorhandenen Brunnen leisten konnte, macht diese Prioritätensetzung nicht gerade überzeugender.

Seit Februar wird die City zur Geduldsprobe

Besonders ärgerlich ist allerdings, dass die Bauarbeiten im Zentrum seit Februar andauern und selbst Mitte Oktober ein Ende noch immer nicht absehbar ist. Etliche Verzögerungen waren schon zu verkraften. Was als städtebauliche Aufwertung verkauft wurde, entwickelt sich für die verbliebenen Geschäfte zunehmend zum Albtraum. Die Hilferufe der Händler werden lauter, der Unmut der Bürger wächst.

Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um zu verstehen, dass eine Innenstadt, die ohnehin ums Überleben kämpft, monatelange Baustellenbelastungen kaum gebrauchen kann. Wer soll dort noch einkaufen, bummeln oder spontan etwas erledigen, wenn die City zur Dauerbaustelle wird?

Natürlich lassen sich Bauarbeiten nicht immer reibungslos erledigen. Aber irgendwann muss sich eine Verwaltung fragen lassen, ob ihre Planung noch stimmt und welche Folgen ihre Entscheidungen für die Menschen vor Ort haben. Eine schöne Wasser- bzw- Grünlandschaft in der City nützt wenig, wenn ringsherum die Geschäfte verschwinden.

Wer bezahlt am Ende die Rechnung?

Der ‚alte‘ Kiepenkerl-Brunnen im Oktober 2024.

Das Waltroper Beispiel ist deshalb mehr als eine ärgerliche lokale Posse. Es zeigt, wie ein fehlgeleitetes Fördersystem kommunale Fehlentscheidungen begünstigen kann. Wenn Geld für aufwendige Prestigeprojekte leichter zu bekommen ist als für schlichte, dringend benötigte Reparaturen, läuft etwas grundsätzlich falsch.

Fördermittel sollten Städten helfen, ihre Probleme zu lösen – nicht ihnen neue bescheren. Und sie dürfen kein Freibrief dafür sein, den gesunden Menschenverstand an der Rathaustür abzugeben.

Ich würde mir wünschen, dass in Waltrop endlich wieder stärker danach entschieden wird, was den Bürgern tatsächlich nutzt. Vielleicht wäre es manchmal klüger, einen funktionierenden Brunnen einfach stehen zu lassen, statt ihn mit viel Aufwand durch etwas vermeintlich Fortschrittlicheres zu ersetzen.

Denn wenn am Ende die Geschäfte dichtmachen und die Innenstadt weiter ausblutet, kann sich die Stadt ihre hippe Klimainsel zwar hübschreden. Lebendiger wird Waltrop dadurch noch lange nicht.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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2 Comments
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Alf
Gast
Alf
14 Minuten vor

Zum Thema Brunnen fällt mir folgendes ein.
In der Mülheimer innenstadt sind an die 20 Brunnen. Wasser ist auch genügend vorhanden. Obwohl die Stadt auch mehr oder weniger Pleite ist.

Zu den bekanntesten Brunnenanlagen im direkten Stadtzentrum gehören unter anderem der Hajek-Brunnen der historische Kortum-Brunnen, die Dröppelminna.

Was denn Klimaschutz, so wie eine Klimainsel betrifft. Mülheim ist in der glücklichen Lage das ist, dass die innenstadt direkt an der Ruhr liegt. Mit der Folge, dass man dort einen Tretboothafen bauen mußte. Für viel Geld, sicherlich auch mit Fördergelder.

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