Frankreich: Die Ausweitung der Kampfzone

Ausschreitungen und Plünderungen am 17.10.2026 in Paris. oto: Jorge Jaramillo / JJxFile.com, via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Ausschreitungen und Plünderungen am 17.10.2026 in Paris. Foto: Jorge Jaramillo / JJxFile.com, via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Die gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich weisen erschreckende Parallelen zu Michel Houellebecqs Dystopie „Unterwerfung“ auf. Was der französische Schriftsteller als düstere Zukunftsvision entwarf, scheint angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in Teilen bereits Realität zu werden. Auch in Deutschland zeigen sich bedenkliche Überschneidungen zwischen linken Gruppierungen und islamistischen Milieus. Lässt sich diese Entwicklung noch aufhalten?

Am 7. Januar 2015 erschien Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ (im Original „Soumission“). Am selben Tag ereignete sich der islamistische Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris. Da Houellebecq auf dem aktuellen Cover des Magazins karikiert wurde und einer seiner Freunde bei dem Anschlag getötet wurde, brach der Autor seine Promotion-Tour ab und begab sich unter Polizeischutz.

In „Unterwerfung“ geht es um Frankreich in der damals nahen Zukunft. 2022 gewinnt der fiktive Kandidat einer gemäßigten islamischen Partei die Präsidentschaftswahlen. Unterstützt wird er von den linken Parteien und von einigen konservativen Parteien, um einen Sieg des rechtsextremen „Front National“ zu verhindern.

Der Protagonist François ist ein desillusionierter, einsamer Literaturwissenschaftler an der Universität Paris-Sorbonne, der sich in einer tiefen Sinnkrise befindet. Nach dem politischen Umbruch wandelt sich die französische Gesellschaft. Die Universität wird islamisiert, das Patriarchat und die Polygamie werden eingeführt. Am Ende entscheidet sich François schließlich, zum Islam zu konvertieren, um seine akademische Karriere zu retten und von den neuen Privilegien zu profitieren.

Houellebecq zeichnet weniger ein Schreckensszenario des Islams, sondern kritisiert vor allem die angebliche geistige Erschöpfung, Dekadenz und moralische Leere der westlichen liberalen Gesellschaft, die laut dem Roman keinen Widerstand mehr leistet und sich freiwillig unterwirft.

Nichtsdestotrotz wurde das Buch heftig kritisiert. Der damalige französische Premierminister Manuel Valls warf dem Buch vor, Ängste vor einer Islamisierung zu schüren, Vorurteile zu bedienen und der politischen Rechten intellektuelle Argumente zu liefern.

Während meiner Zeit an der Universität saß ich eines Morgens in einem Seminarraum und wartete auf den Beginn einer Veranstaltung, als sich zwei Kommilitonen neben mir über „Unterwerfung“ unterhielten. Das Buch sei rassistisch, und überhaupt sei der Autor ein „Fascho“. Da ich an die inflationäre Verwendung solcher Begriffe an der geisteswissenschaftlichen Fakultät gewohnt war, wurde mein Interesse dadurch erst recht geweckt. Häufig fand ich Autoren, Texte und Artikel gut, die den linken Studenten vor Wut Schaum vor den Mund trieben.

Wenig später kaufte ich mir „Unterwerfung“ und las es innerhalb weniger Tage. Von Seite zu Seite stieg in mir ein Unbehagen, das ich beim Lesen von Belletristik bisher nicht kannte. Immer mehr erkannte ich Parallelen zwischen der Geschichte und der Realität. Bis heute gehört es zu den Büchern, die mich am meisten geprägt haben.

Dystopie und Wirklichkeit

Die Haupthandlung – die Machtübernahme Frankreichs durch eine islamische Partei – ist weder 2022 noch in der Zeit danach bis heute eingetreten. Dennoch spiegeln viele gesellschaftliche Entwicklungen im Buch die Realität wider. Im Roman verbünden sich die Sozialisten, die bürgerliche Rechte und muslimische Kräfte, um den Sieg von Marine Le Pen im zweiten Wahlgang zu verhindern. Dies ist exakt die politische Dynamik, die im heutigen Frankreich entstanden ist.

Auch hierzulande lassen sich politische Vorgänge beobachten, die der Situation in Frankreich ähneln. Da das deutsche Wahlsystem (Verhältniswahlrecht) völlig anders funktioniert als das französische (Mehrheitswahlrecht mit Stichwahl), lässt sich die Situation nicht einfach auf Deutschland übertragen. Eine direkte „Mehrheitenkoalition“ existiert nicht, aber das Prinzip der überparteilichen Allianzen gegen Rechtspopulisten ist als „Brandmauer“ bekannt.

Was den „Islamogauchisme“, die Allianz aus der politischen Linken und dem Islam, angeht, so braucht man nur auf die Ereignisse rund um die Berliner Abgeordnetenhauswahl und die Partei „Die Linke“ zu verweisen. Längst existiert ein Bündnis zwischen der parlamentarischen Linken, linksextremen Gruppierungen und dem islamischen bis islamistischen Milieu. Die Verbindungen der Berliner Linkspartei reichen von Beziehungen zu Clanoberhäuptern bis hin zu Vorfeldorganisationen „palästinensischer“ Terrororganisationen wie der „PFLP“.

Was diese beiden ungleichen Kollektive verbindet, ist der Ruf nach einem „freien Palästina“, der seit nunmehr mehreren Jahren zum Stadtbild jeder größeren Stadt in Europa gehört, sowie der damit verbundene Hass auf den Westen. Dieser äußert sich seit einigen Tagen in Ausschreitungen in französischen Städten. Ausgehend von Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem eskalierte die Situation in mehreren Großstädten zu massiver Gewalt, Plünderungen und Brandstiftungen. Die Demonstrationen wurden von linksradikalen Aktivisten und migrantischen Jugendbanden gekapert. In Paris wurden ganze Straßenzüge methodisch verwüstet, Barrikaden errichtet, Autos angezündet und Läden geplündert. Bisher wurden ca. 2.300 Randalierer festgenommen und fast 1.000 Polizisten verletzt. Der bisher angerichtete Schaden wird auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt.

Ein besonders widerlicher Vorfall betraf ein betagtes Ehepaar, das während der Krawalle von einer Gruppe eingekreist und beraubt wurde. Es wurden nicht nur Geld, Schmuck und persönliche Wertsachen gestohlen, sondern den Senioren auch die Kleidung, die sie am Leib trugen, gewaltsam entrissen, sodass die beiden gedemütigt in Unterwäsche auf der Straße standen. In den sozialen Medien kursieren mehrere Videos, die am Boden zerstörte Ladenbesitzer zeigen, deren Geschäfte komplett verwüstet wurden. Die Existenz vieler solcher Ladenbetreiber, von denen viele der migrantischen Bevölkerung angehören, wurde innerhalb weniger Stunden vernichtet.

Obwohl das Ausmaß der Zerstörung auf zahlreichen Videos für jedermann sichtbar ist und obwohl der absolute Großteil der Randalierer klar als junge Männer mit islamischem Migrationshintergrund zu erkennen ist, sprach man in den deutschen Medien lange von „Schülerprotesten“. Auch wenn die Proteste und Krawalle von „Palästina“-Fahnen und pro-„palästinensischen“ Sprechchören geprägt waren, wurde dieser Umstand in der Berichterstattung kaum thematisiert.

Frankreich als Vorbild?

Ines Schwerdtner, die Vorsitzende der Partei „Die Linke“, bezeichnete die Proteste in Frankreich als „Ausdruck einer berechtigten Frustration der Bevölkerung“. In einem gemeinsamen Instagram-Beitrag mit dem Account ihrer Partei erklärte sie am 8. Oktober 2026: „Frankreich zeigt, wie Widerstand geht.“

 

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Und tatsächlich fanden am vergangenen Wochenende bereits von den Protesten in Frankreich inspirierte Demonstrationen in Deutschland statt. Die Partei „Die Linke“ rief zu einer Demo in Berlin auf, um sich mit den „Schülerprotesten“ in Frankreich zu solidarisieren. Laut dem Tagesspiegel sei die Resonanz überschaubar geblieben, und Jugendliche hätten sich kaum beteiligt. Außerdem fanden Blockaden an zwei Berliner Gymnasien statt. Auch hier wurden „Palästina“-Fahnen geschwenkt, und es mischten sich Personen aus dem linken Spektrum unter die Schüler.

Eine Anfrage an Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Partei „Die Linke“ für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, wie sie die Situation rund um die Ausschreitungen in Frankreich beurteile und ob sie sich ähnliche Zustände auch in Deutschland wünsche, blieb bisher unbeantwortet.

„Palästina“ in Europa

Die Geschehnisse in Frankreich zeigen, wie ein freies „Palästina“ aussehen würde, für das das linke Lager seit Jahren gemeinsam mit islamischen Kräften eintritt. Es offenbart sich ein unbändiger Hass auf den Westen. Die Länder, die die Randalierer oder deren Eltern mit offenen Armen empfangen haben und ihnen ein Leben boten, das in ihren Herkunftsländern undenkbar wäre, werden nun zum Ziel blinder Zerstörungswut.

Wobei „blind“ nicht ganz zutreffend ist. Angreifer drangen auch in eine Synagoge in Paris ein und verwüsteten sie. In Marseille wurden mehrere jüdische Geschäfte in Brand gesteckt. Der Journalist Paul Amar sprach von gezielten Angriffen.

Es bleibt zu hoffen, dass Houellebecqs Dystopie nicht vollkommen zur Realität wird. Ein Blick auf die politischen Gegebenheiten lässt aber wenig Raum für Optimismus.

 

In der App öffnen Autorenseite: Andreas Wolf
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